Krampfadern

Krampfadern und Bandage.
Kompressionsstrümpfe oder Bandagen üben von außen Druck auf die Venen aus und wirken so der Ausdehnung der Gefäße entgegen. (hriana - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gefäße
Krampfadern (Varizen) sind unregelmäßig geschlängelte Venen, die direkt unter der Hautoberfläche sichtbar sind. Sie entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr korrekt funktionieren. Anstatt das venöse Blut zur Körpermitte in Richtung Herz durchzulassen, fließt es zurück in Beine und Haut.

Dort staut sich das Blut und bildet in den Venen sackartige Erweiterungen: die Krampfadern. Verursacht werden sie häufig durch langes Stehen, viel Sitzen, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie durch Vererbung. Je nach Durchmesser der Krampfadern und ihrem Auftreten an oberflächlichen oder tiefen Venen werden 3 Krankheitsstadien unterschieden. Die leichteste Form, die Besenreiser, sind nur von kosmetischer Bedeutung und müssen im Gegensatz zu den Stammvarizen nicht behandelt werden. Viel Bewegung (Joggen, Schwimmen und Radfahren) und das Hochlagern der Beine sind wichtige vorbeugende Maßnahmen. Krampfadern können auch in den Hoden, im After, während der Schwangerschaft und an der Speiseröhre auftreten.

Wie häufig treten Krampfadern auf?

Die oberflächlichen Krampfadern, die sogenannten Besenreiser, sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Im Schnitt sind etwa 3 von 5 Österreichern betroffen. Sie sind nur von kosmetischer Bedeutung und bedürfen keiner Behandlung.

In den großen Venenstämmen tritt die Gefäßschädigung hingegen seltener auf. Hiervon sind etwa 15 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen und müssen ärztlich behandelt werden.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Venen sind Blutgefäße, die sauerstoffarmes Blut von den Organen und den Extremitäten zum Herzen befördern. Dafür fließt das venöse Blut von den oberflächlichen Venen in die tiefliegenden Hauptvenen und von dort in Richtung Herz. Dieser Aufwärtsfluss ist nur durch die Kontraktion der Muskeln, die den Blutfluss in Gang halten, und durch die Venenklappen möglich. Mit ihrem speziellen Klappmechanismus lassen sie nur eine Flussrichtung - und zwar in Richtung Herz - zu, während sie in die andere Richtung blockieren. Ist die Funktion dieser Klappen gestört, fließt das venöse Blut nicht zur Körpermitte, sondern zurück in das oberflächliche Gewebe und in die Beine. Damit steigt der Druck in den Venen, wodurch die Gefäße erweitern und sich zum Teil sackartig ausformen.

Die Ausbildung von Krampfadern ist bei vielen Betroffenen genetisch veranlagt, sie können aber auch hervorgerufen werden durch ständige sitzende oder stehende Tätigkeiten, durch Übergewicht, Bewegungsmangel oder sie entstehen während der Schwangerschaft oder nach einem Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen.

Je nach Lokalisation und Dicke der Krampfadern spricht man von 3 unterschiedlich starken Ausprägungen: der Besenreiservarikose, retikulärer Varikose oder Stammvarikose.

  • Stufe 1 - Besenreiservarikose
    Sie sind sichtbar erweiterte Venen direkt in der obersten Hautschicht. Die feinen Krampfäderchen können je nach Durchmesser rötlich oder bläulich gefärbt sein. Sie lösen keine Beschwerden aus und haben für die Betroffenen daher meist nur eine kosmetische Bedeutung. Aus diesem Grund übernehmen Krankenkassen die Behandlungskosten nicht.
  • Stufe 2 - Retikuläre Varikose
    Ein netzförmiges Venengeflecht, das häufig an den Außenseiten der Oberschenkel oder den Waden entsteht. Die betroffenen Gefäße haben einen Durchmesser von 2 bis 4 Millimeter.
  • Stufe 3 - Stammvarikose
    Sie tritt an den großen Venenstämmen und ihren breiten Seitenästen auf. Sind Ihre Klappen funktionsuntüchtig, entstehen Krampfadern von bis zu 1 Zentimeter Durchmesser, die vor allem an der Wade und den Innenseiten von Ober- und Unterschenkel sichtbar werden.

Die Art der Krampfadern kann in 3 Stadien mit unterschiedlichen Beschwerden eingeteilt werden:

Stadium I sichtbare Venenerweiterung ohne Beschwerden.
Stadium II sichtbare Venenerweiterung mit folgenden Beschwerden: Schwere-, Schwellungs- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen und an den Knöcheln, die besonders intensiv nach langem Sitzen oder Stehen, am Abend oder an warmen Tagen auftreten.
Stadium III Neben den oben genannten Symptomen kommt es durch die massive venöse Blutstauung zu einer teils eitrigen Entzündung der Venen, die auch als offener Fuß oder in der Fachsprache als Ulcus cruris bezeichnet wird.

Krampfadern entstehen in der Regel an den Beinen. Die Stauung der Blutgefäße kann in seltenen Fällen aber auch an der Speiseröhre (meist als Begleiterscheinung bei einer Leberzirrhose), den Hoden (Varikozele), der Scheide (häufig nur während der Schwangerschaft) oder im After auftreten.

Diagnose von Krampfadern

Kleine Besenreiservarikosen bedürfen keiner ärztlichen Behandlung, aus kosmetischer Sicht können die kleinen Venen jedoch jederzeit entfernt werden. Sollten Betroffene aber durch die Gefäßschädigung Beschwerden in den Beinen spüren, ist eine Untersuchung beim Allgemeinmediziner oder direkt beim Dermatologen angebracht.

Anhand des äußeren Erscheinungsbildes sind Krampfadern häufig auf den ersten Blick erkennbar. Um die Funktionsfähigkeit der Venen zu überprüfen und den Befund abzusichern, kann der Arzt folgende Untersuchung durchführen:

  • Digitale Photoplethysmographie (DPPG) oder Licht-Reflexions-Rheographie: Mit einer Messsonde wird Infrarotlicht auf die Venen abgegeben. Gefüllte und entleerte Gefäße strahlen einen Anteil des Infrarotlichtes zurück, der von der Sonde registriert wird. Indem der Arzt feststellt, wie lange die Venen während der Muskelkontraktion brauchen, um aufgefüllt und entleert zu werden, erhält er Hinweise auf die Funktionsfähigkeit der Venenklappen.
  • Duplex Ultraschall (h3): Mittels Ultraschall registriert der Arzt die Strömungsrichtung des venöses Blutes. Bei funktionsunfähigen oder geschädigten Venenklappen müsste venöses Blut entgegen der gewünschten Flussrichtung strömen.

Therapie bei Krampfadern

Die Therapie bei Krampfadern kann physikalisch durch Training und durch äußeren Druck erfolgen. Wenn sich aber schon größere Varizen ausgebildet haben, werden die Gefäße verödet, damit sie sich nicht weiter ausdehnen und den geregelten Blutkreislauf nicht behindern.

  • Sport: Bewegungsübungen der Beine und vor allem der Waden können die Funktion der Muskelpumpe steigern und somit den Aufwärtsfluss des venösen Blutes in Richtung Herz verbessern.
  • Kompressionsstrümpfe: Mit speziellen Kompressionsstrümpfen wird von außen Druck auf die Venen ausgeübt und somit der Ausdehnung der Gefäße entgegengewirkt. Durch die an den Knöcheln und den Waden sehr eng anliegenden Strümpfe wird der Aufwärtsfluss des venösen Blutes unterstützt. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden individuell passend gefertigt und können vom Arzt verschrieben werden, es gibt aber auch freiverkäufliche Exemplare.
  • Mikro-Sklerotherapie: Kleine Besenreiser lassen sich in einer ambulanten Behandlung durch die Injektion einer speziellen Lösung entfernen. Das Gemisch wird dabei direkt in die entsprechende Vene gespritzt, dadurch verkleben die Gefäßwände und der Körper baut die Reste mit der Zeit ab.
  • Schaumsklerosierung: In größere Krampfadern wird ein Schaum injiziert, der die Gefäßwände ebenfalls verklebt. Die Flüssigkeit ist hierbei jedoch mit Luft gemischt. Das hat den Vorteil, dass mit der gleichen Menge ein größerer Gefäßabschnitt behandelt werden kann und der Schaum länger einwirken kann, während die Flüssigkeit relativ schnell weggespült wird.
  • Venenstripping: Beim Stripping werden geschädigte Gefäße durch ein operatives Verfahren in lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose entfernt. Der Arzt führt dabei einen 3 bis 5 Zentimeter breiten Schnitt an der Leiste durch. Die entsprechende Vene wird durch diese Zugriffstelle abgebunden und herausgezogen.
  • Behandlungen mit Katheter: Durch einen Nadelstich wird ein Katheter in die geschädigte Vene eingeführt. Mittels Radiowellen oder Laser werden die Venen durch starke lokale Hitzezufuhr verödet.

Was kann der Betroffene selber tun?

Um den Aufwärtsfluss des venösen Blutes zu unterstützen, sollten Betroffen während der Nacht die Beine leicht hochlagern, die Knie sollten dabei leicht angewinkelt werden. Sie können ein dünnes Kissen unter die Kniekehle schieben.

Außerdem sollten sich Betroffene viel bewegen, um die Bein-, vor allem die Wadenmuskulatur zu trainieren. Joggen, Schwimmen und Radfahren sind ein ideales Training für die Beine.

Wechselbäder mit kaltem und warmem Wasser sind ebenfalls ein gutes Gefäßtraining, da die Adern sich je nach Temperatur zusammenziehen oder ausdehnen und somit elastisch bleiben.

Lange heiße Bäder, Hitze, direkte Sonneneinstrahlung und Saunagänge sollten hingegen gemieden werden, da die hohen Temperaturen die Venen stark erweitern.

Betroffene sollten auf sehr enge, abschnürende Kleidung verzichten, da sie den venösen Blutkreislauf behindert. Überschlagen der Beine fördert einen Blutstau in den venösen Gefäßen und sollte daher gemieden werden.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Susanne Schätz

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Krems (NÖ), www.dr-schätz.net

Gesundheitskompass

Quellen

  • Interview mit Dr. Susanne Schätz, Fachärztin für Dermatologie und Geschlechtskrankheiten, 27.05.2014
  • Orthopädie und Unfallchirurgie, Duale Reihe, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009

ICD-10: I83.1, I83.9

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