Kopfschmerzen (Cephalgie)

200 verschiedene Arten von Kopfschmerz

Kopfschmerzen (Cephalgie): Patient mit Kopfschmerzen
Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerz. (Federico Marsicano - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kopfschmerzen
Kopfschmerzen zählen neben Rückenschmerzen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Mehr als 1 Million Menschen sind in Österreich davon betroffen, wobei Kopfschmerzen bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern.

Es gibt über 200 verschiedene Arten von Kopfschmerz. Kopfschmerz wird grundsätzlich unterteilt in primäre Kopfschmerzarten und Kopfschmerzen, die von anderen Erkrankungen verursacht werden. Zu den häufigsten Formen zählen der Spannungskopfschmerz und die Migräne, der Cluster Kopfschmerz hingegen ist eine sehr seltene Kopfschmerzerkrankung.

Primäre Kopfschmerzen

Bei den primären Kopfschmerzen sind die Kopfschmerzen selbst die Ursache für den Schmerz. Welche Kopfschmerzart zutrifft, wird vom Neurologen diagnostiziert. Zu den primären Kopfschmerzen gehören die folgenden häufigsten Arten:

  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz (episodisch und chronische Form)
  • Cluster Kopfschmerz (und andere Trigeminoautonome Kopfschmerzen)
  • Anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz (Paroxysmale Hemikranie),
  • Einseitiger Dauerkopfschmerz (Hemicrania continua)
  • Schlafgebundener Kopfschmerz (Hypnic Headache)

Migräne

Die Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung, bei der neben starken, pulsierenden, meist halbseitigen Schmerzen, die bei Anstrengung stark zunehmen, Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit auftreten. Die klassische Form (etwa ein Drittel) beginnt mit einer max. 30 min. dauernden Aura (eine über die Hirnrinden wandernde kombinierte Reiz- und Ausfallsymptomatik wie etwa ein Flimmerskotom).  Beschwerden dauern in der Regel maximal 72 Stunden an. Etwas mehr als 10 % der Bevölkerung sind von der Migräne betroffen. Sonderformen kommen weitaus seltener vor. Bei körperlicher Betätigung verschlimmern sich die Symptome.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Kopfschmerzform. Sie werden unterteilt in den episodischen (weniger als 180 Schmerztage pro Jahr) und chronischen (mehr als 180 Schmerztage pro Jahr) Verlauf. Die Schmerzen werden als drückend und einengend empfunden, sie verstärken sich im Gegensatz zur Migräne nicht durch körperliche Aktivität und es treten keine Übelkeit oder Empfindlichkeiten auf. Zusätzlich haben viele Betroffene eine Verspannung der Nacken- und Kopfmuskulatur, woraus sich der Name Spannungskopfschmerz ableitet. Die Dauer der Schmerzen ist sehr unterschiedlich (30 Minuten bis 12 Stunden), die Kopfschmerzen können auch mehrfach täglich und das tagelang auftreten.

Cluster Kopfschmerz

Der Cluster Kopfschmerz ist eine seltene Kopfschmerzerkrankung. Sie tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Charakteristisch ist das Auftreten in Episoden von mehreren Wochen Dauer, während dieser kommt es mehrmals täglich zu maximal 2 Stunden dauernden Attacken, die zum Teil fahrplanmäßig (besonders nachts) um die gleiche Uhrzeit auftreten. Der Schmerz wird als unerträglich stark und streng einseitig empfunden und bessert sich im Gegensatz zur Migräne auf Bewegung. Meist kommt es zu einseitiger Augenbindehautentzündung oder Naserinnen.

Anfallsartiger Halbseitenkopfschmerz (Paroxysmale Hemikranie)

Die paroxysmale Hemikranie verläuft ähnlich wie der Cluster Kopfschmerz, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Die Attacken sind häufiger (mindestens 5 pro Tag), beginnen abrupt und dauern aber etwas kürzer (meist weniger als 30 min); die chronische Form wird als Hemicrania continua bezeichnet und ist ein Dauerkopfschmerz mit Exazerbationen (deutliche Verschlechterungen des Krankheitsbildes).

Andere Trigeminoautonome Kopfschmerzen

Trigeminoautonome Kopfschmerzen sind durch die Kombination von Schmerzattacken im Bereich des Nervus trigeminus verbunden mit autonomen Symptomen wie Tränenfluss oder Augenrötung gekennzeichnet. Die Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen ist noch nicht endgültig geklärt.

Schlafgebundener Kopfschmerz (Hypnic Headache)

Vom schlafgebundenen Kopfschmerz sind Frauen häufiger als Männer betroffen. Der Schmerz hat einen einseitigen, dumpfen Charakter von leichter bis mittlerer Stärke und tritt an mehr als 15 Tagen des Monats auf. Die Attacke hält dabei nicht länger als 3 Stunden nach dem Aufstehen an.

Weitere (sehr seltene) Kopfschmerzarten sind der idiopathische stechende Kopfschmerz, der Husten- und Anstrengungskopfschmerz, der Kopfschmerz bei sexueller Aktivität und der Donnerschlagkopfschmerz.

Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen

Die sekundären Kopfschmerzerkrankungen sind für weniger als 10 % der Kopfschmerzen verantwortlich. Sie sind meist ein Warnhinweis für eine andere Grunderkrankung und müssen daher rasch einer Diagnose zugeführt werden.

  • Posttraumatische Kopfschmerzen
  • Kopfschmerzen durch Blutungen im Gefäßsystem des Gehirns
  • Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen
  • Kopfschmerzen bei Infektionen des Zentralen Nervensystems (Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Hirnentzündung (Enzephalitis) )
  • Kopfschmerzen bei Allgemeininfektionen (Grippe, Sepsis)
  • Kopfschmerzen bei Erkrankungen des Gesichts (Grüner Star – Glaukom, Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Kopfschmerzen bei HWS-Erkrankungen (Zervikalsyndrom)

Posttraumatische Kopfschmerzen

Die posttraumatischen Kopfschmerzen machen sich bei 90 % der Patienten spätestens 7 Tage nach einem Schädel-Hirn-Trauma mit Bewusstseinsverlust bemerkbar. Die Schmerzen sind oft von vegetativen und psychischen Veränderungen getriggert, meist von mittlerer Intensität aber langer Dauer.

Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen

Die Kopfschmerzen treten durch akuten oder chronischen Gebrauch von Medikamenten auf. Durch die Einnahme von Schmerzmitteln, Antihistaminika, Antirheumatika, Schlafmitteln, Kortison-Präparaten oder Herzmedikamenten kommt es zu einer Änderung der Schmerzschwelle.

Diagnose

Treten Kopfschmerzen mehr als einmal monatlich auf oder dauern die Schmerzen länger als 2 Tage an und werden sie durch die Einnahme eines handelsüblichen Schmerzmittels nicht besser, sollte ein Neurologe aufgesucht werden. Dieser wird eine allgemeine neurologische Untersuchung und ein Beratungsgespräch durchführen. Zur genaueren Diagnosestellung werden noch andere Untersuchungsmethoden eingesetzt:

Therapie

Jede Kopfschmerzart benötigt ihre eigene Therapie. Über die Art der Therapie und die richtige Dosierung der Medikamente entscheidet nach der Diagnosestellung der behandelnde Arzt. In der Selbstmedikation stehen schmerzstillende Arzneimittel, wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol zur Verfügung. Auch Mikronährstoffe, Homöopathie, ätherische Öle oder Akupunktur können zum Einsatz kommen.

Fragen an den Arzt

  • Welche Ursachen könnte mein Kopfschmerz haben?
  • Habe ich Migräne?
  • Kann ich durch Ernährung und Sport meine Kopfschmerzen verbessern?
  • Wann muss ich zum Neurologen?
  • Gibt es eine Kopfschmerz-Ambulanz in meiner Nähe?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim. Dl

Dr. Andreas Doppelbauer

Neurologie und Psychiatrie

Leiter der Abteilung für Neurologie, LK Weinviertel Mistelbach

Quellen

  • Medizinwissen von A-Z, S. Andreae et. al., TRIAS Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Klinische Neurologie, P. Berlit, Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin, Heidelberg, 2011
  • Neurologie, K. F. Masuhr et al., Thieme Verlag, 6. Auflage, Stuttgart, 2007

ICD-10: R51

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