Begleitende Krebsbehandlung

Begleitende Krebbehandlung: Mistelzweig. Die Inhaltsstoffe der Mistel eignen sich zur zusätzlichen Behandlung von Krebs.
Die Mistel eignet sich besonders gut zur begleitenden Krebstherapie. Ihre Inhaltsstoffe hemmen das Wachstum von Tumorzellen. (PhotoSG - Fotolia.com)
Ergänzend zu onkologischen Therapien, wie Chemo- oder Strahlentherapie, haben in den letzten Jahren komplementärmedizinische Methoden bei Betroffenen immer größeren Zuspruch erfahren. Umfragen haben gezeigt, dass etwa 80 % der Österreicher komplementärmedizinische Behandlungen für sinnvoll erachten.

In der Medizin hat sich daher eine Reihe von Sonderfächern entwickelt, die als "begleitende" Therapien auch in der Onkologie etabliert sind, wie u.a. Mistel-, Enzym- oder Phytotherapie. Die Österreichische Ärztekammer bietet Allgemeinmedizinern und Fachärzten die Möglichkeit, ein Diplom zur "Begleitenden Krebsbehandlung" zu absolvieren. Diese Therapien sind keine "Alternative" zu einer Krebsbehandlung, sondern ergänzen und unterstützen eine onkologische Therapie, wie Strahlen- oder Chemotherapie. Sie zielen darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern, Nebenwirkungen einer onkologischen Therapie und Schmerzen zu reduzieren, das Immunsystem zu stärken und zu einer raschen Genesung beizutragen.

Wem nützt die Therapie?

Komplementärmedizinische Therapien sind sinnvoll für Krebspatienten, um

  • die Lebensqualität zu verbessern
  • um eine bessere Verträglichkeit von Chemo- und Strahlentherapie zu erreichen
  • das Immunsystem zu stärken
  • Schmerzen zu reduzieren

Komplementärmedizinische Methoden sind im Gegensatz zur "Alternativmedizin" Therapien, die zusätzlich zu  einer klinischen Therapie wirksam sein können. Deren Wirksamkeit, Indikation und Gegenanzeigen werden überprüft und aus schulmedizinischer Sicht nachgewiesen. Sozusagen: Das Beste aus beiden Welten. Anders als bei alternativmedizinischen Methoden, bei denen die Sicherheit des Einsatzes nicht gewährleistet ist. Sie können sogar eine Verschlechterung des Gesundheitszustands oder gar eine Wirkungseinschränkung der notwendigen Medikamente mit sich bringen, da wenig über verwendete Substanzen und deren Wechselwirkungen mit Chemotherapeutika bekannt ist.

Was passiert? Wie wirkt die Therapie? Wie sind die Wirkprinzipien?

Arzneimittel, die in der begleitenden Krebstherapie angewendet werden, müssen einen strengen Zulassungsprozess durchlaufen. Erst wenn ihre Verträglichkeit nachgewiesen werden kann, dürfen sie Krebspatienten verabreicht werden. Sie werden jedoch niemals statt einer onkologischen Therapie eingesetzt.

Zur Auswahl stehen derzeit folgende Methoden: 

Therapie

Wirkung

 

 

 

 Immunstimulierende Therapien

  • Misteltherapie
  • Enzympräparate
  • Japanische Pilze

stärkt Immunsystem

Fernöstliche Methoden

 

Verbesserung der Lebensqualität
bei Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Hitzezuständen, Übelkeit, Schmerzen, Erbrechen

Ernährungstherapie

 

  • Antioxidantien
  • Selen und Zink
  • Omega 3

Verbesserung der Lebensqualität

Stärkung des Immunsystems

Entspannung

 

  • Biofeedback
  • Autogenes Training

Linderung von Schmerzen

Psychotherapie

 

 

Verbesserung der Lebensqualität: Leben mit Erkrankung besser bewältigen

Homöopathie

 

 

Verbesserung der Lebensqualität

Phytotherapie

 

  • Artemisiaextrakt
  • Indischer Weihrauch
  • Mariendistel
  • Cannabis
  • uvm.

Hemmung Tumorwachstum

Besserung bei tumorbedingten Ödemen

Bewegung

 

  • Physiotherapie
  • Sport

Schmerzreduktion

Immunstimulierende Therapien

Die Immunstimulierende Therapie geht davon aus, dass für die Entstehung von Krebs eine Störung bzw. Schwäche des Immunsystems vorliegt. Ziel der Therapie ist es, dass Immunsystem zu stärken, damit es in der Lage ist, eine entsprechende Abwehrreaktion gegen Krebszellen zu entwickeln. Dabei werden unterschiedliche medizinische Verfahren angewendet, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde, wie z.B.

  • Interferone: Eiweiß oder Eiweißverbindungen, die das Immunsystem üblicherweise freisetzt. Bei der Behandlung von Krebserkrankungen werden meist gentechnisch hergestellte Interferone angewendet. Sie verhindern die Zellteilung und -vermehrung und führen zum Tod bösartigen Zellen ("Apoptose").
  • Interleukine: Botenstoffe des Immunsystems, die von den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet werden. Sie stärken die körpereigene Abwehr und kurbeln die Produktion von "Killerzellen" an, die bösartige Krebszellen zerstören.
  • Koloniestimulierende Faktoren: Wachstumszellen, die die Produktion von Knochenmarkstammzellen und die Blutbildung im Zuge einer Chemotherapie fördern.
  • Monoklonale Antikörper: Abwehrstoffe, die auf Krebszellen einwirken, indem sie deren Wachstumssignale blockieren.
  • Impfung: die HPV-Impfung (humane Papillomavirus), die Gebärmutterhalskrebs verhindern kann oder die Hepatitis B-Impfung (sie verhindert eine Leberentzündung, die in der Folge auch Leberkrebs verursachen kann).

Misteltherapie

Die Mistel zählt zu den am besten untersuchten komplementärmedizinischen Arzneimitteln. Die weißen Beeren der Mistel werden in einem Spezialverfahren aufbereitet, ihr Extrakt wird von dem Betroffenen selbst unter die Haut injiziert. Die Mistel enthält verschiedene Eiweiße, die stärkend auf das Immunsystem wirken und das Wachstum von Tumorzellen hemmen. Die Wirkung besteht in einer verbesserten Lebensqualität, der Betroffene schläft besser, hat weniger Schmerzen und die Nebenwirkungen der Strahlen- oder Chemotherapie werden minimiert. Je nach Krebserkrankung werden unterschiedliche Mistelpräparate  angewendet, die Substanz wird 3-mal die Woche unter die Haut gespritzt – teilweise über Jahre. Diese Therapie wird vor allem bei soliden Tumoren, wie Brustkrebs, Prostatakarzinom oder Darmkrebs usw. angewendet.
Nicht geeignet ist diese ergänzende Therapie bei Lymphomen und Leukämie, es besteht zumindest die Möglichkeit, dass dieser Mechanismus die Symptome bei Leukämie oder Lymphomen verschlechtert.

Fernöstliche Methoden

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die Ergänzung einer Krebsbehandlung durch TCM ist weit verbreitet, ihr Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und Nebenwirkungen von Chemo- oder Strahlentherapie zu verringern. Sie ist vor allem geeignet für Betroffene, die an ständiger Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Hitzezuständen leiden, z.B. mit chinesischen Kräutertees, Entspannungsübungen bzw. Qi-Gong. Chinesische Kräutertees enthalten verschiedene Kräutermischungen, die der Arzt individuell auf den Betroffenen abstimmt. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit liegen vereinzelt vor, so konnte z.B. bei Dickdarmkrebs eine positive Wirkung nachgewiesen werden. Die spürbare positive Wirkung der Teezufuhr (vor allem grüner Tee) liegt in einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, die vor allem im Rahmen einer Chemotherapie wichtig ist. Voraussetzung ist, dass nur Teesorten verwendet werden, deren Herkunft bekannt ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Produkte überlagert, von Pilzen befallen oder schimmelig sind.

Akupunktur

Bei Übelkeit, Schmerzen und Erbrechen nach einer Chemo- oder Strahlentherapie hat sich die Akupunktur als hilfreich erwiesen.

Ayurveda

Ziel der traditionellen indischen Heilkunst ist es, die Balance der 3 Lebensenergien "Vata", "Pitta" und "Kapha" wiederherzustellen und einen gesunden Lebensstil zu vermitteln. Das ist die positive Seite, denn Yoga hat z.B. eine positive Wirkung auf Geist und Seele von Betroffenen. Die Nachteile dieser Methode liegen darin, dass Krankheitssymptome mit Mischungen aus Heilpflanzen behandelt werden. Zwar zeigten in vorklinischen Studien einige dieser Pflanzen Tumorzellen hemmende Wirkung, an klinischen Studien fehlt es jedoch noch. Daher sind Gaben aus Pflanzenmischungen der ayurvedischer Medizin derzeit nur im Rahmen klinischer Studien sinnvoll.

Ernährungstherapie

Antioxidantien

Diese Substanzen, auch "freie Radikalenfänger" genannt, fangen diese zerstörerischen Angreifer (freie Radikale) ab. Konkret sind dies z.B. die Vitamine A, B17, C , E und vor allem D, sowie das Spurenelement Selen. Antioxidantien kommen in der Nahrung, vor allem in Obst und Gemüse - dies sind gute natürliche Quellen. Vorsicht ist bei einer Zufuhr (z.B. durch Nahrungsergänzungsmittel) im Zuge einer Chemo- oder Strahlentherapie geboten, denn die Therapeutika wirken, indem sie freie Radikale auf Krebszellen loslassen. Eine gleichzeitige Antioxidantien-Gabe kann die therapeutische Wirkung vor allem bei der Strahlentherapie verringern.

Selen und Zink

sind die wichtigsten Spurenelemente im menschlichen Körper, die eine Reihe lebenswichtiger Stoffwechselvorgänge steuern. Allerdings sollten im Falle einer Krebserkrankung weder eine Unter- noch eine Überversorgung vorliegen. Selen - natürlich ist es z.B. in Getreide enthalten - begünstigt die Wirkung einer Strahlen- und einiger Chemotherapien. Experten gehen davon aus, dass Krebspatienten mit einem sehr niedrigen Selenspiegel auf diese onkologischen Therapien schlechter ansprechen als Betroffene mit einem idealen Selenspiegel. Eine supportive (unterstützende) Therapie mit Selen (z.B. durch Selenpräparate) wird wissenschaftlich positiv bewertet, allerdings muss die Dosis gut eingestellt werden.

Das Spurenelement Zink ist in der natürlichen Nahrung, z.B. in Fleisch enthalten. Da Krebspatienten diese Nahrungsmittel oft nicht vertragen, kann es zu einem Zinkmangel kommen. Zink fördert die Wundheilung und stärkt das Immunsystem. Das Spurenelement begünstigt das Wachstum von Haaren, Haut und Nägeln. Umfassende wissenschaftliche Studien dazu fehlen jedoch noch. Da Zink möglicherweise auch das Wachstum von Tumorzellen verstärken kann, sollte eine ergänzende Therapie nur bei einem ausdrücklichen Mangelzustand durchgeführt werden.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in fettreichen Seefischen vorkommen. Sie haben eine entzündungshemmende Wirkung, die bei fortschreitendem Tumorwachstum eine große Rolle spielt. Bisher vorliegende Daten zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren vor allem bei Betroffenen mit starkem Gewichtsverlust hilfreich sein können. Allerdings ist die Datenlage hier noch sehr uneinheitlich. Fest steht in jedem Fall: Betroffene ohne Gewichtsverlust, die sich ausgewogen ernähren und einmal pro Woche Fischmahlzeiten zu sich nehmen, benötigen keine zusätzlichen Omega-3-Fettsäuren. Bei Krebspatienten, die deutlich an Gewicht verloren haben, kann eine zusätzliche Gabe von Omega-3-Präparaten nach Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein.

Enzymtherapie

Enzyme sind Biokatalysatoren des Körpers, das heißt, sie beeinflussen Krankheitserreger, indem sie diese spalten und zerstören. Die wichtigsten Enzyme sind Bromelain (in der Ananas), Papain (in der Papaya), sowie die Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse, Trypsin und Chymotrypsin. In der Sportmedizin sind Enzyme aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkung bekannt. Ob sie das Auftreten von Metastasen unterbinden können, wurde zwar in tierexperimentellen Studien festgestellt, es gibt jedoch keine klinischen Untersuchungen dazu. Einige Untersuchungen zeigten, dass Enzymtherapie die Nachwirkungen einer Strahlentherapie bei Kopf-Halstumoren vermindern kann. Auch die Entstehung  eines Lymphödems nach einer Brustkrebs-Therapie kann unter Umständen mithilfe einer Enzymtherapie verhindert werden. Im Laufe mancher onkologischen Therapien kommt es zu entzündlichen Prozessen, diese können mithilfe der Enzymtherapie verhindert werden.

Entspannung

Biofeedback

Diese Methode geht davon aus, dass nicht bewusst steuerbare Körperfunktionen mit Biofeedback beeinflusst werden können. Dabei werden Muskelspannung, Atmung, Puls und andere Körpervorgänge gemessen und mittels eines Tones hörbar gemacht. Hat der Betroffene z.B. Schmerzen im Bauchraum, leitet der Arzt ihn an, die Konzentration auf diesen Bereich zu lenken. Dadurch kommt es zu einer Entspannung, besserer Durchblutung und letztlich zur Linderung von Schmerzsymptomen. Biofeedback hat zwar keine Auswirkungen auf die Krebserkrankung, kann jedoch die Lebensqualität des Betroffenen stärken, seinen Stress und seine Angst verringern.

Autogenes Training

Autogenes Training fördert die Entspannung und kann über mehrere Stufen erlernt werden. In der ersten Stufe werden bestimmte Übungen (u.a. Schwere- oder Wärmeübungen) erlernt, die auf eine völlige Entspannung, auch der Muskeln abzielen. In der nächsten Stufe werden positive Sätze formuliert, die ein Verhaltensmuster beeinflussen. (z.B. "Ich bin ruhig und gelassen"). In der 3. Stufe wird die totale Entspannung bis hin in einen Zustand der Versenkung erlernt, ein Stadium, das ähnlich der Meditation ist.

Psychotherapie

Die Psychotherapie leitet den Betroffenen an, bestimmte Leidenszustände, Ängste oder psychosomatische Probleme mithilfe wissenschaftlich gut dokumentierter Methoden zu bewältigen (z.B. Psychoanalyse, Gesprächs- oder Verhaltenstherapie). Der Betroffene erlernt Techniken (z.B. Entspannung) oder wird zu Verhaltensänderungen angeleitet, um das Leben mit der Erkrankung besser zu bewältigen. Eine begleitende Psychotherapie wirkt sich nachweislich positiv auf die Lebensqualität aus.

Homöopathie

Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen, so lautet Samuel Hahnemanns These, auf der die Wirkung der Homöopathie beruhen soll. Dabei kommen stark verdünnte natürliche Substanzen zum Einsatz, die heilend wirken sollen. Dazu liegen jedoch keine ausreichenden Studien vor, daher ist die Homöopathie nach wie vor umstritten. Dennoch bringt die Homöopathie eine Verbesserung der Lebensqualität. Experten gehen davon aus, dass dies durch den Placebo-Effekt erklärbar ist, bzw. durch die umfassende Zuwendung des Arztes; einige Studien zeigen jedoch auch, dass Begleiterscheinungen der Krebserkrankung, wie Übelkeit vermindert werden können. Die Ursache dieser Wirkung ist jedoch nicht umfassend nachgewiesen.

Phytotherapie

Während die Traditionelle Chinesische Medizin meist Heilkräutermischungen anwendet, werden in Europa einzelne Pflanzen bevorzugt. Eine dieser Pflanzensubstanzen ist

Artemisiaextrakt

Die Substanz aus der Artemisia-Pflanze wurde bereits vor 2000 Jahren in der TCM verwendet. Erst in den 1970er Jahren gelang es Forschern, die Wirkung der Substanz gegen Malaria nachzuweisen. Seither gilt Artemisinin als erste Wahl im Kampf gegen die Malaria. Artemisia-Extrakt kann auch das Tumorwachstum hemmen, allerdings wurden bis dato keine klinischen Studien veröffentlicht. In der Malariabehandlung hat die Substanz keine klinischen Nebenwirkungen. Da in der Tumortherapie jedoch eine weit höhere Dosis verabreicht werden muss, bedarf es eingehender Studien um die möglichen Nebenwirkungen einschätzen zu können.

Indischer Weihrauch

Indischer Weihrauch enthält Boswelliasäuren. Sie haben eine antientzündliche, entwässernde und Tumorzellen schädigende Wirkung. Sie sind im Allgemeinen gut verträglich und weitgehend nebenwirkungsfrei. Untersuchungen sind nur spärlich und anhand kleiner Gruppen vorhanden. Diese haben z.B. gezeigt, dass tumorbedingte Ödeme sich bei Patienten mit Gehirntumoren zurückbilden können. Diesen Betroffenen kann Boswellia als nebenwirkungsfreie Therapie verabreicht werden, wenn keine anderen Behandlungsoptionen mehr hilfreich erscheinen.

Bewegung

Physiotherapie

Vor allem in der Rehabilitationsphase nach einer Operation ist Physiotherapie eine gute Option, um Schmerzen zu bekämpfen und Gefühle der Anspannung zu vermindern. Eine Reihe von Maßnahmen steht im Rahmen der Physiotherapie zur Verfügung, die den Betroffenen begleiten oder unterstützen. So etwa kann beispielsweise Lymphdrainage nach einer Brustkrebsoperation den Lymphfluss wieder in Gang setzen und Ödeme verhindern bzw. die überschüssige Lymphflüssigkeit abtransportieren. Auch Massagen können bei vielen Krebserkrankungen hilfreich sein, sie wirken entspannend und lindern den Schmerz.

Sport

Sport und Bewegung ist erwiesenermaßen eine ideale Begleittherapie bei onkologischen Erkrankungen. Vor allem bei Brust- und Prostatakrebs liegen ausreichend Daten vor, die die positive Wirkung bestätigen. Wichtig ist regelmäßige moderate Bewegung, ideal ist eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining (z.B. Walken + Gymnastik). Etwa 3-mal wöchentlich sollte man eine halbe Stunde trainieren, um den bestmöglichen Effekt für Körper, Geist und Seele zu erzielen.

Was muss der Patient nach der Therapie beachten?

Eine komplementärmedizinische Methode kann eine Krebserkrankung unterstützen. Mitunter sind die gewünschten positiven Effekte je nach Therapie auch erst nach einigen Wochen oder Monaten spürbar. Konsequenz und eine laufende Betreuung durch den speziell auf das Fach der Komplementärmedizin ausgebildeten Arzt sind Voraussetzungen für einen Therapieerfolg.

Wer therapiert?

Eine begleitende onkologische Therapie soll ausschließlich von einem dafür ausgebildeten Mediziner durchgeführt werden. Er ist für die jeweiligen Therapien spezialisiert und kann dem Betroffenen eine individuelle Behandlung empfehlen. Eine eingehende Beratung durch einen erfahrenen Spezialisten garantiert auch, dass man aus der Fülle des "naturmedizinischen" Angebots auch wirklich seriöse Methoden wählt. Viele Krankenhäuser haben daher Ambulanzen für "Komplementäre Medizin", sie bieten wissenschaftlich fundierte Informationen und helfen bei der Auswahl der richtigen und sinnvollen komplementärmedizinischen Therapie.  

Was kann der Patient zum Gelingen der Therapie beitragen?

Betroffene, die mit der Diagnose "Krebs" konfrontiert sind, suchen häufig nach einer ergänzenden Behandlung zur konventionellen Medizin. Wichtig ist es daher, nicht in Eigenregie nach möglichen weiteren Therapien zu suchen. In diesem Bereich werden nämlich häufig "alternative Methoden" propagiert, die auf pseudowissenschaftlichen Theorien basieren, wie etwa im Hinblick auf die Entstehung von Krebs (Stichwort: "Krebspersönlichkeit" etc.) und mit der Angst des Betroffenen spielen. Die von einem Komplementärmediziner vorgeschlagene ergänzende Behandlung hingegen basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer ganzheitlichen Sicht des Mediziners auf den Betroffenen. Um den größtmöglichen Erfolg einer Behandlung zu erzielen, muss einerseits die "Chemie" zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten stimmen, andererseits  muss sich der Mediziner auf die Therapietreue und Selbstverantwortung des Betroffenen verlassen können. Unter diesen Voraussetzungen kann - je nach Ansprechen auf die begleitende Therapie - diese auch modifiziert, verändert oder erweitert werden. Vielfach sind auch "einfache" Begleitmaßnahmen, wie Ernährungsumstellung oder ein durchdachtes Bewegungsprogramm bereits äußerst erfolgversprechend. So etwa konnte nachgewiesen werden, dass Frauen, die Ausdauersport betreiben, seltener rezidiven Brustkrebs ("Rückfälle") haben. Weniger Stress, mehr Entspannung und eine gesunde Lebensweise können die Genetik des Tumors günstig beeinflussen. Wichtig für den Betroffenen ist es auch, sich vom behandelnden Arzt über mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen informieren zu lassen.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Komplementärmedizin ist wissenschaftlich eine noch junge Fachrichtung, die sich zum Teil auf traditionelles Wissen stützt. Für viele dieser Bereiche liegen jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit vor. Weiters können komplementärmedizinische Methoden allein eine Krebserkrankung nicht heilen, sondern lediglich eine Verbesserung der Lebensqualität und der Nebenwirkungen erreichen. Für seriöse Mediziner liegen hier die Grenzen der Behandlung.

Kosten & Krankenkasse

Für wissenschaftlich anerkannte komplementärmedizinische Methoden übernehmen im Einzelfall auf Antrag des Betroffenen die Kassen die Kosten. Dabei muss jedoch nachweisbar sein, dass die Therapie zweckmäßig und erfolgversprechend ist. So etwa werden ergänzende Behandlungen, wie Selen-, Enzym- und Misteltherapie bei bestimmten Krebsfällen von österreichischen Kassen nach individueller Abstimmung bezahlt.

Fragen an den Arzt

  • Gibt es eine für mich geeignete begleitende Therapie?
  • Wo finde ich Experten der Phytotherapie?
  • Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?
  • Kann es Wechselwirkungen mit den Medikamenten der Chemotherapie geben?
  • Können komplementärmedizinische Methoden auch schädlich sein?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ. Ass. Prof.

Dr. Leo Auerbach

Leiter der Ambulanz für komplementäre Therapien

Leiter des ÖÄK Diploms : begleitende Krebstherapien Medizinische Universität Wien, AKH Wien

Gesundheitskompass

Quellen

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