Knirscherschiene

(Christoph Hähnel - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gesunde Zähne

Knirschen ist häufig eine Form der Stressbewältigung. Dabei reiben die Kauflächen meist unbewusst während des Schlafs (seltener tagsüber) aufeinander bzw. werden die Zähne stark zusammengepresst.

Die mahlenden Bewegungen schädigen besonders den Zahnschmelz der Frontzähne, auch Zahnlockerungen sind möglich. Außerdem überanstrengt das Pressen die Muskeln im Kiefer. Dadurch kann es zu Verspannungen kommen, die häufig als Kopfschmerzen im Bereich der Schläfen wahrgenommen werden.

Um die Folgen des Knirschens zu stoppen, nimmt der Zahnarzt einen Abdruck auf dessen Grundlage der Zahntechniker eine durchsichtige Aufbissschiene aus Kunststoff anfertigen kann. Sie verhindert, dass die Zähne aufeinander reiben und sorgt in den meisten Fällen für eine entspanntere Haltung im Kiefergelenk.

Überblick

Ursachen des Zähneknirschens

Da die Ursache des Knirschens stressbedingt sein kann, sollten parallel zur Aufbissschiene Entspannungsübungen durchgeführt werden. Der Arzt sollte zudem auch die Höhe der Kronen und Füllungen als mögliche Ursache für das Aufeinanderreiben der Zähne begutachten.

Knirscherschiene: Wem nützt diese Therapie?

Schätzungen zufolge knirscht jeder Fünfte und schädigt damit seine Zähne. Knirscherschienen eignen sich für alle, die sogenannte Attrition, also Abradierungen, durch das regelmäßige Aufeinanderreiben der Zähne aufweisen.

Diese Schmelzdefekte sind leicht sichtbare Veränderungen auf den Schneidekanten der Frontzähne (auch bei Prothesen oder anderem Zahnersatz), seltener auch auf den Kauflächen im Seitenzahnbereich. Weitere Anzeichen können Risse an den betroffenen Zähnen und regelmäßig auftretende Schmerzen in den Kiefermuskeln und -gelenken sein.

Die Zähne sehen an diesen Stellen wie abgeschliffen aus. Das ist nicht nur unschön, sondern auch schmerzhaft, weil Teile des empfindlichen Zahninneren frei liegen können.

Knirscherschiene: Wie wirkt die Therapie?

Die Aufbissschienen aus Kunststoff werden an den Unterkiefer oder an den Oberkiefer angepasst. Sie beheben die Symptome des Knirschens, indem...

  • ...der Druck beim Zusammenpressen gleichmäßig auf das Gebiss verteilt wird. Eine punktuelle Dauerbelastungen wird dadurch verhindert
  • ...die Zähne des Ober- und Unterkiefers haben keinen direkten Kontakt mehr. Somit können auch keine Abschleifspuren (Attritionen) entstehen, Schmelzdefekte, Risse und Frakturen im Zahn werden verhindert
  • ...das Kiefergelenk und die Muskeln werden entlastet, dadurch nehmen auch in vielen Fällen die Schmerzen ab.

Es bleibt aber zu beachten, dass die Knirscherschiene eben nur die Symptome lindert, nicht aber die Ursache behebt. Dafür muss der Auslöser für das Knirschen gefunden werden. Der kann zum Beispiel in einer grundlegenden Fehlstellung des Kiefers liegen oder an stark überstehenden Kronen und Füllungen, die eine harmonische Schließung des Gebisses verhindern.

Häufig ist die Ursache aber psychischer Natur. Wer stressbedingt knirscht, dem können Entspannungsübungen durch Yoga, autogenes Training oder Physiotherapie helfen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt in jedem Fall die möglichen Ursachen des Knirschens. Zusätzlich zur Knirscherschiene gibt es auch Medikamente, die bei übermäßiger Aktivität der Kaumuskeln helfen. Sie führen zu einer Entspannung der entsprechenden Muskeln, sollten aber nur kurzzeitig zum Einsatz kommen.

Wird das Knirschen nicht behandelt, nimmt die Schmelzschicht der Zähne immer weiter ab. Der Zahn reagiert empfindlich auf äußere Reize wie Hitze oder Kälte. Je tiefer die Schmelzdefekte werden, desto schmerzhafter wird es. Selbst der leichte Luftzug beim Ein- und Ausatmen kann dann zu einem unerträglichen Gefühl werden.

Sehr stark abgeschliffene Zähne können außerdem dazu führen, dass das Gebiss nicht mehr harmonisch schließt, da es an Höhe fehlt. Als Folge können starke Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks auftreten, die in den Nacken und in die Ohren ausstrahlen können. Auch die Funktion des gesamten Kausystems wie Mund öffnen und schließen kann dabei eingeschränkt sein.

Knirscherschiene: Wann und wie lange kommt die Therapie zum Einsatz?

Die Aufbissschiene wird bei abgeschliffenen Zähnen und Schmerzen, die durch das Zusammenpressen der Kiefer entstehen, verwendet. Die Schiene sollte regelmäßig jede Nacht, bei Bedarf auch am Tag getragen werden. Ohne sie nehmen die Beschwerden wieder zu. Erst wenn die Ursache des Knirschens behoben wurden, kann auf die Schiene verzichtet werden.

Knirscherschiene: Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Voraussetzung dafür, dass die Therapie gelingt, ist, dass Sie die Aufbissschiene regelmäßig jede Nacht tragen. Wenn Sie merken, dass die Anspannung beispielsweise bei der Arbeit am Computer oder bei Prüfungsvorbereitungen besonders groß ist, kann es auch notwendig sein, die Schiene tagsüber zu tragen. Die Passform sollte regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.

Wenn die Ursache für das Knirschen stressbedingt ist, können Sie Zuhause zusätzlich Entspannungsübungen durchführen. Auch eine spezielle Physiotherapie kann helfen, um die Muskelbeschwerden rund um den Kiefer zu lösen.

Darüber hinaus kann das Führen eines Tagesbuchs hilfreich sein. Notieren Sie sich, in welchen Situationen Sie sehr angespannt sind und achten Sie in diesen Moment gezielt darauf, die Kiefermuskulatur zu lockern.

Knirscherschiene: Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Bei der Aufbissschiene handelt es sich um eine herausnehmbare Therapiemaßnahme, um den Abrieb der Zähne zu stoppen. Wenn Sie die Schiene nicht mehr tragen oder die Ursachen wiederkehren, können die Beschwerden erneut einsetzen.

Knirscherschiene: Wer therapiert?

Wenn Sie befürchten, mit den Zähnen zu knirschen und die entsprechenden Symptome aufweisen, wenden Sie sich mit Ihren Beschwerden an einen Zahnarzt. Der Arzt stellt das Knirschen durch die sichtbar abgeriebenen Zähne, einen dauernd schmerzenden Kiefer und anderen diagnostische Verfahren fest. Anschließend nimmt er einen Abdruck für die Schiene und lässt diese von einem Techniker für Sie anfertigen.

Knirscherschiene: Wo liegen die Grenzen der Therapieform?

Durch eine Knirscherschiene werden die Symptome behandelt, nicht aber die Ursache. Eine Heilung ist daher unwahrscheinlich. Diese kann nur eintreten, wenn Sie in Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt den Grund für das Knirschen herausfinden und beheben können. Zusätzlich kann eine Bewältigung von übermäßigem Stress in Form von Entspannungstraining erfolgen.

Knirscherschiene: Kosten & Krankenkasse

Die Kosten einer Aufbissschiene müssen Sie in der Regel selbst bezahlen. Die Kosten können je nach Aufwand einer individuellen Anpassung und den verwendeten Materialen variieren. Informieren Sie sich vorab, ob Ihre Krankenkasse die Therapie zumindest bezuschusst.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik / Ing. Elisabeth Schön, MSc
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. med. dent. Marlene Schmidinger

Zahnärztin in Wels

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Quellen

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