Knieschmerzen

Sportliche Frau hält sich auf Landstraße das rechte Knie
Verletzungen, Fehlstellungen und der natürliche Alterungsprozess können Knieschmerzen verursachen. (Dirima - Fotolia.com)
Das Knie ist das größte und eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers. Durch die ständige Belastung, durch Verletzungen, Fehlstellungen und den natürlichen Alterungsprozess können Schmerzen im Gelenk, an den stabilisierenden Sehnen, Bändern oder Muskeln entstehen.

Auch Schäden an den Menisken, die als Stoßdämpfer zwischen den Knochen wirken, sind häufig Ursache von Knieschmerzen. Die Diagnose stellt der Orthopäde anhand einer Funktionsprüfung. Mittels apparativer Untersuchungen wie Röntgen und MRT können Knochenbrüche, Knorpel- und Muskelschäden diagnostiziert werden. Je nach Art und Ausmaß der Beschwerden werden Medikamente und Physiotherapie verschrieben. In einigen Fällen, bei Knochenbrüchen, einem Riss der Sehnen, Bänder oder Knorpel kann auch eine Operation nötig werden.

Wie häufig treten Knieschmerzen auf?

In jungen Jahren werden Knieschmerzen entweder durch angeborene Fehlstellungen oder wachstumsbedingt ausgelöst oder sie sind Folgen von Verletzungen und Überlastung. Später ist die Ursache der Schmerzen oftmals eine Verschleißerscheinung der Knorpel und Gewebe (Kniegelenksarthrose). Da das Kniegelenk das größte des ganzen Körpers ist, das selbst in Alltagssituationen großen Belastungen standhalten muss, hat wahrscheinlich jeder schon das ein oder andere Mal an einer Form von Knieschmerzen gelitten. Bei einigen Betroffenen sind sie nur vorübergehend, die Symptome lassen schnell wieder nach, bei anderen sorgen Schäden an Knorpel, Knochen oder Bändern für langanhaltende oder häufige Beschwerden.

Aufbau des Knies

Ob wir stehen, springen, gehen oder laufen, das Kniegelenk ist oft höchsten Belastungen ausgesetzt. Es besteht aus 3 verschiedenen Gelenkeinheiten, sie sorgen für die bewegliche Verbindung zwischen Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe.

Die Knochen treffen an den breiten, abgeflachten Gelenkflächen aufeinander. Muskeln, Bänder und Sehnen geben den Knochen Halt und sorgen während der Bewegung für die richtige Führung der Knochen und Gelenke. 2 Kreuzbänder, das hintere und das vordere, verbinden den Oberschenkel- mit dem Unterschenkelknochen, Seitenbänder halten sie in Position.

Im Knieinneren befinden sich außerdem 2 Menisken, das sind halbmondförmige Knorpelscheiben, die als Puffer dienen, indem sie die Belastung gleichmäßig auf das Kniegelenk verteilen. Als Polster dienen auch flüssigkeitsgefüllte Schleimbeutel, die vor übermäßiger Reibung und Belastung schützen sollen. Außerdem ist das Innere des Gelenks mit einer Haut ausgekleidet, die das Kniegelenk mit einer Gelenkflüssigkeit versorgt. Diese Flüssigkeit mindert die Reibung und ernährt gleichzeitig den Gelenkknorpel, der selbst nicht durchblutet wird.

Hinter Knieschmerzen können verschiedenste Ursachen stecken.

Diagnose

Treten nach einem Unfall oder Sturz plötzliche starke Schmerzen im Knie auf, sollten Betroffene umgehend einen Arzt, in akuten Fällen auch einen Unfallchirurgen aufsuchen. Aber auch wer anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden in den Knien spürt, wer Schwellungen feststellt oder in Funktion und Bewegung der Knie eingeschränkt ist, sollte einen Termin beim Orthopäden vereinbaren.

Jede Diagnose beginnt mit einem intensiven Patientengespräch, in dem der Arzt Hinweise auf die Ursache der Beschwerden sucht. Den Arzt interessiert, ob die Schmerzen plötzlich, beispielsweise nach einem Sturz oder Unfall, entstanden sind, schleichend ansteigen oder kontinuierlich auftreten.

Viele Arten des Knieschmerzes machen sich auch nur während oder nach einer Belastung bemerkbar. Auch die Lokalisation des Schmerzes kann Hinweise auf die Ursache geben:

  • Tut es nur an der Kniescheibe weh?
  • Schmerzen Knochen, Muskeln und Bänder?
  • Konzentrieren sich die Beschwerden im Bereich der Kniekehle?

Nach dem Patientengespräch folgt die körperliche Untersuchung. Anhand des Gangbildes kann der Arzt Fehlbelastungen, Funktionsstörungen oder auch Fehlbildungen feststellen. Beim Stehen auf einem Bein bzw. auf den Zehenspitzen wird das Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Bändern sowie die allgemeine Stabilität des Knies überprüft. Auch Schwellungen am Knie sind leicht ersichtlich oder werden abgetastet. Anhand des Abstandes zwischen den Knien und den Knöcheln kann der Fachmann außerdem Fehlstellungen wie X- und O-Beine feststellen, die zwar alleine keine Schmerzen hervorrufen, aber Auslöser einer Fehlbelastung oder Verschleißerscheinung sein können. Um Fehlstellungen auszuschließen, werden auch die Längen der beiden Beine vergleichend gemessen und die Stellung der Füße überprüft.

Mit Hilfe des Röntgens werden Knochenbrüche und Knorpelverletzungen festgestellt. Beim Ultraschall, der Kernspintomographie (CT) oder der Magnetresonanztomographie (MRT) werden die Weichgewebe wie Muskeln und Bänder untersucht.

Mittels Bluttest oder Untersuchung der Gelenkflüssigkeit nach einer Punktion können Infektionen und Stoffwechselerkrankungen festgestellt werden.

Therapie

Starke Schmerzen werden durch Medikamente zumeist in Tablettenform, zum Teil auch als Salbe gelindert. Wirkstoffe wie Ibuprofen wirken außerdem entzündungshemmend. Werden die Knieschmerzen durch Belastung oder Entzündungen ausgelöst, sollte das Bein bis zum Abklingen der Schmerzen geschont werden.

Je nach Ausmaß der Verletzung urteilt der Arzt, ob ein operativer Eingriff notwendig ist. Bänder- und Sehnenrisse sowie Knorpelschäden können minimalinvasiv über ein Athroskop versorgt werden. Durch einen kleinen Zugang am Knie wird das Athroskop eingeführt. Das schlauchförmige Gerät führt in seinem Inneren Instrumente, Sauger und Kamera, die der Arzt mit Blick auf einen Monitor bedient. Risse können so wieder zusammengenäht, das geschädigte Gewebe entfernt oder durch ein Transplantat ersetzt werden.

Gebrochene Knochen werden entweder ohne chirurgischen Eingriff durch eine Ruhigstellung im Gips behandelt oder müssen offen operiert werden. Unter Vollnarkose werden dabei die Fragmente wieder in Position gebracht und anschließend meist durch spezielle medizinische Implantate wie Schrauben, Drähte und Platten aus Stahl oder Titan fixiert. Häufig wird das Fremdmaterial wieder entfernt, sobald der Bruch ausgeheilt ist. In manchen Fällen verbleibt es aber auch an der Bruchstelle.

Wenn sich Arzt und Patient nach einer Bänder- oder Sehnenverletzung gegen eine Operation entscheiden, erfolgt eine Physiotherapie. Durch aktive und passive Bewegungen sollen Muskeln, Sehnen und Bänder stabilisiert werden. Eine regelmäßige Physiotherapie wird auch nach einer Verletzung oder Operation durchgeführt, um die Bewegungsfähigkeit des Kniegelenks wiederzuerlangen und die Muskeln zu stärken.

Hat sich im Kniegelenk nach einer Verletzung zu viel Gelenkflüssigkeit oder Blut angesammelt, wird eine Punktion durchgeführt. Unter örtlicher Betäubung sticht der Arzt dafür mit einer hohlen Nadel in das Gelenk und lässt die überschüssige Flüssigkeit ab. Auf diese Weise können auch Medikamente injiziert werden.

Was kann der Betroffene selber tun?

Durch regelmäßiges Ausdauer- und moderates Krafttraining kann man seine Muskeln und Bänder rund um das Knie stärken und schützt damit gleichzeitig Knorpel und Knochen. Die Gefahr von Verletzungen sinkt dadurch.

Übergewicht ist ein Risikofaktor für Überlastungsschäden an den Knien. Um die Gelenke dauerhaft zu entlasten, Verletzungen und Verschleißerscheinungen an den Knorpeln entgegenzuwirken, sollten Betroffene ihr Gewicht reduzieren.

Sobald der Knieschmerz auftritt, sollten Betroffene das Bein entlasten, um die Beschwerden zu lindern. Schwellungen können dadurch vermieden werden, dass weniger Blut in das verletzte Bein fließt. Dafür sollte das Bein einfach auf einem Stuhl oder Hocker hochgelagert werden. Frühzeitig angewandt helfen auch Eisbeutel und Kühlakkus bei Schwellungen und Blutergüssen, indem sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammenziehen. Eine einfache Merkhilfe ist das sogenannte PECH-Schema: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern.

Beim Sport sollten geeignete Schuhe mit guter Dämpfung getragen werden, damit die Knie bei jedem Auftreten geschont werden. Da die Dämpfung mit der Zeit nachlässt, sollten diejenigen, die beim Joggen, Wandern oder Fußball spielen viele Kilometer zurücklegen, häufiger neue Schuhe kaufen, um Verletzungen wie etwa das Fußballerknie vorzeubeugen.

Bei Sportarten wie Volleyball, Skateboard oder Inliner fahren, sollten Knieschoner getragen werden, um die Verletzungsgefahr bei Stürzen zu verringern.

Alle Kontakt- und Ballsportarten sowie der alpine Skisport sind eine Gefahrenquelle für Verletzungen des Kniegelenks, weil es dabei zu ständigen Abstopp-Bewegungen, zu plötzlichen Richtungswechseln und zu Drehungen des Gelenks bei fixiertem Fuß kommt.

Wer in den Knien instabil ist, schwache Sehnen, Bänder und Muskeln hat, sollte gelenkschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen bevorzugen. Nach einer genauen Inspektion der Kniegelenke und des generellen Aufbaus der Beine kann Ihnen Ihr Orthopäde helfen, eine passende Sportart zu finden. Wer empfindliche Knorpel oder starke O-Beine hat, sollte beispielsweise kein intensives Lauftraining durchführen. Außerdem ist es bei jeder Sportart ratsam, die richtige Technik zu erlernen, um Verletzungen vorzubeugen.

Fragen an den Arzt

  • Wann muss bei Knieschmerzen operiert werden?
  • Wie kann ich die Muskeln rund um die Knie stärken?
  • Wie kann ich bei einer Knieverletzung Erste Hilfe leisten?
  • Was ist nach Brüchen z.B. der Kniescheibe zu beachten?
  • Was soll ich bei einer Entzündung der Knie tun?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof

Dr. Stefan Nehrer

Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Wien und Krems

www.knorpelschaden.org

Gesundheitskompass

Quellen

  • Interview mit Professor Doktor Stefan Nehrer, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, 23.09.2014
  • Orthopädie und Unfallchirurgie, Duale Reihe, F. Niehard, J. Pfeil, P. Biberthaler, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009
  • Praxis der konservativen Orthopädie, herausgegeben von H. Bischoff, J. Heisel, H. Locher, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2007
  • Orthopädie und Unfallchirurgie, Taschenlehrbuch, herausgegeben von N. Wülker, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2005

ICD-10: M23, M25, S83

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