Untersuchungen bei Kinderwunsch (Frau)

Frau mit Kinderwunsch sieht sich vor dem Spiegel
Oft ist ein hormonelles Ungleichgewicht schuld an Kinderlosigkeit (RioPatuca Images)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kinderwunsch

Für ungewollte Kinderlosigkeit gibt es eine Vielzahl von Gründen. Deshalb gibt es auch viele verschiedene Untersuchungen, um herauszufinden, warum ein Paar trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr kein Baby bekommt.

Das vertrauliche Gespräch mit dem Arzt, bevorzugt mit dem Gynäkologen, steht an 1. Stelle, er wird das Paar gemeinsam beraten. Denn unerfüllter Kinderwunsch betrifft immer das Paar als Einheit und nicht den einzelnen Partner.

Arztgespräch (Anamnese)

Im Gespräch wird der Gynäkologe die Krankengeschichte der Frau (u.a. Regelmäßigkeit und etwaige Auffälligkeiten des weiblichen Zyklus, Krankheiten, Operationen, Erbkrankheiten in der Familie) inklusive sozialer Gegebenheiten (z. B. Stress) und Umwelteinflüsse (z.B. Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum) erheben. Solche Faktoren wird er auch beim Mann abfragen und ihm aller Wahrscheinlichkeit nach raten, die ungewollte Kinderlosigkeit am besten auch noch bei Experten auf dem Gebiet der männlichen Fruchtbarkeitsdiagnostik (Urologe/ Androloge) abklären zu lassen.

Da man vermutet, dass bei jedem 2. Paar mit Kinderwunsch kombinierte Probleme auf beiden Seiten vorliegen, ist die Diagnostik beider Partner bedeutsam! Für Männer gibt es bei Kinderwunsch eigene Untersuchungen.

Auch die Vorgeschichte des Kinderwunsches wird der Arzt abfragen und dabei natürlich auch auf die Sexualität des Paares zu sprechen kommen. Selbst wenn Fragen solch intime Punkte berühren, sollten beide Partner ganz offen sein. Das Anamnese-Gespräch ist die Basis, damit die Chance eines Paares steigt, ein Baby zu bekommen.

Zudem gehört es zum medizinischen Standard, die Körpergröße und das Körpergewicht der Frau zu erfassen und daraus den BMI zu ermitteln, da sowohl Unter- als auch Übergewicht als Ursache einer Fertilitätsstörung infrage kommen.

Gynäkologische Untersuchung

Die gynäkologische Untersuchung bei Kinderwunsch unterscheidet sich kaum von der Routineuntersuchung, die Frauen vom Gynäkologen kennen: Der Arzt wird nur noch detaillierter auf ev. organische Veränderungen eingehen und diese abklären. Zudem wird er eine Spiegeluntersuchung der Scheide und des Muttermundes durchführen. Fast immer wird er die gynäkologische Untersuchung auch mit einem Ultraschall durch die Scheide ergänzen.

Per gynäkologischer Untersuchung und Ultraschall können etwa organische Fehlbildungen, Myome, Polypen oder Endometriose festgestellt werden. Denn gerade bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch wird der Arzt besonders auf anatomische Veränderungen achten. Auch einen Gebärmutterhalsabstrich wird der Arzt nehmen. So kann er feststellen, ob etwa Erreger (z.B. Chlamydien) ein Grund für die ungewollte Kinderlosigkeit sind.

Hormonanalyse/ Zyklusmonitoring

Einen wesentlichen Bestandteil der Basisdiagnostik bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch stellt die endokrinologische Abklärung zum Nachweis bzw. Ausschluss hormoneller Störungen dar. Die Hormonuntersuchung zeigt, ob ausreichend weibliche Sexualhormone gebildet werden, oder ob das Gleichgewicht in irgendeiner Weise gestört ist. Dazu wird der Hormonstatus mittels Blutabnahme bestimmt. Die Untersuchung erfolgt zyklusabhängig, d.h. sie richtet sich nach den Tagen im Monatszyklus. Zur Basisuntersuchung werden die hormonellen Veränderungen des Zyklus zu 3 verschiedenen Zeitpunkten zu dokumentieren:

  • Frühe Zyklusphase (1.- 5. Zyklustag)
  • Zyklusmitte (12.- 14. Zyklustag)
  • Lutealphase (21.- 25. Zyklustag)

Idealerweise wird diese Blutuntersuchungen jeweils durch einen Ultraschall ergänzt. So kann der Arzt, die zyklusabhängigen Veränderungen in den Eierstöcken (Ovarien) und der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) beurteilen.

Welche Hormone werden mittels Blutprobe untersucht?

  • Männliche Geschlechtshormone: Aufgrund der Untersuchungsergebnisse kann aufgedeckt werden, ob bei der Frau ein Überschuss männlicher Geschlechtshormone vorliegt. Sie gehört zu den häufigsten Störungen der Eierstockfunktion.
  • Prolaktin: Prolaktin ist ein Hormon, das etwa für das Brustdrüsenwachstum und die Milchproduktion zuständig ist. Wird zu viel Prolaktin produziert, kommt es zu Zyklusstörungen.
  • Überprüfung der Schilddrüsenhormone: Eine Schilddrüsenüberfunktion ist eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Die Produktion der Schilddrüsenhormone beeinträchtigt nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern kann in der Schwangerschaft zu erheblichen Komplikationen beim ungeborenen Kind führen. Zudem erlaubt die Bestimmung des Schilddrüsenhormons TSH auch das Feststellen einer Störung der Eierstockfunktion.
  • Anti-Müller-Hormon (AMH): Der AMH-Wert steht in Wechselbeziehung mit der Funktion der Eierstöcke und den reifungsfähigen Eizellen. Ist AMH vermindert, sprechen Mediziner von "eingeschränkter Ovarialreserve". Das bedeutet, dass die Eierstöcke eine verminderte Reserve an Eizellen haben und damit die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft geringer wird.

Hormonstimulationstests

Hormonstimulationstests gehören nicht zur Basisdiagnostik bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, sondern kommen nur dann (eher selten) zum Einsatz, wenn sich aus den hormonellen Basisuntersuchungen auffällige Befunde ergeben haben. Zur genaueren Abklärung kommen dann weitere Laboruntersuchungen wie z.B. der GnRH-Stimulationstest sowie der ACTH-Stimulationstest in Frage.

Bei solchen Test wird der Frau Blut abgenommen, ihr dann das Hormon per intravenöse Injektion verabreicht und nach 30 bzw. 60 Minuten je nach Test nochmals Blut abgenommen. Die Werte des ACTH-Stimulationstest geben Hinweise auf einen Überschuss männlicher Geschlechtshormone. Der GnRH-Test erfolgt zur Differenzialdiagnostik bei Verdacht auf eine Unterfunktion der Keimdrüsen.

Infektionsdiagnostik

Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten sind Zeit unseres Lebens die häufigste Ursache für symptomatische Beschwerden und Erkrankungen. Bestimmte Erreger können Entzündungen im Genitalbereich verursachen und damit einer Schwangerschaft im Wege stehen. Neben den "Klassikern" wie Chlamydien und Gonokokken spielen Ureaplasmen und Mykoplasmen eine bedeutendere Rolle. Die Routineabklärung bei Kinderwunsch umfasst die Suche nach solchen Infektionen. Die Spätfolge von Gebärmutter- und Eileiterentzündungen sind Verklebungen und Verwachsungen, die den Transport der befruchteten Eizelle behindern.

Untersuchung der Eileiterdurchgängigkeit

Sind die Eileiter nicht durchgängig, kann ein reifes Ei nicht vom Eierstock in die Gebärmutter gelangen. Deshalb ist es wichtig abzuklären, ob Verwachsungen in den Eileitern (z.B. Zysten, Myome) vorliegen, die zu einer Einengung oder einem Verschluss führen. Ärzte haben mehrere Möglichkeiten, um zu überprüfen, ob die Eileiter durchgängig sind:

  • Sonografische  Eileiterdurchgängigkeitsprüfung: Bei dieser speziellen Ultraschalluntersuchung wird ein Kontrastmittel über einen dünnen Katheter in die Gebärmutter eingebracht. Per Ultraschall wird dann der Abfluss des Kontrastmittels über die Eileiter in die Bauchhöhle verfolgt. Liegt ein Eileiterverschluss vor, ist dieser Abfluss nicht darstellbar. Durch diese Art der Untersuchung kann eine Bauchspiegelung häufig vermieden werden.
  • Bauchspiegelung: Lässt sich die Eileiterdurchgängigkeit im Rahmen der Ultraschalluntersuchung nicht eindeutig abklären oder besteht der Verdacht auf Verwachsungen oder Endometriose, so ist eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) sinnvoll. Dabei wird unter Vollnarkose ein optisches Instrument (Endoskop) über einen kleinen Hautschnitt im Bereich des Bauchnabels in den Unterleib eingeführt. So kann der Arzt das Innere des Körpers genau betrachten. Veränderungen können dabei umgehend behoben werden.
    Durch das Einspritzen einer Farblösung in die Gebärmutter kann während der Bauchspiegelung auch die Durchgängigkeit der Eileiter überprüft werden. Ist die Farblösung in der Bauchhöhle sichtbar, kann von einer normalen Eileiterfunktion ausgegangen werden. Lässt sich kein Abfluss der Farblösung über die Eileiter nachweisen, liegt ein Eileiterverschluss vor.
  • Röntgenuntersuchung mittels Kontrastmittel: Bei der Hysterosalpingographie werden Gebärmutter und die Eileiter untersucht. Veränderungen der Gebärmutter (z.B. Myome, Fehlbildungen, Tumoren) und der Eileiter, inklusive Eileiterverschluss, sind feststellbar. Das passiert, indem Kontrastmittel über den Muttermund in die Gebärmutter gespritzt wird. Dabei wird durch mehrere Röntgenaufnahmen dokumentiert, ob das Kontrastmittel von der Gebärmutter in die beiden Eileiter und schließlich in die Bauchhöhle fließt.
  • Gebärmutterspiegelung: Bei der Hysteroskopie können Veränderungen an der Wand der Gebärmutter und Schäden an den Eileitern erkannt und dabei eventuell auch schon zu behandelt werden. Der Arzt betrachtet das Innere der Gebärmutter dabei mit einem speziellen Endoskop, das durch den Gebärmutterhals eingeführt wird. Die diagnostische Hysteroskopie wird meist ohne Narkose und ambulant durchgeführt. Die operative Hysteroskopie (z.B. veränderte Schleimhaut oder Myome entfernen, Gewebe entnehmen) findet unter Vollnarkose statt.

Weitere Untersuchungen

Je nach Patientin können zu den genannten Untersuchungen bei ungewollter Kinderlosigkeit auch noch weitere dazu kommen, etwa eine allgemeine internistische Abklärung z.B. hinsichtlich Diabetes oder auch genetische Tests.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. Peter Anton Bauer

Leiter des Kinderwunschteams

KH Oberpullendorf, Abteilung Gynäkologie & Geburtshilfe

Quellen

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