Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten: Kind mit Stofftier und Masern
Um Folgeschäden zu vermeiden schützt vor den meisten Kinderkrankheiten eine Impfung (Dan Race - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Kleinkind
Sie werden als klassische "Kinderkrankheiten" bezeichnet, weil sie eher Kinder betreffen. Medizinisch betrachtet sind Mumps, Masern und Röteln jedoch Infektionskrankheiten, die mitunter schwere gesundheitliche Folgen haben können.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie treten in einer Kombination aus Fieber und Hautausschlägen auf, ihre Erreger besiedeln ausschließlich den Menschen, nach einer durchgemachten Infektion ist man lebenslang immun - Ausnahme ist der Scharlach, den man öfters bekommen kann. Das Wichtigste jedoch: Um Folgeschäden zu vermeiden schützt vor den meisten dieser Infektionserkrankungen eine Impfung.

Masern

Häufigkeit

Masern galten in Europa fast schon als ausgerottet. Doch in den vergangenen Jahren hat die Erkrankung ein Comeback gefeiert. Vor allem Epidemien in Polen und Rumänien, aber auch in Südtirol und München führten dazu, dass die Zahl der Erkrankungen in Europa um fast 200 % angestiegen ist. Infektionen, die in Form von Epidemien auftreten, stellen das verharmlosende Attribut "Kinderkrankheit" infrage.

Symptome

Masern sind weltweit nach wie vor stark verbreitet, vor allem in Entwicklungsländern. Sie zählen zu den 10 häufigsten Infektionskrankheiten. Die Infektion ist eine der ansteckendsten Erkrankungen, sie wird durch das Sekret der Nase oder des Rachens beim Sprechen oder Husten übertragen. Der Überträger verursacht sehr rasch eine Infektion, diese bricht nach 8 bis 10 Tagen aus. Ausgelöst wird die Infektion durch ein Virus und verläuft üblicherweise in 2 Kurven: Zunächst tritt Fieber, Schnupfen und Husten auf, danach kommt es zu den charakteristischen Rötungen der Haut.

Verlauf

Masern ist eine systemische, sich selbst begrenzende Virusinfektion mit 2-phasigem Verlauf. Sie beginnen mit Fieber, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Schnupfen, Husten und einem Ausschlag bzw. weißen Flecken an der Mundschleimhaut und am Gaumen. Charakteristisch sind bräunlich-rosafarbene Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen. Nach etwa einer Woche klingt das Fieber ab und die Symptome bilden sich zurück. Da das Immunsystem danach extrem geschwächt ist, können weitere Infektionen mit anderen Erregern auftreten und zu Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung führen. Bei sehr wenigen Patienten tritt in der Folge eine Gehirnentzündung auf (postinfektiöse Enzephalitis). Sie kann im schlimmsten Fall zu Bewusstseinsstörungen bis zum Koma führen und tödlich enden.

Diagnose

Die Symptome der Masernerkrankung sind ähnlich wie bei Röteln, Ringelröteln und Scharlach. Eine genaue Unterscheidung ermöglicht die fachärztliche Untersuchung, eine Labordiagnostik ist selten notwendig.

Therapie

Für Betroffene ist absolute Bettruhe empfohlen, eine antivirale Therapie gibt es nicht. Auch Antibiotika haben keine Wirkung. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen in erster Linie die Bekämpfung der Symptome, wie Fieber oder Husten mit entsprechenden Medikamenten oder Wadenwickeln. Auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte man achten. Bettruhe in einem abgedunkelten Raum schont die Augen, die meist heftig schmerzen. Einen sicheren Schutz bietet die Masern-Impfung, die im Zuge des Mutter-Kind-Passes zur Verfügung steht. Da der Mensch der einzige Wirt des Masernvirus ist, könnte die Erkrankung bei entsprechender Durchimpfung ausgerottet werden.

Besonderheiten

Babys von geimpften Müttern oder Müttern, die eine Maserninfektion hinter sich haben, sind bis zum 6. Lebensmonat geschützt - möglich machen dies die mütterlichen Antikörper. Ab dem 14. Lebensmonat schützt eine Kombinationsimpfung Masern, Mumps & Röteln vor der Infektionskrankheit, eine Auffrischungsimpfung wird nach dem 5. Geburtstag empfohlen. Die Impfung erfolgt mit einem Lebendimpfstoff und hat bei 1 von 100.000 Menschen Nebenwirkungen wie z.B. Hautrötungen.

 

Mumps

Mumpsviren-Infektionen können weltweit erfolgen, die Erreger überdauern am besten in einem gemäßigten Klima, der Mensch ist ihr einziger Wirt. Am meisten infektionsgefährdet sind Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. Laut WHO lässt sich das Mumpsvirus in unterschiedliche Genotypen einteilen. So etwa werden die Genotypen A, C, D, G und H in der westlichen Hemisphäre festgestellt, die Genotypen B, F, I, J/K und L vor allem in Asien und im pazifischen Raum. In Mitteleuropa ist vor allem der Genotyp G vertreten.

Verlauf

Die Übertragung des Virus erfolgt durch eine Tröpfchen- oder Speichelinfektion. Üblicherweise beginnt die Erkrankung mit heftigen Ohrenschmerzen, bzw. Beschwerden im Bereich der Speicheldrüsen.

Symptome

Etwa 2 bis 3 Wochen nach der Infektion treten die ersten grippeähnlichen Symptome (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen) auf. Charakteristisch an der Erkrankung ist jedoch eine schmerzhafte Schwellung erst hinter einem Ohr, nach 2 bis 3 Tagen hinter dem zweiten Ohr. Die Schwellung klingt nach längstens 10 Tagen wieder ab. Die Schwellung ist oft sehr schmerzhaft und verursacht Probleme beim Kauen oder beim Bewegen des Kopfes. Auch das Fieber kann auf bis zu 40 Grad ansteigen, in manchen Fällen bleiben Kinder aber auch völlig fieberfrei. Problematisch ist die Erkrankung, weil es dabei auch zu Entzündungen anderer Drüsen (Bauchspeicheldrüse, Hoden bei Buben) kommen kann. Eine Hodenentzündung kann Ursache für Zeugungsunfähigkeit sein.

Therapie

Eine medikamentöse Behandlung ist nicht möglich, Antibiotika haben keine Wirkung. Eine Behandlung der Schmerzen und des Fiebers ist zielführend. So etwa hilft ein Wärmewickel gegen Schmerzen, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig. Um den Speichelfluss zu fördern, kann Kaugummi-Kauen hilfreich sein.

Diagnose

Sie erfolgt in erster Linie durch Beurteilung der Symptome (Schwellung des Ohrenbereiches).

 

Röteln

Röteln sind eine "klassische" Kinderkrankheit, wird jedoch zu Unrecht oft verharmlost. Da die Erkrankung in 50 % der Fälle ohne Symptome verlaufen kann, wird sie häufig auch übersehen. Andererseits handelt es sich um eine Erkrankung, die schwere Folgen haben kann: Eine Infektion mit dem Rötelvirus in der Schwangerschaft, kann zu schweren Missbildungen des Embryos führen.

Verlauf

Das Rötelnvirus wird durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. Erste Symptome sind hellrote, linsengroße Hautrötungen im Gesicht, die sich in der Folge über den ganzen Körper verbreiten und nach 1 bis 3 Tagen wieder verschwinden. Eine Infektion ist schon 7 Tage vor dem Auftreten eines Ausschlags und die ersten Tage danach möglich. Begleitsymptome sind häufig Kopfschmerzen, Fieber (meist nicht über 38 Grad) und Schwellung der Lymphkoten, auch Husten oder eine Bindehautentzündung kann die Infektion begleiten. Neben den gravierenden Risiken in der Schwangerschaft kann die Erkrankung jedoch eine Reihe von anderen Komplikationen mit sich bringen. Bei einer Kombination aus den Symptomen Ausschlag und Fieber ist in jedem Fall immer der Kinderarzt hinzuzuziehen. Je älter der Patient, desto eher treten in der Folge Mittelohrenentzündung, Bronchitis oder Gehirnhautentzündung auf.

Diagnose

Röteln lassen sich von anderen Krankheitsbildern schwer unterscheiden. Ausschläge können auch von Medikamenten etc. verursacht werden oder andere Erkrankungen als Ursache haben, Schwangere sollten auf Nummer sicher gehen und eine "Kinderkrankheit" muss ausgeschlossen werden können, um das Baby nicht zu gefährden. Daher kann bei werdenden Müttern eine Abklärung durch eine Blutuntersuchung nötig sein.

Therapie

Eine Therapie gegen die Infektion ist nicht möglich, die Behandlung beschränkt sich auf Linderung der Begleitsymptome (Kopfschmerz, Fieber). Um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden, sollte man an Röteln erkrankte Kinder isolieren. Vorsicht ist vor allem für Schwangere geboten, sie sollten mit kranken Kindern nicht in Kontakt kommen.

Eine Impfung, wie sie der Mutter-Kind-Pass vorsieht, schützt.

 

Scharlach

Scharlach wird von Bakterien (Streptokokken) verursacht, am häufigsten sind Schulkinder betroffen, die einander anstecken. Erste Anzeichen einer Infektion sind hohes Fieber und starke Halsschmerzen. Hinzu kommt ein samtiger Ausschlag, der an Händen und Füßen später abschuppt. Die Erkrankung bricht üblicherweise 2 bis 4 Tage nach der Infektion aus.

Symptome

Neben Fieber und starken Halsschmerzen sind auch die Mandeln stark gerötet und geschwollen, mitunter sogar eitrig. Das Kind klagt über Probleme beim Schlucken. Typisch ist der zunächst weißliche Belag der Zunge, die sich jedoch nach etwa 3 Tagen himbeerrot färbt kleine Knötchen entstehen (Himbeerzunge), Etwa 2 Tage nach der Infektion entsteht zunächst in der Leistengegend und in den Achselhöhlen ein punktförmiger Ausschlag mit tiefroten Flecken, der sich auf den ganzen Körper ausbreitet, außer auf das Gesicht. Nach einer Woche klingt er wieder ab bzw. die Haut schuppt ab.

Besonderheiten

Scharlach wird mit Antibiotika behandelt. Bleibt er unbehandelt oder wird die Erkrankung die ausreichend therapiert kann diese Art der Streptokokkeninfektion Komplikationen hervorrufen. Die Folgen sind Herz- und Nierenschäden, aber auch Probleme an den Gelenken. Eine entsprechende Nachkontrolle (Harn) ist daher unerlässlich.

Therapie

Ein Schnelltest ermöglicht eine verlässliche Diagnose, sodass sofort eine Antibiotika-Therapie eingeleitet werden kann. Außerdem können fiebersenkende Medikamente verabreicht werden, wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Gegen Scharlach kann man sich nicht impfen lassen.

 

Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum)

Dreitagefieber wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen im Schnitt 5 bis 15 Tage. Am häufigsten erkranken Kinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren am Dreitagefieber. Typisch ist ein 3 Tage lang andauerndes hohes Fieber, dem ein rötlicher Hautausschlag folgt. Am Dreitagefieber kann man nur einmal im Leben erkranken.

Symptome

Charakteristisch ist hohes Fieber, das auf bis zu 40 Grad ansteigen kann und nach 3 bis 4 Tagen abfällt. Es folgt ein feiner roter Hautausschlag am Bauch und Rücken, er vergeht jedoch üblicherweise nach einem Tag. Andere Krankheitsanzeichen bleiben durchwegs aus. Die Erkrankung hinterlässt keine Folgeschäden.

Therapie

Eine Impfung steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung erschöpft sich in fiebersenkenden Maßnahmen, wie z.B. Wadenwickel.

 

Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Ringelröteln sind eine "klassische" Kinderkrankheit, die durch Virusinfektion übertragen wird. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen etwa 14 bis 18 Tage. Charakteristisch ist der schmetterlingsförmige Ausschlag, der zunächst an den Wangen beginnt. Ringelröteln verlaufen üblicherweise ohne Probleme, für Schwangere besteht jedoch ein Risiko, dass das Ungeborene angesteckt wird.

Symptome

Nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus etwa 6 Tage lang. Mitunter können in dieser Phase Schnupfen oder Husten auftreten, auch Übelkeit oder Abgeschlagenheit sind mögliche Symptome. Mit dem Ansteigen des Fiebers kommt es auch zur Bildung des Hautausschlages, beginnend im Gesicht, weiter über Arme und Beine auf den ganzen Körper. Nach etwa 7 Wochen ist der Ausschlag abgeklungen, bis dahin besteht jedoch Ansteckungsgefahr.

Besonderheiten

Schwangere, bei denen der Verdacht einer Infektion besteht, sollten eine Ultraschall- bzw. eine Blutuntersuchung durchführen, um die Erkrankung des Kindes auszuschließen.

Therapie

Gegen Ringelröteln gibt es keine wirksame medikamentöse Behandlung. Wurde das ungeborene Kind von der Mutter infiziert, kann über die Nabelschnur ein Blutaustausch des Kindes erfolgen.

 

Windpocken (Varicellen)

Das Virus ist schnell wie der Wind und verbreitet sich daher sehr rasch. Etwa 75 % aller Kinder unter 15 Jahren haben bereits eine Infektion erlitten. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen, die beim Atmen oder Husten Infizierter ausgestoßen werden. Nach der Infektion entstehen zunächst rote Flecken an der Hautoberfläche. Daraus entwickeln sich rasch kleine juckende Bläschen, die sich am ganzen Körper verbreiten. Weitere Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, die Bläschen können sich auch an der Mundschleimhaut ausbreiten. Die Erkrankung dauert etwa 10 Tage und bricht meist ca. 14 bis 21 Tage nach dem Kontakt mit einer Infektion aus. Bei Kindern verläuft die Infektion meist komplikationslos, allerdings sollten Kinder mit Hauterkrankungen (z.B. Neurodermitis) gegen Windpocken geimpft werden. Für diese ist der juckende Hautausschlag eine große Belastung. Auch wenn eine Windpocken-Infektion abgeklungen ist, überlebt das Virus in bestimmten Hirnnervenganglien des Menschen. Es kann Jahre später, meist bei älteren Menschen oder Immunschwachen, neuerlich ausbrechen und eine Gürtelrose verursachen. Bei Erwachsenen sind z.B. eine durch Varizellen verursachte Lungenentzündung oder eine Verbreitung des Virus im Zentralnervensystem sowie das Risiko eine Gürtelrose zu entwickeln. Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel haben ein erhöhtes Risiko, dass es beim Ungeborenen aufgrund der Infektion zu Missbildungen kommen kann.

Diagnose und Therapie

Die Behandlung zielt in erster Linie auf die Linderung des Juckreizes ab. Geeignet sind spezielle Lotionen. Nur in schweren Fällen werden virushemmende Medikamente (Azyklovir) verordnet. Azyklovir hemmt zwar die Vermehrung von Viren, kann diese jedoch nicht abtöten. Eine Behandlung mit dem fiebersenkenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure (Aspirin) ist nicht zu empfehlen, da dies eine bestimmte Form von Gehirnentzündung (Reye-Snydrom) verursachen kann. Bettruhe ist in jedem Fall ratsam, leichte Baumwoll-Kleidung, um den Juckreiz zu verringern, keine Bäder (Eventuell lauwarme Duschen) sind weitere Maßnahmen, die Eltern zuhause durchführen können. Vor Windpocken schützt eine Impfung.

Besonderheiten

In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten. Eine Infektion kann zwischen der 8. und 21. Schwangerschaftswoche zu Fehlbildungen des Kindes führen. Erkrankt die Mutter kurz vor oder nach der Geburt an Windpocken, kann auch das Kind daran erkranken und schwere Verläufe entwickeln.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe einen Hautausschlag – kann dies eine Kinderkrankheit sein?
  • Kann man sich trotz Impfung infizieren?
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen muss ich bei Auslandsreisen treffen?
  • Mein Kind kämpft mit starkem Juckreiz durch Windpocken - wie kann ich ihm helfen?
  • Mein Kind hat Mumps und ich bin mit ihm recht spät zum Arzt gegangen - könnten Folgeschäden auftreten?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim., MBA

DDr. Peter Voitl

Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

Ärztlicher Leiter am Ambulatorium für Kinderkardiologie und ärztlicher Leiter des Vereins MOKI-Wien Mobile Kinderkrankenpflege

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: B05.0, B06.0, B06.8, B06.9, B01.0, B01.9, B26.0, B26.9, A38, B08.2, B08.3,

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