Karpaltunnelsyndrom

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Die häufigsten Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind Taubheitsgefühl und Kribbeln im Handgelenk. (lightpoet - Fotolia.com)

Das Karpaltunnelsyndrom ist Folge einer Druckschädigung des Mittelnervs, der am Handgelenk im sogenannten Karpaltunnel verläuft.

Symptome sind u.a. Taubheitsgefühl und Kribbeln in der Hand. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch Gewebeschwellungen im Karpaltunnel des Handgelenks und folglich durch eine Druckschädigung des Mittelnervs (Nervus Medianus). Symptome sind u.a. Schmerzen und neurologische Ausfälle.

Die Ursachen der Schmerzen in Handgelenk und Fingern sind unterschiedlich, Überlastung des Handgelenks oder Traumata (z.B. ein Bruch der Speiche) können die Beschwerden auslösen. Erkrankungen wie Diabetes oder rheumatoide Arthritis begünstigen außerdem die Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms. Diagnostiziert wird anhand verschiedener Tests, z.B. mittels der sogenannten Nervenleitgeschwindigkeit. Sowohl medikamentöse und physikalische Therapie als auch operative Behandlungsmethoden sind möglich. Die Prognosen sind zumeist gut, außer wenn die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist.

Häufigkeit

Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Krankheit, die durch „Nerveneinklemmung“ entsteht (Engpass-Syndrom). Frauen sind wesentlich öfter betroffen als Männer, die meisten erkranken zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Selten sind auch Jugendliche oder sehr alte Menschen betroffen.

Zu 80 % tritt das Karpaltunnelsyndrom an beiden Händen gleichzeitig auf. Diabetiker, Patienten mit rheumatoider Arthritis sowie Dialyse-Patienten haben ein höheres Erkrankungsrisiko.

Ursachen

Auslöser des Karpaltunnelsyndroms ist ein beengter Nerv, der im Karpaltunnel im Handgelenk liegt. Durch verschiedene Ereignisse kann das Volumen im Karpaltunnel zunehmen und den Druck auf den Nerv erhöhen. Dies passiert z.B. durch:

  • Schwellungen des Sehnengleitgewebes: als Folge von degenerativen, rheumatischen, hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankungen (z.B. Arthrose, Gicht, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion etc.); die Schwellung wird durch die Überlastung der Hand verstärkt (z.B. intensives Arbeiten am Computer; Reinigungspersonal ist auch sehr häufig betroffen)
  • Traumata: Radiusfraktur (Bruch der Speiche nahe beim Handgelenk), Verrenkung der Handwurzel, Handgelenksarthrose mit Osteophyten (Knochenneubildung am Rand der Gelenkflächen), innere Blutung; Unterarmbrüche, die in einer Fehlstellung verheilt sind
  • Tumoren: oder tumorähnliche Bildungen, die den Mittelnerv verdrängen, z.B. Lipome, Ganglien oder Osteophyten

Symptome und Verlauf

Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms werden durch eine Druckerhöhung im Karpaltunnel verursacht. Der im Karpaltunnel verlaufende Mittelnerv besteht aus sehr empfindlichen und motorischen (den Bewegungsablauf betreffend und auch steuernd) Fasern, weswegen es zu folgenden Symptomen kommt:

  • Taubheitsgefühl/Kribbeln der ersten 3 Finger und der Innenseite des Ringfingers
  • Steife Finger, fühlen sich wie geschwollen an
  • Elektrisierender Schmerz in den Fingern, z.B. bei Greifbewegungen
  • Feinmotorische Fertigkeiten werden schwieriger (z.B. Nähen)
  • Ausfallserscheinungen (z.B. beim in die Hand nehmen eines Gegenstandes)
  • Schmerzen können in den ganzen Arm ausstrahlen
  • Schwächung und Schrumpfung (Muskelatrophie) der Muskulatur des Daumenballens im fortgeschrittenen Stadium; Lähmung

Das Kribbeln bzw. das Taubheitsgefühl machen sich anfangs vor allem nachts und am frühen Morgen bemerkbar, im späteren Krankheitsverlauf auch tagsüber.

Diagnose

Zum Nachweis eines Karpaltunnelsyndroms werden verschiedene Tests herangezogen, wobei die Testergebnisse trotz vorliegender Erkrankung nicht immer positiv ausfallen. Folgende diagnostische Methoden stehen zur Verfügung:

  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Der Arzt beklopft den Nervus medianus am Handgelenk mit den Fingerspitzen. Liegt ein Karpaltunnelsyndrom vor, verspürt der Patient einen elektrisierenden Schmerz.
  • Phalen-Zeichen: Der Arzt beugt das Handgelenk des Patienten für 1 Minute nach vorne bzw. überstreckt es nach hinten. Bei Karpaltunnelsyndrom treten die typische Symptome, wie z.B. Schmerzen oder Taubheitsgefühl auf.
  • "Flaschen-Test": Ist die Daumenballenmuskulatur gelähmt, kann der Patient keine Flasche festhalten.
  • Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie, ENG): Diese Untersuchung sichert den Verdacht eines Karpaltunnelsyndroms in den meisten Fällen. Die Leitfähigkeit der Nerven wird anhand von Elektroden und elektrischer Stimulation geprüft. Ein verletzter oder abgedrückter Nerv kann lokalisiert werden.
  • Beurteilung der Muskelaktivität (Elektromyographie, EMG): Das EMG ist ebenfalls eine Methode zur Absicherung der Diagnose Karpaltunnelsyndrom. Mittels dünner Elektrodennadeln, die in den betroffenen Muskel gesetzt werden und elektrischer Stimulation kann der Arzt dessen Aktivität beobachten.

Therapie

Je nach Dauer und Intensität der Beschwerden kommen konservative (physikalisch/medikamentös) oder operative Behandlungsmethoden infrage. Zumeist wird versucht, mit konservativer Therapie die Symptome zu lindern. Reicht dies nicht aus, wird eine Operation empfohlen.

  • Konservative Therapie: Nichtsteroidale Antirheumatika hemmen die Entzündung und lindern des Schmerz. Im Anfangsstadium hilft auch Kühlung, z.B. das Halten des Handgelenks unter laufendes kaltes Wasser. Ruhigstellung mit speziellen Unterarmschienen oder Manschetten schont das Gelenk und führt zu einer Besserung der Symptome. In seltenen Fällen injiziert der Arzt Kortison in den Karpaltunnel, um eine Abschwellung des Gewebes zu erreichen, das den Mittelnerv einengt. Wird Kortison zu häufig angewandt, kann es jedoch zu einer Sehnenruptur (Sehnenriss) kommen.
  • Chirurgische Therapie: Hat der Patient häufig neurologische Ausfälle (z.B. starke Probleme beim Greifen) und beeinträchtigende Schmerzen, kann eine Operation helfen. Dabei wird das Karpalband durchtrennt und somit der Druck auf den Mittelnerv reduziert. Die Operation erfolgt entweder offen durch einen Schnitt oder endoskopisch („Schlüssellochchirurgie“) mit Spezialinstrumenten durch 2 kleine Hautschnitte im Handgelenk. Durch den Eingriff werden Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln rasch besser, nur selten gibt es Rückfälle. Liegt jedoch schon eine Lähmung aufgrund einer Muskelatrophie (Schwächung/Schrumpfung der Daumenballenmuskulatur) vor, ist die Prognose nicht so gut.

Was können Sie selbst tun?

  • Einreibungen z.B. mit Arnikasalben oder bestimmten Pflanzenölen aus der Apotheke können die Symptome zusätzlich lindern
  • Kühlen Sie das Handgelenk bei Schmerzen unter dem laufenden Wasserhahn
  • Homöopathische Mittel können den Heilungsprozess unterstützen
  • Ergonomisch geformte Tastaturen am Arbeitsplatz beugen Karpaltunnelsyndrom vor
  • Verspüren Sie erste Symptome wie Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um das Karpaltunnelsyndrom einzudämmen und andere (z.B. neurologische) Erkrankungen ausschließen zu können

Fragen an den Arzt

  • Ich habe ab und zu ein Kribbeln in den Fingern. Könnte ich ein Karpaltunnelsyndrom haben?
  • Was hat mein Karpaltunnelsyndrom verursacht?
  • Wie weit ist die Erkrankung bei mir fortgeschritten?
  • Ist die Nervenleitgeschwindigkeit eine schmerzhafte Untersuchung?
  • Welche therapeutische Maßnahme kommt für mich infrage?

Medizinischer Experte

OA Priv.-Doz.

Dr. Markus Figl

Facharzt für Unfallchirurgie, Handchirurgie

Website

Quellen

ICD-10: G56.0

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