Rheuma bei Kindern (Juvenile Arthritis, Idiopathische Arthritis)

Schmerzhafte Gelenkentzündung bei Kindern

Rheuma bei Kindern (Juvenile Arthritis, Idiopathische Arthritis): Kind wird durch Physiotherapie geheilt
Sport und Physiotherapie kann Kindern mit Rheuma bei der Schmerzbewältigung helfen. (shootingankauf - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Rheuma
Juvenile Arthritis ist eine Form von Rheuma, die bei Kindern und Jugendlichen unter dem 16. Lebensjahr auftritt. Diese Autoimmunerkrankung führt zu chronischen Entzündungen der Gelenke und verläuft in Schüben.

Symptome wie Schmerzen, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen der Gelenke treten auf. Die Prognosen für die Erkrankung sind relativ gut, kommt es doch bei frühzeitiger Behandlung bei ungefähr der Hälfte der betroffenen Kinder zu einer vollständigen Ausheilung. Die Therapie, bestehend unter anderem aus schmerzstillenden, entzündungshemmenden Medikamenten und einer Bewegungstherapie, ermöglicht es, die Funktion und Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhalten.

Häufigkeit

Etwa eines von 1.000 Kindern unter 16 Jahren erkrankt in Österreich an der Juvenilen Arthritis. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei 8 von 100.000 Kindern jährlich. Die Prognose dieser Form von Rheuma ist relativ gut: Die Juvenile Arthritis bildet sich bei zirka 50 % der Betroffenen ohne langfristige Auswirkungen im Zuge der Therapie zurück. Bei schweren Verlaufsformen hingegen ist ein Übergang bis ins Erwachsenenalter möglich.

Ursachen / Symptome / Verlauf

Juvenile Arthritis ist eine chronische, in der Kindheit beginnende, schmerzhafte Entzündung der Gelenkschleimhaut mit unbekannter Ursache. Sie ist eine rheumatische Erkrankung. Als Risikofaktor für die Entstehung des Rheumas bei Kindern gelten genetische Veranlagung (Vererbung) und Umweltfaktoren wie Zigarettenrauch, Bakterien- oder Viruserkrankungen. Warum das Immunsystem gegen den eigenen Körper arbeitet, ist noch unbekannt.

Wie das Immunsystem Gelenke beeinflusst

Das Immunsystem des Körpers ermöglicht die Abwehr von körperfremden Substanzen, wie Bakterien oder Viren. Es hat einen Schutzmechanismus, der einen Angriff auf die eigenen Körperzellen verhindert. Bei zahlreichen Erkrankungen, denen auch entzündliche Rheumaerkrankungen angehören, funktioniert dieser Schutzmechanismus aber nicht richtig. Es kommt zu einer Immunreaktion, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper wendet  (Autoimmunerkrankung) und im Falle der Juvenilen Idiopathischen Arthritis eine Entzündung der Gelenkschleimhaut hervorruft. Durch die Entzündung kommt es langfristig zu einer Schädigung der Gelenke, das hat eine Einschränkung der Beweglichkeit zur Folge. 

Symptome

Kinder sind zu Beginn der Erkrankung merkbar in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, sie sind müde und auch weinerlich. Zu den Hauptsymptomen der Juvenilen Idiopathischen Arthritis  gehören folgende Beschwerden (an den betroffenen Gelenken):

  • Schmerzen
  • Rötung
  • Schwellung
  • Überwärmung
  • Ergüsse
  • Bewegungseinschränkung
  • Morgensteifigkeit

Gerade kleine Kinder können oft nicht sagen, was und wo es ihnen weh tut, das macht es schwierig eine Arthritis frühzeitig zu erkennen. Sie nehmen eine Schonhaltung ein, um ihre Gelenke zu entlasten, haben einen unruhigen Schlaf und sind nur begrenzt belastbar. Fehl- oder Überlastung des Gelenkes machen sich dann erst durch einen unsicheren Gang bemerkbar.

Da die Gelenke wegen der Schmerzen geschont werden, können weitere Folgeerscheinungen, wie Gelenkfehlstellungen, Bewegungseinschränkungen, Schonhaltungen oder Entwicklungsstörungen hinzukommen. Auch Hautausschläge, Fieber oder eine Entzündung von Augen, Herz oder Brustfell können auftreten.

Verlaufsformen der Juvenilen Idiopathischen Arthritis

Die folgenden Verlaufsformen haben als gemeinsames Merkmal eine chronische, schubhafte Entzündung der Gelenke. Sie dauern mindestens 6 Wochen an  und der Beginn der Erkrankung liegt unter dem 16. Lebensjahr. Jede Entzündung entsteht ohne eine vorherige Verletzung der Gelenke.

  • Systemische Verlaufsform (Morbus Still): bei dieser Verlaufsform treten Fieber und ein typischer Hautausschlag am Körper auf
  • Oligoartikuläre Verlaufsform: von dieser Verlaufsform spricht man, wenn mindestens 1 und maximal 4 Gelenke mit einer Dauer von 6 Monaten betroffen sind
  • Polyartikuläre Verlaufsform: diese Verlaufsform ist gekennzeichnet durch mehr als 5 betroffene Gelenke
  • Enthesitisassoziierte Arthritis: hier sind auch Sehnen , Sehnenscheiden und Sehnenansätze von Entzündungen betroffen
  • Psoriasis Arthritis: ist das zeitgleiche Vorhandensein einer Entzündung der Gelenke (Arthritis) und einer Schuppenflechte (Psoriasis)  

Diagnose

Der Kinderarzt ist in der Regel der erste Ansprechpartner, wenn das Kind Schon- oder Fehlhaltungen bei Bewegungen zeigt. Dieser wird in einem ausführlichen Anamnesegespräch Fragen über Beschwerden, Beginn und Dauer, Häufigkeit und familiäre Häufungen stellen. Eine Blutuntersuchung, Tastuntersuchung und MRT der Gelenke sowie Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen helfen dem Arzt bei der Diagnose.

Bei der Blutuntersuchung werden folgende Werte (Parameter) untersucht:

  • Die Blutsenkung: sie ist bei Entzündungen und Infektionen beschleunigt 
  • CRP: das chronisch reaktive Protein, ein Eiweiß, ist bei Entzündungen und Infektionen über den Normalwert ansteigt, es ist auch wichtig für die Verlaufskontrolle
  • Die Immunglobuline: sie sind Antikörper und dienen dem Immunsystem, bei Entzündungen sind diese Werte erhöht
  • Der Rheumafaktor: dieser ist ein Antikörper gegen ein bestimmtes Immunglobulin, er hat aber bei Kindern und Jugendlichen eine geringe Bedeutung, da er nur bei wenigen Betroffenen vorhanden ist

Therapie

Je früher das betroffene Kind therapiert wird, desto  geringer sind die Schäden an den Gelenken:

  • Medikamentöse Therapie: dazu gehören schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika) und Kortison (als Saft, Tablette oder Injektion). Bei schweren Verlaufsformen werden Zytostatika, wie Methotrexat, Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsupressiva) oder sogenannte "Biologicals" eingesetzt. Einige dieser Therapieformen sind allerdings nur eingeschränkt für Kinder anwendbar.
  • Physiotherapie / Ergotherapie: Unter Hilfenahme von Schienen, Schuheinlagen, Gehhilfen etc. soll die Muskulatur entspannt und Schmerzen gelindert werden. Damit Beeinträchtigungen erst gar nicht entstehen können und die Beweglichkeit rasch verbessert werden kann, ist eine Physiotherapie notwendig, sobald die Arthritis diagnostiziert ist.
  • Sport: Sport bei Rheuma ist durchaus möglich und beeinflusst die Gelenke positiv: die Muskulatur wird gestärkt und so die Gelenke geschont.

Was kann der Betroffene tun?

  • Entzündete Gelenke kühlen, nicht ruhigstellen.
  • Die Ernährung Fett-, Fleisch- und Wurst arm gestalten, Fisch sollte mindestens 2-mal wöchentlich auf den Teller kommen, um das Entzündungsrisiko (Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D) zu senken.
  • Vitamin C haltiges Obst und Gemüse wie Paprika oder Johannisbeeren, unterstützt das Immunsystem und fördert die Neubildung von Knorpelgewebe.
  • Bewegung / Sport / Gymnastik helfen in Bewegung zu bleiben und die Gelenke zu entlasten.
  • Durch den Besuch von Selbsthilfegruppen kann ein Austausch mit anderen betroffenen Eltern erfolgen.

Fragen an den Arzt

  • Was sind Biologicals?
  • Wie funktioniert eine Therapie mit Immunsupressiva?
  • Was ist eine Autoimmunerkrankung?
  • Wie häufig treten Schübe auf?
  • Wie helfe ich meinem Kind, mit seiner Erkrankung umzugehen?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim. Univ. Doz.

Dr. Christian Huemer

Chefarzt des Landeskrankenhauses Bregenz,

Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde

Quellen

ICD-10: M08., M08.0, M08.1, M08.2, M08.3, M08.4, M08.7, M08.8, M08.9

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