Dampfinhalation

Dampfinhalation: Patient wendet eine Dampfinhalation an
Das Wasser darf beim Inhalieren für Erwachsene nie heißer als 70 Grad sein. (drubig-photo - Fotolia.com)

Dampfinhalation ist ein altes Hausmittel, um Atemwege zu behandeln. Warmer Dampf von in heißem Wasser beigemengten Zusätzen wird eingeatmet. Bei Erkältungen und ihren Symptomen wie Schnupfen und Husten fühlt man sich dadurch oft besser.

Eine Heilung ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber sie ist zur Vorbeugung geeignet, da die Schleimhäute der oberen Atemwege gezielt befeuchtet werden. Dampfinhalation erreicht die Schleimhäute der unteren Atemwege in Bronchien und Lunge nicht. Auch für Kinder ist die Dampfinhalation nur unter bestimmten Voraussetzungen geeignet. Zu heiße Inhalationen führen zu einer verstärkten Durchblutung der Schleimhaut und können die Schwellung der Nasen- und Bronchialschleimhaut auch vermehren und die Symptome verschlechtern.

Wann nützt eine Dampfinhalation?

  • Bei einfachen Erkältungen mit Schnupfen und Husten
  • Bei Heuschnupfen
  • Bei Nasennebenhöhlenentzündung
  • Bei Entzündungen des Rachens und Heiserkeit
  • Zur Vorbeugung von Erkrankungen der oberen Atemwege

Was passiert beim Inhalieren?

Mittels der Dampfinhalation werden Wirkstoffe etwa aus Pflanzen, wie ätherische Öle, gelöst und über den Wasserdampf eingeatmet. Die Wirkstoffe gelangen so direkt in die oberen Atemwege und können ihre Wirkungen unmittelbar am Ort der Erkrankung entfalten. Der Vorteil der Inhalation gegenüber der Gabe von Tropfen oder Tabletten ist, dass die Wirkstoffe so nicht den gesamten Organismus belasten.

Die positiven Effekte der Dampfinhalation

  • Die Atemwege werden angefeuchtet. Dadurch wird die Schutzfunktion der Schleimhäute aufrecht erhalten (Infektvorbeugung) und ihre natürliche Reinigungsfunktion unterstützt.
  • Zähes Sekret in den oberen Atemwegen lockert und verflüssigt sich. Abhusten und schnäuzen wird erleichtert.
  • Entzündungshemmende und desinfizierende Wirkstoffe gelangen direkt an den Ort der Erkrankung, bekämpfen dort Erreger und unterstützen so die Heilung.

Wann und (wie lange) kommt die Dampfinhalation zum Einsatz?

Die Dampfinhalation wird zur Behandlung der oberen Atemwege eingesetzt. Bei akuten Infekten, wie einer Erkältung, kann eine Dampfinhalation 1 bis 3 Mal täglich 5 bis 20 Minuten vorgenommen werden - so lange, wie es angenehm ist. Viele Patienten empfinden das als sehr wohltuend. Klingen die Beschwerden nicht ab oder verschlimmern sich sogar, sollte ein Arzt aufgesucht werden!

Wie mache ich eine Dampfinhalation?

Für die gute, alte Dampfinhalation brauchen Sie nur einen Kochtopf, Wasser, ein Handtuch und gegebenfalls bestimmte Zusätze wie getrocknete Heilpflanzen oder ihre ätherischen Ölessenzen. Nehmen Sie eine Hand voll getrockneter Kräuter auf zwei Liter kochendes Wasser. Die ausgewählten Heilpflanzen übergießen und zugedeckt zirka 10 Minuten ziehen lassen. Nutzen Sie ätherisches Öl, kommen davon 10 Tropfen in 100 ml heißes Wasser. Doch Vorsicht: Verbrennungsgefahr! Erst wenn die Mischung leicht abgekühlt ist, den Kopf mit dem Tuch bedeckt über den Topf hängen und den aufsteigenden Dampf mit offenem Mund einatmen.

Es gibt auch Dampfinhalatoren, die Sie z.B. in der Apotheke kaufen können. Die heiße Inhalationsmischung wird dann in den Inhalator gegeben und die wohltuenden Dämpfe über einen Mund-Nasen-Aufsatz eingeatmet.

Bewährte Zusätze für die Dampfinhalation

Je nach Erkrankung können verschiedene Zusätze im heißen Wasser die wohltuende Wirkung der Dampfinhalation unterstützen:

  • Allgemein bei Erkrankungen der oberen Atemwege: Oregano (Dost), Lindenblüte, Thymian, Quendel, Königskerze, roter und weißer Wiesenklee
  • Allgemein bei Schnupfen: Thymian, Quendel
  • Allgemein bei Husten: Efeu, Thymian, Quendel, Primel (Schlüsselblume), Königskerze, Hohlzahn
  • Allgemein bei Heiserkeit: Baumnadeln von Fichte, Lärche, Tanne und Latschenkiefer, Thymian, Königskerze
  • Schleimlösend: Efeu, Kamille, Thymian, Quendel, Eukalyptus, Hohlzahn, Baumnadeln von Fichte, Lärche, Tanne und Latschenkiefer
  • Entzündungshemmend: Kamille, Thymian

Nebenwirkungen

Inhalieren Sie über einem Topf, erreichen die Dämpfe nicht nur Mund und Nase, sondern das ganze Gesicht. Besonders ätherische Öle können die Haut und die Augen reizen. Das können Sie durch einen Dampfinhalator umgehen, da der Aufsatz nur auf Mund und Nase sitzt.

Da ätherische Öle besonders intensiv sind und die Atemwege deshalb auch reizen können, müssen manche Menschen bei der Inhalation husten. Dann sollten Sie die Anwendung abbrechen und sich besser Dampfinhalationen aus Wasser mit Heilkräutern zubereiten, die sanfter wirken. Dasselbe gilt für Asthmatiker: Ätherische Öle sind für sie grundsätzlich tabu, da sie einen Asthmaanfall auslösen können! Auch bei kleinen Kindern können ätherische Öle zu Atemnot bis hin zum Atemstillstand führen. Vor allem Menthol (z.B. in Pfefferminz- oder Thymianöl) und Kampfer (vor allem in ätherischen Ölen von Lorbeergewächsen, Korb- und Lippenblütlern) sind für Kinder deshalb absolut tabu!

Nicht zu unterschätzen ist auch die Verbrennungsgefahr! Kippt das Gefäß mit der heißen Flüssigkeit um, kann es zu schweren Verbrühungen kommen. Stellen Sie den Topf bzw. den Dampfinhalator beim Inhalieren deshalb immer sicher auf. Kinder bis 6 Jahre nie alleine inhalieren lassen! Zudem sollten Sie darauf achten, dass das Wasser beim Inhaliervorgang nicht zu heiß ist, um die Atemwege - und über dem Topf auch die Haut - nicht zu verbrühen: Für kleine Kinder sollte das Wasser nicht heißer als 40 bis 50 Grad sein. Für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene ist eine Temperatur von 70 Grad ideal zum Inhalieren.

Was müssen Sie nach einer Dampfinhalation beachten?

Haben Sie über einem Topf inhaliert, waschen Sie nach der Inhalation das Gesicht kalt ab, damit sich die feinen Hautgefäße wieder verengen und cremen Sie es dann mit einer pflegenden Creme ein - besonders wenn Sie ätherische Öle inhaliert haben. Ideal ist es, dann eine halbe Stunde warm eingepackt nachzuruhen.

Wer einen Dampfinhalator genutzt hat, muss das Gerät nach jedem Inhalations-Vorgang sorgfältig abspülen und gut abtrocknen. Sonst besteht die Gefahr, dass Keime sich in der Feuchtigkeit vermehren und beim nächsten Inhalieren in die Atemwege gelangen. Beachten Sie die Hinweise der Hersteller, ob eine Reinigung der Mund- oder Nasenstücke z.B. in der Spülmaschine erlaubt oder ausreichend ist. Auch einen Topf, den Sie zum Inhalieren benutzt haben, immer gut reinigen.

Wer therapiert?

Sie können die Dampfinhalation daheim selbst anwenden. Über die richtigen Zusätze können Sie sich in der Apotheke, bei Ärzten oder über Ratgeber-Literatur erkundigen. Teilweise wenden HNO-Ärzte die Dampfinhalation auch in ihren Praxen an.

Was können Sie zum Gelingen der Inhalation beitragen?

Grundsätzlich gilt: Beim Inhalieren ruhig und tief ein- und ausatmen. Empfinden Sie die Dämpfe als zu heiß, was sich durch Hustenreiz bemerkbar macht, warten Sie etwas ab oder geben Sie ein wenig kaltes Wasser zu der heißen Inhalationslösung.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Die Wirkstoffe aus Heilkräutern und ätherischen Ölen werden in Wassertröpfchen, dem Dampf, transportiert. Verglichen mit dem Dampf aus technischen Geräten wie Ultraschall- oder Düsenverneblern, sind die Tröpfchen, die bei der Wasserdampfinhalation eingeatmet werden, große Teilchen. Deshalb gelangen sie nur in die oberen Luftwege! Um die unteren Luftwege wie Bronchien oder Lungenbläschen zu erreichen, müssen die Wirkstoffe in kleineren Wassertröpfchen transportiert werden. Deshalb kommen bei Erkrankungen der unteren Atemwege wie Bronchitis, COPD, Asthma, Mukoviszidose oder Lungenentzündung andere Inhalationsformen zur Anwendung: Neben Ultraschall- oder Düsenverneblern wird bei solch schwerer wiegenden Erkrankungen auch auf Aerosole (zu Nebel zerstäubte, ärztlich verordnete Medikamente) zurückgegriffen.

Fragen an den Arzt

  • Wann ist das Wasser zu heiß für eine Dampfinhalation?
  • Muss ich die richtige Temperatur mit einem Thermometer prüfen?
  • Kann ich bei der Dampfinhalation etwas falsch machen?
  • Wie lange und wie oft soll ich inhalieren?
  • Reicht Dampfinhalation als Therapie aus oder muss ich Medikamente nehmen?
  • Welcher Zusatz (z.B. ätherisches Öl) ist für mich zur Dampfinhalation am besten geeignet?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

Website

Quellen

  • Naturheilkunde für die ganze Familie, P. Zizenbacher, Freya Verlag, 1. Auflage, Linz, 2011
  • Pschyrembel, Therapie, W. de Gruyter, 4. Auflage, Berlin-New York, 2009
  • Pflege heute, N. Menche (Hrsg.), Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage, München Jena, 2001

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