Impotenz

Verschiedene Störungen der männlichen Sexualität

Impotenz: Mann stützt sich bei Tisch ab
Impotenz kann bei Männern zu großer Verunsicherung und psychischen Problemen führen. (Antonio Gravante - Fotolia.com)
Der Begriff "Impotenz" hat in der Medizin zwei grundlegend verschiedene Bedeutungen: erstens die Unfähigkeit zu einer ausreichenden Penisverhärtung und zweitens das Unvermögen zur Zeugung eines Kindes.

Im alltäglichen Sprachgebrauch meint man meistens Ersteres, nämlich die fehlende Penisverhärtung (Erektion). Im medizinischen Fachjargon spricht man nur dann von "Impotenz", wenn die Störung generalisiert ist, also überhaupt keine Erektion mehr möglich ist (z.B. auch nicht bei der Masturbation). Alle anderen Fälle von Störungen der Penisverhärtung werden als "erektile Dysfunktion" bezeichnet. Es gibt zahlreiche Ursachen für Störungen der Penisverhärtung, bei jungen Männern stehen psychosomatische Ursachen im Vordergrund ("gehen vom Kopf aus"), beim älteren Mann - so ab 40 - die biologischen. Die Zeugungsunfähigkeit ist die zweite Form der Impotenz, die einem Mann zu schaffen machen kann. Sie hat nichts mit dem Penis und dessen Verhärtung zu tun, sondern mit der Samenqualität und dem Transport der Samen zur Eizelle. 

Häufigkeit

Auch wenn es keine gesicherten Zahlen gibt, geht man davon aus, dass 5 bis 10 % aller Männer im Laufe ihres Lebens mit einer Störung ihrer Zeugungsfähigkeit konfrontiert werden. Ungewollte Kinderlosigkeit bei Paaren ist zu 40 % auf Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann und zu 40 % auf Schwierigkeiten bei der Frau zurückzuführen. In den restlichen 20 % liegen die Ursachen bei Mann und Frau gemeinsam.

Ursachen

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum ein Mann unfruchtbar sein kann.

Meist liegt die Ursache in einer verminderten Spermaqualität, die durch eine zu geringe Anzahl oder zu schlechte Beweglichkeit der Samenzellen bedingt ist. Manchmal kommt es auch vor, dass der Samen nicht zur Eizelle befördert wird. Dann ist die Samenqualität zwar in Ordnung, die Zeugung eines Kindes ist trotzdem nicht möglich.

Verminderungen der Spermaqualität können verursacht werden durch

  • Erkrankungen (wie etwa Mumps in der Kindheit oder Diabetes)
  • Hormonstörungen
  • anatomische Probleme (Hodenhochstand)
  • Operation, Chemotherapie, Bestrahlung (im Fall von Krebserkrankungen, z.B. Hodenkrebs)
  • Lebensweise: Stress, Nikotin, Alkohol und Missbrauch von anderen Drogen
  • Selbst zu viel Hitze schadet den Samenzellen. Sie bevorzugen eine Temperatur von 35 Grad. Deshalb sollte Mann bei Kinderwunsch auf Saunabesuche verzichten

Zeugungsunfähigkeit kann auch dann vorliegen, wenn zwar genügend Samenzellen gebildet werden, der Spermientransport aber infolge einer Blockade der Samenleiter unterbleibt. Der Transport kann auch infolge von Verletzungen, Operationen und anatomischen Problemen behindert sein. Auch im Falle einer Ejakulationsstörung gelangen die Spermienzellen nicht in den weiblichen Körper, eine Befruchtung unterbleibt.

Weitere Ursachen männlicher Zeugungsunfähigkeit:

  • Erektionsstörungen
  • Immunologische Probleme
  • Drüsenstörungen
  • Sterilisation (Vasektomie)
  • Erbliche Faktoren

Es ist auch möglich, dass mehrere Ursachen diagnostiziert werden.

Diagnose

Die Diagnose stellt der Sexualmediziner bzw. der Urologe. Zur Untersuchung des Mannes gehören eine ausführliche Befragung durch den Arzt über die Lebensumstände, Tast- und Ultraschalluntersuchung, Spermiogramm (Untersuchung der Beschaffenheit der Spermien), möglich sind zudem Hormonspiegeluntersuchung, genetische Untersuchung und Hodenbiopsie (bei Verdacht auf Hodenkrebs).

Therapie

Je nach Ursache stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten (Reproduktionstechniken) zur Verfügung:

  • In-vitro-Fertilisations-Techniken (IVF): Man versteht darunter die Vereinigung von Ei- und Samenzelle außerhalb des Mutterleibs, die Befruchtung erfolgt im Reagenzglas (in vitro). Es stehen viele unterschiedliche Varianten dieser Methode zur Verfügung.
  • Die intrazytoplasmatische Spermainjektion (ICSI-Methode): Hierbei werden einzelne Spermien per Mikroinjektion in mehrere reife Eizellen eingebracht, um damit eine Befruchtung zu bewirken. Diese Methode ist ebenso wie die IVF-Metoden sehr aufwändig und für die Eltern eine große Herausforderung.
  • Rein medikamentöse Therapien der männlichen Unfruchtbarkeit sind in der Regel wenig erfolgreich.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Generell wird zu einem gesunden Lebensstil geraten: kein Übergewicht, kein Nikotin, möglichst wenig Stress, kein exzessiver Sport, keine allzu häufigen Saunabesuche, eiweiß- und vitaminreiche Kost, Alkohol nur in kleinen Mengen, keine engen Hosen, welche die Lage der Hoden beeinträchtigen.

Fragen an den Arzt

  • Wie lässt sich feststellen, ob ich als Mann zeugungsfähig bin?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?
  • Kann ich zeugungsunfähig sein, obwohl ich keine Erektionsprobleme habe?
  • Kann ich selbst etwas dazu beitragen, dass meine Spermienqualität steigt?
  • Was verursacht Zeugungsunfähigkeit?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

MR Dr. Georg Pfau

Praxis für Sex und Gender für Männer

Sexualmediziner und Männerarzt in Linz, www.maennerarzt-linz.at

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: N48.4, F52.2

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