Implantat (Zahn)

Implantate können nur bei ausreichender Dicke des Kieferknochens eingesetzt werden. (Alexandr Mitiuc - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gesunde Zähne

Implantate dienen als künstliche Zahnwurzel, die fest im Kieferknochen verankert werden. Auf ihr können anschließend Zahnkronen, Brücken oder Prothesen befestigt werden.

Die Therapie verläuft in mehreren Schritten: von der Röntgenaufnahme und/oder einer dreidimensionalen Aufnahme, über das Aufbohren des Kieferknochens und das Einbringen der künstlichen Zahnwurzel bis zum fertigen Zahnersatz.

Bis die Behandlung beim Zahnarzt oder einem Kieferchirurgen abgeschlossen ist, vergeht rund ein halbes Jahr. Grund dafür ist vor allem, dass das Implantat mehrere Monate einheilen muss, bevor Zahnkrone, Brücke oder Prothese angepasst werden können. Die Therapie eignet sich aber nur bei guter Mundhygiene. Liegen schwerwiegende Allgemeinerkrankungen oder Stoffwechselstörungen vor, ist die Behandlung teilweise nicht möglich oder nur unter bestimmten Auflagen.

Übersicht

Implantat: Wem nützt diese Therapie?

Wer mit zunehmendem Alter, nach einem Unfall oder Sturz einen oder gleich mehrere Zähne verliert, für den sind Implantate eine gute Möglichkeit, die entstandenen Lücken durch einen festsitzenden Zahnersatz dauerhaft zu versorgen.

Für all jene, deren Zahnlücke mit einer Brücke versorgt werden soll, bietet die Implantat-Behandlung eine schonende Alternative. Dabei wird der Zahnersatz durch das Implantat fest im Kiefer verankert, im Gegensatz zur herkömmlichen Brücke werden die benachbarten Zähne aber nicht durch das Beschleifen der Zahnkrone beansprucht.

Bei zahnlosen Patienten machen Implantate eine stabile Versorgung oft erst möglich. Sollten nicht mehr genügend eigene Zähne im Kiefer stehen, dienen sie als Ankerpunkte für herausnehmbare Prothesen oder festsitzende Brücken.

Implantat: Wie wirkt die Therapie?

Je nach Hersteller gibt es verschiedene Implantatsysteme, die sich vor allem in der Form unterscheiden, aber nach dem gleichen Grundprinzip funktionieren. Dabei wird eine künstliche Zahnwurzel aus Titan oder Keramik im Kieferknochen verankert. Die Funktionsweise ist vergleichbar mit einem Dübel, der in die Wand gebohrt wird. Auf diesem zahnmedizinischen "Dübel" wird anschließend der eigentliche Zahnersatz, eine Krone, Brücke oder Prothese montiert.

Ziel der Behandlung ist das weder das Implantat noch der Zahnersatz als solche zu erkennen sind, sondern wie ein natürlicher Zahn wirken und als solcher auch benutzt werden können. Dafür sind folgende Behandlungsschritte notwendig:

  • Voruntersuchung: Vor der Implantation erstellt der Zahnarzt ein Röntgenbild und/oder ein dreidimensionales Bild und fertigt einen Gebissabdruck an, um daran die spätere Lage und den Durchmesser des Zahnersatzes planen zu können. Die Qualität und die Dicke des Kieferknochens wird gemessen. Wenn ausreichend Knochen vorhanden ist, kann eine Implantation durchgeführt werden, ansonsten hat der Arzt verschiedene Möglichkeiten für einen künstlichen Knochenaufbau.
  • Implantat setzen: In lokaler Betäubung wird das Zahnfleisch aufgeschnitten und ein Loch in Kieferknochen gebohrt. Es ist gerade so groß, dass das Implantat fest verschraubt werden kann. Die Wunde wird anschließend vernäht und muss 3 bis 6 Monate einheilen. Während dieser Zeit kann die Lücke durch einen provisorischen Zahnersatz verschlossen werden.
  • Krone anbringen: Sobald das Implantat fest in den Kieferknochen eingewachsen ist, wird der endgültige Zahnersatz individuell angefertigt und aufgesetzt. Das kann eine Einzelkrone, Brücke oder Prothese sein. Im Anschluss an die Behandlung sollte der Patient regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen zum Zahnarzt gehen.

Schwere Allgemeinerkrankungen wie u.a. Diabetes oder Knochenschwund (Osteoporose) und starkes Rauchen sowie mangelhafte Mundhygiene können als Gründe gelten, eine Implantation nicht durchzuführen. Das Einwachsen der künstlichen Zahnwurzel ist dadurch erschwert.

Eine Implantat-Versorgung erfordert einen relativ hohen Zeitaufwand mit mehreren Behandlungen. Außerdem ist die Therapie vergleichsweise teuer. Dafür bringt ein Implantat folgende Vorteile mit sich:

  • andere Zähne werden im Gegensatz zur Behandlung mit einer Zahnbrücke nicht beschädigt
  • Implantate können bei späteren Zahnersatz als Pfeiler für eine Brücke oder eine Prothese verwendet werden
  • sie sehen natürlich aus und stehen fest im Kiefer, damit können sie wie natürliche Zähne belastet werden
  • es handelt sich um einen festsitzenden Zahnersatz, der nicht herausgenommen werden muss
  • Implantate sind relativ leicht zu reinigen, indem sie wie ein echter Zahn morgens und abends geputzt werden
  • eine Rückbildung des Kieferknochens wird großtenteils verhindert

Implantat: Wann und wie lange kommt die Therapie zum Einsatz?

Ein Implantat kommt zum Einsatz

  • bei einzelnen Zahnlücken, um eine Krone zu befestigen
  • bei größeren Zahnlücken, um mehrere Kronen oder eine Brücke zu montieren
  • bei zahnlosem Kiefer als Halterung einer Prothese

Eine Implantat-Versorgung ist eine dauerhafte Therapie, die bei guter Mundhygiene häufig problemlos zehn Jahre und länger hält.

Implantat: Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Tiefreichende Entzündungen gefährden den Halt eines Implantats. Daher ist es wichtig, auf eine gründliche Mundhygiene zu achten. Neben dem regelmäßigen Zähneputzen sollten auch die Zahnzwischenräume täglich mit kleinen Interdentalbürstchen und Zahnseide gereinigt werden. Mindestens alle 6 Monate sollten Sie außerdem zu einer Kontrolluntersuchung und zur professionellen Zahnreinigung gehen. Dort bekommen Sie auch Tipps, wie Sie Ihren Zahnersatz am besten pflegen können.

Implantat: Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Direkt nach dem Einsetzen des Implantats sollte die Wundfläche geschont werden. Putzen Sie Ihre Zähne weiterhin regelmäßig und gründlich, seien Sie dabei aber besonders behutsam rund um das frisch vernähte Zahnfleisch. Außerdem sollten Sie sich während der ersten Tage nach dem Eingriff körperlich schonen. Heiße Bäder und der Gang in die Sauna sind zu vermeiden. Achten Sie auch beim Essen darauf, dass die Speisen anfangs nicht zu heiß sind und dass harte Nahrungsmittel nicht auf der betroffenen Stelle gekaut werden.

Implantat: Wer therapiert?

Die Implantation führt der Zahnarzt oder ein Kieferchirurg durch.

Wo liegen die Grenzen der Therapieform?

Implantate können nur bei ausreichender Dicke des Kieferknochens eingesetzt werden. Ist er zu dünn, gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, einen künstlichen Knochenaufbau durchzuführen. Schwere Allgemeinerkrankungen und starkes Rauchen erschweren das Ausheilen der Wunde. Deshalb entscheidet der Arzt im Einzelfall, ob eine Implantation möglich ist oder nicht.

Eine erfolgreiche Therapie ist stark abhängig von einer guten Mundhygiene. Unreine Zähne und Zahnzwischenräume führen häufig zu Zahnfleischentzündungen, die den Halt des Implantats beeinträchtigen können. Implantate sind nicht für Kinder und Jugendliche geeignet. Um die Behandlung durchzuführen, muss das Knochenwachstum komplett abgeschlossen sein, da sich der Kiefer ansonsten noch verändern kann. Das ist frühstens ab dem 18. Lebensjahr der Fall.

Implantat: Kosten & Krankenkasse

Die Krankenkasse bezuschusst Zahnersatz - egal ob Brücke, Prothese oder Implantat - lediglich mit einem geringen Festbeitrag. Den größten Teil der Versorgung müssen Sie jedoch selbst zahlen. Die Kosten für die künstliche Zahnwurzel und die Implantatkrone, Brücke oder Prothese belaufen sich dabei schnell auf über 2.500 Euro. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt daher vorher über die zu erwartenden Behandlungskosten aufklären.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. med. dent. Marlene Schmidinger

Zahnärztin in Wels

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Quellen

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