HPV - Humane Papillomaviren

Eine Infektion mit HPV verläuft meist unbemerkt

HPV - Humane Papillomaviren: ein Kondom
Mehr als zwei Drittel aller Männer und Frauen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HPV. (macroart - Fotolia.com)
HPV (Humane Papillomaviren) sind Viren, die Haut- und Schleimhautzellen befallen. Eine Infektion mit HPV verläuft meist symptomlos und unbemerkt und heilt innerhalb von 6 bis 12 Monaten von selbst aus; danach ist das Virus nicht mehr im Körper und hat keine Folgen.

Ruft HPV Erkrankungen hervor, so sind Hautveränderungen im Genitalbereich, wie Feigwarzen, am häufigsten. Eine chronische Infektion mit HPV kann über Jahre hinweg zur Entstehung von Krebsvorstufen führen, die sich in den allermeisten Fällen von alleine zurückbilden. Selten können höhergradige Krebsvorstufen entstehen, die behandelt werden müssen. Werden diese nicht erkannt, kann sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Seit einigen Jahren gibt es die HPV Impfung, die vor einer Infektion mit einigen HP-Viren schützt.

Häufigkeit

Weit mehr als zwei Drittel aller Männer und Frauen infizieren sich wenigstens einmal im Leben mit HPV, ohne dass sie es bemerken. das HP-Virus darf aber nicht mit Gebärmutterhalskrebs verwechselt werden. Gebärmutterhalskrebs wird zwar von HPV ausgelöst, das ist jedoch nur das Virus, das zur Bildung von krebserregenden Zellen führen kann. Eine Infektion mit HPV bedeutet noch lange nicht, an Krebs zu erkranken.

Die Zahl der Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs nimmt seit 1990 stetig ab, das ist wohl auch auf die Vorsorgeuntersuchung (PAP-Abstrich) zurückzuführen. Pro Jahr erkranken in Österreich in etwa 300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, das Risiko ist also eher gering: der jährliche Durchschnitt liegt bei 9 von 100.000 Frauen.

Ursachen, Symptome und Verlauf einer HPV-Infektion

HP-Viren sind auf menschliche Haut- und Schleimhautzellen spezialisiert. Sie werden durch Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen. Der Mensch lebt eigentlich schon immer mit dem HP-Virus. Deshalb ist das Immunsystem des Menschen an das Virus angepasst und kann es in den meisten Fällen ohne medikamentöse Behandlung eliminieren. Fast immer verläuft eine Infektion mit HPV ohne Symptome. Treten doch Symptome auf, so handelt es sich meist um harmlose Hautveränderungen, wie Genital- oder Feigwarzen (Kondylome). Warzen sind unbedenklich, für die meisten Patienten aber eine unangenehme und belastende Sache.

Feigwarzen sind weiß, grau oder fleischfarben und bilden sich im Genitalbereich. Sie können an der Vagina, den Schamlippen, dem Gebärmutterhals, am Penis oder am After entstehen. Meist ist der Befall mit Feigwarzen nicht sehr ausgeprägt. Sie sind oft nur winzig klein und werden nur durch Zufall im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung festgestellt. Manchmal bilden sich aber auch größere Feigwarzen, die dann an der betroffenen Hautstelle jucken oder brennen.

Heilt eine HPV-Infektion nicht von selbst aus, kommt es zu einer chronischen Infektion, die Viren bleiben also dauerhaft im Körper. Eine chronische Infektion mit bestimmten HP-Viren kann dazu führen, dass sich im Laufe der Jahre Krebsvorstufen bilden, aus denen dann zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs, aber auch Krebs an den Schamlippen, der Scheide, dem Penis, dem Anus oder im Mund- und Rachenraum entstehen können.

Derzeit sind etwa 120 verschiedene HPV-Typen bekannt. Einige von ihnen befallen anales und genitales Gewebe sowie den Mund- und Rachenraum. HP-Viren können unterteilt werden in sogenannte low-risk- und high-risk-Typen.

  • Die low-risk-Typen können zur Bildung von Genital- oder Feigwarzen oder einer geringfügigen Zellveränderung, einer Dysplasie, führen, diese sind zwar unangenehm, aber ungefährlich. In 90 % aller Fälle sind die HPV-Typen 6 und 11 dafür verantwortlich.
  • Die high-risk-Typen können im Einzelfall zu Gebärmutterhalskrebs und all seinen Vorstufen führen. Die meisten Infektionen mit High-Risk-Typen heilen von selbst aus. Auch Krebs an Vulva, Penis, Anus oder der Mundhöhle kann durch HPV ausgelöst werden.

Die Übertragung dieser 4 Virentypen erfolgt hauptsächlich durch sexuellen Kontakt. Für eine Ansteckung ist aber nicht zwingend Geschlechtsverkehr erforderlich. Kondome schützen nur zum Teil vor einer Ansteckung mit HPV, der Gebrauch ist zu empfehlen, aber kein 100-prozentiger Schutz.

Diagnose

Im Rahmen der Krebsvorsorge ist ein sogenannter PAP-Abstrich vorgesehen. Durch einen PAP-Abstrich kann eine Infektion mit HPV nicht ausgeschlossen werden. Er stellt lediglich fest, ob sich Krebsvorstufen gebildet haben.

Bei einem PAP-Abstrich wird je nach Grad der Zellveränderung eine Einteilung von PAP I bis PAP V vorgenommen. Ist der Befund eines PAP-Abstrichs auffällig, wird eine Spiegelung des Gebärmutterhalses, Kolposkopie, durchgeführt. Wenn nötig, wird auch eine Biopsie durchgeführt, das heißt, es wird eine Gewebeprobe entnommen, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Mit einem HPV DNA-Test kann festgestellt werden, ob eine Frau mit einem HP-Virus aus der High-Risk-Gruppe infiziert ist. Mit einer kleinen Bürste werden Zellen aus dem Gebärmutterhals gewonnen. Diese Zellen werden dann im Labor untersucht.

In Österreich ist es nicht üblich, einen HPV DNA-Test routinemäßig durchzuführen, da eine HPV-Infektion alleine keinerlei Krankheitswert hat, da sich die allermeisten Infektionen von selbst ausheilen. Wer sich dennoch testen lassen will, für den sind die Kosten selbst zu tragen. Für die Entscheidung, ob geimpft werden soll oder nicht, wird dieser Test nicht empfohlen. Wird bei einem HPV DNA Test eine Infektion mit einem der Virenstämme nachgewiesen, heißt das nicht, dass sich Krebs entwickeln wird. Es bedeutet nur, dass statistisch gesehen das Risiko dafür höher ist.

HPV Behandlung

Im Normalfall ist das menschliche Immunsystem dazu fähig, das Virus allein zu bekämpfen. Eine HPV-Infektion verläuft meist ohne Symptome und bleibt daher unentdeckt. In einigen wenigen Fällen gelingt das aber nicht und es kommt zu einer dauerhaften Infektion. Über einen längeren Zeitraum können sich daraus Krebsvorstufen entwickeln. Werden diese Krebsvorstufen nicht entdeckt und behandelt, kann das nach vielen Jahren zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs führen. Es ist daher wichtig, regelmäßig einen Krebsabstrich (PAP-Abstrich) beim Frauenarzt machen zu lassen.

Genitalwarzen, die durch das HP-Virus ausgelöst werden, bilden sich in den meisten Fällen von selbst zurück, können aber auch durch spezielle Therapien "unblutig" entfernt werden. Wenn das nicht möglich ist, werden sie operativ entfernt.

Eine Lokaltherapie von Genitalwarzen mit Cremen oder Salben erfolgt meist über einen längeren Zeitraum. Einige dieser Produkte dürfen während einer Schwangerschaft nicht verwendet werden. An der behandelten Stelle kann es zu Hautreizungen und Schwellungen kommen.

Für eine ärztliche Behandlung von Genitalwarzen gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Betupfen der betroffenen Hautstelle mit einer speziellen Essigsäure: An der behandelten Stelle kommt es zu Brennen und Schmerzen. Die Behandlung erfolgt einmal wöchentlich über einen längeren Zeitraum. Es kommt aber zu keiner Narbenbildung.
  • Kälteanwendung mit flüssigem Stickstoff, "Vereisung": Diese Behandlung erfolgt ein bis zwei Mal pro Woche
  • Laserchirurgische Behandlung: Diese Behandlung erfolgt unter Lokalanästhesie und ist die rascheste Möglichkeit zur Entfernung von Genitalwarzen.

HPV-Impfung

Seit 2006 gibt es auch die Möglichkeit einer Impfung gegen HPV. Die HPV-Impfung ist eine prophylaktische Impfung, das heißt, sie soll einer Infektion mit HPV vorbeugen. Sie dient jedoch nicht als Therapie bei einer Infektion mit HPV, Gebärmutterhalskrebs oder einer anderen Krebsart, die von einer Infektion mit HPV ausgelöst wird.

Die Impfung gegen HPV besteht aus leeren Virushüllen, das heißt die Impfung kann keine Infektion mit HPV auslösen. Die Impfung ist jedoch nicht gegen alle HPV-Typen wirksam, sondern nur gegen 2 oder 4 der in etwa 120 verschiedenen Typen. Derzeit sind 2 verschiedene Impfungen auf dem Markt.

  • Die Vierfachimpfung schützt vor den high-risk-Typen 16 und 18 und den low-risk-Typen 6 und 11. Damit können Krebsvorstufen sowie Genitalwarzen, die von diesen Virustypen verursacht werden, verhindert werden.
  • Die Zweifachimpfung schützt nur vor den krebserregenden Virentypen 16 und 18. Mit dieser Impfung können Krebsvorstufen, die von diesen Virustypen verursacht werden, verhindert werden, Genitalwarzen können dennoch ausbrechen.

Derzeit liegen noch keine Informationen über die Notwendigkeit der Auffrischung der Impfung vor. Seit der Einführung der Impfung im Jahr 2006 konnte ein Nachlassen der Wirkung noch nicht festgestellt werden, daher ist noch unklar, wann beziehungsweise ob eine Auffrischung der Impfung nötig ist.

Von der Österreichischen Krebshilfe wird empfohlen

  • sowohl Mädchen als auch Buben vor Aufnahme der ersten sexuellen Aktivität impfen zu lassen, also im Alter zwischen 9 und 15 Jahren.
  • Auch Mädchen und Frauen, die bereits sexuell aktiv sind, können unter Umständen von der Impfung profitieren, konkret geht es hier um Mädchen und Frauen zwischen 15 und 45 Jahren.
  • Da Buben und Männer aber auch mit HPV infiziert werden und HPV-verursachte Krebsarten wie Analkarzinome, Karzinome des Rachenraumes und Peniskarzinome bekommen können und die Infektion auch übertragen, wird die Impfung auch für Buben und Männer zwischen 15 und 26 Jahren empfohlen.

Kosten der HPV-Impfung

Die HPV-Impfung wurde als 13. Impfung in das kostenlose Schulimpfprogramm aufgenommen. Sie ist somit für Kinder unter 10 Jahren kostenlos. Die Kosten werden vom Bund und den Ländern übernommen.

Was kann der Patient tun

Bei einer fieberhaften Erkrankung sollte mit der Impfung gewartet werden, bis diese Erkrankung abgeklungen ist. Während einer Schwangerschaft sollte nicht geimpft werden.

Auch wenn Sie gegen HPV geimpft sind, ist es dennoch wichtig, jährlich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Frauenarzt einen Krebsabstrich (PAP-Abstrich) machen zu lassen. Die HPV-Impfung schützt nicht zu 100 % vor dem Ausbruch von Gebärmutterhalskrebs.

Fragen an den Arzt

  • Ich hatte bereits Probleme mit HPV. Ist die Impfung für mich dennoch sinnvoll?
  • Ich möchte mich gegen HPV impfen lassen. Ist das für mich sinnvoll? Welche Kosten kommen auf mich zu?
  • Mein PAP-Abstrich war auffällig. Kann ich etwas tun, damit sich das wieder bessert? Was?
  • Bei mir wurde eine Infektion mit HPV festgestellt. Was bedeutet das jetzt für mich, für meinen Partner, mein Sexualleben?
  • Kann ich die HPV-Infektion wieder loswerden?

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Paul Speiser

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Oberarzt an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, MedUni Wien

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: Z22, B07

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