Hormonstatus

Mann schaut durch Mikroskop
Von Hormonen werden vielebiochemischen Funktionen im menschlichen Körper beeinflusst, wieviel der Organismus produziert, lässt sich über den Hormonstatus ermitteln. (Alexander Raths - Fotolia.com)

Hormone sind wichtige körpereigene Botenstoffe, die auf bestimmte körperliche Abläufe einwirken und diese steuern, ihre Menge im Körper wird über den Hormonstatus bestimmt. Hormone beeinflussen z.B. den Blutzuckerspiegel, den Wasserhaushalt, die Sexualfunktionen oder die Stimmung.

Gesteuert werden die Hormonfunktionen über die Hypophyse, sie sendet Impulse, sodass die jeweils nötigen Hormone über das Blut in verschiedene Organe gelangen, dort an Rezeptoren andocken und ihre unterschiedlichen Aufgaben erfüllen. Gebildet werden Hormone in verschiedenen Drüsen, wie z.B. in der Bauchspeicheldrüse oder in der Schilddrüse, in den Nebennieren oder in den männlichen und weiblichen Sexualorganen.

Anlass einer Hormonstatus-Untersuchung

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die verschiedene Stoffwechselvorgänge steuern. Eine Hormonuntersuchung wird durchgeführt, um bestimmte Störungen oder Erkrankungen zu diagnostizieren, wie etwa:

Bei Osteoporose wird in der Regel zuerst eine Knochendichtemessung zur Diagnose gemacht. Bei Bedarf werden in Folge Knochenstoffwechselparameter ermittelt.

Je nachdem in welchem Organ das Hormon gebildet wird, unterscheidet man

  • Sexualhormone: sie werden in den Hoden bzw. Eierstöcken gebildet, z.B. Östrogene, Gestagene (Progesteron), Testosteron sowie im Gehirn: Somatotropin (Wachstumshormon), Prolaktin (milchbildendes Hormon) oder Oxytozin (fördert die  Wehen).
  • Schilddrüsenhormone: die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) sowie Kalzitonin steuern in ihrem Zusammenspiel den Stoffwechsel, geraten sie außer Balance, können Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion entstehen.
  • Nebennierenhormone: Adrenalin, Kortisol und Aldosteron, diese können in Stresssituationen übermäßig freigesetzt werden. Aldosteron ist am Wasserhaushalt maßgeblich beteiligt, es kann Bluthochdruck fördern.
  • Bauchspeicheldrüsenhormone: Insulin Glukagon: Insulin spielt eine Schlüsselrolle im Blutzuckerstoffwechsel, bei Insulinmangel liegt ein Diabetes mellitus vor, Glukagon ist ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel erhöht.
  • Nebenschilddrüsenhormone: Parathormon ist am Kalziumstoffwechsel beteiligt, bei Kalziummangel wirkt sich dies auf den Knochenabbau aus. Ein Parathormonmangel zeigt sich durch Muskelkrämpfe, ein erhöhter Parathormonspiegel kann den Knochenabbau fördern.

Häufig untersuchte Hormone von A-F:

Abkürzung/
Name

Funktion

Indikation für
Bestimmung

Nachweis

ACTH
Adrenocortikotropes Hormon

ACTH wird von der Hirnanhangsdrüsegebildet und steuert die Bildung von Hormonen der Nebennierenrinde, am wichtigsten ist die Regulierung von Kortisol

Nebennierenrindenfunktion

Im Blut

Beta HCG
Ist Teil des humanen Choriongonadotropin

Wird in der Schwangerschaft produziert oder in selten Fällen bei Krebserkrankungen

Zum Schwangerschaftsnachweis (8-12 Tage nach der   Befruchtung),

Nachweis von Tumoren (im Blut messbar)

Im Urin und Blut

CBG
Cortisol bindendes Globulin

Nebennierenrindenhormon, Kortisol, das an Kortisol bindendes Globulin gebunden ist, erhöhter Kortisolspiegel im Blut

Nebennierenrindenschwäche

Im Blut

CORT
Kortisol

Nebennierenrindenhormon (Glukokortikoid) mit vielen Wirkungen, wird durch ACTH gesteuert

ACTH und Kortisol-Spiegel gibt Hinweise auf Hyper- (zu viel Kortisol im Blut) bzw. Hypokortisolismus (zu wenig Kortisol im Blut)

Im Blut

DHEAS
Dehydroepian-drosteron-Sulfat

Androgen, das in der Nebennierenrinde gebildet wird, wichtig für Gewicht und Immunsystem

Wenn Verdacht auf eine Erkrankung der Nebennierenrinde, Zyklusstörungen, Gewichtsprobleme und vermehrte Behaarung vorliegt

im Blut

DHT
Dihydro-

testosteron

Dihydrotestosteron, eine Testosteron-Vorform

Bei Verdacht auf Störungen der Fruchtbarkeit oder in der Entwicklung während der Pubertät, bei Hirsutismus

 

Im Blut

E2
Östradiol

Wichtigstes Östrogen der Frau in der fertilen und postfertilen Zeit

Zur Abklärung von unerfülltem Kinderwunsch, ob eine Hormonersatztherapie erforderlich ist oder um Hormonstörungen in der Pubertät abzuklären

Im Blut

E3
Östriol

Schwangerschaftsöstrogen

Vor allem in der Pränataldiagnostik wichtig, um ein Risiko für Down-Syndrom abzuschätzen

Im Blut

FSH
Follikel-

stimulierndes Hormon

 

Fördert die Eireifung bei geschlechtsreifen Frauen, bei Männern sie Samenreifung

Bei Frauen: unerfüllter Kinderwunsch, Vermännlichung, gestörte Funktionen des Eierstocks

Erhöhung zeigt den Wechsel an

Bei Männern: bei Verdacht auf angeborene Hormonstörungen oder wenn die Hodenfunktion eingeschränkt ist

Im Blut, auch im Urin

Häufig untersuchte Hormone von H-T:

Abkürzung/
Name

Funktion

Indikation für
Bestimmung

Nachweis

HGH
Somatotropin

Wachstumshormon, das in der Hirnanhangsdrüse produziert wird

Zur Feststellung ob eine HGH-Überproduktion vorliegt (bei Kindern Riesenwuchs)

Zur Diagnose einer HGH-Unterfunktion (bei Kindern Zwergenwuchs, bei Erwachsenen Störungen des Fettstoffwechsels

Im Blut

INS
Insulin

Wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Dient der Blutzuckerregulation, wirkt blutzuckersenkend. Reguliert mit Glukagon den Blutzuckerspiegel

Bei Verdacht auf Zuckerkrankheit

Im Blut

IGF-I
Insulin-like Growth Factor 1

Ein Insulin-ähnlicher parakriner Wachstums- und Differenzierungs faktor , gehört auch in die Gruppe des HGH

Bei Diabetes mellitus. Bei Wachstumsstörungen

Im Blut

LH
Luteinisierendes Hormon

Das Hypophysenhormon hat Einfluss auf den weiblichen Eisprung bei Männern fördert es die Testosteron-Produktion

Bei Frauen: um unerfüllten Kinderwunsch, frühzeitige Pubertät, gestörte Eierstockfunktion zu diagnostizieren.

Bei Männern: bei Verdacht auf eine Hodenfunktionsstörung oder angeborene Hormonstörungen

Im Blut

auch im Urin

PRL
Prolaktin

Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Es fördert die Muttermilchbildung

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, gestörter Eierstockfunktion, übermäßiger Milchbildung.

Bei Männer: bei Verdacht auf Hodenfunktionsstörungen ("Hypogonadismus")

im Blut

auch im Urin

PROG
Progesteron

Wird bei Frauen in der 2. Zyklushälfte (Eierstock) und in der Schwangerschaft (Plazenta) gebildet

Zum Nachweis, ob ein Eisprung stattgefunden hat, bei Verdacht auf Gelbkörperschwäche (bei unerfülltem Kinderwunsch)

Im Blut

TEST
Testosteron

Männliches Sexualhormon, das im Hoden gebildet wird. Bei Frauen wird es in geringen Mengen in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde gebildet

Zur Fruchtbarkeitsdiagnostik, Tumordiagnostik etc.

Libidoverlust, chronische Müdigkeit

Im Blut

T4
Thyroxin

 

Gemeinsam mit dem Hormon T3 agiert es als Schilddrüsenhormon. T4 ist die Vorstufe von T3

Niedriger T4-Wert: mögliche Schilddrüsenunterfunktion

Erhöhter T4-Wert: Hinweis auf Schilddrüsenüberfunktion

Im Blut

T3
Trijodthyronin

Wirksamstes Schilddrüsenhormon

Niedriger T3-Wert: Verdacht einer Schilddrüsenunterfunktion

Erhöhter T3-Wert: mögliche Schilddrüsenüberfunktion

Im Blut

TSH
Thyreoidea-stimulierendes Hormon

Von der Hirnanhangsdrüse gebildet, reguliert die Bildung der Schilddrüsenhormon T3 und T4

Zeigt die Schilddrüsenfunktion (Unterfunktion, Überfunktion)

Im Blut

Für die Untersuchung des Adrenalin- oder Dopaminspiegels stehen spezielle Untersuchungen (Neuro-Balance-Profil) zur Verfügung.

Was passiert bei einem Hormonstatus?

Eine Hormonuntersuchung ist üblicherweise mit einer Blutabnahme verbunden. Bestimmte Untersuchungen sollten nüchtern durchgeführt werden, ideal also in den Morgenstunden. Nüchtern (z.B. für Blutzuckermessungen) bedeutet ohne Nahrungszufuhr ab dem Vortag (zirka 20 Uhr). Tees (ungezuckert) oder Wasser am morgen beeinträchtigen das Untersuchungsergebnis nicht. Die Blutmenge, die abgenommen werden muss, richtet sich nach den Werten, die untersucht werden.

Wer führt den Hormonstatus durch?

Blutabnahmen werden von Allgemeinmedizinern oder von den jeweiligen Fachärzten vorgenommen und vielerorts gleich auch ausgewertet oder in Labors gemacht und dort analysiert.

Risiken des Hormonstatus

Eine Hormonuntersuchung bringt üblicherweise keine Risiken mit sich. Kreislaufschwache Betroffene haben möglicherweise kurz nach einer Blutabnahme ein Schwindelgefühl, das jedoch nach wenigen Minuten vergeht. Manchmal kann an der Blutabnahmestelle ein blauer Fleck entstehen. Die Untersuchungsrisiken stehen jedoch in keinem Verhältnis zu den Risiken, die mögliche Erkrankungen mit sich bringen.

Kosten und Krankenkasse

Die Kosten für eine Hormonuntersuchung werden von den Krankenversicherungen übernommen. Spezialuntersuchungen sind manchmal selbst zu bezahlen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Doris Maria Gruber

Universitätsklinik für Frauenheilkunde/Klinische Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Wien

Gesundheitskompass Website

Quellen

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