HIV/ AIDS

HIV: 1 bis 2 Neudiagnosen täglich

HIV/ AIDS: Rote Schleife
AIDS kann erst Jahre nach der HIV-Infektion ausbrechen, oft wissen Betroffene nichts von ihrem Risiko und übertragen die Viren weiter. (Anelina - Fotolia.com)

HIV ist die die Abkürzung für "humanes Immunschwäche Virus". Die Ansteckung mit HIV erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr bzw. durch Kontakt mit infiziertem Blut, in Folge kommt es zur Immunschwächekrankheit AIDS (Acquired immune deficiency syndrome).

AIDS kann erst Jahre nach der Infektion ausbrechen, oft wissen die Infizierten nichts von ihrem Risiko und übertragen die Viren weiter. In der Zwischenzeit haben Sie ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von anderen Erkrankungen an z.B. Herz, Gehirn, Leber oder Nieren.

HIV kann jeden Mann und jede Frau treffen, die ungeschützt Sex haben, unabhängig davon ob sie Sex mit Personen des gleichen oder des anderen Geschlechts haben, jeden Tag wird bei 1 bis 2 Personen in Österreich die Diagnose HIV gestellt. Zur Behandlung steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die jedoch die HI-Viren aus dem Körper nicht entfernen können, sondern lediglich deren Vermehrung unterdrücken. Mit einem HIV Test lässt sich eine Infektion aufklären - neuerdings gibt es auch einen HIV Schnelltest.

Häufigkeit

In Österreich leben rund 8.000 HIV-positive Menschen, knapp 3.700 davon werden in Spitalsambulanzen und von niedergelassenen Ärzten betreut. Jährlich gibt es 500 Neudiagnosen, wobei knapp ein Drittel davon Frauen betreffen. Die HIV-Diagnose wird im Durchschnitt im Alter zwischen 30 und 36 Jahren gestellt. Die häufigste Übertragungsart ist der heterosexuelle Geschlechtsverkehr (45,1 %), gefolgt von homosexuellen Kontakten (35,3 %) und Drogenkonsum (15,8 %).

Weltweit leben rund 34 Millionen Menschen mit HIV, besonders betroffen sind Länder in Afrika und Asien. In Afrika ist die Infektionsrate stabil bzw. teilweise sogar sinkend, in anderen Teilen der Welt steigt sie jedoch weiter an, insbesondere in Osteuropa und Zentralasien. In diesen Regionen hat sich die Verbreitung von HIV zwischen 2001 und 2010 fast verdoppelt: die Zahl der Menschen mit HIV stieg von 630.00 auf 1,6 Millionen an.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Das HI-Virus (Humanes Immunschwäche Virus) wird vor allem durch ungeschützten Sexualkontakt übertragen. Es kann nur

Wo kann es sich vermehren? Das HI-Virus…

ÜberlebtÜberlebt nicht
im Blut    außerhalb des Körpers
in der Samenflüssigkeit (Sperma)  im Speichel
in der Scheidenflüssigkeit (Vaginalsekret)  
im Menstruationsblut  
in infizierten Bluttransfusionen  
auf Nadeln, die mit Blut infiziert sind  

Außerhalb des Körpers oder auch im Speichel ist das Virus nicht überlebensfähig, also besteht bei sozialen Kontakten wie Hände schütteln, Umarmen, Küssen oder auch beim Benützen der Toilette keine Ansteckungsgefahr.

Ungeschützter Sex mit Folgen

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei ungeschütztem Sex ein infizierter Mann eine Frau ansteckt ist doppelt so hoch wie umgekehrt. Mögliche Gründe: Die Samenflüssigkeit verweilt länger auf der Scheidenschleimhaut. Auch Risse der Scheidenschleimhaut, die beim Geschlechtsverkehr entstehen, können das Eindringen der HI-Viren und somit eine Infektion begünstigen.

Aber auch durch Blutkontakt (infizierte Nadeln, infizierte Bluttransfusionen, Menstruationsblut) ist eine Infektion möglich. Das Virus kann auch in der Schwangerschaft von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden bzw. auch während des Stillens.

Um das Risiko möglichst gering zu halten, wird die Schwangere mit antiviralen Medikamenten behandelt, die Geburt kann bei einem optimalen Betreuungsszenario während der Schwangerschaft auf natürlichem Weg erfolgen, in bestimmten Risikosituationen jedoch mittels Kaiserschnitt. Das Neugeborene soll nicht gestillt werden und erhält unmittelbar nach der Geburt über einige Wochen eine spezielle Therapie gegen die Viren.

HIV Symptome

Die Infektion mit dem HI-Virus macht sich 2 bis 4 Wochen nach der Ansteckung bemerkbar. Typisch für die erste Krankheitsphase sind grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit und geschwollene Lymphknoten oder Übelkeit. Üblicherweise verschwinden diese Symptome nach kurzer Zeit wieder oder sind nur sehr schwach ausgeprägt und bleiben daher meist unbeachtet. Das Virus befällt die Abwehrzellen, es "schlummert" im Körper, der Betroffene ist "HIV positiv". Das bedeutet, dass er das Virus in sich trägt ohne dass die Krankheit AIDS sofort ausbricht. Die infizierte Person weiß oft nichts von der Ansteckung und überträgt die Viren auf andere.

Nach einigen Jahren im - allerdings nur scheinbaren - "Schlummerzustand" hat das Virus das Immunsystem eines unbehandelten Betroffenen derart geschädigt, dass es in Folge zur Immunschwächekrankheit AIDS (Acquired immune deficiency syndrome) kommt: Der Körper zeigt bereits starke Abwehrschwäche und reagiert häufig mit Durchfall, geschwollenen Lymphknoten, Gewichtsabnahme, Fieber, Müdigkeit sowie mit Infektionen wie etwa Lungenentzündung (Bakterien/Pilze), schweren anderen Virusinfektionen von Auge und Gehirn, oder mit außergewöhnlichen Krebsformen, bis letztendlich die massive körperliche Erschöpfung zum Tod führt.

HIV-Infektionen verlaufen sehr unterschiedlich und sind von einer Reihe individueller Bedingungen wie z.B. genetische Veranlagung, Alter, oder anderen Begleiterkrankungen abhängig. Im Durchschnitt beträgt die Zeitdauer der unbehandelten Infektion bis zum Auftreten von AIDS etwa 10 Jahre, in Ausnahmefällen allerdings weniger als 1 Jahr oder andererseits auch mehr als 2 Jahrzehnte. Mit einer rechtzeitig diagnostizierten und behandelten HIV Infektion lassen sich sowohl AIDS als auch andere nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit wirkungsvoll verhindern.

Prävention

Ein großer Teil der Neuinfektionen erfolgt über ungeschützten sexuellen Kontakt. Die Viren werden in erster Linie beim Sex (vaginal, oral, anal) übertragen, wenn Sperma bzw. Scheidenflüssigkeit mit den Schleimhäuten in der Scheide, am Penis, im Mund oder Enddarm, mit Blut (z.B. während der Periode) oder auch mit offenen Wunden in Kontakt kommen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie das HI-Virus in sich tragen und stecken beim ungeschützten Verkehr andere an.

Ein wirksamer Schutz vor dem HI-Virus (aber auch vor anderen Infektionserkrankungen) ist die Verwendung eines reißfesten Markenkondoms beim vaginalen und analen Geschlechtsverkehr. Bei oralem Sex sollte kein Samenerguss in den Mund erfolgen, über offene Zahnfleischwunden kann das Virus ins Blut gelangen. Daher sollte auch bei dieser Sexpraktik unbedingt ein Kondom verwendet werden.

Eine korrekt durchgeführte HIV Therapie mit einer HI-Virus Suppression im Blut unter der Nachweisgrenze ist eine ebenfalls äußerst wirksame Präventionsmethode, da eine Reduktion der Virusmenge im Blut im Allgemeinen mit einer Reduktion der Virusmenge in Genitalsekreten einhergeht und damit in Folge eine Übertragung des Virus weniger wahrscheinlich wird.

Diagnose mit HIV-Test

Die Diagnose wird anhand der HIV-Antikörper im Blut festgestellt. Es gibt einen HIV Schnelltest, der in der Arztpraxis durchgeführt werden kann, nach 15 bis 30 Minuten liegt das Ergebnis vor. Ist das Ergebnis positiv, wird es mit Hilfe des HIV ELISA Tests bzw. des Western-Blot-Bestätigungstests nochmals kontrolliert.

Therapie

Wenn Diagnose und Therapie frühzeitig erfolgen und letztere gemäß Empfehlung durchgeführt wird, ist praktisch mit Sicherheit gewährleistet, dass AIDS niemals ausbricht. Denn durch die sogenannte Kombinationstherapie wird das Virus wirkungsvoll bei seiner Vermehrung behindert. Wird diese den medizinischen Regeln entsprechend durchgeführt, so kann bei fast allen Patienten die Virusmenge unter die Nachweisbarkeitsgrenze gesenkt werden. Dadurch wird die Funktion des Immunsystems wesentlich verbessert bzw. wiederhergestellt und der Ausbruch von AIDS verhindert. Darüber hinaus sinkt auch der entzündliche Pegel im Körper und damit auch z.B. die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Organerkrankungen.

Die HIV Therapie muss lebenslang und täglich durchgeführt werden, unerwünschte Nebenwirkungen, wie Gelbfärbung der Haut, Müdigkeit, Schwindel oder Ängste sind selten und bei korrektem Management immer reversibel. Im Vergleich zu den Jahren zuvor stehen heute wesentlich mehr und - vielleicht noch wichtiger - wesentlich verträglichere Substanzen zur Verfügung, sodass eine individualisierte Therapie ein Leben ohne Einschränkung der Lebensqualität, weder durch Therapie noch durch Erkrankung ermöglicht. Die Lebenserwartung der Patienten ist deutlich gestiegen, sie gleicht heute nahezu jener Nicht-HIV-Infizierter. Bei sachgemäßer Therapieanwendung sinkt das Risiko, das Virus weiterzugeben, sehr stark. Das exakte Ausmaß der Risikominimierung ist schwer messbar. Die Schutzwirkung einer funktionierenden HIV- Therapie dürfte aber zumindest beim gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr jener eines Kondomgebrauchs gleichkommen, immer vorausgesetzt, dass nicht noch weitere Geschlechtserkrankungen "im Spiel" sind.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

  • Psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen und AIDS-Hilfezentren sind wichtige Maßnahmen, um mit der Diagnose HIV/AIDS umzugehen.
  • Impfungen gegen Grippe, Lungenentzündung und Hepatitis B sind sinnvoll, weil HIV-Infizierte für Infektionskrankheiten sehr anfällig sind.
  • Gesunde Lebensführung, Ernährung gemäß der allgemein gültigen Empfehlungen, Sport, Nikotinentwöhnung, möglichst wenig/kein Alkohol, keine Drogen
  • Regelmäßige Kontrollen bei seinem(r) betreuenden Arzt/Institution.

Fragen an den Arzt

  • Wo kann ich einen Aidstest machen, wie viel kostet er?
  • Wo erhalte ich psychische Unterstützung?
  • In welchen Spitälern wird eine HIV-Infektion behandelt?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Ass.-Prof.

Dr. Armin Rieger

Universitätsklinik für Dermatologie, AKH Wien

Präsident der Österreichischen AIDS-Gesellschaft

Gesundheitskompass

Quellen

  • Bericht der UNO zu AIDS (09.12.2013)
  • Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Betreuung HIV-Infizierter (ÖGNÄ-HIV): "HIV-Therapie ermöglicht gute Lebensqualität, zentrales Ziel bleibt Entstigmatisierung", am 23.11.2011 in Wien
  • HIV/AIDS in Austria, 23rd report of the Austrian HIV cohort study 2013, Austrian Agency for Health and Food Safety (Hrsg), Wien, 2013
  • Pressekonferenz der ÖGNÄ-HIV: "Leben mit HIV 2010: Die große Umfrage", am 07.07.2010 in Wien

ICD-10: B20, B21, B22

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