Heuschnupfen bei Kindern

Heuschnupfen bei Kindern: Kinder spielen in Wiese
Jedes 5. Kindergarten- oder Schulkind bis zum 10. Lebensjahr entwickelt typische Heuschnupfen-Symptome. (Miredi - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Pollenallergie
Allergien bei Kindern sind im Zunehmen - In Österreich ist bereits fast jedes 5. Kind betroffen. Heuschnupfen ist eine der häufigsten allergischen Reaktionen.

Verursacher ist jedoch nicht Heu, wie der Name sagt, sondern eine Reihe von Blütenpollen, wie Birken- und Haselnuss- sowie Gräserpollen. Niesanfälle ohne Erkältung, verstopfte Nase, juckende oder tränende Augen, das sind typische Heuschnupfen-Symptome. Die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt. Für Kinder sind vor allem Schlafstörungen aufgrund der behinderten Nasenatmung und die daraus resultierende "Dauermüdigkeit", Konzentrationsstörungen und verminderte Leistungsfähigkeit belastend. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie sich verschlimmern und es kann im Rahmen eines sogenannten Etagenwechsels zu Asthma bronchiale kommen.

Häufigkeit

Kinder unter 2 Jahren erkranken selten an Heuschnupfen, die Häufigkeit nimmt mit den Jahren zu. So entwickelt jedes 5. Kindergarten- oder Schulkind bis zum 10. Lebensjahr typische Heuschnupfen-Symptome. Der Grund dafür ist, dass die Allergien nicht angeboren sind sondern erworben werden. Nicht diagnostizierte und nicht behandelte Allergien führen bei etwa 40 % aller Betroffenen innerhalb von 5 bis 15 Jahren zu Asthma bronchiale.

Kinder, die an saisonalem Heuschnupfen leiden, haben oftmals auch Begleiterkrankungen, wie Rachen-, Bindehaut-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrenentzündung, bereits 40 % der kindlichen Allergiker entwickeln Asthma bronchiale.

Grundsätzlich ist der Verlauf einer Allergie bei Kindern individuell und schwierig zu prognostizieren. Mitunter kann die Allergie im Jugendalter wieder ganz verschwinden. Weit gefährlicher und häufiger ist jedoch ein Fortschreiten der Erkrankung, Mediziner sprechen von einem "allergischen Marsch".

Ursachen

Allergien können viele Ursachen haben. So kann eine im ersten Lebensjahr auftretende Nahrungsmittel-Sensibilität später zu Atemwegserkrankungen, wie z.B. Asthma führen. Häufige Infektionen des Atemtraktes begünstigen in den ersten 3 Lebensjahren die Neigung, eine Allergie zu entwickeln - viele Allergene (Hausstaubmilben, Tierhaare) sind ganzjährig vorhanden und stellen somit ganzjährig ein Risikopotenzial dar.

Weitere Risikofaktoren:

  • Zigarettenrauch im kindlichen Umfeld kann Allergien begünstigen.
  • Genetische Veranlagung: Sind beide Elternteile Allergiker, liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind zwischen 60 und 80 %. Ist nur ein Elternteil Allergiker, liegt diese Wahrscheinlichkeit zwischen 20 und 40 %. Besonders bei Kindern ist eine konsequente Allergie-Therapie daher Voraussetzung, um Asthma in späteren Jahren zu verhindern.

Allergie oder Intoleranz?

Eine Allergie (medizinisch: allergische Reaktion) wird durch eine Überreaktion des Immunsystems hervorgerufen. Das Immunsystem ist nicht in der Lage zwischen "gefährlichen" und "ungefährlichen" Angreifern zu unterscheiden. Kommt ein Allergiker mit "seinem" Allergen in Kontakt, reagiert das Immunsystem überempfindlich und bekämpft die eindringenden Allergene in übertriebener Weise. Es bildet Immunglobulin E (IgE-Antikörper), diese besetzen die Mastzellen in der Atemwegsschleimhaut und wehren den vermeintlichen Feind ab, indem sie ihn mit Histamin überfluten. In der Folge kommt es zu den typischen Symptomen, wie Niesen, Augenjucken oder rinnender Nase.

Die Begriffe "Allergie" und "Intoleranz" (Unverträglichkeit) werden häufig synonym verwendet, haben jedoch unterschiedliche Ursachen. Eine Allergie bezeichnet immer die Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweißstoffe (sie ist IgE-vermittelt). Eine Intoleranz hingegen ist eine Reaktion des Körpers, die auf eine bestimmte Fehlfunktion zurückzuführen ist. Bei Laktoseintoleranz beispielsweise, einer Unverträglichkeit von Milchzucker, liegt ein Mangel am milchzuckerspaltenden Enzym Laktase vor. Das Immunsystem ist jedoch intakt.

Diagnose bei Kindern

Eine allergische Rhinitis (Schnupfen) schränkt die Lebensqualität erheblich ein, weil sie die Atmung massiv behindert. Für Kinder sind vor allem Schlafstörungen und die daraus resultierende "Dauermüdigkeit", Konzentrationsstörungen und verminderte Leistungsfähigkeit und ADHS belastend.

Bei Verdacht auf eine Allergie sollte ein speziell ausgebildeter Allergologe hinzugezogen werden. In Österreich ist Allergologie eine Zusatzqualifikation, die HNO-, Kinder-, Haut-, Lungenärzte oder Fachärzte für Innere Medizin absolvieren können.

Eine Erkrankung muss unbedingt behandelt werden, da sie andernfalls von Jahr zu Jahr stärkere Symptome hervorruft. Um eine Allergie zu diagnostizieren, geht der Allergologie in drei Schritten vor:

Anamnese: gemeinsam mit den Eltern wird eine Dokumentation erstellt. Sie beinhaltet Fakten über Intensität, Zeit, wann allergische Reaktionen auftreten, wie häufig und mit welchen Symptomen. Weiters wird abgeklärt, ob die Eltern Allergiker sind, seit wann das Kind über Beschwerden klagt u.v.m.

Danach wird bei Kindern mit Verdacht auf Pollenallergie ein Hauttest (Prick-Test) durchgeführt. Dabei werden kleine Tropfen verschiedene Allergene in den Unterarm eingeritzt. Üblicherweise tritt - wenn eine Allergie vorliegt - nach 20 Minuten eine Reaktion auf, wie Hautrötung, Pusteln oder Quaddeln.

Ein Bluttest kann zusätzlich oder alternativ durchgeführt werden, er wird vor allem bei kleinen Kindern gemacht. Das Ergebnis zeigt, ob IgE-Antikörper vorliegen und auf welche Allergene das Immunsystem reagiert.

Therapie

Die Therapie besteht daraus, die Erreger zu vermeiden. Medikamentöse Möglichkeiten bieten Sprays, Tropfen oder Cremen in lokaler Form, systemisch wirken Tabletten oder eine Impfung.

Erster Schritt - Allergenvermeidung

Da bei Kontakt mit Allergenen, z.B. Pollen, die Symptome eines Heuschnupfens innerhalb weniger Minuten auftreten, ist es günstig, sich diesem Risiko so wenig wie möglich auszusetzen. Meist ist der Pollenflug um die Mittagszeit am stärksten, eine genaue Vorhersage ist jedoch schwierig. Günstig ist es, einen Blick auf den Pollenkalender zu werfen und sich über die aktuelle Situation beim österreichischen Pollenwarndienst zu informieren. Der Aufenthalt im Freien oder sportliche Aktivitäten sollten bei starkem Pollenflug vermieden werden. Die Freizeit muss man daher gut Planen, bei starker Belastung sollte man sich nicht ohne Sonnenbrille und Kappe im Freien aufhalten. Spezielle Luftfilteranlagen für Haus und Auto müssen zwar bei der Planung auch miteinbezogen werden, sorgen jedoch für allergenfreie, gefilterte Luft.

Medikamentöse lokale Therapie (Sprays, Tropfen, Cremes)

Eine lokale medikamentöse Therapie beseitigt zwar die quälenden Symptome, nicht aber die Ursachen einer Allergie. Je nach Medikament können diese im Akutfall die Beschwerden lindern. Je nach dem Beschwerdebild gibt es unterschiedlich geeignete Medikamente, die entweder abschwellend (Nasenspray) oder entzündungshemmend wirken, andere verringern die Ausschüttung von Substanzen, die allergische Reaktionen hervorrufen (Mastzellenstabilisatoren) und sind daher nicht nur im Akutfall geeignet, sondern auch als Langzeittherapie, die die Beschwerden zwar lindern, die Ursache aber nicht beheben.

In der medikamentösen Therapie gelten im Allgemeinen ähnliche Prinzipien wie bei der Behandlung Erwachsener, allerdings müssen Medikamente entsprechend dosiert werden bzw. sind für Kinder ab einem bestimmten Alter zugelassen.

Abschwellende Nasensprays

wirken bei verstopfter Nase indem sie die Nasenschleimhaut abschwellen lassen.

Antihistaminika

Antihistaminika der 2. Generation sind vor allem für Kinder besser verträglich. Medikamente der 1. Generation hatten oftmals Nebenwirkungen, wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Ihre Wirkstoffe passieren die Blut-Hirnschranke und verursachen Schwindel und Müdigkeit. Neuere Antihistaminika der 2. Generation passieren die Blut-Hirnschranke nicht. Sie wirken indem sie die Histaminausschüttung unterdrücken und stabilisieren außerdem die Mastzellen, sodass keine Entzündungsmediatoren freigesetzt werden.

Mastzellenstabilisatoren

Diese Medikamente werden lokal als Nasenspray oder Augentropfen angewendet und verhindern, dass Entzündungsstoffe (Histamin) von den Mastzellen an der Nasenschleimhaut freigesetzt werden. Diese Medikamente wirken kurz-, aber auch langfristig und werden von Kindern gut vertragen, sie eignen sich als Vorsorge-Medikament. Langfristig wird die Zahl der aktivierten Mastzellen und weiterer Substanzen vermindert, die bei einer Immunreaktion üblicherweise aktiv ausgeschüttet werden. Kurzfristig lindern die Medikamente also die Symptome, langfristig dienen sie zur Behandlung und zur Prophylaxe, da das Immunsystem nach kontinuierlicher Behandlung im Falle eines "Allergenangriffs" weniger stark überreagiert.

Kortison-Nasenspray und Kortison-Augentropfen

Glukokortikoide sind entzündungshemmend und wirken antiallergisch und eignen sich auch zur akuten Behandlung von Kindern. Sprays sind in der Regel besser verträglich als Tabletten. Sie sollten jedoch nur über einen vom Arzt vorgeschriebenen Zeitraum verabreicht werden, da es andernfalls zu Nebenwirkungen (Wachstumsstörungen) kommen kann. Einige der am Markt erhältlichen Präparate sind NICHT für Kinder zugelassen. Auch bei Augentropfen können bei langer Behandlungsdauer Nebenwirkungen (u.a. Infektionen, Grauer Star) auftreten, sie sind daher nur mit Bedacht und in Absprache mit dem Arzt empfohlen.

Medikamentöse systemische Therapie (Tabletten, Impfung)

Eine systemische Therapie wirkt "von innen", also im gesamten Körper. Sie kann in Form von Kortison-Tabletten verabreicht werden. Systemisch wirkt auch die SIT (spezifische Immuntherapie), die als Spritze, Tablette oder Tropfen angewendet wird. Bis dato ist die SIT die einzige Therapie, die die Ursachen der Erkrankung bekämpft und Heilung verspricht.

Systemische Glukokortikoidtherapie

Eine systemische Glukokortikoidtherapie (Kortison) ist bei Kindern in schweren Erkrankungsfällen (Asthma), indiziert. Die Medikamente sind stark entzündungshemmend. Prinzipiell vertragen Kinder diese Präparate gut.

Bei adaptierter Dosierung haben Glukokorticoide keine negative Auswirkung auf hormonelle und Stoffwechselvorgänge oder das Wachstum von Kindern, auch die Verminderung der Knochendichte stellt üblicherweise kein Problem dar.

Bei höherer Dosierung sollte eine Kontrolle des Längenwachstums bei Kindern mit einer systemischen Kortison-Behandlung einhergehen. Glukokortikoide können auch inhaliert werden. Inhalationen sind gut verträglich, Nebenwirkungen treten seltener auf als bei der oralen systemischen Therapie.

Spezifische Immuntherapie

Die SIT wird als Injektion unter die Haut (subkutan, SCIT), sublingual (SLIT, unter die Zunge) oder oral (Tablette) verabreicht. Die Impfung ist ab dem 5. Lebensjahr zugelassen. Vor allem für Kinder ist die Therapie in Tropfenform (SLIT) eine gute Methode.

Sanfte Methoden

Allergien sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die schwere Folgeerkrankungen mit sich bringen können. "Sanfte" Behandlungsalternativen sollten daher unbedingt mit dem Arzt besprochen werden. Günstige Auswirkungen auf die Atemwege haben z.B. Atemtherapie oder Entspannungstechniken.

Was Eltern tun können - Vorsorge-Tipps

Eltern können dazu beitragen, um Kinder vor Allergien zu schützen bzw. den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern, so beispielsweise durch:

  • Mineralstoff- und vitaminreiche Ernährung in der Schwangerschaft
  • Verzicht auf Rauchen - Passivrauchen senkt das Allergierisiko
  • Idealerweise 6 Monate Stillen
  • Häufiges Lüften des Wohnraums, Staubvermeidung bei Risikokindern (wenn ein oder beide Elternteile Allergiker sind)
  • Schließen der Fenster und Türen während der Pollensaison
  • Beobachtung des Pollenflugkalenders (Pollenwarndienst)

Fragen an den Arzt

  • Mein Kind hat häufig Schnupfen. Könnte eine Allergie dahinter stecken?
  • Hat mein Kind eine Allergie oder eine Intoleranz?
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei meinem Kind die Allergie/die Intoleranz im Jugendalter zurückgeht?
  • Wie würde ein "allergischer Marsch" verlaufen?
  • Welche Therapie ist für mein Kind geeignet?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

Website

Quellen

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