Herzinsuffizienz

300.000 Österreicher leiden an Herzschwäche

Herzinsuffizienz: Darstellung des Herzes, der Venen und Aterien
Herzschwäche ist nicht heilbar und schreitet langsam voran. (psdesign1 - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Herz

Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist eine häufige Erkrankung vor allem im Alter, 300.000 Österreicher und Österreicherinnen müssen damit leben. Der Herzmuskel vergrößert sich und verliert dabei an Kraft. Er schafft es nicht mehr, genügend Blut durch den Körper zu pumpen.

Die Herzschwäche kann sowohl die rechte als auch die linke Herzhälfte bzw. den gesamten Herzmuskel betreffen. Herzinsuffizienz Symptome sind Atemnot bei geringer Belastung, sowie Wassereinlagerung in den Beinen oder in der Lunge. Häufigste Ursachen der Herzschwäche sind arteriosklerotische Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, Bluthochdruck und narbige Veränderungen des Herzmuskels nach einem Herzinfarkt. Der Verlauf der Erkrankung ist chronisch, d.h. Herzschwäche ist nicht heilbar und schreitet langsam voran. Wichtig fürs Herz und für eine gute Lebensqualität sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und die Einnahme der vorgeschriebenen Medikamente.

Häufigkeit

Europaweit sind 28 Millionen Menschen von Herzschwäche betroffen. Allein in Österreich sind 250.000 bis 300.000 Menschen an Herzschwäche (Herzinsuffizienz) erkrankt. Rund 1 % der Bevölkerung im Alter von 45 bis 55 Jahren leidet an Herzschwäche, bei den 80-Jährigen bereits jeder 10. Herzschwäche ist die häufigste Aufnahmediagnose in Krankenhäusern bei Patienten über 65 Jahren. Das bedeutet in Österreich jährlich rund  28.000 Krankenhausaufnahmen aufgrund der Diagnose Herzinsuffizienz.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Hauptursache der Herzinsuffizienz sind verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße. Nach einem Herzinfarkt kann die Herzleistung massiv abnehmen: Das betroffene Muskelgewebe stirbt ab und wird durch funktionsloses Narbengewebe ersetzt, die Pumpleistung wird dadurch nachhaltig gedrosselt. Auch ein erhöhter Blutdruck kann zu Herzschwäche führen. Alkohol, Drogen, Virusinfektionen, schadhafte Herzklappen und anhaltende Herzrhythmusstörungen sind weitere häufige Ursachen.

Typische Anzeichen sind

  • zunehmende Atemnot bei körperlicher Belastung
  • Leistungsschwäche
  • Husten
  • pfeifende Atmung
  • blau verfärbte Lippen
  • Wasser in den Beinen, meist im Bereich der Knöchel, im Bauch, in der Lunge, Gewichtszunahme
  • nächtlicher Harndrang
  • Schweißausbrüche
  • schneller Puls (mehr als 100 Schläge in der Minute)

Atemnot bei körperlicher Belastung wird von Betroffenen oft dem höheren Alter zugeschrieben und daher nicht immer ernst genommen.

Eine Leistungsschwäche des Herzens kann das ganze Herz in Mitleidenschaft ziehen oder nur die rechte bzw. die linke Herzkammer betreffen:

Ist das rechte Herz betroffen, so kommt es zu Wassereinlagerungen in den Beinen, vor allem rund um die Knöchel. Liegt der Schwerpunkt der Herzschwäche auf der linken Seite, sammelt sich Wasser im Bereich der Lunge, der Patient bekommt schwer Luft.

Eine Herzinsuffizienz ist tückisch. Sie kann sich schleichend über Wochen oder Monate entwickeln, aber auch plötzlich auftreten. Ärzte teilen den Verlauf der Herzinsuffizienz in 4 Schwerestadien:

  • Stadium 1: Es sind noch keine Krankheitssymptome zu bemerken, die körperliche Leistungsfähigkeit ist normal. Medizinische Untersuchungen zeigen jedoch bereits Zeichen der eingeschränkten Herzleistung.
  • Stadium 2: Beim Treppensteigen und beim Sport sind leichte Einschränkungen spürbar.
  • Stadium 3: Gehen in der Ebene und Arbeiten im Haushalt fallen zunehmend schwer. Beschwerden verschwinden durch Ausruhen wieder.
  • Stadium 4: Körperliche Aktivitäten sind so gut wie unmöglich, die Beschwerden können auch in Ruhe auftreten, in Folge wird die Gabe von Sauerstoff und die Spitalsaufnahme unerlässlich.

Dauert die Erkrankung lange an, so spricht man von einer chronischen Herzinsuffizienz. Medikamente und eine begleitende Bewegungstherapie können eine Verschlechterung der Symptome hinauszögert.

Die Herzinsuffizienz führt häufiger zum Tod als viele Arten von Krebs, nur bei Lungenkrebs ist die Lebenserwartung noch schlechter. Im letzten Stadium der Erkrankung (Stadium 4) liegt das Risiko, innerhalb eines Jahres zu versterben, bei rund 50 %. Aber auch früher im Verlauf der Krankheit, wenn die Pumpfunktion des Herzens noch relativ gut ist, kommt es zu Todesfällen, da das Herz seine Pumpfähigkeit zunehmend einbüßt und das Risiko eines plötzlichen Herzstillstandes 6- bis 9-fach erhöht ist.

Diagnose

Die Herzinsuffizienz kann durch eine eingehende klinische Untersuchung entdeckt werden, es können Beschwerden wie Rasselgeräusche der Lunge, eine Vergrößerung des Herzens, eine Pulsbeschleunigung und auch Ödeme (Flüssigkeitsansammlung) in den Beinen diagnostiziert werden.

Mit Hilfe eines Herzultraschalls lässt sich der Zustand der Herzmuskelfunktion, der Herzklappen und des Herzbeutels beurteilen. Ein Elektrokardiogramm (EKG) dient der Beurteilung des Herzrhythmus. Bei einer Röntgenaufnahme zeigen sich in fortgeschrittenen Fällen eine Herzvergrößerung und eine Erweiterung der Lungenvenen. Die Beschaffenheit bzw. das Stadium der Verengung der Herzarterien kann mit Hilfe einer Herzkatheteruntersuchung mit Koronarangiographie untersucht werden. Wichtig ist auch eine Blutuntersuchung, einerseits zur Bestimmung von Herzinsuffizienz-spezifischen Blutmarkern wie dem BNP, andererseits um Auswirkungen der Herzschwäche auf weitere Organe wie Niere und Leber beurteilen zu können.

Therapie

Wichtige allgemeine Maßnahmen sind Blutdrucksenkung, Gewichtsabnahme und eine dosierte regelmäßige körperliche Betätigung.

Medikamente wie Betablocker verlangsamen den Herzschlag, indem sie u.a. eine Senkung der Herzfrequenz (Ruhepuls) bewirken. Bei Herzinsuffizienz wirken richtig dosierte Betablocker gegen ein Fortschreiten der Erkrankung. ACE-Hemmer und MR-Antagonisten reduzieren bestimmte Botenstoffe, die sich negativ auf das kranke Herz auswirken.

Entwässernde Wirkstoffe (Diuretika) schwemmen angestaute Flüssigkeit aus Beinen, Bauch und Lunge.

Operative Möglichkeiten

Wenn eine defekte Herzklappe die Ursache für Herzschwäche ist, sollte sie durch eine neue operativ ersetzt werden. Bei verengten Herzkranzgefäßen bringt oft eine Behandlung der Engstellen mit Ballonkatheter und Stent oder eine Bypassoperation eine Verbesserung der Beschwerden.

In bestimmten Fällen kann auch ein Herzschrittmacher eingesetzt werden, um das schwache Herz zu unterstützen. Das Gerät koordiniert die Pumptätigkeit des Herzens und verbessert so die Pumpleistung. Bei schwerer Einschränkung der Herzleistung kann auch die vorbeugende Implantation eines automatischen Defibrillators zur Vermeidung des plötzlichen Herztodes vorgenommen werden.

Bei Patienten, deren schwere Herzinsuffizienz nicht behandelbar ist, bleibt noch die Möglichkeit einer Herztransplantation.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Besonders wichtig ist es, die vorgeschriebenen Medikamente vollständig und regelmäßig einzunehmen. Sinnvoll sind regelmäßige Selbstkontrollen von Blutdruck, Puls und Körpergewicht. Bewegung trainiert den Herzmuskel und sollte unter ärztlicher Anleitung unbedingt in den täglichen Ablauf eingebaut werden. Empfohlen wird ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Kost, ein absoluter Rauchverzicht und die Vermeidung größerer Mengen Alkohol.

Fragen an den Arzt

  • Wenn mir körperliche Anstrengung schwer fällt, wie soll ich dann Bewegung machen?
  • Warum ist es so wichtig, dass ich meine Medikamente regelmäßig einnehme?
  • Was kann ich tun, damit sich die Beschwerden verbessern?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim. Univ.-Prof

Dr. Peter Siostrzonek

Innere Medizin

Vorstand der 2. Internen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Linz

Quellen

  • H. Hauser: Wichtige Faktoren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In: Hausarzt 2013; 5/6: 9 ff
  • ESC (Hrsg.): ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012. In: European Heart Journal 2012; 33: 178-184
  • S. Neuhold/ M. Hülsmann: Herzinsuffizienz. In: Wiener Klinische Wochenschrift 2008; 1: 17-33

ICD-10: I50, I50.0, I50.1, I11.0, I13.0

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