Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Grafik eines Körpers mit Darstellung Herz
27.000 Menschen erleiden in Österreich jährlich einen Herzinfarkt. (CLIPAREA.com - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Herz

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kommt es aufgrund einer Durchblutungsstörung zu einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes, Teile des Herzmuskels sterben ab.

Aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung am Herzmuskel tritt ein starkes Engegefühl in der Brust auf, begleitet von Symptomen wie Todesangst und Schweißausbrüchen. Brennende Schmerzen strahlen in die verschiedenen Körperregionen aus. Bei Frauen können auch "untypische" Herzinfarkt-Symptome wie Erbrechen, Rückenschmerzen oder Atemnot auf einen Infarkt deuten. Rund 27.000 Menschen werden hierzulande jährlich mit einem Herzinfarkt konfrontiert. Zeit ist ein entscheidender Faktor: Je schneller die Durchblutung durch die Behandlung im Notarztwagen bzw. im Spital wiederhergestellt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe stirbt unwiederbrnglich ab. Geht zuviel Herzmuskelgewebe verloren, endet der Herzinfarkt tödlich.

Überblick

Häufigkeit des Herzinfarkts

In Österreich erleiden pro Jahr zirka 27.000 Menschen einen Herzinfarkt, ungefähr jeder 3. verläuft tödlich. Zwar sind immer häufiger Frauen von einem Herzinfarkt betroffen - ein Grund dafür ist, dass zunehmend mehr Frauen rauchen - nach wie vor erleiden und sterben aber mehr Männer an den Folgen eines Infarkts.

Ursachen des Herzinfarkts

Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn der Blutfluss in einer Herzkranzarterie plötzlich unterbrochen wird. Die häufigste Ursache dafür ist ein Blutgerinnsel, das sich durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in einer verengten Herzkranzarterie bildet und das Gefäß komplett verschließt. Dadurch wird Herzmuskelgewebe, das hinter dem Verschluss liegt, nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Es stirbt unwiederbringlich ab, wenn das Gefäß nicht binnen kürzester Zeit wieder aufgedehnt wird.

Auch beim Schlaganfall, bei dem es aus verschiedenen Gründen zu einem Verschluss der Hirnarterie bzw. zu einer Hirnblutung kommt, muss das verletzte Gefäß binnen weniger Stunden versorgt werden, sonst kommt es zu einer nachhaltigen Schädigung der Gehirnzellen.

Symptome des Herzinfarkts

Folgende Beschwerden sind Alarmzeichen und können bei Männern und Frauen auftreten:

  • Plötzlich auftretende linksseitige Schmerzen in Brust, Schulter und linker Körperhälfte, die auch in Ruhe nicht nachlassen
  • Atembeklemmungen, Erstickungsgefühl
  • Tiefe, dumpfe Schmerzen in der Brustmitte, hinter dem Brustbein. Diese Schmerzen können sich auf den linken oder rechten Arm, bis zum Hals, in den Oberbauchbereich bis auf den Rücken ausbreiten
  • Kalter Schweiß
  • Todesangst
  • Rasender Puls, Herzjagen

Die Schmerzen fühlen sich bei einem akuten Infarkt "brennend" oder auch "bleiern-drückend" an, sie dauern länger als 20 Minuten und verschwinden auch im Ruhezustand nicht. Infarkte ereignen sich häufig in den Morgenstunden.

Es können aber auch Symptome auftreten, die Betroffene nicht einem Infarkt zuschreiben. Häufig sind Frauen betroffen. Alarmzeichen sind:

  • Unerklärliche Schmerzen im Magen und oberen Bauchbereich
  • Unerklärliche Atembeklemmungen
  • Schwindelgefühle bis zur Bewusstlosigkeit
  • Druck in der Brustmitte verbunden mit Schmerzen in einem Arm oder im Kiefer

Diese "untypischen" Herzinfarkt-Symptome sind bei Frauen häufiger zu beobachten als bei Männern. Sie leiden bei einem Herzinfarkt häufig auch unter Würgegefühl, Übelkeit bis Erbrechen, Schweißausbrüchen, aber auch unter Schmerzen in der Schulter bzw. zwischen den Schulterblättern. Oft werden diese Beschwerden mit Erkrankungen des Magen-Darmtraktes oder Wirbelsäulenschmerzen verwechselt.

Was tun bei einem Herzinfarkt?

  1. Rettung rufen, Tel: 144
  2. Schnell handeln, nicht zuwarten, die Beschwerden verschwinden nicht von selbst. Jede Minute der Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße schädigt das Herz, die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden steigt. Wird das verschlossene Herzkranzgefäß innerhalb der ersten zwei Stunden nach einem Infarkt wieder geöffnet, bestehen gute Chancen, die Ausdehnung des Infarkts gering zu halten.
  3. Keine körperlichen Anstrengungen: Den Betroffenen hinlegen, beruhigen bis die Rettung kommt
  4. Bei Atem- und Herzstillstand: Sofort mit der Wiederbelebung beginnen:
  • Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns
  • 2 Atemstöße durch Mund-zu-Mund-Beatmung, Nase dabei zuhalten
  • 30-mal Herzdruckmassage

In der Akutphase eines Herzinfarktes können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, es kommt zum Kammerflimmern. Wenn verfügbar, sollte ein Defibrillator gegen Kammerflimmern zum Einsatz kommen, bis die Rettung vor Ort ist.

Diagnose des Herzinfarkts

Mittels eines Elektrokardiogramms (EKG) werden Veränderungen festgestellt, die für einen Herzinfarkt typisch sind. Eine Störung der Funktion der Herzkammern wird mittels Herz-Ultraschall sichtbar gemacht. Beim Herzinfarkt werden auch bestimmte Enzyme (CPK, Troponin) freigesetzt, die sich durch eine Blutprobe nachweisen lassen.

Therapie des Herzinfarkts

Der Notarzt bekämpft die Schmerzen mittels starker Schmerzmittel (Morphium), verabreicht Sauerstoff und gefäßerweiternde Substanzen (Nitropräparate), ein EKG wird erstellt. Eventuell werden schon im Krankenwagen Medikamente verabreicht (siehe Lyse-Therapie), die den Gefäßverschluss wieder öffnen.

Es gibt 3 Möglichkeiten, die Durchblutung wieder herzustellen:

Mechanische Aufdehnung des Gefäßes

Im Spital sollte im Idealfall binnen 2 Stunden nach der ärztlichen Versorgung durch den Notarzt eine primäre Herzkatheterintervention (PCI, percutane coronare Intervention) erfolgen. Mit Hilfe einer Angiographie wird das geschädigte Gefäß geortet. Dann wird ein Katheter mit einem Ballon über eine Punktionsstelle in der Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben (Ballondilatation), der Ballon an der Katheterspitze dehnt das verstopfte Gefäß auf. Dieser Vorgang wird mittels Röntgen überwacht. Auf dem Ballon sitzt ein Stent, ein Maschendrahtgeflecht, das in das Gefäß eingesetzt wird, um die verengte Stelle dauerhaft offen zu halten.

Medikamentöse Öffnung des Gefäßes

Bei der sogenannten Lyse-Therapie werden bestimmte blutgerinnungshemmende Substanzen in die Vene verabreicht, um das Blutgerinnsel im Herzkrankgefäß aufzulösen. Diese Therapie ist dann sinnvoll, wenn die voraussichtliche Transportzeit zum Herzkatheter nach Auftreten der Akutsymptome mehr als zwei Stunden überschreitet, weshalb sie mitunter bereits im Notarztwagen verabreicht wird. Bei weitgehend sicherer Diagnose des Infarktes durch den Notarzt werden bereits während des Transportes noch vor Eintreffen im Krankenhaus sogenannte Plättchenaggregationshemmer gegeben.

Operative Wiederherstellung der Gefäßdurchblutung

Bei einer akuten Bypass-Operation wird die verengte Stelle mit einem Stück Gefäß überbrückt, das aus der Brustwand oder dem Bein entnommen wird. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn es nicht möglich ist, einen Stent zu setzen bzw. bei Herzkrankheiten, wenn zwei oder mehr Koronararterien betroffen sind.

Weiters werden im Spital Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, zur Gefäßerweiterung, zur Schmerztherapie, zur Vorbeugung von Gefäßthromben, zur Verminderung des Sauerstoffverbrauchs des Herzens und Beruhigungsmittel eingesetzt.

Herzinfarkt: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Störung der Blutfettwerte, Stress, Bewegungsmangel und vermehrtes Bauchfett - diese Faktoren begünstigen die Entstehung eines Infarkts enorm und müssen unbedingt minimiert bzw. (medikamentös) behandelt werden, um einen neuerlichen Infarkt zu verhindern. Nach dem Krankenhausaufenthalt werden oft folgende Medikamente verschrieben:

  • Thrombozytenfunktionshemmer: Diese Wirkstoffe verhindern das Verkleben der Blutplättchen.
  • Betarezeptorblocker - kurz Betablocker: Sie drosseln die Schlagfrequenz des Herzens und beugen eine Überlastung des Herzens vor.
  • ACE-Hemmer: Sie stützen das Herz und wirken auch gegen erhöhten Blutdruck.
  • Lipidsenker/Statine: Sie bremsen das Fortschreiten von Arteriosklerose. Das LDL-Cholesterin sollte auf Werte unter 100 mg/dl abgesenkt werden, bei Diabetikern sogar unter 70 mg/dl.

Fragen an den Arzt

  • Was soll ich tun, bis die Rettung kommt?
  • Warum ist es wichtig, nach einem Infarkt die Medikamente wie verordnet einzunehmen?
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich nochmals einen Infarkt erleide?
  • Was kann ich vorbeugend dagegen tun?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Hans Joachim Nesser

Innere Medizin

Stellvertretender Ärztlicher Direktor, Krankenhaus der Elisabethinen Linz, Wahlarzt

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: I21.0, I21.1, I21.2., I21.3, I21.4, I21.9

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