Das Herz-Kreislauf-System

Herzinfarktrisiko ist bei hohem Ruhepuls größer
Regelmäßige Bewegung und fettarme Ernährung halten das Herz-Kreislauf-System in Schuss. (ap_i - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Bluthochdruck, Herz

Blutgefäße und Herz bilden das Herz-Kreislauf-System. Arterien transportieren das Blut vom Herzen in den Körper, wodurch der gesamte Organismus mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Zurück zum Herzen geht’s dann über die Venen. Ein ständiger Kreislauf, der unser Überleben sichert. Rauchen, Übergewicht und Stress können das System jedoch aus dem "Takt" bringen. Besonders fatal: Viele Erkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck oder Arteriosklerose, verursachen lange oft keine Symptome. Die kostenlose Vorsorgeuntersuchung bietet erwachsenen Personen ab 18 daher 1x jährlich die Gelegenheit, ihre Gesundheit überprüfen zu lassen. Werden krankhafte Veränderungen im Körper rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Risiko möglicher Spätfolgen, wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall, deutlich reduziert werden.

Wie funktioniert das Herz-Kreislauf-System?

Um die reibungslose Funktion aller Bereiche des Körpers (z.B. Organe und Gliedmaßen) aufrechterhalten zu können, zieht sich das Herz abwechselnd zusammen und entspannt sich wieder. Dadurch gelangt das Blut in den gesamten Körper. So werden - von Kopf bis Fuß - alle Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig nimmt das Blut Kohlendioxid auf und transportiert dieses in die Lunge, wo es ausgeatmet wird.

Das Herz unterteilt sich in eine linke sowie eine rechte Hälfte - mit jeweils einem Vorhof und einer Kammer. Der etwa faustgroße Hohlmuskel verbindet folgende beiden Kreisläufe:

Der Körperkreislauf

Der Körperkreislauf beginnt im linken Vorhof. Von dort fließt sauerstoffreiches Blut zunächst in die linke Herzkammer, wo es weiter in die Hauptschlagader (Aorta) geleitet wird. Diese unterteilt sich in:

  • Arterien: transportieren - mit Ausnahme der Lungenarterie - sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper.
  • Arteriolen: sind kleine Verzeigungen der Arterien, die schließlich in Kapillaren übergehen.
  • Kapillaren: in diesen feinsten Verästelungen von Arterien wird Sauerstoff aus dem Blut entzogen und an umliegende Gewebe verteilt. Gleichzeitig nimmt das Blut in den Kapillaren Kohlendioxid und andere Stoffwechselendprodukte auf.

Das sauerstoffarme Blut landet schließlich in den Venolen. Gemeint sind damit winzige Blutgefäße, die in immer größeren Venen und schließlich in die obere und untere Hohlvene münden. Über diese beiden Venen fließt das Blut wieder zurück zum Herzen, wo im rechten Vorhof der Lungenkreislauf anfängt.

Der Lungenkreislauf

Nach dem rechten Vorhof fließt das Blut weiter in die rechte Herzkammer. Dann kommt die Lungenarterie ins Spiel: Sie transportiert das sauerstoffarme Blut - vom Herzen weg - in die Lunge. In den Lungenbläschen verlässt das Kohlendioxid mit der Ausatemluft den Körper. Durch das Einatmen gelangt wieder Sauerstoff in die Lunge. Das Blut nimmt diesen auf und transportiert ihn über die Lungenvene wieder zurück zum Herzen, wo im linken Vorhof der ganze Kreislauf wieder von Neuem beginnt.

Die 5 häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Pro Jahr sterben in Österreich rund 34.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schuld daran sind meist fettes Essen, Bewegungsmangel und daraus resultierendes Übergewicht. Auch Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes sowie Stress begünstigen die Entstehung von Herz-Kreislauf-Problemen.

Dabei kommt es vorwiegend zu folgenden Beschwerden:

  • Bluthochdruck: liegt vor, wenn der Messwert höher als 140/90 mmHg ist. Beim Bluthochdruck wird das Blut vom Herzen mit zu viel Druck durch die Adern gepumpt. Anzeichen, wie Schwindel, ein rotes Gesicht oder Atemnot können auf Bluthochdruck hindeuten. Bleibt er unbehandelt, sind beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall mögliche Langzeitfolgen.
  • Herzinfarkt und Krebserkrankungen: Sie stehen in Österreich bei den Todesursachen noch immer an der Spitze. Ursache eines Herzinfarktes sind Ablagerungen an den Gefäßwänden. Diese führen dazu, dass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und dadurch in seiner Arbeit behindert wird. Die Vorboten eines Infarktes haben viele Gesichter: Kalte Schweißausbrüche, rasender Puls bis hin zu Schmerzen in Brust, Schulter und im Bereich der linken Körperhälfte. Eher untypisch machen sich dagegen die Symptome bei Frauen bemerkbar. Sie verspüren oft Übelkeit, Schwindelgefühle sowie Kiefer- und Nackenschmerzen.
  • Schlaganfall: entsteht entweder durch den Verschluss einer Hirnarterie oder wird von einem geplatzten Gefäß hervorgerufen. Je nachdem, welches Gehirnareal von einem Schlaganfall betroffen ist, können beispielsweise Lähmungserscheinungen, Sprach- und Gedächtnisstörungen die Folge sein. Treten hängende Mundwinkel, Sehverlust oder Taubheit in einem Arm oder Bein auf, sollten immer die "Alarmglocken" läuten. In den ersten 4 Stunden nach einem Schlaganfall entscheidet sich, ob und wie stark mögliche Folgen sind.
  • Herzinsuffizienz: wird umgangssprachlich als "Herzschwäche" bezeichnet. Dafür verantwortlich sind meist verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße. Auch Narben nach einem Herzinfarkt können den Herzmuskel nachhaltig schwächen. Typische Symptome wie Atemnot auch bei geringer Körperbelastung, Schweißausbrüche sowie Husten und rasender Puls gelten als mögliche Hinweise auf die Erkrankung.
  • Koronare Herzkrankheit: ausgelöst durch Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen kommt es hierbei zur Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen (Arteriosklerose). Das Tückische: Lange nehmen die Betroffenen keinerlei Symptome wahr, erst wenn die koronare Herzkrankheit bereits stark vorangeschritten ist, verspüren sie häufig Atemnot, Übelkeit, Schweißausbrüche oder sogar Todesangst.

Therapiert werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen meist durch die Gabe Bluthochdruck senkender Medikamente oder Arzneien, welche die Blutgerinnung ankurbeln. Auch chirurgische Eingriffe sind möglich und können die Beschwerden lösen. So wird etwa bei einer Bypass-Operation der Blutfluss an Engstellen von Arterien "umgeleitet".

Ernährung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, bzw. um die Entwicklung von Bluthochdruck, Herzinfarkt und weiterer Herzerkrankungen zu verhindern, sollten Sie auch auf eine gesunde Herz-Ernährung achten. Hier einige Tipps:

  • Wenig salzen ja: Die WHO empfiehlt eine Salzmenge von täglich maximal 5 Gramm. Salz ist ein Konservierungsmittel, daher gilt: Vorsicht bei Konserven und Fertiggerichten. Hier ist häufig eine besonders hohe Salzkonzentration zu finden. Tipp: Wer selbst zum Kochlöffel greift, sollte lieber Kräuter und salzfreie Gewürze verwenden. Sie geben Speisen ebenso einen besseren Geschmack, schaden aber der Gesundheit nicht.
  • Fett reduzieren: Dünsten oder Garen sind fettarme Zubereitungsmethoden und helfen gezielt Fett einzusparen. Wasser bringt’s! Limonaden entpuppen sich schnell als Kalorienbomben und sorgen für manch böse Überraschung auf der Waage.
  • Zweimal wöchentlich Fisch am Speiseplan: Egal ob Lachs, Sardine oder Thunfisch – sie alle beinhalten wertvolle Omega 3-Fettsäuren, die u.a. Blutdruck- sowie Cholesterinwerte senken und daher Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.
  • Pflanzliche Öle fördern Herzgesundheit: Empfehlenswert sind etwa Raps-, Oliven- oder Sonnenblumenöl.
  • Regelmäßige Aufnahme von Kohlenhydraten: Dazu zählen Obst- und Gemüsesorten ebenso wie Kartoffeln und Vollkornprodukte: Kohlenhydrate liefern dem Körper nicht nur wichtige Energie, ihr häufiger Verzehr stärkt auch das Herz-Kreislauf-System.
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. Carl Kaulfersch

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Klagenfurt

Klinikum Klagenfurt, 2. Medizinische Abteilung, Kardiologie und Internistische Intensivmedizin

Quellen

  • Herz-Kreislauf, J. Steffel, T. Lüscher, Springer-Verlag, 2. Auflage, Heidelberg, 2014
  • Taschenatlas Pathophysiologie, S. Silbernagl, F. Lang, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, Stuttgart 2013
  • Der Körper des Menschen, A. Faller et al., Georg Thieme Verlag, 16. Auflage, Stuttgart, 2012
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, S. Andreae et. al., Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2008

ICD-10: Q28;R09;

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