Das Herz

Das Herz: anatomische Darstellung des Herzens
Die Herzgesundheit steht in starker Verbindung zum Lebensstil. Rauchen, fette Ernährung und Bewegungsmangel machen es krank. (nerthuz - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Herz

Wenn wir gesund sind, pumpt das Herz mühelos tausende Liter Blut täglich durch den Körper. Schlag für Schlag versorgt es die Zellen mit Sauerstoff und hält so den Organismus auf Trab.

Gefäßverengung, Bewegungsmangel, fettes Essen, Rauchen, Stress aber auch Krankheitserreger und chronische Erkrankungen wie Diabetes können seine Leistungsfähigkeit deutlich mindern. Das Herz ist mehr als ein Muskel, es reagiert auch auf unsere Gefühle - es schlägt schneller, wenn wir uns verlieben, sind wir mit Trennung und Trauer konfrontiert, können die ausgeschütteten Stresshormone den Herzmuskel schwächen.

So funktioniert das Herz

Das Herz ist ein faustgroßer Hohlmuskel, am Tag schlägt es etwa 100.000 Mal. Die Herzkranzgefäße (Koronarterien) durchdringen den Herzmuskel, sie versorgen die "Pumpe" mit Blut und Nährstoffen.

Wie ist das Herz aufgebaut?

Das Herz teilt sich in eine rechte und eine linke Hälfte, jeweils mit Vorhof und Kammer. Die Vorhöfe und Kammern sind jeweils durch eine Scheidewand getrennt. Insgesamt verhindern 4 Klappen, die als Ventile wirken, dass das Blut aus den Kammern in die Vorhöfe bzw. von der grossen Haupt- und der Lungenschlagader in die Kammern zurückfließt. Angetrieben wird das Herz durch den Sinusknoten, der elektrische Impulse erzeugt, und diese rund um die Uhr weiterleitet. Er liegt im rechten Vorhof, wo die rechte Hohlvene ins Herz mündet. Durch die elektrische Erregung zieht sich das Herz zusammen, etwa 60 bis 80 Mal pro Minute.

Durch diese rhythmische Bewegung wird das sauerstoffarme Blut aus den Venen in die rechte Herzkammer gesaugt und von dort in die Lunge gepumpt. Mit  Sauerstoff angereichert, fließt es dann durch den linken Vorhof in die linke Herzkammer und von dort weiter in den Organismus.

Bis ein Mensch 80 Jahre alt ist, treibt das Herz rund 200 Mio. Liter  Blut durch den Köper, genau genommen durch den

  • kleinen Kreislauf bzw. Lungenkreislauf und
  • den größeren Körperkreislauf

Wie funktioniert der "kleine" Blutkreislauf genau?

  • Das sauerstoffarme Blut wird in den rechten Vorhof des Herzens gepumpt, passiert eine Herzklappe und gelangt in die in die rechte Herzkammer
  • Von der rechte Herzkammer  geht es über eine weitere Herzklappe in die Lungenschlagader
  • Sie befördert das sauerstoffarme Blut in die Lunge, dort wird es mit Sauerstoff versorgt
  • Das sauerstoffreiche Blut aus den Lungen gelangt nun über den linken Herzvorhof und eine Herzklappe in die linke Herzkammer
  • Von dort fließt das Blut weiter in die Hauptschlagader (Aorta), sie sorgt dafür, dass der ganze Körper mit sauerstoffreichen Blut versorgt wird

Was macht das Herz krank?

Ob das Herz gesund bleibt, hängt von in erster Linie vom Zustand der Herzgefäße ab. Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, fettreiches Essen, Übergewicht und Stress beeinflussen sich gegenseitig und schädigen die Gefäße. Kalk, Cholesterin und andere Fette setzen sich auf den Innenseiten der Arterien ab (Plaques), dadurch verengen sich die Gefäße (Arteriosklerose), der Blutfluss wird behindert. Begünstigt wird diese Entwicklung durch Faktoren wie hoher Blutdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Gefäßerkrankungen in der Familie.

Welche Erkrankungen können auftreten?

Alle Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems werden unter dem Begriff Herz-Kreislauferkrankungen zusammengefasst. 4 häufige Erkrankungen des Herzens sind die koronare Herzkrankheit (KHK) bis hin zum Herzinfarkt, die Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern) sowie Herzklappenerkrankungen. Frauen erleben einen Herzinfarkt oft anders als Männer.

Die koronare Herzerkrankung (KHK)

Bewegungsmangel und falsche Ernährung können dem Herz schwer zu schaffen machen, auch anhaltender Stress und erhöhter Cholesterinspiegel belasten das Organ. Bei der koronaren Herzerkrankung sind die Gefäße durch Ablagerung und Wucherung des Bindegewebes verengt. Die Blutzirkulation wird dadurch behindert, sodass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Durch die Verengung der Herzkrampfgefäße kann es zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung kommen, anfallsartige Schmerzen in der Brust können auftreten (Angina pectoris).

Mögliche Alarmzeichen/Symptome:

  • Unter Belastung starke Rückenschmerzen, Schmerzen in der Herzgegend
  • Atemnot
  • Brustschmerzen, die in den Unterkiefer, Magen, Arme und Rücken ausstrahlen
  • Schweißausbrüche
  • Schwindelgefühl
  • Angstzustände
  • Schwäche
  • Übelkeit

Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Die Herzinsuffizienz ist meist eine Folge verschiedener Grunderkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Herzklappenfehler, Muskelentzündung, Herzrhythmusstörungen oder koronare Herzerkrankung. Manchmal liegt eine primäre Erkrankung des Herzmuskels wie übermäßige Verdickung oder eine Erweiterung der Herzkammern vor. Das Herz ist schwach, die Pumpstärke nimmt ab, es ist daher nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.

Mögliche Alarmzeichen/Symptome:

  • Atemnot
  • Konzentrationsschwäche, Schwindel
  • Abnahme der Leistungsfähigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Wasseransammlungen

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen sind sehr häufige Erscheinungen und meist ungefährlich. Medikamente, Alkohol, Stress, Bluthochdruck oder auch Sauerstoffmangel (etwa durch Asthma) kann auch das gesunde Herz zum "Stolpern" bringen. Treten Herzrhythmusstörungen aber aufgrund einer Herzerkrankung auf wie z.B. Vorhofflimmern bei Herzschwäche müssen sie behandelt werden, weil sich sonst Blutgerinnsel bilden können, die einen Schlaganfall begünstigen.

Im Gegensatz zum Vorhofflimmern ist das Kammerflimmern eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung. Es kommt zu einem Stillstand der Herzkammern, es wird kein Blut mehr gepumpt (Herzstillstand). Der Betroffene bricht bewusstlos zusammen. Ohne Notfallmaßnahme - Herzmassage, Beatmung und Elektroschock mit einem Defibrillator - verläuft das Kammerflimmern tödlich.

Mögliche Alarmzeichen/Symptome:

  • Unregelmäßiger bzw. verstärkter Herzschlag
  • Abgeschlagenheit, Schwindelgefühl
  • Schweres Atmen
  • Seh-, Sprachstörungen

Herzklappenerkrankungen

Ein Herzklappenfehler kann angeboren (sehr selten) oder erworben sein, dadurch ist der Blutfluss verändert: So können Verengungen etwa durch Narbenbildung dazu führen, dass sich die Herzklappe nicht mehr richtig öffnet, das Herz muss dadurch stärker schlagen um genügend But in die Lunge und den Körperkreislauf zu pumpen, was zu einer Verdickung des Herzmuskels führen kann. Schließt die Klappe nicht mehr vollständig, fließt das Blut zurück, wodurch das Herz mehr pumpen muss, was wiederum zur Herzschwäche führen kann.

Die häufigste Ursache ist eine bakterielle Entzündung der Herzinnenhaut z. B. nach einer bakteriellen Infektion oder in Folge von Viren, wie z.B. nach einer Grippe, die nicht ausgeheilt wurde. Dadurch werden die Herzklappensegel entzündlich befallen. Ist die Klappe z.B. durch Verkalkung vorgeschädigt, wird die Entstehung der Erkrankung begünstigt. Auch durch rheumatisches Fieber kann es zur Schädigung der Herzklappen kommen. Die koronare Herzkrankheit oder ein Herzinfarkt können ebenfalls die Herzklappen nachhaltig beeinträchtigen, häufig muss die schadhafte Klappe ersetzt werden (Herzklappen-OP).

Mögliche Alarmzeichen/Symptome:

  • Atemnot und Brustschmerzen bei körperlicher Belastung
  • Sauerstoffmangel
  • Bläuliche Hautfarbe
  • Schmerzen in der Brust
  • Dicke Beine
  • Hustenanfälle in der Nacht

Herzinfarkt

Bei einem Herzinfarkt kommt es aufgrund von Arteriosklerose zu einem plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes: Die Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Blut wird unterbrochen. Das Muskelgewebe des Herzteils, das vom betroffenen Gefäß nicht mehr versorgt werden kann, stirbt nach wenigen Stunden ab. Zurück bleiben Narben im Gewebe, die den Herzschlag behindern.

Mögliche Alarmzeichen/Symptome eines akuten Herzinfarktes:

  • Plötzlicher sehr starker einschnürender Schmerz: er kann in die Brust, in den Oberbauch, in den linken Arm aber auch in den Rücken, in die Schulter oder ins Unterkiefer ausstrahlen. Der Schmerz dauert an und vergeht nicht nach ein paar Minuten wie bei der Angina pectoris
  • Kalter Schweiß
  • Starkes Angstgefühl
  • Bei Frauen treten bei einem Herzinfarkt häufig Atemnot, Übelkeit und Erbrechen als einzige Symptome auf

Frauenherzen ticken anders…

Das Herz einer Frau ist belastbarer als das männliche Gegenstück, da es in der Lage sein muss, bei Schwangerschaft mehr Blut durch den Körper zu pumpen. Auch das weibliche Hormone Östrogen schützt das Herz bis in die Wechseljahre optimal vor Erkrankungen der Herzgefäße - vorausgesetzt die Frau raucht nicht, ist nicht übergewichtig und achtet auf regelmäßige Bewegung. Apropos Sport: Trainierte Ausdauersportler weisen einen gestärkten Herzmuskel auf, der sehr gut durchblutet und daher auch belastbarer ist.

Risikofaktoren für Herz-Erkrankungen

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Veränderung der Herzkranzgefäße, es kann zu einem Aufplatzen/Aufbrechen der Plaques kommen und damit akut zu einem Verschluss

So bleibt das Herz gesund

  • Untersuchungen: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie das EKG, der Herzultraschall und die Ergometrie geben Aufschluss ob das Herz einwandfrei schlägt. In speziellen Fällen kann eine Computertomographie das Ausmaß der Kranzgefäßverkalkungen aufzeigen.
  • Ernährung: Tierisches Fett macht fett. Daher den Verbrauch von fettreichen Fleisch, Käsesorten und Süßem einschränken und zu pflanzlichen Ölen, Fisch, Nüssen und Knoblauch greifen.
  • Bewegung: Ausdauersport senkt das Herzinfarktrisiko und stärkt den Herzmuskel, optimal ist es, sich mindestens 3-mal pro Woche eine  ½ Stunde lang zügig zu bewegen.
  • Senkung von hohen Blutfettwerten: Beim gesunden Erwachsenen sollte das Gesamtcholesterin 180mg/dl nicht übersteigen. Das "gute" HDL-Cholesterin sollte höher als 35 mg/dl sein, das "lausige" LDL-Cholesterin sollte weniger als 130 mg/dl betragen. Neben der Umstellung auf fettarme Kost und viel Bewegung ist ein Verzicht auf die Zigarette notwendig, um erhöhte Cholesterinwerte zu senken. Gelingt das nicht, können cholesterinsenkende Medikamente dabei helfen
  • Entspannung (Psyche): Ruhephasen sind wichtig, Anspannung und Stress macht dem Herz nichts aus, solange die Entspannung nicht vergessen wird. Wichtig sind mindestens 7 bis 9 Stunden Schlaf.
  • Sonstiges: Falls nötig, Herzmedikamente regelmäßig einnehmen.

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Hans Joachim Nesser

Innere Medizin

Stellvertretender Ärztlicher Direktor, Krankenhaus der Elisabethinen Linz, Wahlarzt

Gesundheitskompass

Quellen

  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, S. Andreae et al., Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2008
  • Pocket-Leitlinie: Kardiopulmonale Reanimation, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.(Hrsg.), Düsseldorf, 2011
  • Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2011, Statistik Austria (Hrsg.), Wien, 2011

ICD-10: I21, I50, I51

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