Allergie gegen Hausstaubmilben

Hausstaubmilbenallergie betrifft fast jeden zweiten Allergiker

Allergie gegen Hausstaubmilben: Hausstaubmilben
Hausstaubmilbenallergie - eine spezifische Immuntherapie kann helfen. (psdesign1 - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Allergie
Etwa 12 von 100 Frauen, Männern und Kindern haben eine Allergie auf Hausstaubmilben, genauer auf bestimmte Eiweißstoffe im Kot der Milben. Die Hausstaubmilbenallergie kann sich durch Symptome wie rinnende Nase, entzündete Augen, Atemnot und ein Gefühl der Enge im Hals äußern.

Eine spezifische Immuntherapie kann bei dieser Allergie sehr oft helfen. Milbendichte Matratzenüberzüge können die Belastung ebenso verringern wie Kopfpolster und Decken mit Kunststofffüllung, die sich bei 60 Grad Celsius waschen lassen. Hausstaubmilben sterben bei niedriger Luftfeuchtigkeit und hohen oder sehr niedrigen Temperaturen.

Wie häufig tritt Hausstaubmilbenallergie auf?

Etwa jeder 3. Mitteleuropäer ist Allergiker. 4 von 10 Allergikern reagieren (nur oder auch) auf Hausstaubmilben allergisch. Frauen sind mit rund 36 % etwas häufiger Allergiker als Männer (rund 24 %).

Ursachen/Symptome/Verlauf

Bei allergischen Erkrankungen ist zwischen der Allergie und der Krankheit zu unterscheiden. Eine Allergie ist eine Reaktion des Immunsystems auf einen für den Körper an sich harmlosen Stoff, aber an sich keine Krankheit. Erst die Reaktion des Immunsystems verursacht Symptome wie rinnende Nase, Atemnot, Jucken der Haut u.a., die dann Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen, Urtikaria, Neurodermitis usw. ergeben.

Hausstaubmilbenallergie ist eine Allergie auf bestimmte Eiweiße im Kot der Hausstaubmilben. Die mikroskopisch kleinen Tiere - sie sind höchstens einen halben Millimeter groß - leben fast überall, am liebsten aber im feuchtwarmen Mikroklima, das man besonders z.B. in Teppichen, Matratzen oder Wollstoffen findet.

Ideal ist das Bett, da der Mensch darin üblicherweise etwa 8 Stunden liegt und dabei Wärme und Feuchtigkeit ebenso abgibt wie Hautschuppen, von denen sich die Milben hauptsächlich ernähren. Hausstaubmilben heißen zoologisch Dermatophagoides, was nichts anderes heißt als "Haut-Esser".

Da die Tiere sehr klein sind, ist ihr Kot so klein und leicht, dass er ständig aufgewirbelt und mit der Luft eingeatmet wird. Daher leiden die meisten Hausstaubmilben(kot)-Allergiker auch an Allergien der Atemwege, vornehmlich Heuschnupfen und Asthma. Anders als bei Pollenallergien haben Hausstaubmilbenallergiker das ganze Jahr hindurch Beschwerden wie rinnende Nase, entzündete Augen, Atemnot und ein Gefühl der Enge im Hals, besonders aber im Sommer und im Herbst.

Diagnose

Normalerweise wird bei Patienten mit Heuschnupfen und/oder Asthma eine ganze Reihe möglicher Allergene mittels des sogenannten Prick-Tests untersucht. Dabei werden kleine Mengen der Allergene mit einer feinen Lanzette in die Haut gebracht und nach 24 Stunden überprüft, ob sich an dieser Stelle Quaddeln, Rötungen und Schwellungen gebildet haben und wenn ja, wie stark. Hausstaubmilben sind bei diesen Tests immer dabei.

Therapie

Die erste Therapieoption besteht in der symptomatischen Therapie. Diese zielt darauf ab, die Symptome zu lindern. Je nach Symptomen können topische Medikamente (Sprays) die Entzündungen hemmen oder Anti-Allergika die Symptome mildern.

Wenn der Leidensdruck höher ist, empfehlen sich Therapien, die auf die durch die Hausstaubmilben ausgelöste Erkrankung (Heuschnupfen, Asthma, selten Quincke-Ödem oder Urtikaria) abgestimmt werden.

Gerade bei der Hausstaubmilbe wirkt die spezifische Immuntherapie - vor allem am Anfang der Erkrankung - sehr gut. Sie reduziert die Bereitschaft des Körpers, allergisch zu reagieren, und ist sowohl als Nadel- als auch als Schluckimpfung verfügbar.

Was kann der Betroffene tun?

Hausstaubmilben sterben bei niedriger Luftfeuchtigkeit und hohen oder sehr niedrigen Temperaturen, allerdings nicht sofort. Eine halbe Stunde bei 60 Grad Celsius in der Waschmaschine bringt sie ebenso um, wie 24 Stunden im Gefrierschrank bei -20 Grad Celsius. Auch Stofftiere können - in einem Plastiksack - gut tiefgefroren werden.

Bett und Schlafzimmer sollten besonders "milbenfeindlich" gestaltet sein, da der Mensch sich hier am längsten aufhält.

Milbendichte Matratzenüberzüge können die Belastung ebenso verringern wie Kopfpolster und Decken mit Kunststofffüllung, die sich bei 60 Grad Celsius waschen lassen und mindestens alle 3 Monate entsprechend gewaschen werden. Auch die Matratzenüberzüge (ob milbendicht oder nicht) sollten ebenso gewaschen werden.

Für Textilien, die keine 60 Grad Celsius vertragen, gibt es Waschmittelzusätze, für Polstermöbel und andere fixierte Stoffe milbentötende Schäume und Sprays. Vor der Behandlung ist es ratsam, mit Tests aus der Apotheke die Milbenbelastung des Möbelstücks zu testen, um keine unnötigen Behandlungen durchzuführen.

Polstermöbel, Wände und Boden sollten auch möglichst glatt sein, also lieber Laminat als Teppichboden, Farbe statt Textiltapeten und Glattleder- statt Plüschsofa. Freilich sollten Sie sich in Ihren vier Wänden immer noch zu Hause und wohl fühlen.

Der Staubsauger sollte mit einem Milbenfilter ausgestattet sein, und Hausarbeiten, bei denen Staub aufgewirbelt wird (kehren, staubsaugen oder staubwischen) möglichst nicht vom oder neben dem Allergiker erledigt werden.

Blumentöpfe, genauer: Blumenerde und Hydrokulturen, sowie Luftbefeuchter haben im Allergikerhaushalt, ganz besonders im Schlafzimmer, nichts verloren.

Haustiere sollten nicht angeschafft und - so schon vorhanden - unter Umständen weggeben werden, wenn nicht die psychische Belastung durch den Verlust des Haustiers (ganz besonders bei Kindern) sehr groß ist.

Alle diese Maßnahmen haben umso größeren Erfolg, je schneller sie nach Ausbruch der Krankheit getroffen werden. Bei Menschen, die schon seit Jahrzehnten Hausstaubmilbenallergiker sind, scheint einigen Studien nach die Senkung der Milbenbelastung wenig Wirkung zu zeigen.

Wenn Sie den Urlaub möglichst allergenarm planen wollen, dann heißt das bei Hausstaubmilben optimalerweise in großer Höhe (über 1.500 m Seehöhe) oder im sehr hohen Norden (subarktisches oder arktisches Klima) oder in sehr trockenen Gebieten (Wüstenklima). In Österreich sind etwa einige Orte im Nationalpark Hohe Tauern (z.B. Krimml) oder in Tirol (z.B. Galtür) geeignet. Achten Sie bei der Hotelauswahl auf die Auszeichnung "Allergikerhotel".

Fragen an den Arzt

  • Wie läuft die SIT ab?
  • Wieso soll ich mein Haustier weggeben, obwohl ich auf dessen Haare nicht allergisch bin?
  • Hat die Hausstaubmilbenallergie mit anderen Allergien zu tun?
  • Wer kann mich bei den Maßnahmen in der Wohnung/im Haus beraten?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

Website

Quellen

  • B. Schnyder, Th. Schweri, B. Thomann et al.: Hausstaubmilbenallergie. In: Schweiz. Med. Wochenschrift 2000; 130:443-447
  • Praktische Allergologie, W. Heppt, W. C. Bachert, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2011
  • Interview mit Dr. Beatrix Tichatschek am 14.08.2013

ICD-10: J30, J30.3, J45.0

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