Die 7 häufigsten Hand-Erkrankungen

Die Hand ist sehr verletzungsanfällig. (ipopba - Fotolia.com)

Unsere Hände sprechen Bände. Sie können gestikulieren, greifen, tasten, aber kaum das wahre Alter eines Menschen verbergen.

Hände erfüllen jedoch weit mehr Funktionen: sie sind dank vieler Rezeptoren in der Hand ein wichtiges Sinnesorgan des Menschen. Schon kleinste Verletzungen können das Zusammenspiel von 27 Knochen, Bändern, Sehnen und Muskeln beeinträchtigen. Ist die Bewegung der Hände eingeschränkt, können meist wichtige alltägliche Funktionen nicht mehr erfüllt werden. Schmerzen an den Fingern, in den Muskeln, in den Gelenken im Bereich der Hände, können viele Ursachen haben, wie die folgenden 7 häufigsten Hand-Erkrankungen zeigen.

Übersicht

Hand-Erkrankungen: Ursachen

Die häufigsten Ursachen für Schmerzen an der Hand sind:

All diese Erkrankungen werden vor spezialisierten Handchirurgen diagnostiziert und entsprechend behandelt. Ein Karpaltunnelsyndrom entwickeln bis zu 15 % der Bevölkerung, etwa 6 % leiden an einer Handgelenksarthrose, für die Dupuytren´sche Kontraktur liegt die Häufigkeit zwischen 1 und 25 %, Ganglienzysten und Sehnenscheidenentzündungen sind häufige Hand-Erkrankungen, jedoch liegen dazu keine genauen Daten vor. Handverletzungen betreffen jährlich etwa 230.000 Österreicher, 60 % der Verletzungen ereignen sich in der Freizeit, 40 % am Arbeitsplatz.                      

Hand-Erkrankung Nr. 1: Karpaltunnelsyndrom (CTS)

Der Karpaltunnel befindet sich am Handgelenk, hier fließen die Nerven vom Unterarm zur Hand. Durch ständigen Druck oder Überlastung des angrenzenden Gewebes kann der Nerv eingeengt und in der Folge beschädigt werden.

Auch eine ergnonomisch falsch positionierte Computertastatur kann zur Folge haben, dass die Sehnen im Karpaltunnel anschwellen und den Medianus-Nerv "unter Druck" setzen. Die Folgen sind heftige Schmerzen, die mitunter bis in die Schulter- oder Nackengegend ausstrahlen können. Erste Symptome sind Taubheitsgefühle der Finger ("Einschlafen", meist nachts), Muskelschwäche und eingeschränkte Funktionstüchtigkeit (z.B. beim Schrauben einer Flasche).

Der Handchirurg erkennt ein Karpaltunnelsyndrom im Rahmen einer fachärztlichen Untersuchung anhand der typischen Beschwerden. MRT oder die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit sichern die Diagnose ab.

Zwar können die Symptome mit Injektionen entzündungshemmender Medikamente oder einer Nachtschiene anfangs erfolgreich behandelt werden, es hat sich aber beim Karpaltunnelsyndrom (CTS) die Operation als erfolgreichste Behandlungsmethode etabliert. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: die offene und die endoskopische Operation ("Schlüssellochtechnik") . Beide haben zum Ziel, das Bindegewebsband um den Karpaltunnel zu lockern, um damit den Nerv zu entlasten.

Hand-Erkrankung Nr. 2: Arthrose

Wird durch Verschleißerscheinungen an den Knorpeln, die die Knochenenden schützen, hervorgerufen. Im Allgemeinen kann eine Arthrose an jedem Gelenk auftreten, an den Händen ist meist das Daumensattelgelenk betroffen. Mediziner sprechen von einer Rhizarthrose.

Diese Form ist eine häufige Ursache für starke Schmerzen an der Daumenbasis. Abnützung, aber auch Gelenksentzündungen, Gelenksfehlstellungen oder Fehlbelastungen können zu einer Rhizarthrose führen. Die Schmerzen können sowohl in Ruhe, als auch bei bestimmten Bewegungen (beim Greifen oder Halten) auftreten, das Gelenk kann auch gerötet oder geschwollen sein. Eine weitere häufige Form der Arthrose an der Hand ist die Handgelenksarthrose oder Radiokarpalarthrose. Diese betrifft eine Abnützung zwischen Speiche und Handwurzel im Bereich des Gelenks.

Die notwendige Behandlung richtet sich vor allem nach dem Grad der Abnützung und den dadurch verursachten Schmerzen. Gezielte Infiltrationen der kleinen Gelenke an der Hand oder die Verordnung einer speziellen Schiene können die Beschwerden lindern und die Daumenfunktion wiederherstellen. Falls es zu anhaltenden Beschwerden kommt, kann dem Patienten bei Rhizarthrosemit einer Operation geholfen werden. Ob Entfernung der schmerzhaften Knochenenden oder Implantation eine Daumensattelgelenksprothese, die operative Behandlung der Rhizarthrose ist eine der erfolgreichsten Operationen in der Handchirurgie mit einer sehr hohen Patientenzufriedenheit.

Hand-Erkrankung Nr. 3: Ganglionzyste

Ein Ganglion ist eine Schwellung, die im Weichgewebe des Handgelenksbereichs oder der Finger auftritt und Schmerzen auslösen kann. Dabei handelt es sich um eine mit gelartiger Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung, eine gutartige Veränderung an der Hand. Ein Ganglion muss aber von anderen Wucherungen (z.B. von anderen Hauttumoren) unterschieden werden.

Ein Ganglion kann ohne erklärbare Ursache auftreten, aber auch infolge von Verletzungen oder chronischem Druckreiz. Umgangssprachlich wird es oft als Überbein bezeichnet. Mithilfe einer MRT-Untersuchung kann der Facharzt ein Ganglion sicher diagnostizieren. Mitunter kann es sich von selbst wieder zurückbilden. Ein störendes Ganglion kann in der Regel problemlos und schonend chirurgisch entfernt werden.

Hand-Erkrankung Nr. 4: Sehnenscheidenentzündung

Auch Tendovaginitis genannt, macht sich die Sehnenscheidenentzündung vor allem durch stechende oder ziehende Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Handgelenks oder der Finger bemerkbar. Wenn aufgrund der Sehnenscheidenenge der Finger hängen bleibt und schmerzt, spricht man von einem schnellenden Finger. Hier kann dem Patient rasch mit einer Operation in lokaler Vereisung oder einer einmaligen Kortisonspritze geholfen werden.

Hand-Erkrankung Nr. 5: Dupuytren´sche Kontraktur

Der Morbus Dupuytren ist eine chronische, fortschreitende Bindegewebserkrankung bei der derbe Stränge und Knoten in der Haut der Hohlhand zu beobachten sind. Letztlich kommt es zu einem Streckverlust der Finger mit gestörter Funktion der Hand.

Die Erkrankung wurde nach Baron Guillaume Dupuytren benannt, sie verläuft meist schmerzfrei bzw. in Schüben. Größere Knoten können möglicherweise einen Druckschmerz oder Spannungsgefühl hervorrufen. Die Erkrankung schreitet jedoch fort, wenn sie unbehandelt bleibt und es kommt zur Bildung von Gewebssträngen zwischen Hohlhand und Fingern. Dies kann im späteren Verlauf die Streckfähigkeit der Finger einschränken und bei Alltagstätigkeiten zu Problemen beim Greifen, Händeschütteln, Schreiben etc. führen. Eine MRT-Untersuchung durch den Handchirurgen ermöglicht eine sichere Diagnose.

Da die Erkrankung fortschreitet, sollte schon im frühen Stadium mit einfacher und schonender Methoden wie Nadelstichelung oder der Injektionen mit Kollagenase der Krankheitsverlauf gebremst und somit die Handfunktion wiederhergestellt werden.

Hand-Erkrankung Nr. 6: Rheumatoide Arthritis

Dies ist eine Krankheit, bei der das Immunsystem das eigene Gewebe angreift und häufig in Finger- und Handgelenken Schmerzen verursacht. Rheumatische Erkrankungen verlaufen jedoch nicht einheitlich, diese entzündlichen Erkrankungen können an fast allen Organen auftreten. Bei rheumatoider Arthritis an den Händen kommt es zu einer entzündlichen Veränderung der Gelenksinnenhaut und Sehnenscheiden. In der Folge schwellen die Fingergelenke oder das Handgelenk an, schreitet die Entzündung voran, können Gelenke zerstört und Fehlstellungen hervorgerufen werden. Die Hände können ihren eigentlichen funktionellen Aufgaben nicht nachkommen.

Im Zuge einer ausführlichen Anamnese untersucht der Facharzt die Hände, ergänzend dazu wird eine MRT durchgeführt, eine Laboruntersuchung zeigt, ob rheumatoide Entzündungsfaktoren vorliegen. Je nach Stadium der Erkrankung stehen verschiedene Therapien zur Wahl. Einerseits können Schienen, Physiotherapie oder Ergotherapie die Beschwerden lindern, andererseits gibt es in fortgeschrittenen Stadien unterschiedliche chirurgische Möglichkeiten. So etwa kann eine Operation durchgeführt werden, um den Druck auf die Nerven zu nehmen, hinzu kommt eine Entfernung der Sehnenscheiden, möglicherweise können auch Gelenksversteifungen erforderlich sein. Die entsprechende Therapie erfolgt individuell in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Radiologen bzw. Handchirurgen.

Hand-Erkrankung Nr. 7: Verletzungen

Bedingt durch Freizeit- und Arbeitsunfälle mit bleibenden Schäden und Funktionsverlust an der Hand. Dauerbelastung, also Aktivitäten, die immer wieder die gleichen Handgelenksbewegungen beinhalten, machen das Gewebe um die Handgelenke empfindlich für Entzündungen und können Schmerzen verursachen (z.B. Computerarbeit). Weiters können alltägliche Aktivitäten in Haus, Garten, Freizeit und am Arbeitsplatz, Verletzungen wie Schnitte, Stiche, Bisse oder Verletzungen mit Maschinen zu Verletzungen führen, die die Funktion der Hände einschränken. Jede noch so kleine Verletzung sollte daher von einem erfahrenen Handchirurgen behandelt werden.

Hand-Erkrankungen: Was Sie selbst tun können

Achten Sie bei Alltagstätigkeiten auf Ergonomie, wie z.B. die richtige Schreibtischhöhe, eine entsprechende Tastatur Ihres PCs und ev. auch auf eine ergonomische "Maus". Vergessen Sie nicht, bei monoton ablaufenden Bewegungen Pausen einzulegen und die Hände zu entspannen, die Muskeln und Sehnen zu dehnen. Tragen Sie bei der Gartenarbeit Handschuhe, um Schnitte oder Verletzungen (an Dornen, Ästen oder auch Scherben) zu vermeiden. Bedenken Sie die Infektionsgefahr, wenn Sie sich z.B. mit einem Küchenmesser schneiden. Handschuhe beim Radfahren oder Skaten schützen vor Sturzverletzungen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. David Böckmann

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Eisenstadt, Unfallchirurgie

Quellen

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