Gummibandligatur

Hämorrhoiden, Gummibandligatur, das Wort Hämorrhoiden in blauer Schrift in einem Fließtext
Hämorrhoiden können mit Hilfe der Gummibandligatur entfernt werden (fotolia.com)
Bei der Gummibandligatur werden erweiterte Blutgefäße (z.B. Hämorrhoiden oder Ösophagusvarizen) mit Hilfe eines kleinen Gummirings abgeschnürt, durch die fehlende Blutversorgung stirbt das Gewebe ab und das Gefäß verödet.

Bei Patienten mit Hämorrhoiden können auf diese Weise hervorstehende Gefäße, die oft schmerzhaft sind und bluten können, entfernt werden. Nach wenigen Tagen fällt der Ring mitsamt des abgestorbenen Gewebes ab und wird auf natürliche Weise ausgeschieden. Die Gummibandligatur ist in der Regel nicht schmerzhaft und kann innerhalb von 10 Minuten ambulant von einem Gastroenterologen oder Chirurgen durchgeführt werden. Auch bei einer sogenannten Ösophagusvarizenblutung kommt die Gummibandligatur zum Einsatz. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Notfallbehandlung, die im Spital durchgeführt wird.

Wem nützt diese Therapie?

Die Gummibandligatur kommt entweder als Routineeingriff zur Behandlung von Hämorrhoiden zum Einsatz oder wird bei Blutungen in der Speiseröhre als Notfalltherapie eingesetzt:

  • Hämorrhoiden: Eine Gummibandligatur wird häufig bei Patienten mit Hämorrhoiden I. und II. Grades durchgeführt. Die Behandlung, bei der die hervorstehenden Gefäße mit kleinen Gummiringen abgeschnürt werden, ist eine Alternative zur Verödung (Sklerosierung) oder zur operativen Entfernung der Hämorrhoiden.
  • Ösophagusvarizen: Auch bei Blutungen in der Speiseröhre, sogenannten Ösophagusvarizenblutungen, kommt die Gummibandligatur zur Anwendung. Die Einblutung in die Speiseröhre ist eine lebensbedrohliche Komplikation, die bei Personen mit einer Leberzirrhose auftreten kann. Der Eingriff erfolgt dann im Krankenhaus.      

Wie wirkt die Therapie?

Hämorrhoiden sind erweiterte Blutgefäße, die in einem etwa 20 Zentimeter langen Abschnitt zwischen Enddarm und After auftreten können. Besondere Vorkehrungen wie Nahrungskarenz vor der Behandlung sind nicht notwendig, Sie müssen lediglich 30 Minuten vor der Gummibandligatur in der Praxis sein. In dieser Zeit wird das letzte Stück des Darms durch einen Einlauf oder ein Zäpfchen gereinigt.

Dann führt der Arzt ein schmales, etwa 10-15 Zentimeter langes Rohr, ein sogenanntes Proktoskop, in den Enddarm ein, durch das er die Hämorrhoide ansaugt und mit Hilfe eines kleines Gummiringes abschnürt. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbunden, das Gewebe stirbt ab und löst sich mitsamt des Gummibandes nach etwa einer Woche von selbst. Der Eingriff dauert rund 10 Minuten und wird ambulant durchgeführt. Die Behandlung ist in der Regel schmerzfrei und kann daher ohne Narkose oder Medikamente durchgeführt werden.

Wie lange kommt die Therapie zum Einsatz?

Für alle Arten von Hämorrhoiden gilt, dass eine Behandlung nur dann erfolgt, wenn Beschwerden auftreten. Im Falle der Gefäßerweiterung wären das Schmerzen vor allem beim Sitzen und Blutungen aus einer Hämorrhoide.

Hämorrhoiden können in 4 Schweregrade eingeteilt werden, wobei eine Gummibandligatur im II. und III. Stadium angewandt wird. Gefäßerweiterungen des I. Stadiums bereiten keine Beschwerden und müssen daher nicht behandelt werden, bei Hämorrhoiden III. Grades erfolgt häufig eine Operation.

 Hämorrhoiden-Stadien:

I. Stadium


  • Die Hämorrhoide ist von außen nicht sichtbar, sie wölbt sich nur leicht von der Darmwand hervor
  • Es treten in der Regel keine Schmerzen auf
  • Im Stuhl können gelegentlich geringe Mengen Blut enthalten sein

II. Stadium


  • Vor allem beim Pressen treten die Hämorrhoiden in den Darmkanal vor, bilden sich nach dem Stuhlgang aber von alleine zurück
  • Es kommt häufiger zu leichten Blutungen
  • Patienten spüren einen Juckreizim im Enddarm

III. Stadium


  • Die Hämorrhoiden treten bei Anstrengung weit hervor, sie sind von außen sichtbar und ziehen sich nach dem Stuhlgang nicht von alleine zurück
  • Bei den hervorstehenden Hämorrhoiden kann es zu Einklemmungen mit teils starken Blutungen kommen

IV. Stadium


  • Es kommt zum Analprolaps oder dem Vorfall der Haut, bei dem sich die Analhaut durch den After schiebt und die äußere Haut bedeckt. Die Analhaut lässt sich nicht zurückschieben
  • Blutungen und Schmerzen treten häufig auf

Bei einigen Patienten bilden sich nach der Behandlung erneut Hämorrhoiden, sodass es zur wiederholten Anwendung der Gummibandligatur kommen kann.

Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Direkt nach der Gummibandligatur, aber auch zur Vermeidung von Hämorrhoiden, sollten Sie auf einen weichen Stuhlgang achten, um die Innenhaut des Darms zu schonen. Nach dem Eingriff kann es zu leichten Blutungen kommen, die mit dem Ablösen des Gummibandes nachlassen. Um den Gummiring selbst brauchen Sie sich nicht zu sorgen, er wird nach ein paar Tagen einfach ausgeschieden.

Wer therapiert?

Die Therapie erfolgt ambulant entweder beim Gastroenterologen oder beim Chirurgen. Am besten informieren Sie sich im Voraus, ob Ihr Arzt die Behandlung von Hämorrhoiden durchführt.

Was können Sie zum Gelingen beitragen?

Die erweiterten Blutgefäße sind eine Bindegewebsschwäche, die genetisch bedingt sein kann. Ständig sitzende Tätigkeiten und kräftiges Pressen sowie verhärteter Stuhl können die Ausbildung von Hämorrhoiden aber begünstigen. Um ein Wiederauftreten zu verhindern, sollten Sie auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten, Obst und Gemüse, sowie Vollkornprodukte zu sich nehmen, viel trinken und sich ausreichend bewegen.

Wo liegen die Grenzen der Therapieform?

Nicht alle Hämorrhoiden eignen sich für eine Behandlung mittels Gummibandligatur. Der Arzt wird im Einzelfall entscheiden, mit welcher Methode er die erweiterten Blutgefäße am besten entfernen kann. Während Hämorrhoiden II. und III. Grades häufig mit der Ligatur behandelt werden können, ist beim IV. Stadium aufgrund der Größe und der hervorstehenden Lage der Blutgefäße eher an eine Operation zu denken.

Kosten & Krankenkasse

 Die Kosten für die Behandlung trägt in der Regel die Krankenkasse.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Doz.

Dr. Bernhard Angermayr

Gastroenterologie & Hepatologie, Innere Medizin

Ärzte im Zentrum, St. Pölten

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Interview mit Doz. Dr. Bernhard Angermayr, Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie am 11.07.2014
  • Chrashkurs Chirurgie, O. Kloeters, M. Müller, Urban & Fischer Verlag, München, 2004
  • Chirurgie für Pflegeberufe, B. Paetz, B. Benzinger-König, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2004
  • Innere Medizin, Duale Reihe, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2013

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