Gerstenkorn (Hordeolum)

Schmerzhafte Infektion des Augenlids

Gerstenkorn (Hordeolum): Auge mit entzundenem Gerstenkorn
Das Gerstenkorn bildet eine typische weiße Eiterkuppe und ist auch für Laien gut zu erkennen. (eyeQ - Fotolia.com)
Ein Gerstenkorn ist eine unangenehme, aber zumeist harmlose, bakterielle Entzündung der Lidranddrüsen. Zu Beginn zeigt sich eine Schwellung und Rötung des Augenlids, das bei Berührung schmerzt.

Im weiteren Verlauf der Entzündung entwickelt sich die namensgebende Eiterkuppe, das helle Gerstenkorn. Je nach Schwere der Infektion wird das Abszess mit Wärme, antibiotischen oder desinfizierenden Salben therapiert. Kamillenbäder und eigenständige Manipulation ("Ausdrücken") sollten unbedingt vermieden werden. Tritt das Gerstenkorn immer wieder auf, könnte auch eine chronische Erkrankung, wie z.B. Diabetes dahinterstecken. Das Gerstenkorn ist nicht mit dem Hagelkorn zu verwechseln, das die chronische Form des akuten Gerstenkorns darstellt.

Häufigkeit

Das Gerstenkorn ist eine sehr häufig auftretende Augenliderkrankung, die unabhängig von Alter oder Geschlecht gleich oft vorkommt. Es betrifft bevorzugt die Talg produzierenden, sogenannten Meibom-Drüsen, die für den Fettanteil in der Tränenflüssigkeit zuständig sind. Bei Störung der Tränenfilmzusammensetzung oder auch eingeschränkter Immunabwehr steigt das Risiko für das Auftreten eines Gerstenkorns an.

Ursachen

Ein Gerstenkorn entsteht durch eine Infektion der Lidranddrüsen mit Bakterien, wie z.B. mit Staphylokokken oder seltener mit Streptokokken. Durch eine vorliegende Engstelle eines Ausführungsgangs wird das Sekret der Lidranddrüse nicht gleichmäßig an die Oberfläche abgegeben. Bakterien, die natürlicherweise an Bindehaut, Wimpern, Lidern und daher auch in den Lidranddrüsen vorkommen, können sich rasch vermehren. Der Tränenfilm enthält verschiedene Abwehrstoffe, die die natürliche bakterielle Besiedelung der Bindehaut und Lider in Grenzen halten. Störungen des Tränenfilms, Reduktion der Abwehrstoffe bzw. Verunreinigung mit anderen Keimen, z.B. durch ungewaschene Hände, schmutzige Kontaktlinsen oder auch verunreinigtes Make-up, begünstigen das Bakterienwachstum in den engen Ausführungsgängen der Lidranddrüsen. Der Wimpernbalg und die angrenzenden Talgdrüsen (Meibom-Drüsen) entzünden sich und zeigen den typischen gutartigen Abszess. Je nach Lokalisation am Lidrand unterscheidet man ein äußeres (Hordeolum externum) und ein inneres Gerstenkorn (Hordeolum internum).

Bei Akne können die Lider oft in Form von Gerstenkörnern mitbeteiligt sein. Begünstigt wird die Liderkrankung auch durch ein geschwächtes Immunsystem, wie z.B. infolge von Erkältungen oder bei Diabetes mellitus. Tritt das Gerstenkorn häufig auf und zeigt sich in der Therapie hartnäckig, ist es sinnvoll, den Blutzuckerwert zu überprüfen, um Diabetes auszuschließen.

Symptome

Ein beginnendes Gerstenkorn wird zunächst durch ein auf Berührung schmerzendes Augenlid bemerkt. Die Symptome unterscheiden sich bei äußerem und innerem Gerstenkorn geringfügig:

  • Äußeres Gerstenkorn: Das Augenlid ist nahe den Wimpern geschwollen, gerötet und schmerzhaft, da die Entzündung vorwiegend die nach außen führenden Schweißdrüsen (Moll-Drüsen) oder Talgdrüsen (Zeis-Drüsen) betrifft.
  • Inneres Gerstenkorn: Das betroffene Lid schwillt meist großflächiger an und ist gerötet, da an der Lidinnenseite eine Meibom-Talgdrüse verstopft ist. Der nächstgelegene Lymphknoten vor dem Ohr kann dabei leicht vergrößert sein.

Verlauf

Ein Gerstenkorn ist eine in den meisten Fällen harmlos verlaufende Entzündung. Dennoch ist ein Arztbesuch empfehlenswert, vor allem wenn das Auge stark geschwollen ist, schmerzt, oder zusätzlich eine Bindehautentzündung vorliegt. In der Regel verheilt ein Gerstenkorn komplikationslos. Nach wenigen Tagen öffnet sich das Abszess von selbst, Eiter kann abfließen und die Rötung und der Schmerz gehen zurück. Die Entzündung sollte nach 1 bis 2 Wochen abgeklungen sein. Manchmal kann es zu einer bakteriellen Bindehautentzündung kommen oder so massiv sein, dass ein nächstgelegener Lymphknoten mitbeteiligt ist und Fieber auftritt. In seltenen schlimmen Fällen setzt sich die lokale Infektion auf die umliegenden Gewebe fort und verursacht eine schwierige Entzündung der Augenhöhle oder des Auges selbst.

Diagnose

Der Augenarzt oder auch ein Allgemeinmediziner können das Gerstenkorn anhand der Begutachtung des betroffenen Augenlids diagnostizieren. Der typische Abszess mit der weißlichen Kuppe ist auch für Laien gut erkennbar. Weitere Untersuchungen (Spaltlampenuntersuchung) sind notwendig, wenn die Infektion sehr großflächig und schmerzhaft ist, eine Bindehautentzündung oder Allgemeinsymptome wie Fieber bestehen. Wenn das Gerstenkorn nach über einer Woche nicht abgeheilt ist und sich keine Besserung der Symptome zeigt, führt der Arzt einen Bindehautabstrich durch. Dadurch können die für die Entzündung verantwortlichen Bakterien bestimmt und gezielt mit für den jeweiligen Keim spezifischen Antibiotika bekämpft werden.

Das Gerstenkorn ist nicht zu verwechseln mit dem so genannten Hagelkorn. Dieses stellt die chronische, abgekapselte Form des akuten Gerstenkorns dar. Die darüber liegende Haut ist nicht gerötet und lässt sich im Gegensatz zum Gerstenkorn über dem Knötchen verschieben. Ein störendes Hagelkorn kann durch eine kleine Operation entfernt werden.

Therapie

Die Behandlung des Gerstenkorns ist im Normalfall einfach und führt rasch zu einer völligen Genesung. Folgende Methoden versprechen baldige Besserung der unangenehmen Symptome:

  • Physikalische Therapie:

Trockene Wärme z.B. durch Bestrahlung des (geschlossenen) Auges mit einer Infrarot-Lampe reicht oft als alleinige Behandlungsmethode aus. Sie kann aber auch zusätzlich zur antibiotischen Therapie angewandt werden.

Warme Umschläge stellen eine einfache Alternative der Behandlung dar, dazu legt man ein in warmes Wasser getauchtes Watte-Pad oder sauberes Tuch auf die betroffene Stelle auf. Durch die Wärme weitet sich der Ausführungsgang und das Sekret kann sich entleeren.

Bei starker Schwellung bringt das Auflegen von kalten Umschlägen Linderung (zu empfehlen sind wechselweise warme und kalte Umschläge).

  • Antibiotische oder desinfizierende Salben
  • In hartnäckigen Fällen: Antibiotika in Tablettenform
  • Bei Bindehautentzündung: Antibiotische Augentropfen
  • Bei Hagelkorn: chirurgische Entfernung

Auch Kinder können ein Gerstenkorn bekommen. Bei ihnen wird die selbe Therapieform angewandt wie bei Erwachsenen.

Was sollten Sie vermeiden?

  • Achten Sie besonders auf Hygiene und versuchen Sie auf keinen Fall das Gerstenkorn auszudrücken, auch wenn sich Eiter auf der Spitze der Schwellung abzeichnet. Durch Ausdrücken werden die Bakterien am Lid und in der Bindehaut verteilt und die Entzündung könnte sich verschlimmern.
  • Verwenden Sie keine Kamillenbäder, da Kamille die Haut zusätzlich reizt und austrocknet.

Fragen an den Arzt

  • Habe ich ein Gerstenkorn oder ein Hagelkorn?
  • Welche Form der Therapie ist für mich die passende? Reicht trockene Wärme aus?
  • Ich bin häufig vom Gerstenkorn betroffen. Könnte eine andere Erkrankung dahinterstecken?
  • Wie lange dauert es, bis mein Gerstenkorn abheilt?
  • Mein Kind hat ein Gerstenkorn. Was muss ich beachten?

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Barbara Kiss

Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: H00.0

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