Fieber bei Kindern

Fieberthermometer zeigt Temperatur bei Kind
Mit Babys unter drei Monaten bereits ab 38,0°C rasch zum Arzt gehen! (svetamart - Fotolia.com)

Fieber bei Kindern hat oft dieselben Ursachen wie Fieber bei Erwachsenen: Meist steckt eine Infektion mit Viren, Bakterien oder anderen Krankheitserregern dahinter, gegen die das Immunsystem u.a. mit der Erhöhung der Körpertemperatur vorgeht.

Aber Kinder fiebern schneller als Erwachsene und bei ihnen spricht man bereits ab 38°C von Fieber. Viele klassische Kinderkrankheiten laufen mit Fieber ab. Vergeht die fieberauslösende Erkrankung oder wird sie therapiert, verschwindet auch das Fieber in der Regel wieder. Spezielle Fieberzustände bei Kindern sind das "Dreitagefieber" und der Fieberkrampf. Auch gefährliche Erkrankungen (z.B. Meningitis), die schneller Therapie bedürfen, können hinter hohen Temperaturen stecken. Darum: Fieber bei Kindern immer gut beobachten und bei Auffälligkeiten zügig vom Arzt abklären lassen!

Überblick

Fieber bei Kindern: Ursachen

Fieber ist eines der häufigsten Symptome, das zu einem Besuch beim Kinderarzt führt. Denn Kinder bekommen schnell Fieber. In erster Linie sind Viren, Bakterien oder andere Krankheitserreger Ursachen für Fieber. Das Immunsystem kämpft mit dem Anstieg der Körpertemperatur gegen die Eindringlinge: Ab 38,5 Grad werden Bakterien und Viren geschwächt und können sich schlechter vermehren. Wenn ein Kind fiebert, so hilft sich sein Körper also selbst. Fieber gehört zum natürlichen Heilungsprozess, sollte aber bei Kindern immer besonders gut beobachtet werden!

Meist ist der Körper bei Fieber mit der Abwehr von "alltäglichen" Virusinfektionen wie Erkältungen und Grippe, Magen-Darm-Infekten oder Mittelohrentzündung beschäftigt - alle möglichen Entzündungen im Körper werden gerne von Fieber begleitet. Es kann daher aber auch von gefährlichen Infekten wie Lungenentzündung oder einer Hirnhautentzündung (Meningitis) herrühren, die gerade bei kleinen Kindern nicht selten tödlich enden. Daneben können auch noch etliche Ursachen mehr hinter einer erhöhten Temperatur bei Kindern stecken – genauso wie bei Fieber bei Erwachsenen.

Unterschiedliche Fieberarten

Auch die meisten Kinderkrankheiten, wie Masern, Mumps oder Röteln, werden in bestimmten Krankheitsphasen von Fieber begleitet. Fieberzustände, die typischerweise nur bei Kindern auftreten, sind das sogenannte Dreitagefieber und der Fieberkrampf.
Das Dreitagefieber trifft häufig Säuglinge und Kleinkinder bis 3 Jahre, vereinzelt aber auch ältere Kinder. Die meisten Infektionen, die dazu führen, treten in den ersten 12 Lebensmonaten auf. Einen Fieberkrampf bekommen 2 % bis 4 % aller Kleinkinder im Alter zwischen 3 Monaten und 5 Jahren.

Wie hoch ist das Fieber?

Bei Kindern ist es also besonders wichtig, erhöhte Körpertemperatur richtig einzuschätzen. Von Fieber wird bei Säuglingen und Kleinkindern auch schon bei etwas niedrigerer Körpertemperatur gesprochen, als dies bei Erwachsenen der Fall ist:

Höhe der Temperatur

Man sprich von …

36,5°C bis 37,5°C

…normaler Temperatur

37,6°C bis 37,9°C

…erhöhter Temperatur

38,0°C bis 38,5°C

…leichtem Fieber

38,6°C bis 39,0°C

…mäßigem Fieber

39,1°C bis 39,9 °C

…hohem Fieber

40,0°C bis 42,0°C

…sehr hohem Fieber

Hat ein Kind Fieber, sollte man regelmäßig die Temperatur messen, sich die Werte notieren und immer auch den Allgemeinzustand des Kindes gut im Auge behalten!

Fieber bei Kindern: Symptome

Ein fieberndes Kind macht einen kranken, geschwächten Eindruck. Seine Stirn fühlt sich deutlich wärmer an als sonst; Hände und Füße können warm oder kalt sein.

Es gibt unterschiedliche Fieber-Typen:

  • manche Babys fiebern trocken und heiß,
  • andere kalt (Hände und Füße) und feucht (Schweiß)

Aber an Rumpf und Kopf sind beide "Typen" gleich heiß.

Durch Fieber können sich Herzschlag und Atmung beschleunigen - es belastet daher den Kreislauf. Bei hohem Fieber können sich zudem Schwindel, Verwirrtheit und Wahrnehmungsstörungen zeigen. Dann sollte unverzüglich Kontakt zum Kinderarzt aufgenommen werden. Hat das Kind sehr hohes Fieber oder zeigt gar Bewusstseinstrübungen die Rettung verständigen! Denn der Anstieg der Körpertemperatur über 40°C kann Organ- und Gewebeschäden zur Folge haben und sogar tödlich enden!

Wann zum Arzt?

Ein Kinderarzt sollte unbedingt aufgesucht bzw. gerufen werden, wenn:

  • die Körpertemperatur eines bis zu drei Monaten alten Babys über 38°C steigt,
  • leichtes bis mäßiges Fieber bei Kind unter 2 Jahren länger als einen Tag anhält,
  • leichtes bis mäßiges Fieber bei einem älteren Kind über drei Tage anhält,
  • das Fieber schnell 39,0°C und höher erreicht,
  • weitere Krankheitszeichen wie Bauchweh, Durchfall, Erbrechen oder Hautausschlag hinzukommen,
  • das Kind in seinem Verhalten auffällig ist bzw. in seiner Wahrnehmung beeinträchtigt ist,
  • das Fieber trotz Zäpfchen und Wadenwickel nicht sinkt,
  • ein Fieberkrampf auftritt,
  • wenn das Fieber schubweise bzw. wiederholt auftritt. Dann kann z.B. das sog. "Periodische Fiebersyndrom" vorliegen, das zu den rheumatischen Erkrankungen gezählt wird.

Für Neugeborene gelten noch weitere Regeln! Denn junge Säuglinge können auch schwere Infektionen haben, ohne Fieber zu entwickeln, da ihr körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) noch nicht vollständig ausgereift ist.

Eltern von Babys bis zu 3 Monaten sollten immer umgehend einen Kinderarzt bei einer Körpertemperatur des Kindes über 38°C aufsuchen! Dies sollten sie ebenfalls tun - auch ohne Fieber -, wenn ihr Kind:

  • eine ungewöhnliche Hautfarbe aufweist oder ein Hautausschlag auftritt
  • zwei Mahlzeiten nicht trinken will
  • wiederholt erbricht
  • Durchfall hat
  • besonders benommen wirkt und wenig reagiert
  • auffällig (viel) schreit

Fieber bei Kindern: Richtig messen

Um die Körpertemperatur des Kindes möglichst genau zu ermitteln, sollte man am besten im Popo Fieber messen. Im Mund, Ohr, auf der Stirn oder unter der Achsel ermittelte Werte sind ungenauer bzw. niedriger als die Körperkerntemperatur.

Babys und Kleinkinder werden zum Fiebermessen auf den Rücken gelegt. Dann die Beinchen anheben und das Fieberthermometer - an der Spitze mit etwas Vaseline oder Creme betupft - vorsichtig etwa 1 Zentimeter tief in den After einführen. Das Fieberthermometer dabei leicht festhalten, damit es nicht aus dem Po rutscht.
Digitale Thermometer geben ein Signal ab, wenn die Messung abgeschlossen ist (zirka nach 1 Minute). Mit Glas-Fieberthermometern sollte man 3 bis 4 Minuten lang im Po messen. Kinder wehren sich bei dieser langen Dauer oft heftig, da es ihnen unangenehm ist. Daher mit Glas-Fieberthermometern eher unter der Achsel messen, auch wenn die gemesseneTemperatur ungenauer ist als im Po.

Zeigt sich beim Kind eine erhöhte Körpertemperatur, jede 1/2 bis ganze Stunde erneut Fiebermessen, die Werte notieren und immer auch den Allgemeinzustand des Kindes gut im Auge behalten! Einen Kinderarzt aufsuchen, wenn die Werte rasch steigen oder das Kind sonst auffällig ist. Es können gefährliche Krankheiten dahinter stecken, die einer umgehenden Behandlung bedürfen, etwa die Hirnhautentzündung.

Besteht bei einem Kind Fieber ohne erkennbaren Grund – es hat also keinen Husten, Schnupfen, Durchfall o.ä. – wird der Kinderarzt per Ausschlussverfahren die Infektionsquelle suchen. Dafür wird auch meist eine Urinprobe nötig und Blut abgenommen, um es zu analysieren.

Therapie bei Fieber

Die Therapie bei Fieber richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Wird die Fieber-auslösende Erkrankung therapiert – etwa eine normale bakterielle Infektion mit Antibiotika –, geht auch das Fieber in der Regel von selbst zurück.

Fiebersenkende Mittel

Das Fieber kann auch rein symptomatisch behandelt werden, also mit fiebersenkenden Mitteln. Gerade bei Kindern sollte man dafür aber zuerst fiebersenkende Hausmittel wie Wadenwickel versuchen, denn die Kleinen vertragen nicht alle fiebersenkenden Medikamente! Außerdem ist Fieber grundsätzlich sinnvoll: Mit seiner Hilfe kann der kindliche Körper Bakterien und Viren von sich aus besiegen. Wer zu schnell mit Medikamenten das Fieber drosselt, unterbricht den natürlichen Heilungsprozess!

Steigt die Temperatur jedoch über 39,0°C mit Medikamenten gegensteuern: Der klassische Wirkstoff für Babys ist Paracetamol. Ab dem vollendeten 6. Lebensmonat ist auch Ibuprofen zugelassen. Für Kinder gibt es beide Wirkstoffe als Zäpfchen oder Saft. Die Dosierempfehlungen in der Packungsbeilage genau beachten und bei Unklarheiten den Kinderarzt fragen!

Vor allem kleinen Kindern auf keinen Fall Acetylsalicylsäure (ASS) geben! Dieser Wirkstoff kann bei Kindern unter Umständen das tödliche Reye-Syndrom auslösen, eine seltene Leber-Hirn-Erkrankung.

Bei Neugeborenen gelten, wie schon gesagt, andere Regeln: Mit Babys unter 3 Monaten bereits ab 38,0°C schnell zum Doktor gehen und nicht eigenmächtig fiebersenkende Mittel verabreichen! Und für alle anderen gilt: Steigt das Fieber sehr rasch, hält länger an oder zeigen sich andere Auffälligkeiten (s.o.), unbedingt den Kinderarzt aufsuchen!

Fieber bei Kindern: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Das Kind am besten ins Bett legen; es braucht bei Fieber viel Ruhe. Darauf achten, dass das Kind nicht zu warm angezogen ist. Im Nacken lässt sich die Körperwärme gut ertasten. Ist es dort schwitzig, ist dem Baby zu warm! Geeignete Kleidung ist aus leichter Baumwolle, etwa ein Langarm-Boy oder -Shirt. Zudem das Baby nicht zu warm zudecken! Die ideale Zimmertemperatur liegt bei 18 bis 20 °C. Immer wieder Stoßlüften, um für gute Luft im Krankenzimmer zu sorgen, dabei aber Zugluft vermeiden.

Viel trinken

Besonders wichtig ist es bei Fieber, viel zu trinken! Denn dann benötigt der Körper mehr Flüssigkeit als normal. Viele fiebernde Kinder haben großen Durst auf kaltes, den man am besten mit Wasser, milder Saftschorle oder abgekühlten Tees stillt. Andere Kinder wollte jedoch nichts trinken und haben keinen Appetit. Die Nahrung zu verweigern, ist für ein paar Tage nicht weiter schlimm. Aber das Kind muss unbedingt Flüssigkeit aufnehmen, damit der kleine Körper nicht austrocknet. Deshalb Kindern immer wieder Getränke anbieten, notfalls mit einem Teelöffel verabreichen! Stillkinder häufig anlegen!

Wadenwickel senkt Fieber

Wadenwickel als das klassische Hausmittel gegen Fieber, sollten bei Kindern nur angewendet werden, wenn der Körper komplett warm ist – also auch Hände und Füße! Möchte man einem Baby Wadenwickel machen, zwei kleine Baumwolltücher in Wasser tauchen, das etwa 2 °C kälter ist als Babys Körpertemperatur. Ausgewrungen behutsam um beide Unterschenkel vom Fußgelenk bis zum Knie wickeln, zwei trockene Tücher darüber geben und am besten mit großen Wollsocken befestigen. Nach 10 Minuten erneuern. Die Wadenwickel höchstens 3 Mal in Folge wiederholen. Dazwischen immer wieder Fiebermessen und darauf achten, dass die Körpertemperatur nicht zu rasch abfällt. Wichtig auch: Werden Babys Füße kalt, sofort abbrechen!

Homöopathie - gut verträglich

Besonders gute Dienste bei Kindern leistet auch Homöopathie, denn die Naturheilmethode ist selbst für die Kleinsten bestens verträglich. Gegen Fieber haben sich vor allem Aconitum D30, Belladonna D12 und Ferrum Phosphoricum D12 bewährt. Eltern sollten sich dazu von einem geschulten Kinderarzt beraten lassen!

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim., MBA

DDr. Peter Voitl

Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

Ärztlicher Leiter am Ambulatorium für Kinderkardiologie und ärztlicher Leiter des Vereins MOKI-Wien Mobile Kinderkrankenpflege

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: R 50

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