Fettleber

Dicker Bauch
Bei Übergewicht besteht ein 80 %iges Risiko eine Fettleber zu entwickeln, bei Alkoholmissbrauch liegt das Erkrankungsrisiko bei 50 %. (Gina Sanders - Fotolia.com)

Übergewicht, zu wenig Bewegung und Alkohol begünstigen die Entstehung einer Fettleber. Bei einer Fettleber handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen der Leber, dabei wird verstärkt Fett in den Leberzellen eingelagert.

Mediziner unterscheiden als wesentliche Auslöser 2 Arten von Fettleber: die alkoholbedingte sowie die nicht-alkoholisch bedingte Fettleber. Eine weitere Unterscheidung liegt in der Art der Leberzellverfettung, welche einen Einfluss auf Verlauf und Prognose hat: die "mikro-" oder "makrovesikuläre" Verfettung. Es handelt sich dabei um die Unterscheidung des Fettanteils bzw. der Art der Fettverteilung in den einzelnen Leberzellen.

Übersicht

Allgemeines zur Fettleber

Ursachen dieser Erkrankung sind im Allgemeinen zu wenig Bewegung, übermäßige Nahrungsaufnahme, sowie Alkoholmissbrauch. Außerdem können das Auftreten der Fettleber genetische Faktoren oder Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) begünstigen.

Erste Anzeichen sind ein Druckgefühl im Oberbauch oder ein Völlegefühl. Die Erkrankung führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Leberzirrhose oder Leberinsuffizienz. Bleibt sie jedoch unbehandelt, können schwere Leberschäden entstehen, wie z. B. eine Fettleberentzündung. In der Folge kann es zu einer Leberzirrhose kommen. Bei Alkoholabstinenz bzw. fettarmer, ausgewogener Ernährung kann sich die Fettleber in etwa 2 bis 3 Monaten zurückbilden.

Häufigkeit der Fettleber

Etwa 20 % bis 30 % der Bevölkerung sind bereits von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen, damit ist diese Veränderung der Leber eine der häufigsten Zivilisationserkrankungen. Etwa 2 % bis 3 % der Bevölkerung haben eine alkoholisch bedingte Fettleber entwickelt. Bei Übergewicht besteht ein 80 %iges Risiko eine Fettleber zu entwickeln, bei Alkoholmissbrauch liegt das Erkrankungsrisiko bei 50 %.

Es gibt verschiedene Typen von Fettleber:

  • ASH (Alcoholic Steatohepatitis): Fettleberentzündung durch übermäßigen Alkoholkonsum
  • NASH (Non-alcoholic Steatohepatitis): Auch nicht Alkohol bedingte Fettleber
  • BASH (Both alcoholic and non-alcoholic Steatohepatitis): Fettleberhepatitis aufgrund einer Kombination von NASH und ASH

Bei allen Krankheitsbildern kommt es zu einer Einlagerung von Fetten (Triglyzeriden) in den Leberzellen. Eine gesunde Leber enthält etwa 3 % bis 4 % Fett, eine Fettleber hortet mehr als 50 % Fett.

Daher spricht man von:

  • Verfettung: wenn sich Fett in mehr als 5 % der Leberzellen einlagert
  • Fettleber: bei Einlagerung von Fett in mehr als 50 % der Leberzellen
  • Mikrovesikuläre Verfettung: Es sammeln sich kleine Fett Tröpfchen um den Zellkern. Diese Verfettung ist typisch für akute Form der Fettleber.
  • Makrovesikuläre Verfettung: Der Fettanteil in den Zellen ist sehr hoch, Zellkern und andere Bestandteile der Zelle sind kaum mehr vorhanden. Man sieht diese Form typischerweise bei chronischem Alkoholismus, Diabetes mellitus, Fettsucht und nach längerer Kortisongabe.

Alkoholbedingte Lebererkrankungen

Alkoholische Fettleber

Infolge eines übermäßigen Alkoholkonsums entsteht zunächst eine Fettleber. Dabei lagern sich Triglyzeride in den Leberzellen an und schädigen diese. Leberzellen sind jedoch für die Energiebereitstellung im menschlichen Körper wichtig. Die Leber verfettet, reagiert druckempfindlich und schmerzt. Bei Alkoholverzicht kann sich die Leber jedoch wieder regenerieren.

Alkoholische Hepatitis

Kommt zusätzlich zu einer Fettleber eine Leberentzündung hinzu, spricht man medizinisch von einer alkoholischen Hepatitis (Steatohepatitis). Im Laufe der Erkrankung vergrößert sich die Leber, die Leberzellen sterben ab, in den Lebervenen wird Bindegewebe abgelagert, das verhindert eine ausreichende Durchblutung des Organs. Häufig macht sich die Erkrankung durch Abgeschlagenheit, Schmerzen im Bereich der Leber, Gelbfärbung der Haut bemerkbar. Auch die Blutgerinnung und der Elektrolythaushalt sind gestört.

Leberzirrhose

Diese betrifft jeden 5. Alkoholiker. Sie ist das Endstadium einer Lebererkrankung und ist durch die Zerstörung der Leberzellen gekennzeichnet. Im schlimmsten Fall kann die Leberzirrhose auch zu Leberkrebs führen. Ob Alkohol ohne gesundheitliche Folgen vertragen wird bzw. ab welcher Menge er Schäden hervorruft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, abhängig von Geschlecht, Größe, Gewicht sowie erblichen Unterschieden.

Nicht-alkoholische Fettleber

In der Vergangenheit wurde Alkoholmissbrauch als Hauptursache für Leberverfettung gesehen. Die Wissenschaft geht mittlerweile davon aus, dass auch andere Lebensstilfaktoren die Entstehung einer Fettleber begünstigen, wie

  • Übergewicht (Adipositas, auch bei Kindern ist daher die Entwicklung einer nicht-alkoholischen Fettleber möglich)
  • Diabetes Typ 2
  • Hyperlipidämie (erhöhte Konzentration von Lipoproteinen, sogenannten "Fetttransportern")
  • Metabolisches Syndrom
  • Übermäßiger Konsum von Fruchtzucker (Fructose)
  • Medikamente (u.a. synthetische Östrogene, Acetylsalicylsäure)
  • Giftstoffe (Toxine, wie u.a. Tetracycline, Dämpfe von Lösungsmitteln)
  • Genetische Veranlagung
  • Ungesunde, fettreiche Ernährung, zu wenig Bewegung sowie
  • Alkoholmissbrauch

Im 1. Stadium entwickelt sich eine reine Fettleber (mild, mäßig oder schwer, je nachdem wie hoch die Beteiligung der Leberzellen ist). Im 2. Stadium kommt es zu Leberzellenschäden bzw. Abbau von Leberzellen, hinzu treten Entzündungen und/oder Fibrose. Im 3. Stadium folgt die Leberzirrhose aufgrund von Leberverfettung.

Diagnose von Fettleber

Ein Nachweis, ob es sich um eine alkoholbedingte oder nicht-alkoholische Fettleber handelt, ist schwierig und kann mit Labortests nicht verlässlich bestätigt werden. Daher ist es für den Arzt im Rahmen einer Anamnese (Arzt-Patientengespräch) wichtig, zunächst festzustellen, ob der Betroffene Alkohol im Übermaß zu sich nimmt. Als Richtwert für "Alkoholmissbrauch "gilt eine Zufuhr von mehr als 20 g Alkohol pro Tag bei Frauen und mehr als 40 g bei Männern.

Labortest

Üblicherweise zeigen Labortests (Blutuntersuchung, Lebertest), ob die Leberwerte erhöht sind. So können beispielsweise ein erhöhter Gamma-GT-Wert oder eine verringerte Anzahl weißer und roter Blutkörperchen Hinweis auf eine Fettleber sein. Die Untersuchungen lassen jedoch keine Rückschlüsse zu, ob es sich um eine alkoholische oder nicht-alkoholische Fettleber handelt. Bleiben die Leberwerte  - GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase), GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase), GGT (Gamma-Glutamyltransferase), und Bilirubin - auch nach 3 Monaten Alkoholverzicht weiterhin erhöht, ist das ein Hinweis, dass eine nicht-alkoholische Fettleber vorliegt.

Bildgebende Verfahren

Mittels Ultraschalls steht eine einfache unschädliche Methode zur Verfügung eine Fettleber zu erkennen. Durch CT oder MR ist zusätzlich eine "Dichtemessung" möglich. Beide können eine Vergrößerung der Leber oder Knoten sichtbar machen. Seit kurzer Zeit gibt es auch mittels Ultraschall eine Möglichkeit ohne Biopsie die Leberdichte/Steifigkeit als sogenannte "transiente Elastographie" zu messen.

Leberbiopsie

Als "Gold Standard" für eine verlässliche Diagnose wird eine Leberbiopsie (Gewebeentnahme aus der Leber) empfohlen. Dadurch lassen sich Entzündungsfaktoren, sowie Fibrose (Umbau des Lebergewebes in Bindegewebe) diagnostizieren sowie der Fortschritt der Erkrankung erkennen, darauf basierend kann eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Therapie von Fettleber

Die Behandlung einer Fettleber erfolgt in erster Linie indem die Ursachen der Erkrankung therapiert werden:

Bei alkoholischer Fettleber ist daher eine völlige Alkoholkarenz nötig. Durch diese Schonung kann sich die Fettleber in etwa 2 bis 3 Monaten wieder verkleinern. Auch eine bereits entstandene Fibrose oder Zirrhose kann sich möglicherweise zurückbilden. Ergänzende Maßnahmen sind ausgewogene Ernährung, ausreichende Vitaminversorgung und Bewegung. Auch spezielle Medikamente können den Alkohol-Entzug erleichtern. Schreitet die Erkrankung fort, kann möglicherweise eine Lebertransplantation erforderlich sein, die jedoch nur bei absoluter Alkoholkarenz durchgeführt wird.

Bei nicht-alkoholischer Fettleber richtet sich die Behandlung nach der Grunderkrankung: Ist die Fettleber aufgrund von Übergewicht oder Diabetes Typ 2 entstanden, ist es wichtig, den Lebensstil zu ändern, Gewicht abzunehmen (nicht mehr als 1 kg pro Woche) und sich sportlich zu betätigen (Yoga, Walken, Wandern, Radfahren).

Medikamentöse Therapie der Fettleber

Derzeit steht eine Reihe möglicher Therapieoptionen zur Auswahl, deren Wirksamkeit zum Teil jedoch noch weiterer Studien bedarf. Als Erfolg versprechend haben sich nachstehende Substanzen erwiesen:

  • ACE-Hemmer (Blutdrucksenker) bzw. AT2-Hemmer (weiten die Gefäße)
  • Statine (senken die Leberwerte)
  • Ursodeoxycholsäure hemmt die Kohlenhydratneubildung sowie die Fettsäuresynthese und begünstigt die Insulinausschüttung
  • Vitamin E: Studien zeigten, dass sich der Zustand des Lebergewebes nach 2-jähriger Vitamin E-Gabe wesentlich verbessert; diese Therapie ist auch für Kinder geeignet.

Was Sie selbst bei Fettleber tun können

Wichtig sind auch eine regelmäßige Gesundenuntersuchung: erhöhte Leberwerte GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase), GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase), GGT (Gamma-Glutamyltransferase), Bilirubin) geben Hinweise auf eine Lebererkrankung.

Fragen an den Arzt

  • Ich trinke keinen Alkohol, habe aber leichtes Übergewicht - wie hoch ist mein Risiko, an einer Fettleber zu erkranken?
  • In welchen Mengen kann Fructose eine Fettleber verursachen?
  • Einer der Leberwerte in meinem Blutbefund ist erhöht - welches Risiko bringt das mit sich?
  • Kann man Medikamente auch vorbeugend einnehmen?
  • In meiner Verwandtschaft gibt es Betroffene mit Lebererkrankungen, besteht daher ein erhöhtes Risiko, auch daran zu erkranken?

Weiterführende Informationen

  • BM für Gesundheit - Fettleber (23.03.2015)

  • C. J. Müller, G.Baumgart: Beleidigte Leber - Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom & Co.: Eine Orientierungshilfe für Patienten und Laien. 1. Aufl., Verlagshaus der Ärzte, Wien, 2007

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Rainer Hubmann

Dr. Rainer Hubmann

Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, Linz und Wels

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: K70;K75;K76

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