Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Ungefähr 300.000 Österreicher sind von Erektionsstörungen betroffen

Erektile Dysfunktion (Impotenz): Paar sitzt im Bett, Mann greift sich verärgert auf den Kopf
Rund 300.000 Männer sind in Österreich von einer erektilen Dysfunktion betroffen. (LuckyBusiness Photo Studio - Fotolia.com)

Als erektile Dysfunktion wird eine Störung der Erektion bezeichnet, die über mehrere Monate andauert. Die Schwellkörper im Penis werden nicht ausreichend durchblutet, das Glied wird oder bleibt nicht hart.

Rund 300.000 Männer leiden im Laufe ihres Lebens an einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion, mit steigendem Alter treten diese Potenzprobleme häufiger auf. Obwohl Erektionsstörungen die Lebensqualität massiv beeinträchtigen, scheuen viele Männer davor zurück, einen Arzt aufzusuchen. Eine erektile Dysfunktion bedeutet aber nicht das Ende des Sexuallebens: Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind ihre Therapiemöglichkeiten, ev. mit Potenzmitteln.

Häufigkeit

In Österreich sind rund 300.000 Männer von einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion betroffen. Mit zunehmendem Alter und dem Auftreten von Begleiterkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes etc.) treten Erektionsstörungen häufiger auf. Bei 7 von 10 Männern sind körperliche Ursachen der Grund für eine erektile Dysfunktion. Der Anteil ist bei den 40-jährigen Männern mit rund 10 % gering, bei den 65-jährigen steigt er bereits auf rund 30 % an.

Neben den Erektionsstörungen zählt der vorzeitige Samenerguss zu den häufigsten Sexualstörungen des Mannes und betrifft je nach Studie zwischen 20 und 35 % aller Männer.

Ursachen / Symptome / Verlauf

So komplex und vielschichtig der Ablauf einer Erektion ist, so vielfältig können die Ursachen von Erektionsstörungen sein. Dabei spielen psychische und körperliche Faktoren wie auch der Lebensstil (z. B. Bluthochdruck…) eine Rolle.
Erektionsprobleme sind häufig auch ein erstes Anzeichen für andere Krankheiten oder Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, Gefäßerkrankungen oder erhöhte Cholesterinwerte. Die Penisarterie ist sehr dünn, ist sie durch arteriosklerotische Ablagerungen verengt, so ist das ein wichtiger Hinweis auf den Zustand des gesamten Gefäßsystems. Schon deshalb sollte die Erektionsstörung ernst genommen und mit dem Arzt besprochen werden.

Körperliche Ursachen einer erektilen Dysfunktion:

  • Gefäß- und Herzerkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall etc.)
  • Erhöhter Blutzucker - Diabetes mellitus
  • Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose)
  • neurologische Erkrankungen, wie z.B. Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose
  • Nervenschädigungen
  • Operationen an der Prostata oder im Unterleibsbereich
  • Fehlbildungen oder Erkrankungen der Gefäße in den Schwellkörpern des Penis
  • hormonelle Störungen (Testosteronmangel)
  • Nieren- oder Leberinsuffizienz
  • Medikamente (vor allem Mittel gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Blutfettsenker, Antidepressiva, Entwässerungsmittel, Entzündungshemmer)
  • Übergewicht, Alkohol, Drogen, Nikotin
  • Andropause
  • Testosteronmangel im Alter: Da der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter sinken kann, ist eine Abnahme der sexuellen Aktivität (Libido) möglich. Weiters können depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit, verringertes Lustgefühl oder auch schnellere Ermüdbarkeit auftreten. Eine Abklärung und ggf. eine Testosteronersatztherapie sollte dann mit dem Arzt besprochen werden.

Psychische Ursachen einer erektilen Dysfunktion:

  • Partnerschaftsprobleme
  • Stress
  • Versagensängste oder eine unrealistische Erwartungshaltung
  • Depressionen
  • Traumatische sexuelle Erfahrungen

Symptome

Bei der erektilen Dysfunktion werden die Schwellkörper im Penis nicht ausreichend durchblutet. Das Glied wird oder bleibt nicht hart, ein befriedigendes Sexualleben ist dadurch erschwert. Hat der Betroffene über mindestens 6 Monate mit seiner Erektion Probleme, so sprechen Ärzte von einer erektilen Dysfunktion. Obwohl das Selbstwertgefühl und die Partnerschaft oft beeinträchtigt sind, scheuen viele Betroffene davor zurück, einen Arzt aufzusuchen.

Organisch bedingte erektile Dysfunktion

Eine organischbedingte erektile Dysfunktion macht sich oft bemerkbar durch

  • verlangsamten Erektionsbeginn und verkürzte Erektionszeit
  • schleichenden Verlauf
  • kontinuierliche Verschlechterung
  • seltene Erektion bzw. keine Erektion in den Morgenstunden
  • oft ist auch eine Masturbation nicht möglich.

Verlauf

Generell gilt: je früher eine Therapie bei der erektilen Dysfunktion einsetzt, desto besser sind auch ihre Heilungschancen. Sind Grunderkrankungen wie Diabetes oder Gefäßerkrankungen optimal behandelt, verschwinden oftmals auch die Symptome einer erektilen Dysfunktion. Bei psychischen Auslösern ist psychologische Unterstützung ratsam.

Diagnose

Treten beim Geschlechtsverkehr regelmäßig Erektionsstörungen auf, sollte der Betroffene einen Facharzt für Urologie aufsuchen und seine Probleme schildern. Dieser wird in einem Beratungsgespräch verständnisvoll auf das Anliegen reagieren. Je nachdem, ob eine körperliche oder psychische Ursache der Grund für das Potenzproblem ist, gibt es Therapiemöglichkeiten, bei denen eine rasche Besserung eintritt.

Neben der körperlichen Untersuchung, der Abklärung von bestehenden Erkrankungen und den Details zur Medikamenteneinnahme werden auch persönliche Fragen zum Sexualleben geklärt:

  • Befragung der sexuellen Gewohnheiten, Frequenz des Geschlechtsverkehrs (früher/jetzt)
  • Fragen zu morgendlicher und nächtlicher Erektion, Erektion bei Masturbation
  • Frage zu vorzeitigem Samenerguss und situationsbedingten Störungen
  • Fragen über Art, Beginn und Dauer der Erektionsstörung
  • Fragen zu Libido- oder Orgasmusstörungen
  • Fragen zu vorhandenen Partnerkonflikten
  • Fragen zu sonstigen Stressfaktoren

Im Anschluss daran wird eine allgemeine urologische Untersuchung durchgeführt:

  • Allgemeine Untersuchung mit Testen der Reflexe, Tastuntersuchung der Prostata, der Hoden und des Penis, Überprüfen der Blasenfunktion.
  • Anordnung einer Blutuntersuchung, bei der unter anderem die Werte von Testosteron, Schilddrüsenhormonen, Cholesterin und Blutzucker bestimmt werden.
  • Bei einer Gefäßuntersuchung werden mittels Ultraschall die Blutgefäße des Penis sowie die Blutzirkulation überprüft.
  • Sollte der Verdacht auf eine generalisierte Erkrankung (Hochdruck, Diabetes, etc.) vorliegen, so sollte unbedingt der Hausarzt bzw. ein Internist beigezogen werden.

Wird im Rahmen der Untersuchung schließlich eine erektile Dysfunktion festgestellt, kann je nach Ursache die Behandlung gestartet werden.

Therapie

Wichtig für die Therapie einer Erektionsstörung sind eine genaue Diagnosestellung und das Behandeln ihrer eigentlichen Ursachen. Je früher eine Therapie bei der erektilen Dysfunktion begonnen wird, desto besser sind auch ihre Heilungschancen. Jede Therapie sollte immer individuell geplant werden. Der Urologe wird die verschiedenen Therapiemöglichkeiten erklären und die für den Patienten optimalste Behandlung vorschlagen.

Folgende Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Einnahme von Phosphodiesterasehemmern (z.B. Viagra, Levitra, Cialis oder Spedra)
  • Intrakavernöse Injektion (SKIT-Therapie)
  • Hormonersatztherapie (wird nur bei einem Testosteronmangel eingesetzt)
  • Schwellkörperimplantate
  • Gefäßchirurgische Maßnahmen

Phosphodiesterasehemmer

Die Wirkstoffe Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil und Avanafil gehören zu den sogenannten Phosphodiesterasehemmern. Die Potenzmittel erleichtern durch eine gefäßerweiternde Wirkung die Entstehung einer Erektion, wenn der Mann sexuell erregt wird. Die Einnahme erfolgt ungefähr eine Stunde vor dem beabsichtigten Geschlechtsverkehr. Die Unterschiede der 4 Wirkstoffe liegen im Wirkungseintritt und der Dauer der Wirkung. Alle 4 Wirkstoffe unterliegen der Verordnung durch den Arzt. Als Alternative bieten sich Wirkstoffe wie z.B. Alprostadil an, das direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert oder in der Harnröhre eingeführt wird.

Intrakavernöse Injektion

Bei dieser Therapieform wird mit einer feinen Nadel das Hormon Prostaglandin E1 in den Schwellkörper gespritzt, um den Penis aufzurichten. Bei dieser Therapieform wird der Betroffene genau eingewiesen, wie das zu geschehen hat - allerdings muss man bereit sein, sich eine Nadel in den Penis zu stechen.

Schwellkörperimplantate

Wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht zum Ziel führen oder nicht verwendet werden dürfen, bleibt die Möglichkeit eines Schwellkörper-Implantats. Hier wird ein System aus Kunststoffschläuchen und Pumpen in die Schwellkörper eingesetzt und durch Drücken eines Ventils am Hoden entsteht die künstliche Erektion.

Gefäßchirurgische Maßnahmen

Ziel des operativen gefäßchirurgischen Eingriffes ist es, die Schwellkörper wieder ausreichend mit Blut zu versorgen. Diese Therapiemaßnahme wird nur mehr in seltenen Fällen durchgeführt.

Hilfe bei seelischen Problemen

Ist eine psychische Ursache für die Erektionsstörung mitverantwortlich, kann eine Psychotherapie helfen.  

Was kann der Betroffene tun?

  • Zur Vorsorgeuntersuchung gehen: Spätestens ab 45 Jahren sollten sich Männer jedes Jahr vom Urologen durchchecken lassen.
  • Durch eine ausgewogene Vollwerternährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Seefisch und Hülsenfrüchten wird der Körper optimal mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt.
  • Die Verwendung von kaltgepressten, pflanzlichen Ölen mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Rapsöl, Olivenöl) kann viel dazu beitragen, das Cholesterin in Balance zu halten und damit die Gefäße zu entlasten.
  • Regelmäßiger Sport regt das Herz-Kreislauf-System an.
  • Ist Stress die Ursache einer erektilen Dysfunktion, können Entspannungstechniken helfen.

Fragen an den Arzt

  • Was ist bei der Einnahme von Phosphodiesterasehemmern zu beachten?
  • Warum ist es wichtig, dass Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck gut eingestellt werden?
  • Welcher Arzt ist der ideale Ansprechpartner für mein Problem?
  • Was kann ich für das ärztliche Beratungsgespräch vorbereiten?
  • Wie kann ich meinen Kopf von Versagensängsten frei machen?
  • Welche Medikamente können eine erektile Dysfunktion verursachen?
  • Können Medikamente Erektionsstörungen hervorrufen?
  • Warum bekomme ich keine Erektion mehr?
  • Wie sehr kann Bluthochdruck meine Potenz beeinträchtigen?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Jungwirth

Facharzt für Urologie / Andrologie in Salzburg

www.andrologie-jungwirth.at

Gesundheitskompass

Quellen

  • Urologie, R. Hautmann, Springer Verlag, 4. Auflage, 2010, Heidelberg, 2010
  • A. Jungwirth, B. Esterbauer: Diagnose und Therapie der erektilen Dysfunktion. In: Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel 2009; 2 (4), S. 21-25
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014, Walter de Gruyter, 265. Auflage, Berlin/Boston, 2013
  • Basiswissen Urologie, T. Gasser, Springer Verlag, 5. Auflage, Heidelberg, 2011

ICD-10: F52

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