Erbrechen: Wichtiger Mechanismus

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Erbrechen ist ein Begleitsymptom unterschiedlicher Erkrankungen, der Mechanismus bleibt jedoch gleich: Durch einen vom Brechzentrum in Gehirn gesendeten Reiz erfolgt die Entleerung des Mageninhalts über Speiseröhre und Mund.

Erbrechen kann Übelkeit vorangehen, es kann von Schwindel, Schweißausbrüchen und Fieber begleitet sein, es kann einmalig oder länger anhaltend auftreten. All diese Symptome müssen in die ärztliche Diagnose einbezogen werden, um die Ursache des Symptoms zu erkennen. Bei manchen Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt, Magenblutung) ist Erbrechen ein Symptom, das einen Notfall signalisiert. Anderen, harmloseren Erkrankungen, wie Magen-Darm-Infektionen, Reisekrankheit oder auch Schwangerschaft liegt Erbrechen als Leitsymptom zugrunde.

Übersicht

Häufigkeit von Erbrechen

Erbrechen ist ein Symptom, dem unterschiedliche Ursachen vorangehen. Am häufigsten ist es ein Begleitsymptom bei Magen-Darmerkrankungen (in 50 % der Fälle), etwa jede 3. Frau kennt die Beschwerden im ersten Drittel der Schwangerschaft. Im Zuge einer Chemotherapie liegt für Betroffene die Wahrscheinlichkeit zu erbrechen bei 40 bis 70 %, nach einer Operation erbrechen 20 bis 30 % der Betroffenen.

Was ist Erbrechen?

Durch einen vom Brechzentrum in Gehirn gesendeten Reiz erfolgt die Entleerung des Mageninhalts über Speiseröhre und Mund. Mechanisch gesehen ziehen sich beim Erbrechen die Bauchmuskeln zusammen und üben Druck auf den Magen aus, sodass der Inhalt nach außen gelangen kann. Erbrechen ist ein Schutzmechanismus des Körpers, um schädliche Giftstoffe auszuscheiden, die z.B. durch bestimmte Nahrungsmittel, übermäßigen Alkoholgenuss oder durch die Aufnahme verdorbener Lebensmittel in den Körper gelangt sind. Da es infolge von Erbrechen zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kommt, muss eine entsprechende Nachbehandlung durchgeführt werden.

Erbrechen: Ursache und Verlauf

Dem Erbrechen geht der Brechreiz voraus, dieser wird vom Gehirn gesteuert, die Signale werden über das parasympathische Nervensystem weitergeleitet. In der Folge kontrahiert das Zwerchfell, die Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, es kommt zu einem Würgereflex und der Mageninhalt wird über den Mund durch einen Schwall ausgeschieden. Damit Erbrochenes nicht in die oberen Atmungsorgane gelangt, verschließen sich Luftröhre und der Nasen-Rachenraum, die Atmung hält an.

Erbrechen kann vielerlei Ursachen haben, wie etwa Erkrankungen, aber auch psychische Reize, Gerüche können Erbrechen auslösen. "Schuld" daran sind bestimmte Rezeptoren im Gehirn, wie Serotoninrezeptoren, die auf chemische Substanzen und Gifte (z.B. Medikamente) reagieren. Diese leiten Signale weiter, die sich durch weitere Symptome wie Schwindel, Schweißausbrüche und Blässe äußern.

Die häufigsten Ursachen von Erbrechen sind:

  • Magen-Darmerkrankungen (Infektionen der Verdauungsorgane)
  • Vergiftungen (verdorbene Lebensmittel, Medikamente, Drogen und Alkohol, Chemotherapie)
  • Psychische Erkrankungen (Ess-Brechsucht, Magersucht)
  • Neurologische Erkrankungen bzw. Störungen (Meningitis, Hirntumor, Morbus Menière, Schlaganfall, Seekrankheit, Migräne)
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetische Ketoazidose, Urämie)
  • Schwangerschaft

Erbrechen ist die häufigste Folge, um Giftstoffe auszuscheiden, die in falschen Nahrungsmitteln stecken. So etwa können verdorbene Lebensmittel, zu schnelles Essen oder die falsche Zusammensetzung von Nahrungsmitteln Übelkeit und Brechreiz auslösen, was bis zum Erbrechen führen kann.

Was kann Erbrechen noch auslösen?

Für viele Menschen kann allein der Geruch oder der Anblick verdorbener Lebensmittel (z.B. faule Eier oder verdorbenes Fleisch) Erbrechen verursachen. Weitere Ursachen sind Erkrankungen oder Störungen im Magen-Darmbereich, wie z.B. durch Infektionen im Zuge einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis), einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, des Blinddarms oder der Gallenblase.

Dabei wird das zentrale Nervensystem durch Entzündungszellen gereizt und kann zu Erbrechen führen, meist gehen Infektionen mit Fieber, Durchfall und Appetitlosigkeit einher. Bei Gallenerkrankungen kommen mitunter Koliken hinzu, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können auch mit Erbrechen und Rückenschmerzen in Zusammenhang stehen.

Übelkeit und Schwindelanfälle sind mitunter Anzeichen einer neurologischen Erkrankung (z.B. Morbus Menière). Viele Migräne-Betroffene erleben den typischen Kopfschmerz in Kombination mit Erbrechen. Bei der Reisekrankheit kommt es zur Störung des Gleichgewichtssinns, wenn visuelle Reize mit den Wahrnehmungen des Gleichgewichtssinns nicht übereinstimmen. Ein typisches Anzeichen einer Schwangerschaft ist Übelkeit am Morgen, die bis zum Erbrechen führen kann. Übelkeit nach dem Essen lässt möglicherweise auf ein Magengeschwür schließen.

Auch die Beschaffenheit des Erbrochenen lässt Rückschlüsse auf eine mögliche Ursache zu. Ist es gelblich-grün gefärbt, kann das an einem Verschluss im Bereich der Gallen- oder Bauspeicheldrüsengänge liegen. Blutiges Erbrechen kann ein Hinweis auf Blutungen im oberen Verdauungstrakt sein und muss sofort abgeklärt werden, im schlimmsten Fall kann ein Blutverlust lebensbedrohlich sein. Auch Polypen oder Geschwüre im Magen-Darmtrakt (z.B. Zwölffingerdarm), sowie Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) können blutiges Erbrechen verursachen. Dem Erbrechen von saurer Magenflüssigkeit kann ein Geschwür oder Tumor im Magen-Darmtrakt zugrunde liegen. Fauler, fäkalähnlicher Geruch ist meist eine Begleiterscheinung eines Darmverschlusses und muss als Notfall behandelt werden.

Diagnose von Erbrechen

Art, Zusammensetzung und Häufigkeit des Erbrechens sind wichtige Parameter für den Arzt, um die Ursache für das Erbrechen herauszufinden. Lang anhaltendes, immer wieder auftretendes Erbrechen oder blutiges Erbrechen (Hämatemesis) sind Symptome, die unbedingt einer Abklärung bedürfen, da es sich um einen Notfall handeln kann.

Entscheidend für die Diagnose ist, ob dem Erbrechen Übelkeit vorangeht und ob weitere Begleiterscheinungen (Schwindel, Fieber, Bauchschmerzen, Magenschmerzen, Kopfschmerzen) hinzukommen. Eine ausführliche Anamnese geht daher jeder Behandlung voran, außer es handelt sich um einen Notfall.

Da es sich beim Erbrechen um ein Begleitsymptom handelt, erfragt der Arzt eingehend die Lebensumstände des Betroffenen, informiert sich über Medikamenteneinnahme, Ernährungsgewohnheiten, bei Frauen nach der letzten Regelblutung und bewertet den aktuellen körperlichen Zustand. Gelegentlich kann neben einer körperlichen Untersuchung eine Blutuntersuchung sinnvoll sein, bei der bestimmte Blutparameter auf eine damit verbundene Erkrankung hinweisen (z.B. erhöhter Glukosewert bei Diabetischer Ketoazidose).

Die weitere Behandlung richtet sich nach der vorläufigen Diagnostik, basierend auf der ärztlichen Anamnese. Bei Verdacht auf Erkrankungen im Magen-Darmtrakt können Sonografie oder Röntgen eine diagnostische Möglichkeit darstellen, bei Geschwüren oder Polypen ist eine Magen- oder Darmspiegelung der weitere diagnostische Weg. Entsprechend der Erstdiagnose sind mitunter weitere Untersuchungen durch Spezialisten (Gastroenterologen, Neurologen, Kardiologen etc.) erforderlich.

Therapie von Erbrechen

Die Therapie bei Erbrechen ist je nach Ursache unterschiedlich. Handelt es sich um einmaliges Erbrechen, kann eine Umstellung auf leichte Kost ausreichen. Je nachdem, ob eine Magen-Darmerkrankung mit häufigem Erbrechen vorliegt, eine Infektion, ein Geschwür mit blutigem Erbrechen oder eine Schwangerschaft mit morgendlichem Erbrechen, wird auch die Therapie individuell auf die Erkrankungsursache abgestimmt.

Erbrechen ist mit hohem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust verbunden, daher sollte eine Behandlung generell darauf ausgerichtet sein, diese Balance wieder herzustellen. Ausgleichen kann man diesen Verlust mit Trinklösungen, bei stärkeren Verlusten auch mit Infusionen.

Eine medikamentöse Therapie bei Erbrechen erfolgt mit so genannten Antiemetika (z.B. im Zuge einer Chemotherapie, bei Erbrechen und Schwindel). Antihistaminika werden bei der Reisekrankheit eingesetzt, Migräne-Betroffenen helfen Substanzen wie etwa Triptane.

Erbrechen: Was Sie selbst tun können

Vorausgesetzt es handelt sich nicht um einen Notfall, können pflanzliche Mittel Übelkeit lindern und evt. das Erbrechen verhindern. Nach dem Erbrechen sollten Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, als "Anti-Brechmittel" eignet sich z.B. Ingwertee, beruhigende Wirkung auf den Magen-Darmtrakt haben Tees, wie z.B. Kamille, Fenchel, Salbei oder Pfefferminze. Bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sollten Betroffene auf eine ausreichende Vitamin-B-6-Einnahme achten. Generell gilt: Verzichten Sie möglichst auf Kaffee, Schwarztee und Alkohol und nehmen Sie nur leichte Kost, wie Suppen oder püriertes Obst und Gemüse zu sich.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

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