Transfusionsbedingte Eisenüberladung

Auch wenn ein Nägelbrot keine gute Idee ist: Eine Eisenüberladung ist in der Regel nicht ernährungs-, sondern transfusionsbedingt. (ArTo - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Blutarmut erkennen & behandeln

Eisen ist ein lebensnotwendiges Element, das jedoch bei Bluttransfusionen in zu großer Menge in den Körper gelangen kann. Damit es zu keinen Eisen-bedingten Organschädigungen kommt, muss rechtzeitig gegengesteuert werden.

Verschiedene Erkrankungen des blutbildenden Systems machen regelmäßige Bluttransfusionen notwendig – diese bergen das Risiko einer chronischen Eisenüberladung. Im Normalfall ist der Eisenhaushalt im menschlichen Körper sehr ausgeglichen: 1-2 mg Eisen werden pro Tag über die Nahrung aufgenommen, über die Haut, den Urin und die Menstruationsblutung gehen auch geringe Mengen an Eisen wieder verloren. Bluttransfusionen bringen dieses Gleichgewicht durcheinander, denn jedes für eine Bluttransfusion eingesetzte Erythrozytenkonzentrat enthält 200-250 mg Eisen. Ab einer Anzahl von 15 bis 20 aufeinanderfolgenden Transfusionen kann es zu einer sogenannten sekundären Eisenüberladung kommen, die behandelt werden sollte.

Gestörtes Gleichgewicht

Warum zu viel Eisen ungesund ist

Eisen spielt im menschlichen Körper eine wichtige Rolle: Es sorgt für den Transport von Sauerstoff durch den Körper und ist wichtig für den Energie-Stoffwechsel. Eisen ist aber auch ein toxisches Schwermetall. Wenn es als freies Eisen in der Blutbahn vorhanden ist, begünstigt es chemische Reaktionen, bei denen sogenannte Sauerstoffradikale produziert werden. Diese können zu einer Schädigung der Organe und sogar des Erbguts führen.

Anzeichen für eine Eisenüberladung

Eine Eisenüberladung bringt einerseits allgemeine Symptome wie Schwäche, Müdigkeit und Gelenksbeschwerden mit sich. Somit ist sie den Beschwerden bei einem Eisenmangel nicht ganz unähnlich. Folgende Organe können außerdem betroffen sein:

  • Leber: Wenn die Eisenüberladung nicht behandelt wird, ist zumeist die Leber das erste leidtragende Organ. Die Leberwerte können ansteigen und das Organ vergrößert sich, als Spätfolge ist eine Leberzirrhose möglich.
  • Herz: Wenn sich Eisen im Herzmuskel ablagert, können eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen die Folge sein.
  • Bauchspeicheldrüse: Speichert das Organ zu viel Eisen, können Betroffene an Diabetes erkranken.
  • Hirnanhangsdrüse: Wird hier der Hormonhaushalt durch eine Eisenablagerung gestört, kann es bei Männern zu einem Testosteronmangel (samt verminderter sexueller Lust) und bei Frauen zu einem vorzeitigen Eintritt der Wechseljahre kommen.
  • Schilddrüse: Durch Eisenablagerungen kann eine Schilddrüsenunterfunktion verursacht werden.
  • Haut: In späten Stadien einer unbehandelten Eisenüberladung ist eine Bronzefärbung der Haut möglich, da sich dort Melanin und Eisen ablagern.

Bei Kindern kann es durch eine unzureichende Behandlung der Eisenüberladung auch zu Kleinwüchsigkeit, Entwicklungsstörungen und einer verzögerten Pubertät kommen.

Organschäden bei Eisenüberladung

Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Eisenüberladung

Bei bestimmten Krankheitsbildern sind regelmäßige Bluttransfusionen notwendig – und damit ist auch die Gefahr einer sekundären Eisenüberladung gegeben. Dazu zählen:

  • Myelodysplastische Syndrome (MDS): Diese betreffen vor allem ältere Personen. Die Anzahl der funktionsfähigen roten Blutkörperchen ist reduziert, wodurch eine Blutarmut entsteht. Diese wird bei zwei Dritteln aller MDS-Patienten mit Bluttransfusionen behandelt.
  • Myelofibrose: Bei dieser chronischen Erkrankung des Knochenmarks wird das blutbildende Knochenmarkgewebe nach und nach durch Bindegewebe ersetzt.
  • Thalassämie (Mittelmeeranämie): Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin wird wegen einer genetischen Störung fehlerhaft gebildet, wodurch ebenfalls eine Anämie entsteht.
  • Sichelzellanämie: Auch bei dieser Erbkrankheit wird Hämoglobin fehlerhaft gebildet. Typisch ist das dadurch verursachte sichelförmige Aussehen der roten Blutzellen.
  • Andere Anämien: B. aplastische Anämie, Diamond-Blackfan-Anämie, Leukämie, Lymphome, solide Tumoren, Anämien vor und nach Stammzelltransplantationen

Neben der transfusionsbedingten Eisenüberladung gibt es auch genetisch bedingte Stoffwechselstörungen, die zu einer solchen Überladung führen können, wie die hereditäre Hämochromatose.

Diagnose der Eisenüberladung

Um Spätfolgen zu vermeiden, ist es besonders wichtig, eine Eisenüberladung rechtzeitig zu erkennen. Zuerst werden die Blutwerte überprüft, wobei folgende Werte im Auge behalten werden müssen:

  • Serumferritin: Besonders wichtig ist der Wert an Serumferritin (Speichereisen), ab 1.000 ng/ml besteht die Gefahr einer gesundheitsgefährdenden Eisenüberladung
  • Transferrinsättigung
  • Hämoglobin
  • Erythrozyten
  • Entzündungsparameter
  • Leberwerte
  • Enzyme der Bauchspeicheldrüse

Da der erhöhte Serumferritin-Wert nur Auskunft über eine Überladung, aber nicht über die betroffenen Organe gibt, müssen noch genauere Tests angestellt werden. Ein erhöhter Serumferritin-Wert kann aber auch Anzeichen für eine Entzündungsreaktion sein – diese muss ausgeschlossen werden, bevor weitere Untersuchungen eingeleitet werden. Zu diesen zählen:

  • Leberbiopsie: Gewebeproben können Hinweis auf eine Eisenüberladung des Organs geben, auch wenn die Leberwerte im Blut noch unauffällig sind.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Immer öfter werden Eisenablagerungen auch mit einem MRT der Leber nachgewiesen.
  • Herzuntersuchung: Mittels Ultraschall und Elektrokardiogramm (EKG) werden etwaige Herzbeschwerden festgestellt.

Therapie der Eisenüberladung

Wenn der Arzt oder die Ärztin eine Eisenüberladung diagnostiziert hat, die Schädigungen hervorrufen könnte, muss das überschüssige Eisen aus dem Körper entfernt werden. Bei angeborenen Stoffwechselstörungen mit erhöhter Eisenaufnahme erfolgt dies durch Aderlässe. Dies ist naturgemäß bei Patienten mit Blutarmut und Transfusionsbedarf nicht möglich. Hier muss mithilfe von Medikamenten das Eisen aus dem Körper entfernt werden. Eine Therapie mit Eisenchelatoren wird dann eingeleitet, wenn die Serumferritin-Werte mehr als 1.000 ng/ml betragen oder es bereits zu eisenbedingten Organschädigungen gekommen ist.

In der EU sind unterschiedliche Chelatoren für die Therapie verfügbar. Diese werden u. a. in Form von Infusionen oder Tabletten verabreicht. Wenn eine Therapie mit Eisenchelatoren eingeleitet wird, müssen die Patienten diese für die beste Wirksamkeit unbedingt durchgehend fortführen.

Weiterführende Informationen:

Leben mit Transfusionen: https://www.leben-mit-transfusionen.de/

Medizinischer Experte

OA Univ.-Prof. Dr., MBA

Michael Pfeilstöcker

Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Transfusionsmedizin, Zusatzgebiet Hämato-Onkologie

3. Medizinische Abteilung, Hanusch Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse

Quellen

  • Broschüre "Leben mit Transfusionen. Tipps für Patienten und Angehörige", Stand: 11/2016

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