Eigenhaarverpflanzung

Behandlungsmöglichkeit bei Glatzenbildung

Eigenhaarverpflanzung: Mann, der sich aufgrund beginnendem Haarausfall an den Kopf fasst
Mann fasst sich aufgrund beginnender Glatzenbildung an den Kopf (goodluz - Fotolia.com)
Die Eigenhaarverpflanzung ist ein aufwändiges technisch invasives Verfahren: Haargrüppchen werden vom Haarkranz am Hinterkopf entnommen und an einer anderen Körperstelle - meist am Kopf - eingepflanzt.

Dies geschieht unter örtlicher Betäubung. Sehr oft wird die Eigenhaartransplantation zur Korrektur der männlichen Glatzenbildung eingesetzt, die häufigsten Ursachen dafür sind Haarausfall und Haarverlust, die Haarverdichtung ist eine mögliche Therapieform.

Wem nützt eine Eigenhaarverpflanzung?

Die meisten Eigenhaartransplantationen werden aus rein kosmetischen Gründen durchgeführt, um haarlose Kopfhautstellen zu korrigieren und so den Eindruck eines optisch dichteren Kopfhaars zu erzeugen. Haartransplantationen werden nur unter besonderen Voraussetzungen bei Verbrennungen oder Verletzungen im Kopfbereich eingesetzt.

Die häufigsten Gründe dafür sind:

  • männlicher Haarausfall (androgenetische Alopezie)
  • Augenbrauenrekonstruktion
  • andere Hauterkrankungen

Was passiert bei einer Eigenhaarverpflanzung?

Der Sinn einer Haartransplantation liegt darin, dass einmal transplantierte Haarwurzeln nie wieder ausfallen und ihr Leben lang gesundes Haar produzieren. Deshalb ist die Eigenhaartransplantation eine dauerhafte Hilfe gegen Haarausfall. Der Eingriff dauert meist mehrere Stunden.

Für die Eigenhaarverpflanzung braucht man sogenannte follikuläre Einheiten. Diese bezeichnen eine kleine Gruppe von Einzelhaaren, die gemeinsam von einer Stelle aus der Kopfhaut wachsen können.

Es gibt folgende Methoden der Gewinnung von follikulären Einheiten:

Haarstreifenentnahme

Bei der Haarstreifenentnahme wird ein behaarter Hautstreifen mit kurzem Haar aus einer Stelle am Hinterkopf entnommen, in Folge entsteht an der Stelle eine kleine Narbe. Wichtig ist, dass die Haarwurzeln nicht verletzt werden. Dies kann durch spezielle Instrumente erfolgen. Zusätzlich ermöglichen neuere Nahttechniken, dass im Idealfall später auch durch die Narbe hindurch wieder neue Haare wachsen.

Follicular Unit Extraction (FUE)

Der Chirurg gewinnt einzelne follikuläre Einheiten (FU) mittels Punktion mit einer Nadel aus dem Haarkranz, wobei die Entnahmestellen über ein größeres Kopfhautgebiet verteilt werden. Diese einzelnen Haartransplantate werden nun im Bereich der kahlen Stellen neu eingepflanzt. Dies erfolgt unter lokaler Betäubung mit einem sehr feinen chirurgischen Spezialmesser.

Die Nebenwirkungen für die FUE beschränken sich auf eine Krustenbildung nach dem Eingriff und eventuell eine Schwellung. Sie können bei beiden Operationsmethoden entstehen, je nachdem wie empfindlich die Haut ist. Es können auch in der Folge geringe Schmerzen im Operationsgebiet auftreten, Schmerzmittel helfen hier gezielt.

Nachteil: Der Patient muss akzeptieren, dass die Haut im Spenderareal rasiert wird.

Wann (und wie lange) kommt diese Therapie zum Einsatz?

Wenn eine medikamentöse bzw. hormonelle Behandlung des Haarausfalles nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann eine Eigenhaartransplantation erfolgen. Je nach Beschwerdebild des Patienten kann die Therapie nach der Erstbehandlung mit einer zweiten oder dritten Sitzung fortgesetzt werden. Dadurch lässt sich der transplantierte Bereich nochmals verdichten. Der Abstand zwischen den Eingriffen sollte jedoch mindestens ein halbes Jahr betragen.

Was müssen Sie nach der Eigenhaarverpflanzung beachten?

Wichtig für Sie ist zu wissen, dass das Haarwachstum erst nach ungefähr 3 Monaten beginnt, da sich die verpflanzten Haarwurzeln erst in der neuen Umgebung regenerieren müssen.

Medikamentöse Behandlung

Sie kann entweder lokal in Form von Lotionen erfolgen oder es können Medikamente eingenommen werden. Die genaue Diagnose sollte immer ein Dermatologe stellen, Medikamente gegen den androgenetischen, typischen männlichen Haarausfall wirken häufig nur vorbeugend, sind unter Umständen mit Nebenwirkungen verbunden und müssen für lange Zeit eingenommen werden.

Welchen Haarersatz gibt es?

Perücken oder Toupets werden vor allem von Frauen bei Haarausfall z.B. nach einer Chemotherapie getragen. Als dauerhafte Alternative sind sie nicht zu empfehlen, da sie besonderer und andauernder Pflege durch einen Frisör oder spezielles Fachpersonal bedürfen.

Kunst- bzw. Echthaarimplantation

Diese Methode ist nicht optimal, denn hier werden keine lebenden Haarfollikel in die Kopfhaut verpflanzt. Dadurch kann es zu Entzündungen und Abstoßungsreaktionen kommen.

Spezielles Verfahren mit Blut

Ein spezielles Verfahren macht es möglich, aus dem Blut des Betroffenen ein Konzentrat zu gewinnen, das in die Haarwurzel injiziert wird. Damit wird das Wachstum der Haare gefördert. Weitere Maßnahmen gegen Haarausfall sind:

Haarwässer und Shampoos können aber den Haarausfall nicht ursächlich behandeln. Weiters hat die Häufigkeit des Haarewaschens und -schneidens keinen Einfluss auf das Haarwachstum. Die Einnahme von Präparaten, z.B. mit Hefe, Vitaminen, Mineralstoffen oder Aminosäuren, kann unterstützend wirken. Dauerndes Färben der Haare oder Dauerwellen wirken sich über längere Zeit schlecht auf Ihr Haar aus. Sie sollten es daher, wenn möglich, vermeiden.

Wer nimmt eine Eigenhaarverpflanzung vor?

Sowohl die Haarstreifenentnahme als auch die Follicular Unit Extraction (FUH) werden von niedergelassenen Schönheitschirurgen durchgeführt. Die Kosten trägt der Patient selbst. Bei einer medizinischen Indikation wie z.B. nach Verbrennungen werden die Kosten von den Kassen teilweise übernommen.

Was können Sie zum Gelingen der Eigenhaarverpflanzung beitragen?

Die positive Auswirkung auf das Selbstwertgefühl ist für viele Männer und Frauen neben den optischen, äußerlichen Veränderungen der wichtigste Grund, sich dieser Therapie zu unterziehen. Und sollte es nach der ersten Haartransplantation nicht zum gewünschten Erfolg kommen, so wird der nächste Versuch für Sie einfacher werden, da Sie den Vorgang schon kennen.

Für den erfolgreichen Verlauf der Therapie sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Schonen Sie sich für ein paar Tage nach dem Eingriff
  • Sie sollten in der ersten Zeit nicht in die Sauna gehen, verzichten Sie auf anstrengende sportliche Aktivitäten
  • Direkte starke Sonneneinstrahlung sollten Sie für wenige Wochen vermeiden
  • Sie sollten auch Ihre Haare nicht gleich färben oder tönen lassen

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten werden vom Patienten selbst getragen und richten sich nach den Tarifen des jeweiligen Chirurgen und nach dem Umfang der Haartransplantation.

Fragen an den Arzt

  • Kann die Eigenhaartransplantation bei mir angewendet werden?
  • Wie funktioniert die Eigenhaarverpflanzung und welche Methoden gibt es?
  • Wie lange dauert eine Eigenhaartransplantation vom ersten Arztbesuch an?
  • An wen wende ich mich, wenn ich mich für die Eigenhaarverpflanzung entschieden habe?
  • Wieviel kostet die Eigenhaartransplantation bzw. übernimmt die Krankenkasse die Kosten dafür?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

  • Lehrbuch der Allgemeinen und Speziellen Chirurgie, KH Tscheliessnigg, S.Uranüs-G.Pierer, Wilhelm Maudrich Verlag, 2. Auflage, Wien, 2003
  • Pschyrembel, Therapie, Walter de Gruyter, 4. Auflage, Berlin-New York, 2009
  • Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, 265. Auflage, Berlin-New York, 2014

ICD-10: L65; L65.8, L65.9

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