Dosieraerosole und Trockenpulverinhalatoren

Dosierareosole und Trockenpulverinhalatoren: Patient inhaliert mit einer Dosierareosole
Dosieraerosole und Trockenpulverinhalatoren helfen bei Asthma und Bronchitis. (gesund.at)
Dosieraerosole und Trockenpulverinhalatoren sind Inhalationssysteme, die vor allem für die Therapie von Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis und COPD eingesetzt werden.

Durch das Einatmen des Wirkstoffes gelangt dieser sehr rasch und gezielt bis in die Bronchiolen was gerade bei akuter Atemnot sehr wichtig ist. Die Atmung wird schnell wieder frei. Voraussetzung für eine effektive Behandlung mit Inhalationssystemen ist die fehlerfreie Handhabung. Zwischen der Bedienung eines Dosieraerosols (DA) und eines Trockenpulverinhalators (TPI) gibt es einige Unterschiede, weshalb individuell zu entscheiden ist, welches System für wen besser geeignet ist.

Wem nützen Dosieraerosole oder Trockenpulverinhalatoren?

Da die meisten Wirkstoffe zur Behandlung nachfolgender Atemwegserkrankungen sowohl mittels Dosieraerosol als auch über Trockenpulverinhalatoren eingenommen werden können, besprechen Sie mit Ihrem Arzt welches Inhalationssystem in Ihrem Fall das Beste ist. Für Medikamente, die Sie in Notfallsituationen, also bei akuter Atemnot einnehmen sollen, sind Dosieraerosole besser geeignet. Bei diesen Inhalationssystemen können Sie die Freisetzung des Wirkstoffs durch einen Sprühstoß auslösen. Im Gegensatz dazu müssen Sie bei Trockenpulverinhalatoren den Wirkstoff durch die Kraft Ihres Atemzuges einsaugen können.

  • Für Asthmatiker: Bei Asthma bronchiale (eine der häufigsten chronischen Erkrankungen; jeder 20. Erwachsene und jedes 10. Kind sind betroffen)
  • Bei Atemnot und Brustenge: nach Allergien, Stress, Belastung oder Erkältungen.
  • Bei chronischer Bronchitis: Husten und schleimiger Auswurf einer akuten Bronchitis können chronisch werden.
  • Bei chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD): Zu Husten und Auswurf kommt bei COPD das Gefühl der Atemnot hinzu, selbst ohne Anstrengung. Die Atemwege sind krankhaft verengt. In späteren Stadien der COPD wird die Langzeitsauerstofftherapie eingesetzt.

Wie wirken Dosieraerosole und Trockenpulverinhalatoren?

Dosieraerosole (DA)

Ein Sprühstoß aus dem Dosieraerosol pumpt eine exakt dosierte Menge eines Arzneimittels in die Atemwege. Das Arzneimittel ist in druckverflüssigtem Treibgas gelöst, durch das Auslösen des Sprühstoßes (Hub) entstehen Flüssigkeitströpfchen, in denen der Wirkstoff sehr fein und gleichmäßig verteilt ist. Das Treibgas dient lediglich als Transportmittel, es verdampft sehr schnell, und der Wirkstoff verbleibt in den Verästelungen der Bronchien. Vorteile: Exakte Dosierung, unabhängig davon, wie stark Sie einatmen. Dosieraerosole enthalten immer mehrere Dosen, es muss daher nicht nach jedem Sprühstoß eine neue Kapsel eingesetzt werden.

Trockenpulverinhalatoren (TPI)

Trockenpulverinhalatoren setzen eine bestimmte Menge eines Arzneimittels in Pulverform frei, das der Patient schnell, intensiv und tief einatmen muss, damit sich das Pulver gut in den Bronchien verteilt. Manche Trockenpulverinhalatoren setzen die Dosis erst frei, wenn Sie tief genug eingeatmet haben, um sicherzustellen, dass die Wirkstoffpartikel tief in den Bronchien ankommen, wo sie wirken sollen.

Es gibt unterschiedliche Modelle von Trockenpulverinhalatoren. Manche sind scheibenförmig, andere stabförmig, wieder andere sehen ähnlich aus wie Dosieraerosole und haben ein wegstehendes Mundstück. Gemeinsam ist allen, dass sie vor der Inhalation betriebsbereit gemacht werden müssen, damit das Pulver aus dem Inhalator eingeatmet werden kann. Lassen Sie sich die Bedienung Ihres Modells unbedingt genau von Ihrem Arzt erklären.

Wann (und wie lange) kommen Dosieraerosole und Trockenpulverinhalatoren zum Einsatz?

Sowohl für die Therapie des Asthma bronchiale als auch für die chronische Bronchitis kommen Bedarfs- und Langzeitmedikamente mittels Dosieraerosole und/oder Trockenpulverinhalatoren zum Einsatz, die die Bronchien erweitern und die Entzündungsreaktion hemmen. Die Medikamente werden über die Atemwege verabreicht, weil das Medikament so direkt dort ankommt, wo es wirken soll. Dadurch kann die zu verabreichende Dosis niedriger angesetzt werden. Die Vorteile:

  • Wirkung tritt schneller ein
  • Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen ist geringer
  • Wirkung bei vergleichbarer Wirkdauer gegenüber Tabletten ist intensiver

Bedarfsmedikamente müssen nur im Akutfall, also bei einem Asthmaanfall bzw. bei plötzlich auftretender Atemnot eingenommen werden. Für diese Fälle kommt nur die Inhalation mittels Dosieraerosol in Frage, da eine effiziente Inhalation aus einem Trockenpulverinhalator bei Atemnot nicht möglich ist.

Langzeitmedikamente werden bei schwereren Verlaufsformen der Erkrankung verordnet und müssen in der Regel ein bis mehrmals täglich zur Anwendung kommen. Wie lange und wie oft am Tag die Langzeitmedikation einzunehmen ist, hängt von der Schwere der Erkrankung und dem vom Arzt verordneten Wirkstoff ab.

Was müssen Sie bei der Inhalation beachten?

Vor dem Inhalationsvorgang sollten Sie langsam ausatmen, das Mundstück ganz mit den Lippen umschließen und nach der Inhalation den Atem möglichst lange anhalten. Allerdings gibt es auch einige Anwendungsunterschiede zwischen Dosieraerosolen (DA) und Trockenpulverinhalatoren (TPI), die es dringend zu berücksichtigen gilt:

Besonderheiten von Dosieraerosolen

Dosieraerosole müssen vor Gebrauch unbedingt geschüttelt werden, da der Wirkstoff gelöst oder suspendiert in einem Treibgas vorliegt. Durch das Schütteln vor dem Auslösen des Hubs verteilen sich die Wirkstoffpartikel gleichmäßig im Treibgas. Bei längerem Nichtgebrauch bzw. bei erstmaliger Anwendung sollten 2 bis 3 Sprühstöße ohne Inhalation gemacht werden um sicherzustellen, dass bei der Inhalation die Dosierkammer vollständig gefüllt ist. Atmen Sie das Aerosol nach Beginn des Auslösens langsam tief ein.

Dosieraerosole mit Vorschaltkammer

Diese Anwendungsform ist für Menschen gedacht, die ein Problem mit der gleichzeitigen Koordination von Auslösen und Inhalieren haben. Auf das Mundstück des Dosieraerosols wird eine großvolumige Vorschaltkammer (Spacer) aufgesteckt, eine Art "Vorratskammer", in die der Medikamentennebel nach dem Auslösen geschleudert wird. So können Sie auch noch danach tief einatmen und müssen nicht mehr so genau darauf achten, unmittelbar nach dem Beginn des Auslösens mit dem Einatmen zu beginnen. Sollten Sie mehr als eine Dosis pro Zeitpunkt einnehmen müssen, inhalieren Sie die Dosen mittels Spacer unbedingt einzeln hintereinander.

Besonderheiten von Trockenpulverinhalatoren

Trockenpulverinhalatoren müssen, im Gegensatz zu Dosieraerosolen, vor Gebrauch nicht geschüttelt werden. Damit das Pulver eingeatmet werden kann, müssen Sie den Inhalator erst betriebsbereit machen. Wie das geht ist abhängig davon welcher Trockenpulverinhalator Ihnen verordnet wurde. Lassen Sie sich deshalb unbedingt von Ihrem Arzt zeigen, wie Ihr Gerät richtig zu bedienen ist. Atmen Sie vor der Inhalation langsam aus. Halten Sie sich dabei unbedingt weg vom Gerät, damit Sie nichts vom Wirkstoff aus dem Gerät pusten oder durch Ihren Atem Feuchtigkeit ins Gerät bringen. Dadurch kann das Pulver schnell verklumpen. Achten Sie darauf, dass Sie während der Inhalation möglichst tief, schnell und fest einatmen, sodass kein Wirkstoff im Trockenpulverinhalator zurück bleibt. Waschen Sie den Trockenpulverinhalator nicht ab und halten Sie ihn fern von Nässe und Feuchtigkeit. Bei Feuchtigkeit verklumpt das Pulver im TPI.

Wer verordnet Dosieraerosole und Pulverinhalatoren?

Sowohl Dosieraerosole als auch Trockenpulverinhalatoren zur Behandlung von Atemwegserkrankungen unterliegen der Verschreibungspflicht durch einen Arzt.

Die Anwendung von Dosieraerosolen oder Trockenpulverinhalatoren sollte der Betroffene nach einer ärztlichen Einschulung problemlos beherrschen und alleine zu Hause durchführen können. Ein nahtloser Umstieg auf ein anderes System ist möglich, wenn Probleme mit der Handhabung des Inhalationssystems entstehen. Allerdings sollte auch ein Umstieg mit ärztlicher Anleitung und Einschulung erfolgen.

Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Eine erfolgreiche Inhalationstherapie mit einem Dosieraerosol oder einem Trockenpulverinhalator ist von der sachgemäßen Anwendung der Systeme abhängig. Wenn Ihnen ein Dosieraerosol oder ein Trockenpulverinhalator verordnet wird, bitten Sie den Arzt um eine Vorführung der richtigen Anwendung. In den meisten Fällen hat der Arzt ein Anschauungsstück zur Schulung in seiner Praxis. Üben Sie den Inhalationsvorgang mit dem Anschauungsstück von Anfang bis Ende 3- bis 4mal vor dem Arzt, damit er Sie gleich korrigieren kann, wenn Sie etwas nicht ganz richtig machen. Sollte Ihnen mehr als ein Dosieraerosol oder Trockenpulverinhalator verordnet worden sein, stellen Sie sicher, dass Sie die Inhalatoren nicht verwechseln. Wenn nötig markieren Sie die Systeme entsprechend.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Trockenpulverinhalatoren sind in Notfallsituationen ungeeignet, da der Patient aus eigener Kraft möglichst tief einatmen muss, um das Pulver aus dem System inhalieren zu können. Die Inhalatoren sollten keiner feuchten Umgebung ausgesetzt werden, da der Inhalt sonst verklumpt. Deshalb sollten sie nicht im Badezimmer oder in der Küche gelagert und niemals feucht gereinigt werden. Trockenpulverinhalatoren sind nicht für Kinder unter 4 Jahren empfohlen, da diese häufig von der Anwendungstechnik überfordert sind.

Dosieraerosole sind für Notfallsituationen geeignet. Bei Dosieraerosolen mit Vorschaltkammer ist Hilfe bei der Anwendung durch eine andere Person möglich. Kinder unter 6 Jahren sollten keine Dosieraerosole ohne Vorschaltkammer anwenden, da ihnen die Koordination von Auslösen und gleichzeitigem Einatmen oft Schwierigkeiten bereitet. Im Gegensatz zum Trockenpulverinhalator fehlt bei Dosieraerosolen die Übersicht über die verbleibenden Dosen.

Kosten und Krankenkasse

Die Kosten für die Therapie mit Dosieraerosolen und Trockenpulverinhalatoren übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Grundlage ist die Verschreibung durch den Arzt.

Fragen an den Arzt

  • Sind Dosieraerosole oder Trockenpulverinhalatoren besser für mich geeignet?
  • Was passiert, wenn ich aus Versehen eine zu hohe Dosis inhaliere?
  • Können Nebenwirkungen auftreten, wenn ja, welche?
  • Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
  • Wann und wie oft soll ich inhalieren?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

Website

Quellen

  • http://www.springermedizin.de/inhalieren_aber_richtig (20.12.2013)
  • Mensch Körper XXL pocket Band 1, C. Thiele, Börm Bruckmeier Verlag, 1. Auflage, Grünwald, 2010
  • Kurzlehrbuch Pathologie, M. Krams, S.O. Frahm, U. Kellner, C. Mawrin, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2013
  • Kompendium der Pharmakologie - Gebräuchliche Arzneimittel in der Praxis, E. Beubler, Springer-Verlag, 2. Auflage, Wien New York, 2007
  • Gesundheits- und Krankheitslehre - das Lehrbuch für die Pflegeausbildung, U.Beise, S. Heimes, W. Schwarz, Springer Medizin Verlag, 2.Auflage, Heidelberg, 2009

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