Depression

Depressionen bleiben oft unerkannt und unbehandelt

Depression: Frau mit traurigem Gesichtsausdruck legt ihren Kopf auf ein Kissen
Die Behandlung einer Depression hängt von Ursache und Form der Erkrankung ab. (Tatyana Gladskih - Fotolia.com)
Die psychische Erkrankung "Depression" zeigt sich als tiefe Niedergeschlagenheit. Die Dunkelziffer der Erkrankung ist hoch, mindestens 500.000 Österreicher sollen betroffen sein.

Einer der Hauptgründe für die Entstehung einer Depression ist eine Störung des Botenstoffhaushalts im Gehirn. Losigkeitssymptome wie sich wertlos zu fühlen und der Verlust an Interessen sind häufigste Anzeichen. Vom Arzt verordnete Antidepressiva, Gesprächstherapie mit Psychotherapeuten und bei leichten Verläufen auch Johanniskraut sind das Mittel der Wahl bei der Behandlung. Depression tritt als reine Depression auf (unipolare Depression) und als Phase beim manisch-depressiven Erkrankungsbild der bipolar-affektiven Störung.

Häufigkeit

Mindestens 500.000 Österreicher leiden derzeit an einer behandlungsbedürftigen Depression. Es gibt eine hohe Dunkelziffer, die Zahl der Depressionen steigt stetig an. Frauen sind oberflächlich betrachtet zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Wenn man jedoch die Charakteristika der männlichen Depression und ihre anders gearteten Symptome der erhöhten Risikobereitschaft, Selbst- und Fremdaggressivität und des vermehrten Substanzkonsums berücksichtigt, dann gleicht sich die Zahl der Depressionen zwischen den Geschlechtern aus.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Experten sehen einen der Mitauslöser für den Anstieg von Depressionen in den Anforderungen des heutigen Lebens an den Menschen: immer schneller, immer rascher, ständig durchstarten. Allerdings gibt es nicht die eine Ursache für eine Depression, wie es auch nicht ein einheitliches Bild an Symptomen gibt.

Botenstoffhaushalt im Gehirn

Einer der Hauptgründe für die Entstehung einer Depression ist eine Störung des Botenstoffhaushalts im Gehirn: Serotonin und/oder Noradrenalin sind in den Gehirnkreisläufen aus der Balance geraten. Die Störung ist in vielen Fällen biologisch bedingt, wiewohl Depression keine Erbkrankheit ist.

Für die sogenannte Winterdepression gilt ein Mangel an Sonnenlicht als Auslöser.

Jobverlust & Co.

Depressionen können auch durch Lebensereignisse wie Jobverlust, schwere Krankheit oder Tod eines geliebten Menschen ausgelöst werden.

Losigkeitssymptome

Depressionssymptome werden immer wieder auch "Losigkeitssymptome" genannt: Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Interesselosigkeit, Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit. Schwer Depressive empfinden das Leben nicht mehr als lebenswert, fühlen unendliche Leere und tiefe Traurigkeit - 5 bis 15 % der Betroffenen nehmen sich das Leben.

Symptome psychisch

  • Schlafstörungen
  • Angstgefühle
  • Antriebsminderung
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • übersteigerte Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • innere Unruhe

Bei depressiven Männern besteht zudem eine Tendenz zu aggressivem Verhalten, Symptome einer sogenannten "Männlichen Depression" können sein:

  • erhöhte Reizbarkeit 
  • Verstimmung 
  • schnelles Aufbrausen 
  • vermehrte Aggression und Wutanfälle 
  • Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten
  • erhöhte Risikobereitschaft
  • exzessives Sporttreiben
  • ausgedehnter Alkohol- und Nikotinkonsum

Symptome physiologisch:

Formen der Depression

Unipolar oder bipolar, das sind die beiden großen Gruppen der Krankheit. Während bei der unipolaren Depression in Krankheitsphasen nur depressive Episoden vorkommen, sind es bei der bipolaren depressive und manische Episoden (manisch-depressiv). Sowohl bei der reinen Depression, als auch bei jener mit manischen Phasen (bipolar-affektive Störung) gibt es Phasen der Beschwerdefreiheit.

Diagnose

Ein ausführliches Arztgespräch - Hausarzt, dann Psychiater - ist immer der Grundpfeiler der Depressions-Diagnose. Auch Fragebögen helfen.

Therapie

Trotz guter Therapiechancen erhalten mindestens 45 Prozent der Betroffenen keine adäquate Behandlung oder nehmen keine in Anspruch.

Die Therapie setzt sich aus unterschiedlichen Säulen zusammen:

  • Die wichtigste Säule jeder Depressions-Therapie ist die medikamentöse Behandlung, sogenannte Antidepressiva, die insgesamt eine gute Wirkung zeigen. Die Angst vieler Patienten vor Suchtgefahr ist dabei unbegründet.
  • Das zweite Standbein sind verschiedene Formen von Psychotherapie.
  • Bei leichten bis mittelschweren Depressionen kann auch konzentrierter Johanniskrautextrakt helfen.

Zusätzliche Möglichkeiten:

  • Schlafentzug
  • Tiefe Hirnstimulation
  • Elektrokrampftherapie
  • spezielle Musiktherapie (Komplementärmaßnahme)
  • Tiertherapie (Komplementärmaßnahme)
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS)
  • Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)
  • Lichttherapie bei saisonal bedingter Depression wie Winterdepression

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

  • Eine Selbsthilfegruppe kann dabei helfen, manches mit anderen Augen zu sehen und wieder Sinn ins Leben zu bringen. Sporttherapie und viel Bewegung in freier Natur gelten ebenfalls als Stimmungsaufheller.
  • Wer unsicher ist, ob er an einer Depression leidet, kann einen Selbsttest machen (unter anderem bieten das österreichische Bündnis gegen Depression sowie 'Nein zur Depression' einen solchen an).

Fragen an den Arzt

  • Was kann ich zusätzlich zur Medikamententherapie tun?
  • Was kann ich tun, um einen Rückfall zu vermeiden?
  • Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich merke, dass ich wieder depressiv werde?
  • Es gibt so viele verschiedene Medikamente gegen Depressionen, woher weiß ich, ob ich das richtige bekomme? Und wann beginnt es zu wirken?
  • Welche Nebenwirkungen haben Antidepressiva? Worauf muss ich bei der Einnahme des Medikaments achten?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult.

Dr. med. Siegfried Kasper

Neurologie und Psychiatrie

Professor und Ordinarius für Psychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medi zinischen Universität Wien.

Quellen

  • Österreichisches Bündnis gegen Depression (03.12.2013)
  • Interview mit O.Univ.Prof. Dr.h.c.mult. Dr.med. Siegfried Kasper im Juli 2013
  • Patientenbroschüre: "Auswege. Ein Patienten-Leitfaden bei Depression und Angst", unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB), S. Kasper, C. Haring, Wien, 2011

ICD-10: F32.0, F32.1, F32.2, F32.3, F32.8, F32.9

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