Cranio Sacral Therapie

Cranio Sacral Therapie kann sowohl präventiv als auch therapeutisch angewandt werden. (Markus Hechenberger, Verband der Upledger TherapeutInnen Österreichs)

Die Cranio Sacral Therapie ist eine manuelle Behandlungsform bei der mittels sanfter Körperberührungen die natürlichen Selbstheilungsmechanismen im Körper aktiviert wird.

Die Cranio Sacral Therapie hat sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA aus der Osteopathie entwickelt. Sie basiert auf der Arbeit mit dem craniosacralen Rhythmus, der sich im feinen Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit zeigt. Diese Flüssigkeit schützt, nährt und bewegt das Nervensystem – vom Schädel (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sacrum). Der craniosacrale Rhythmus ist über das Bindegewebe im ganzen Körper tastbar. Das Bindegewebe (Faszien) gilt als informationsverarbeitendes System, das unseren Körper stützt und schützt und alle Organe und Gefäße umhüllt.

Überblick

Wem nützt die Cranio Sacral Therapie?

Die Anwendungsgebiete reichen vom Neugeborenen bis hin zum alten Menschen. Cranio Sacral Therapie kann dabei sowohl präventiv als auch therapeutisch bei akuten und chronischen Beschwerden angewandt werden.

Babys

  • Zur Verarbeitung der Geburt, etwa nach einer Zangen-, Saugglocken- oder Kaiserschnittgeburt
  • unruhige Babys, denen es schwerfällt, sich zu entspannen – umgangssprachlich gerne „Schreibabys“ genannt
  • Unterstützend zur Behandlung von Skoliosen, Becken- und Beinfehlstellungen

Schwangere

  • Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat zur Milderung von Schwangerschaftsbeschwerden
  • Zur Geburtsvorbereitung

Kinder, Jugendliche und Erwachsene

  • Konzentrationsprobleme und Lernschwierigkeiten
  • Hyperaktivität bei Kindern
  • Verzögerungen in der Entwicklung
  • Kieferproblemen, unterstützend bei Zahnregulierungen
  • Nach Unfällen und Operationen
  • Chronische und akute Schmerzen (Sinusitis, Hörsturz, Tinnitus, Schwindel, Migräne, Nacken- und Spannungskopfschmerzen, Schleudertrauma, Sturz- und Stauchtrauma)
  • Beschwerden des Bewegungsapparats (z.B. Schmerzen in der Wirbelsäule, im Becken oder den Gelenken)
  • Stressbedingte Beschwerden, allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung und Depressionen
  • Psychosomatische Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden)
  • Präventiv, um die eigenen Selbstheilungskräfte zu mobilisieren

Was versteht man überhaupt unter dem Cranio Sacrale System?

Das Cranio Sacrale System umhüllt und schützt das gesamte Nervensystem. Es besteht aus den drei Hirnhäuten (Dura mater, Pia mater und Arachnoidea) und dem Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit). Eine wichtige Funktion dieses Systems ist unter anderem die Produktion, Zirkulation und Aufnahme der cerebrospinalen Flüssigkeit. Sie bildet das physiologische Umfeld, in dem sich Gehirn und Nervensystem entwickeln, leben und funktionieren können.

Das Cranio Sacrale System beeinflusst Entwicklung, Wachstum und Funktionsfähigkeit des Zentralnervensystems vom Moment der embryonalen Formgebung bis zum Tod.

Das Fasziensystem (Bindegewebe) bildet das verbindende Element zwischen dem Cranio Sacrale System und den peripheren Anteilen des Körpers. Das sind jene Teile des Nervensystems, die außerhalb des - aus Gehirn und Rückenmark bestehenden - zentralen Nervensystems liegen. Erhöhte Spannung in einer Körperregion überträgt sich über das Bindegewebe in benachbarte Regionen. Diese Spannung vermindert die Beweglichkeit der Gelenke, die Zirkulation von Körperflüssigkeiten, den freien Fluss von Energie und damit den lebenswichtigen Informationsaustausch im Organismus.

Wie wirkt die Cranio Sacral Therapie? 

Sind im Körper Verhärtung oder Blockaden vorhanden, so spiegeln sich diese im Cranio Sacralen System wider. Gründe für Blockaden sind vielfältig und können von Verletzungen, Stürzen oder Fehlstellungen herrühren, durch Operationen und Narben entstehen oder seelische Belastungen zeigen. Cranio Sacral Praktizierende ertasten Blockaden und wie sich Spannungen auf den Körper auswirken. Mit achtsamer Berührung und dem Einsatz spezifischer Techniken kann der Klient in seiner Selbstheilung angeregt und unterstützt werden, Spannungszustände können sich lösen. Die natürlichen Regenerationskräfte des Körpers werden aktiviert und der Heilungsprozess gefördert.

Wie lange kommt die Cranio Sacral Therapie zum Einsatz?

Wie viele Einheiten erforderlich sind, um einen Erfolg zu erzielen, ist unterschiedlich und richtet sich nach Art und Ausmaß der Beschwerden. Die Absicht ist, den Klienten in seiner eigenen Geschwindigkeit achtsam zu begleiten. Oft gelingt es bereits nach 2-3 Einheiten merkbare Verbesserungen zu erzielen, in anderen sind mehr Behandlungen notwendig.

Wie läuft eine Behandlung ab und was können Sie zum Gelingen der Cranio Sacral Therapie beitragen?

Zu Beginn einer Cranio Sacral Einheit wird ein ausführliches Anamnesegespräch geführt. Dabei werden aktuelle Beschwerden erfragt und persönliche Anliegen besprochen.

Die Behandlung findet auf einer Liege meist in Rückenlage statt, das ist aber nicht zwingend; bei Schwangeren und Kindern findet die Sitzung fast immer in einer anderen Position statt.

Die Bekleidung wird anbehalten, weshalb sie bequem und nicht einengend sein sollte.

Cranio Sacral Praktizierende erspüren die Qualität der rhythmischen Bewegungen und können sie mittels manueller, energetischer und verbaler Techniken unterstützen und harmonisieren. Verspannungen, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen können sich dadurch lösen, das Immunsystem wird gestärkt und die Vitalfunktionen stabilisieren sich. Chronische und akute Beschwerden können damit gelindert werden. Die Cranio Sacral Therapie wirkt auf die Selbstregulation des Menschen.

Ausgebildete Cranio Sacral Praktizierende arbeiten ganzheitlich und mit großer Sorgfalt auf körperlicher, emotionaler und psychischer Ebene. Eine respektvolle sprachliche Begleitung der manuellen Behandlung unterstützt die Selbstwahrnehmung und kann auch emotionalen Prozessen Raum und zugleich Halt bieten.

Der Körper wird in seiner Gesamtheit befundet. Dafür legt der Cranio Sacral Praktizierende die Hände auf den Körper des Klienten und stimmt sich auf dessen Cranio Sacralen Rhythmus ein. Mit speziellen Techniken wird stets individuell an Kopf, Wirbelsäule, Brust, Becken, Armen und Beinen behandelt.

Die Behandlung dauert 50 bis 70 Minuten, bei Kindern ist sie entsprechend kürzer.

Was müssen Sie nach der Cranio Sacral Therapie beachten? 

Planen Sie für eine Sitzung genügend Zeit ein, einerseits um sich auf die Behandlung einzustimmen andererseits um sie in Ruhe, eventuell in der Natur, nachwirken lassen zu können.

Cranio Sacral Therapie: Wer behandelt? 

Ärzte/Ärztinnen, PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen und Heil-/Masseure wählen die Cranio Sacral Therapie als Zusatzausbildung.

Wo liegen die Grenzen der Cranio Sacral Therapie?

Kontraindikationen für die Cranio Sacral Therapie sind Verletzungen, die eine Notfallversorgung brauchen, akute Entzündungen, schwere, offene Kopfverletzungen. Auch bei erhöhtem Schädelinnendruck, Kopftumoren oder starken Gefäßverkalkungen sollte die Cranio Sacral Therapie nicht angewandt werden. Ausschlusskriterien sind des Weiteren schwere, psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Psychosen, Schizophrenien oder Borderline-Störungen.

Cranio Sacral Therapie: Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für eine Therapieeinheit betragen im Durchschnitt 60 – 90 Euro für Erwachsene. Manche Cranio Sacral Praktizierende verrechnen für Kindern weniger, im Schnitt belaufen sich die Kosten für Kids auf etwa 50 Euro. Die Therapieleistungen müssen meist privat bezahlt werden - die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Manche private Krankenzusatzversicherung bieten jedoch die Möglichkeit einer anteilsmäßigen Rückvergütung.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Elisabeth Seidl

Freiberufliche Heilmasseurin

Zertifiziert in Upledger CranioSacral Therapie®

Website

Quellen

  • Einführung in die CranioSacrale Therapie, Landeweer, Irisiana Verlag, München 2013
  • Lehrbuch der CranioSacralen Therapie I, Upleger et al, Haug Verlag, 6. Auflage 2016

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