Chiropraktik

Mit gezielten Griffen gegen schmerzende Blockaden Im Bewegungsapparat - das passiert bei der Chiropraktik. (LMproduction - Fotolia.com)

Bei der Chiropraktik werden mit bestimmten Handgriffen Probleme am Stützapparat behandelt. Sie zielt darauf ab, die natürliche Beweglichkeit der Gelenke wieder herzustellen, indem schmerzende Blockaden durch gezielte Griffe gelöst werden.

Bei der Methode geht man davon aus, dass viele Krankheiten und Schmerzen durch verschobene oder eingeengte Wirbelkörper ausgelöst werden. Diese Fehlstellungen führen zur Einklemmung von Nerven und beeinträchtigen damit ihre Leitfähigkeit. Werden die Wirbelkörper durch die Handgriffe des Therapeuten wieder eingerenkt, so können sich auch die Beschwerden verbessern.

Übersicht

Chiropraktik: Wem nützt diese Therapie?

Die Methode wird bei verschiedenen Beschwerden, vor allem aber bei Funktionsstörungen des Bewegungsapparates angewandt. Die Anwendungsgebiete betreffen unter anderem

  • Akute Schmerzzustäde am Bewegungsapparat: hier gilt vor allem, die betreffende Stelle sofort zu kühlen, damit die entzündete Nervenwurzel nicht noch mehr gereizt wird
  • Schmerzen der Hals-, Brust- und Lendenwirbel
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Schwindel und Ohrgeräusche
  • Muskelverhärtungen
  • Unterbauchbeschwerden

Wie wirkt Chiropraktik?

Der Name Chiropraktik leitet sich aus den griechischen Wörtern "cheiro" für Hand und "praxis" für tätig ab und bedeutet daher soviel wie: mit der Hand tätig werden.

Ein funktionsfähiges Gelenkspiel weist eine ganz natürliche Beweglichkeit auf, es kann beispielsweise gedreht oder gebeugt werden. Ist das Gelenk jedoch blockiert, besteht eine Fehlstellung. Dadurch entstehen schmerzhafte Verspannungen der Bänder und Muskeln. In Folge ist die Beweglichkeit des Gelenks deutlich herabgesetzt und schmerzhaft eingeschränkt. Bei der Therapie wird das Gelenk, das sich in einer Fehlstellung befindet, durch spezielle Handgrifftechniken gelöst.

Durch eine Untersuchung und Befragung wird zuerst die Ursache der Fehlstellung abgeklärt, z.B. wo genau der Schmerz sitzt, wie lange er dauert oder auch wohin er ausstrahlt. Tritt der Schmerz beispielsweise beim Bücken oder schwer Heben auf, gibt diese Information dem Arzt Hinweise auf die Blockierung. Nun führt der Chiropraktiker bei dem betroffenen Gelenk mit seinen Händen Schiebe- und Drückbewegungen aus, die die Fehlstellung beheben sollen. Beim Einrenken des Wirbels ist häufig ein deutlich hörbares Knacken zu vernehmen.

Bei der Behandlung stehen dem Therapeuten verschiedene Techniken zur Verfügung. Zu ihnen gehören unter anderem:

Mobilisationstechniken

Um Gelenke, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, zu lösen, führt der Therapeut wiederholt Zug- und Gleitbewegungen an der betroffenen Stelle aus. Damit soll sich der Bewegungsumfang des behandelten Gelenks vergrößern.

Manipulationstechnik

Durch eine schnelle ruckartige Bewegung wird das blockierte Gelenk in seine Ursprungsposition bewegt. Dabei ist häufig ein charakteristisches Knacken zu hören.

Thompson Technik

Mit Hilfe der Thompson Technik werden Wirbelkörper möglichst sanft in die Idealstellung zurückgeführt. Dabei wird ein spezieller, mehrfach verstellbarer Behandlungstisch zur Hilfe genommen. Durch rasches Wegklappen einzelner Teile der chiropraktischen Liege wird an den betroffenen Körperpartien kinetische Energie freigesetzt. Der Impuls soll zur Einrenkung führen.

Weichteiltechnik

Sind Bindegewebe und Muskeln durch die Blockierung des Gelenks betroffen, bearbeitet der Behandler die entsprechenden Stellen mit Fingerdruck. Muskelfasern werden dadurch gedehnt und Verspannungen gelockert, außerdem wird der Stoffwechsel innerhalb des Gewebes durch die Massagebewegungen gefördert.      

Wann und wie lange kommt Chiropraktik zum Einsatz?

Sofern sich die Fehlstellung durch ein Einrenken der Gelenkkörper beheben lässt, ist nur eine Therapiesitzung erforderlich. Kommen jedoch Mobilisations- oder Weichteiltechnik zur Anwendung, können mehrere Sitzungen erforderlich sein, bis die Bewegungseinschränkung beseitigt ist.

Was können Sie zum Gelingen von Chiropraktik beitragen?

Egal ob die Therapie im Liegen, Stehen oder sitzend durchgeführt wird, versuchen Sie, bei der Behandlung entspannt zu sein und lassen Sie die Muskeln möglichst locker.

Chiropraktik: Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Ein Zurückgleiten der Wirbelkörper in die Fehlstellung sollte vermeiden werden. Dafür ist es empfehlenswert, möglichst viel entspannt zu gehen. So kann sich die Muskulatur rund um die behandelten Gelenke anpassen. Nach der Therapie können durch die Bewegungsübungen muskelkaterähnliche Schmerzen auftreten. Sie lassen aber zügig wieder nach.

Chiropraktik: Wer therapiert?

Die Regelstudienzeit bis zum Bachelor beträgt 8 Semester und schließt mit einer Bachelorarbeit und -prüfung ab. Dieser Abschluss ist Voraussetzung für den Masterstudiengang mit 2 Semestern und die anschließende Masterarbeit und -prüfung.

Ärzte und Physiotherapeuten können mit einer entsprechenden Zusatzqualifizierung als Chiropraktiker tätig werden. Es existieren auch Bachelor- und Masterstudiengänge, die auf die Arbeit als Chiropraktiker vorbereiten.

Wo liegen die Grenzen von Chiropraktik?

Die manuelle Chirotherapie ist nur erfolgsversprechend, wenn es sich um eine Störung handelt, die durch blockierte Gelenke ausgelöst wird. Um das herauszufinden, muss der Arzt vor der Behandlung eine genaue Schmerzdiagnose durchführen. Neurologische Ursachen für die eingeschränkte Gelenkfunktion müssen ausgeschlossen werden. Entzündete oder verletzte Gelenke sollten gar nicht behandelt werden.

Die Kosten für die Behandlung sind privat zu zahlen. Es gibt jedoch spezielle Zusatzversicherungen, die die Therapie bezuschussen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Wolfgang Kropshofer

Chiropraktiker und freiberuflicher Heilmasseur in Wien

Website

Quellen

  • Der Brockhaus Alternative Medizin, Brockhaus GmbH, Leipzig, Mannheim, 2008
  • Gesundheit heute, Dr. med. A. Schäffler (Hrsg.), Trias Verlag, Stuttgart, 2014
  • Alternative Heilmethoden von A-Z, M. Boksch, BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 2008

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