Bypass

Bypass: Abbildung eines menschlichen Torso, Herz und Blutgefäße sichtbar.
Ein Bypass kommt bei Erkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt oder Angina pectoris zum Einsatz. (psdesign1 - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Herz
Ein Bypass (engl. Umleitung) leitet den Blutfluss an Engstellen einer Arterie vorbei. Solche Engstellen sind Folge der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und können sowohl in den Herzkranzgefäßen als auch in den Bein- oder Beckenarterien vorkommen.

Diese "Überbrückungsgefäße" werden aus Teilen der körpereigenen Brustarterien oder Beinvenen entnommen und bei einer Bypass Operation hinter verengten oder verschlossenen Gefäßstellen eingesetzt. Durch diese Überbrückungsgefäße kann das Blut wieder ungehindert fließen, das Herz wird dadurch wieder mit genügend Sauerstoff versorgt.

Wem nützt ein Bypass?

Eine Bypass-Operation kann für Patienten mit folgenden Erkrankungen lebensrettend sein:

Was passiert bei einer Bypass-Operation?

Mit Hilfe der Bypass-Operation wird der Blutfluss zum unterversorgten Gebiet des Herzens wiederhergestellt. Dabei wird die Engstelle mit einem Gefäßstück aus Brustarterien oder Beinvenen überbrückt. Der Eingriff kann auf 2 Arten erfolgen, diese sind abhängig vom Ausmaß der Gefäßverengung und vom Körperbau des Patienten:

Bypass am ruhenden Herzen

Die Operation wird unter Vollnarkose und am offenen Herzen durchführt: Der Brustkorb wird geöffnet, das Herz während des Eingriffs stillgelegt und an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Das Gewebe des Ersatzgefäßes wird hinter dem Engpass in die Herzkranzarterien mit einem sehr dünnen Faden eingenäht und damit eine Überbrückung gelegt. Der Chirurg stellt auch eine Verbindung zwischen Bypass und den großen Blutgefäßen wie der Aorta her, damit das Gefäß mit Blut ausreichend versorgt wird. Die Operation dauert bis zu 4 Stunden. Die arteriellen Bypässe haben eine sehr lange Lebensdauer, da sich in ihnen keine arteriosklerotischen Engstellen entwickeln. Die Angina pectoris Beschwerden werden durch die Bypass-Versorgung nachhaltig gebessert, die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Herzinfarkt nimmt deutlich ab.

Bypass am schlagenden Herzen

Der Eingriff kann auch mit minimal-invasiver Technik (Schlüssellochchirurgie) am schlagenden Herzen erfolgen: Die Operation ähnelt in der Methode einer Katheteruntersuchung, der Zugang zum Herzen wird über große Gefäße erschlossen. Der Chirurg bringt das Ersatzgefäß mittels spezieller Instrumente in die richtige Position, er kontrolliert den Vorgang über einen Bildschirm. Nahezu die Hälfte aller Bypass Operationen kann heutzutage minimal-invasiv durchgeführt werden.

Wann (und wie lange) kommt ein Bypass zum Einsatz?

Die Bypass-Operation wird bei Verschlüssen bzw. Verengungen der Herzkrankgefäße angewandt, wenn Methoden wie die Ballondilatation bzw. die Stent-Implantation nicht mehr ausreichen, um das Herz - langfristig gesehen - ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Auch bei der Verengung der Beinarterien (pAVK) wird oft eine Umleitung des Blutflusses mit Hilfe eines Bypasses nötig.

Je mehr Engstellen an den Herzkranzgefäßen zu finden sind und je umfangreicher die Verschlüsse sind, desto mehr profitieren Patienten von einer Bypass-OP, weil gleich mehrere Verengungen in einer Operation beseitigt werden (z.B. Dreifach-Bypass bei 3 Engstellen).

Wie lange ein Bypass durchgängig bleibt, ist wesentlich vom Lebensstil nach der Operation abhängig, regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, cholesterinsenkende Medikamente und Zigarettenverzicht, sowie Abnehmen von Übergewicht können viel dazu beitragen, dass die Gefäße durchlässig bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass nahezu 90 % der Bypässe, die aus einer Brustwandarterie gewonnen werden, auch noch nach 20 Jahren offen sind. Venenbypässe hingegen können sich jedoch nach wenigen Jahren wieder verengen. Solche Engstellen im venösen Bypass können mit Hilfe der Ballondilatation und dem Setzen eines Stent prinzipiell wieder beseitigt werden.

Was müssen Sie nach einer Bypass Operation beachten?

Nach der Operation müssen Sie wenige Stunden zur Überwachung auf der Intensivstation verbringen. Nach einem ein- bis 2-wöchigen Krankenhausaufenthalt ist ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik sinnvoll, damit die Wunden heilen und sich die Brustmuskeln wieder kräftigen. Es bleibt beim herkömmlichen Eingriff eine zirka 30 Zentimeter lange Narbe entlang des Brustbeins zurück.

Körperliche Belastung und Sport

Nach 2 bis 3 Monaten sind Sie wieder gut körperlich belastbar. Bei der minimal-invasiven Methode erholen Sie sich deutlich früher.                                                                                     

Wer führt eine Bypass Operation durch?

Ein Herzchirurg führt eine Bypass Operation durch.

Was können Sie zum Gelingen einer Bypass OP beitragen?

Nach der Operation ist es wichtig, den Lebensstil zu ändern, das heißt mehr körperliche Bewegung zu machen, abzunehmen, Stress weitgehend zu vermeiden, den Bluthochdruck gut zu behandeln, Fettstoffwechselstörungen und eventuell auch Diabetes zu therapieren und die verschriebenen Medikamente regelmäßig einzunehmen. Diese Medikamente können das Fortschreiten der Arteriosklerose aufhalten.

Außerdem sollte einmal jährlich die Durchlässigkeit des Bypasses beim Internisten/Kardiologen anhand eines Belastungs-EKGs geprüft werden. Treten Herzschmerzen bei Belastung auf, so ist eine Herzkatheteruntersuchung notwendig, um eventuelle Engstellen im Bypass zu orten. Mit Hilfe einer Ballondilatation, die üblicherweise mit dem Setzen einer Gefäßprothese (Stent) gekoppelt ist, lässt sich  ein verengter Bypass wieder aufdehnen.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Venöse Bypassgefäße können sich im Laufe der Zeit wieder verengen. Andererseits können sich auch in den Herzkranzgefäßen selber wieder neue Engstellen bilden. Dies besonders dann, wenn die Risikofaktoren hierfür (siehe oben) nicht ausreichend behandelt werden.  

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen.

Fragen an den Arzt

  • Ich hatte eine Bypass-Operation. Welche Art von Sport ist jetzt noch möglich für mich?
  • Welche Medikamente muss ich nach einer Bypass-Operation einnehmen?
  • Welche Risiken bestehen bei einer Bypass-Operation?
  • Wie sicher ist die Herzkatheteruntersuchung?
  • Welche Reha-Klinik ist die richtige für mich?

Medizinischer Experte

Univ.-Doz.

Dr. Bernhard Metzler, MSC

Facharzt für Innere Medizin, Additivfacharzt für Kardiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin III / Kardiologie, Innsbruck

Quellen

  • Coronary artery bypass graft surgery versus percutaneous coronary intervention in patients with three-vessel disease and left main coronary disease: 5-year follow-up of the randomised, clinical SYNTAX , F.W.Mohr et.al, The Lancet, 02/2013, Volume 381, Issue 9867: 629 - 638
  • Herzreparatur mit kleinen Schnitten, Deutsche Herzstiftung (Hrsg.) (10.06.2014)
  • Pschyrembel, Therapie, Walter de Gruyter, 4. Auflage, Berlin-New York , 2009

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