Brustkrebs (Mammakarzinom)

Sehr gute Heilungschancen bei Brustkrebs-Früherkennung.

Brustkrebs (Mammakarzinom): Nahaufnahme Frauenoberkörper
Jede 8. Österreicherin erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. (drubig-photo - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Brustkrebs

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Österreich erkrankt jede 8. Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die gute Nachricht: Brustkrebs ist heilbar, wichtig ist die Vorsorge.

Verdächtige Symptome sind Knoten, Verhärtungen, Verfärbungen und optische Veränderungen der Brust. Regelmäßige Tastuntersuchungen der Brust, Kontrollen beim Gynäkologen, Ultraschalluntersuchungen und Mammographien (Röntgenuntersuchungen) in empfohlenen Intervallen können viel dazu beitragen, bösartige Gewebeveränderungen in einem sehr frühen Stadium zu erkennen. In seltenen Fällen führen genetische Veränderungen zu einem wesentlich höheren Brustkrebsrisiko (BRCA1- oder BRCA2-Trägerinnen). Diese Risikopatienten werden in speziellen Vorsorgeprogrammen betreut. Die Heilungschancen sind bei Früherkennung sehr gut. Ist dennoch eine Operation nötig, so können 8 von 10 Patienten brusterhaltend behandelt werden, Früherkennungsmaßnahmen und ausgefeilte chirurgische Methoden ermöglichen dies.

Häufigkeit

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, in Österreich erkrankt jede 8. Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Jährlich werden ungefähr 5.000 Neuerkrankungen diagnostiziert.

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken steigt ab dem 45. Lebensjahr deutlich an und erreicht zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr ein Maximum. In den letzten Jahren trifft die Diagnose Brustkrebs häufiger auch jüngere Frauen.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, sie sind aber nur in etwa 1 % aller Brustkrebs-Fälle betroffen.

Ursachen / Symptome / Verlauf

Die Ursachen der Brustkrebsentstehung sind noch nicht geklärt. Nur 5 % aller Mammakarzinome sind auf eine genetische Disposition zurückzuführen. Frauen, die Veränderungen der Gene BRCA1 und BRCA2 ("Breast Cancer Gene") in sich tragen, haben lebenslang ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Brust- oder Eierstockkrebses.

Folgende Faktoren können das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen:

  • früher Menstruationsbeginn vor dem 11. Lebensjahr
  • spätes Einsetzen der Menopause
  • Kinderlosigkeit
  • erste Schwangerschaft nach dem 35. Lebensjahr
  • Verzicht auf Stillen
  • Krankhaftes Übergewicht (Adipositas)
  • Bewegungsmangel
  • Einnahme östrogenhältiger Hormonpräparate über mehrere Jahre z.B. gegen Beschwerden in den Wechseljahren
  • Häufung von Brustkrebs- oder Eierstockkrebs-Erkrankungen in der Familie
  • regelmäßiger erhöhter Alkoholkonsum, für Frauen liegt die Grenze bei einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein täglich.

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Symptome

Im Frühstadium der Erkrankung verursacht Brustkrebs keine Schmerzen oder andere Beschwerden, die die Betroffene warnen. Die regelmäßige Selbstuntersuchung und Selbstbeobachtung einmal im Monat

sollte bei jeder Art von Auffälligkeit mit einem Arzt abgeklärt werden:

  • Ein gefühlter Knoten, eine Verhärtung bzw. nicht erklärbare Veränderung in der Brust
  • Einseitiger Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze
  • Einziehen der Brustwarze
  • Lage oder Größenveränderung der Brust
  • Ein Knoten oder eine Verhärtung in einer Achselhöhle
  • Verfärbung, z. B. Rötung der Brust

Regelmäßiges Abtasten ersetzt allerdings nicht die Mammographie! Besonders im Frühstadium ist eine krankhafte Veränderung des Brustgewebes nicht tastbar, daher sollte jede Frau ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig zu einer Mammographie gehen.

Die weibliche Brust besteht aus Fett- und Bindegewebe sowie dem Drüsengewebe, das Milch produzieren kann, und den Milchgängen. Je nach Lage des Tumorgewebes unterscheidet man die Arten von Brustkrebs:

Grundsätzlich entsteht Brustkrebs entweder in den Drüsengängen (Duktales Karzinom) oder in den Drüsenläppchen (Lobuläres Karzinom). Zunächst entwickelt sich das Karzinom nur im Epithel (Ductales oder Lobuläres Carcinoma in situ - DCIS oder LCIS) und durchbricht erst später das Gewebe und wächst in die Tiefe ein. Erst dann besteht die Möglichkeit einer Streuung.

Wird der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt, dann sind die Heilungschancen sehr gut. Bei fortgeschrittenem Brustkrebs können bösartige Zellen des Mammakarzinoms über die Lymphbahnen in die Lymphknoten gelangen und Tochtergeschwülste (Metastasen) ausbilden.

Das Stadium der Krebserkrankung wird nach folgenden Faktoren beurteilt:

  • Tumorgröße
  • vorhandene Streuung in Lymphknoten
  • vorhandene Metastasen
  • eine Klassifikation bzgl. der Bösartigkeit des Tumors (Grading)
  • Hormonabhängigkeit
  • Alter

Diagnose

Der Gynäkologe tastet bei einer Routineuntersuchung die Brust ab. Diese Untersuchung erfolgt am besten 3 bis 5 Tage nach Ende der Menstruation, da sich vor der Periode hormonell bedingte harmlose Verhärtungen in der Brust bilden können. Der Arzt achtet auf Veränderungen des Gewebes, auf vorhandene Brustwarzenfärbungen, Narben, Einziehungen, Vorwölbungen, neu auftretende Asymmetrien und die Beschaffenheit der Haut. Neben dem Brustgewebe werden auch die umgebenden Lymphknoten abgetastet.

Weiters wird eine Familienanamnese u.a. mit Augenmerk auf Krebserkrankungen erstellt.

Wird bei der Tastuntersuchung ein Knoten festgestellt, gibt es verschiedene Methoden zur Diagnostik von Tumoren:

  • Mammographie: Diese Röntgenuntersuchung der Brust macht auch kleine Veränderungen sichtbar, die noch nicht tastbar sind. Das Mammographie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs. Ab dem 40. Lebensjahr sollte sie in zweijährigen Abständen durchgeführt werden.
  • Ultraschall (Sonografie): Diese Untersuchung erfolgt in Rückenlage mit erhobenen Armen mit Hilfe eines Kontaktgels. Die Sonografie ist eine ergänzende Methode zur Mammographie bei dichtem Brustdrüsengewebe.
  • Galaktografie: Die Galaktografie ist die radiologische Darstellung eines Milchganges mittels eines Kontrastmittels, um Mikrokalzifikationen darzustellen.
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Ein MRT wird vor allem bei Frauen mit genetisch bedingtem Brustkrebserkrankungsrisiko zur Früherkennung verwendet.
  • Biopsie: nach einer lokalen Betäubung wird bei einer Biopsie mit einer Nadel Gewebe entnommen. Anschließend erfolgt eine histologische Untersuchung unter dem Mikroskop.

Therapie

Brustkrebs gilt als heilbar, wenn er früh erkannt wird. Jeder Brustkrebs ist anders und bedarf daher, je nach Größe, Streuung in Lymphknoten, Metastasenbildung und Alter einer individuellen Therapie. Die Behandlung selbst ist zumeist eine Kombination verschiedener Therapien.

  • Die Standardbehandlung ist eine brusterhaltende Operation, bei etwa 70 bis 80 % aller Frauen kann die Brust erhalten werden. Entscheidend ist die Größe des Tumors. Auch ein möglicher Befall der Lymphknoten in den Achselhöhlen wird untersucht.
  • Ist der Tumor zu groß, ist eine vollständige Entfernung der Brust erforderlich (Mastektomie) - dies ist bei zirka 2 von 10 Operationen nötig. Nach anschließender Behandlung gibt es sehr gute Möglichkeiten, mit Hilfe plastischer Chirurgie eine Brustrekonstruktion durchzuführen.

 Weitere nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten

Im Anschluss einer brusterhaltenden Operation erfolgt eine Bestrahlung der betroffenen Brust und der betroffenen Lymphbahnen. Ob zusätzlich eine medikamentöse Therapie erforderlich ist, hängt vom histologischen Befund ab und wird jeweils vom behandelnden Arzt individuell entschieden:

  • Bei der medikamentösen Therapie gibt es die Möglichkeit der Hormontherapie bzw. der Immuntherapie.
  • Rund 3 Viertel aller bösartigen Brusttumoren werden durch Geschlechtshormone in ihrem Wachstum begünstigt, die meisten Tumoren sind östrogenabhängig. Die Hormontherapie zwingt Krebszellen, ihr hormonbedingtes Wachstum einzustellen.
  • Bei der Immuntherapie unterstützen bestimmte Substanzen das Immunsystem im Abwehrkampf gegen Krebszellen.
  • Die Behandlung von Krebs mit Chemotherapie hat das Ziel, Tumorzellen abzutöten und gesunde Zellen zu schonen.
  • Bei der Bildung von Knochenmetastasen kommen auch sogenannte Bisphosphonate zum Einsatz. Sie stabilisieren die Knochen, wirken gegen Knochenschmerzen und normalisieren den Kalziumspiegel im Blut.

Der Nachsorgezeitraum sollte bei einem Mammakarzinom über mindestens 10 Jahre erfolgen. Außerdem ist eine psychoonkologische Betreuung ab der Diagnose "Brustkrebs" anzuraten.

Ernährung bei Brustkrebs

Mit einer ausgewogenen Ernährung bei Brustkrebs lässt sich Brustkrebs zwar nicht heilen, sie trägt jedoch wesentlich dazu bei, das Allgemeinbefinden zu stärken und zu verhindern, dass die Krankheit wiederkehrt.

Was können Sie vorbeugend tun?

Die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ist eine wichtige Ergänzung zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung einmal im Jahr. Im Herbst 2013 wurde ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm des Gesundheitsministeriums gestartet: Alle Frauen zwischen dem 45. und 69. Lebensjahr werden regelmäßig im Intervall von 24 Monaten in einem persönlichen Brief zur kostenlosen Mammographie-Untersuchung eingeladen. Die Mammographie wird nach dem 4-Augen-Prinzipvon 2 Radiologen befundet. In medizinisch begründeten Fällen ist auch eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung vorgesehen.

Selbstuntersuchung für zu Hause - Richtig abtasten

Stellen Sie sich mit angelegten Armen vor den Spiegel und betrachten Sie Ihre Brüste:

  • Hat sich die Größe oder Lage auffallend verändert?
  • Hat sich die Farbe der Brustwarze verändert?

Heben Sie die Arme mehrfach langsam auf und ab und beobachten Sie, wie sich die Brust bewegt:

  • Bewegen sie sich gleichmäßig?
  • Sind die Brustwarzen gleich hoch?
  • Wie ist die Beschaffenheit der Hautfalten?
  • Gibt es Hauteinziehungen oder Verdickungen der Brust?

Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger drücken

  • Tritt Flüssigkeit aus der Brustwarze aus?

Abtasten in unterschiedlichen Ebenen:

  • Kreisende Bewegungen der Fingerspitzen mit unterschiedlichen Druckstärken ausführen.
  • Von oben nach unten oder von außen nach innen zur Brustwarze.
  • Leichter Druck für obere Hautpartie.
  • Mittelstarker Druck für das darunterliegende Gewebe.
  • Starker Druck für Abtasten tieferer Schichten des Gewebes.

Gentest

Beim BRCA-Gentest wird festgestellt, ob eine Patientin eine gefährliche Mutation des Brustkrebsgens BRCA1 bzw. BRCA2 geerbt hat. Die Veränderung der Gene erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Tumorbildung. Der Test kann allerdings nur bei jenen Frauen durchgeführt werden, bei denen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Fragen an den Arzt

  • Welche Nebenwirkungen können bei der Chemotherapie auftreten?
  • Was muss ich nach der Behandlung bei meiner Ernährung beachten?
  • Wo kann ich den Gentest machen lassen?
  • Ist die Mammographie schmerzhaft?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Paul Sevelda

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhaus Hietzing, Wien

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: I10.0, I10.1, I10.9

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