Blinddarmentzündung

Entsteht durch Verdauungsrückstände

Blinddarmentzündung: Blinddarm ist entzündet.
Bei einer Blinddarmentzündung entzündet sich der Wurmfortsatz. (decade3d - Fotolia.com)
Bauchschmerzen und Übelkeit können Erstsymptome einer Blinddarmentzündung sein. Die anfangs diffusen (im ganzen Bauch verteilten) Bauchschmerzen verlagern sich meistens innerhalb weniger Stunden in den rechten Unterbauch, wo sich der Blinddarm befindet.

Eine Blinddarmentzündung betrifft den sogenannten Wurmfortsatz (Appendix), ein zirka 8-10 cm langes und 1 bis 1,5 cm im Durchmesser messendes Darmstück, das dem Blinddarm entspringt, einem Darmabschnitt im rechten Unterbauch am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm. Eine Blinddarmentzündung kann sich innerhalb kürzester Zeit verschlimmern: starke Schmerzen im rechten Unterbauch, Übelkeit und Fieber treten dann auf. Eine chirurgische Entfernung des entzündeten Darmgewebes ist unumgänglich, andernfalls würde der Wurmfortsatz anschwellen und platzen - eine bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) kann die Folge sein.

Wie häufig tritt eine Blinddarmentzündung auf?

Rund 8 % der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Blinddarmentzündung. Grundsätzlich kann die Entzündung des Wurmfortsatzes in jedem Lebensabschnitt auftreten, gehäuft geschieht dies aber im Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Die Entfernung des Wurmfortsatzes gehört zu den am häufigsten praktizierten Bauchoperationen und ist daher als Routineeingriff anzusehen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Während des menschlichen Verdauungsprozesses werden die zerkleinerten und durch die Magensäure vorverdauten Speisen in verschiedenen Darmabschnitten verarbeitet. Erst werden den Lebensmitteln die Nährstoffe entzogen, die unser Körper braucht, später werden die übriggebliebenen Speisereste eingedickt und als Kot schließlich ausgeschieden. Innerhalb dieses Prozesses ist es vollkommen normal, dass Teile des Stuhls immer wieder in den Wurmfortsatz dringen, für gewöhnlich werden sie aber nach kurzer Zeit zurück in den Blinddarm geführt. Der Grund einer Infektion des Wurmfortsatzes liegt meist in der Fehlfunktion dieser Rückführung aus dem Wurmfortsatz in den Rest des Darms. Entweder ist der Teil des Darms abgeknickt oder stark eingedickter Kot oder andere Fremdkörper wie zum Beispiel Kerne versperren den Durchgang. Durch diese Blockade bleiben die Verdauungsprodukte im Wurmfortsatz stecken, enthaltene Bakterien können sich ungehindert vermehren und somit eine Entzündung auslösen.

In seltenen Fällen löst sich das Problem von selbst, indem sich der Wurmfortsatz doch noch entleert und die Entzündung wieder abheilt. In den allermeisten Fällen äußert sich die Infektion aber in Form folgender Symptome:

  • Bauchschmerzen, die erst diffus sind, sich dann aber innerhalb weniger Stunden oft in den rechten Unterbauch verlagern
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Die Körpertemperatur gemessen unter der Achsel und rektal unterscheidet sich um etwa 1 °C

Da die Verdauungsprodukte viele Bakterien enthalten, schreitet die Entzündung in der Regel zügig voran (24-48 Stunden), die Darmwand wird dabei zunehmend geschädigt, der Wurmfortsatz schwillt an. Die Schmerzen, die anfangs noch diffus waren, treten in dieser Zeit vermehrt, teilweise auch krampfartig im rechten Unterbauch unterhalb des Nabels auf. Häufig verschlimmern sie sich noch beim Husten, Gehen und wenn äußerlicher Druck auf die entsprechende Bauchregion ausgeübt wird. Schreitet die Infektion ungehindert voran, platzt der entzündete Darmabschnitt im schlimmsten Fall und der infektiöse Inhalt verteilt sich im gesamten Bauchraum. In diesem Fall spricht man von einem Blinddarmbruch bzw. einer Perforation. Sollten die Bakterien nach einer solchen Perforation nicht schnellstmöglich in einer Notfallbehandlung eingedämmt werden, kommt es zu einer Bauchfellentzündung, einer für den Patienten lebensgefährlichen Infektion.

Um diese Entwicklung bis hin zum Blinddarmbruch zu vermeiden, sollten Patienten zunehmende Schmerzen im rechten Unterbauch niemals auf die leichte Schulter nehmen und im Zweifelsfall beim Arzt oder Chirurgen vorstellig werden.

Diagnose

Der Arzt kann mithilfe verschiedener Druck- und Klopftechniken den Bauch äußerlich abtasten, um Hinweise auf eine Entzündung des Wurmfortsatzes zu erhalten. Die Entzündungswerte im Blutbild sind meistens deutlich erhöht. Häufig nutzt er außerdem ein Ultraschall-Gerät, um seine Diagnose abzusichern. Besteht eine Entzündung, erscheint der betroffene Darmabschnitt auf dem Monitor durch eine angeschwollene Wand dicker als gewöhnlich. Seltener nutzt der Arzt auch eine Computertomographie (CT), um eine eindeutige Diagnose zu erstellen.

Frauen sollten darüber hinaus auch gynäkologisch untersucht werden, da eine Zyste oder eine Eileiterschwangerschaft ähnliche Symptome auslösen können.

Eine eindeutige Diagnose ist bei Schwangeren und Senioren häufig schwieriger zu erstellen. Durch die Schwangerschaft sind die inneren Organe sowie auch der Wurmfortsatz in ihrer Lage leicht verschoben und daher schwieriger zu lokalisieren. Ältere Menschen reagieren auf die Symptome hingegen oft weniger, sodass die Entzündung bei diesen Personengruppen mitunter erst in einem späten Stadium erkannt wird, wodurch Perforationen mit der Gefahr einer Bauchfellentzündung wahrscheinlicher werden.

Therapie bei einer Blinddarmentzündung

Der entzündete Darmabschnitt muss chirurgisch entfernt werden. Dies geschieht während einer rund 20-40-minütigen Operation unter Vollnarkose. Der Arzt kann bei der Behandlung zwischen 2 Operationsverfahren wählen.

  • Entweder entscheidet er sich für einen minimal-invasiven Eingriff. Das heißt, dass der Operateur 3 kleine Schnitte (1-2 cm) unterhalb des Bauchnabels im Unterbauch und auf Höhe der Schamhaare setzt, durch die er mithilfe feinster medizinischer Geräte operiert und den Eingriff mittels Kamera an einem Monitor durchführt.
  • Oder er öffnet die Bauchdecke durch einen 2 bis 5 cm langen Schnitt und hat dann direkte Sicht auf den entzündeten Bereich.
  • In allen Fällen können bei schwer fortgeschrittenen Entzündungen oder beim Blinddarmdurchbruch auch größere Schnitte notwendig werden.
  • In vielen Fällen wird kurzfristig vor der Operation einmalig auch ein Antibiotikum verabreicht (Perioperative Antibiotikaprophylaxe).
  • In schweren Fällen, insbesondere bei einer Bauchfellentzündung, wird die Antibiotikatherapie auch nach der Operation über mehrere Tage verabreicht.

Welches Verfahren (ob offen/konventionell oder laparoskopisch/ Kameramethode) angewendet wird, wird der/die behandelnde Chirurg/in nach Analyse der Situation in Absprache mit dem Patienten entscheiden

Was kann der Betroffene selber tun?

  • Ärztliche Abklärung: Treten mehrere Symptome auf, sollte der Betroffene schnell reagieren und einen Arzt aufsuchen, um ein Fortschreiten der Entzündung zu verhindern.
  • Schonkost: Am Tag der Operation muss der frisch versorgte Darm geschont werden. Daher gibt es nur Tee zu trinken, auch am 2. und 3. Tag steht leichte Kost, häufig Zwieback und Suppe, auf dem Speiseplan.
  • Körperliche Schonung: Nach 2 bis 5 Tagen kann der Patient das Krankenhaus in der Regel wieder verlassen, zirka 2 Wochen lang sollte er aber zu Hause bleiben und anstrengende körperliche Aktivitäten meiden. Bis zur vollständigen Heilung der Bauchwand können 3 Monate vergehen, in denen der Patient vor allem nach der offenen (konventionellen) Operationstechnik keine schweren Gegenstände heben sollte.

Fragen an den Arzt

  • Was passiert bei einer Blinddarmentzündung in meinem Körper?
  • Wie kann ich eine Blinddarmentzündung rechtzeitig erkennen?
  • Erfordert eine Blinddarmentzündung zwingend eine ärztliche Behandlung?
  • Wie stellt der Arzt die Diagnose fest?
  • Wie funktioniert die Entfernung des entzündeten Blinddarms?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prof.h.c.

Dr. Alexander Flor

Facharzt für Chirurgie

Mitglied des American College of Phlebology, www.chirurg.at

Gesundheitskompass

Quellen

  • Interview mit Dr. Gerhard Angermayr, Facharzt für Innere Medizin, 23.04.2014
  • Interview mit Dr. Dritan Turhani, Chirurg, 24.04.2014
  • Harrisons Innere Medizin, A. Fauci, E. Braunwald, D. Kasper, S. Hauser, D. Longo, J. Jameson, herausgegeben von M. Dietl, N. Suttorp, M. Zeitz, ABW Wissenschaftsverlag GmbH, Sonderausgabe 17. Auflage, Berlin, 2009
  • Innere Medizin, Duale Reihe, Georg Thieme Verlag, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart, 2009
  • Chirurgie für Pflegeberufe, B. Paetz, B. Benzinger-König, Georg Thieme Verlag, 20. völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart, 2004

ICD-10: K35,2, K35.3, K35.8, K36

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