Bettruhe

Bettruhe: Füße schauen unter Decke hervor
Erkältungen und Grippe kuriert man am besten im Bett aus. (Denis Junker - Fotolia.com)
Körperliche Schonung durch Bettruhe unterstützt in vielen Fällen den Heilungsprozess. Bei Infektionen, auf die das Immunsystem mit Fieber reagiert, soll dem Kreislauf Ruhe gegönnt werden.

Chronischer Schnupfen und Husten nach Erkältungen können durch ausreichende Erholung vermieden werden. Außerdem verhindert die Schonung, dass sich das Herz zu sehr anstrengt. Nach medizinischen Eingriffen ist Erholung ebenso notwendig wie bei akuten Rückenschmerzen. Bei neu aufgetretenen Thrombosen ist die Bettruhe unerlässlich, um das Entstehen von Embolien zu verhindern.

 Wann nützt die Bettruhe?

  • Bronchitis, Lungenentzündung: Wenn eine akute Bronchitis in Kombination mit Fieber auftritt, sollte Bettruhe eingehalten werden. Die Luft im Zimmer sollte warm und feucht sein, die Brust möglichst warmgehalten werden. Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) ist meist ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Neben der Behandlung mit Medikamenten werden Bettruhe und körperliche Schonung verordnet.
  • Erkältung, Grippe: Erkältungen und Grippe kuriert man am besten im Bett aus. Vor allem bei Fieber ist es wichtig, dem Körper Erholung zu gönnen. Wird die Bettruhe nicht eingehalten, verzögert sich das Gesundwerden. Langwieriger Husten und Schnupfen kann durch konsequente Schonung vermieden werden.
  • Herzkrankheiten: Bei einer Herzmuskelentzündung ist körperliche Schonung oder sogar Bettruhe von Vorteil. Wenn Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht, soll sich der Betroffene bis die Rettung da ist möglichst wenig bewegen. Nach der Behandlung im Krankenhaus wird der Patient möglichst bald wieder mobilisiert. Die Auffassung, dass strikte Bettruhe nach einem Herzinfarkt das Beste ist, ist heute nicht mehr aktuell.
  • Bakterielle und virale Infektionen: Zum Beispiel können Harnwegsinfekte, Nierenbeckenentzündungen, aber auch viele andere entzündliche Erkrankungen eine Bettruhe erforderlich machen.
  • Pfeiffersches Drüsenfieber: Auch bei Pfeifferschem Drüsenfieber ist Bettruhe unbedingt erforderlich.
  • Hepatitis: Sowohl bei Hepatitis A als auch bei Hepatitis B wird Bettruhe als Therapie eingesetzt. Aufgrund der Symptome der Virushepatitis spürt der Patient meist selbst das Bedürfnis, im Bett zu bleiben.
  • Kinderkrankheiten: Bei Kinderkrankheiten wie Windpocken, Scharlach oder Röteln ist es wichtig, das Bett zu hüten, besonders wenn das Kind fiebert. Bei Scharlach sollte das Kind noch einige Tage nachdem das Fieber abgeklungen ist weitestgehend im Bett bleiben.
  • Medizinische Eingriffe: Wenn Patienten beatmet werden oder gerade eine Dialysedurchgeführt wird, sollten sie liegen. Nach Angiographien, z.B. jener der Hals- und Hirngefäße, ist strenges Verbleiben im Bett von etwa 6 Stunden einzuhalten, um Nachblutungen zu vermeiden. Auch nach Laparaskopien sollte das Bett gehütet werden, bis die Wirkung der sedierenden Medikamente nachgelassen hat.
  • Rückenschmerzen: Bei akuten Rückenschmerzen dürfen 1 bis 2 Tage im Bett verbracht werden. Längere Ruhephasen sind nicht sinnvoll, da sie zum Abbau von Muskeln und Knochen führen. Wer häufig unter Rückenschmerzen leidet, sollte mit seinem Arzt über eine Verordnung von Physiotherapie oder eine Abklärung der Beschwerden reden.
  • Thrombosen: Wenn sich eine Thrombose (Blutgerinnsel) gebildet hat – z.B. in den Venen der Beine - verordnet der Arzt neben blutverdünnenden Medikamenten und Kompressionsstrümpfen zumeist keine strenge Bettruhe. Besteht der Verdacht auf eine frische Thrombose muss der Betroffene im Bett bleiben, damit das Blutgerinnsel nicht im Körper wandern kann. Zu lange Bettruhe begünstigt andererseits die Bildung von Thrombosen.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft ist Bettruhe nur einzuhalten, wenn einer der oben beschriebenen Fälle eintritt. Einige in der Schwangerschaft auftretende Beschwerden, wie die Gebärmutterhalsschwäche, verlangen nach Bettruhe.

Wie wirkt Bettruhe?

Es kann zwischen strenger Bettruhe und eingeschränkter Bettruhe unterschieden werden. Bei der strengen Bettruhe ist Ihnen das Aufstehen gar nicht erlaubt, bei der eingeschränkten Bettruhe können Sie unter Aufsicht ein paar Schritte gehen. Soweit möglich wird heute nur noch selten und so kurz wie möglich strenge Schonung verordnet.

Bettruhe bei Fieber

Wenn Bakterien oder Viren (z. B. bei grippalen Infekten, Kinderkrankheiten, Hepatitis A und B, Bronchitis) Ihr Immunsystem angreifen, muss dieses gegensteuern. Die Körpertemperatur erhöht sich: Ihr Körper fiebert, um die Krankheitserreger abzuwehren. Für den Organismus ist diese Temperaturerhöhung anstrengend, die Infektionen belasten den Kreislauf - darum verordnet Ihr Arzt Bettruhe.

Bettruhe zur Entlastung

Körperliche Schonung wird auch bei Krankheiten wie der Herzmuskelentzündung oder unmittelbar nach einem Herzinfarkt verordnet. Durch zu viel Bewegung würde Ihr geschwächtes Herz über Gebühr belastet. Bei neu aufgetretenen Thrombosen wird Ihnen bis zur endgültigen Diagnose ebenfalls Bettruhe empfohlen, damit die Blutgerinnsel nicht in Ihrem Körper wandern. Sonst könnten sie z.B. eine Lungenembolie auslösen.

Ältere Menschen, die sturzgefährdet sind, werden oft auch gebeten, im Bett zu bleiben. Das verhindert Knochenbrüche und Verstauchungen, führt aber auf Dauer dazu, dass die Patienten bettlägerig werden.

Wann und wie lange kommt Bettruhe zum Einsatz?

Die Bettruhe soll bei Infektionen so lange eingehalten werden, bis Besserung eintritt. Bei grippalen Infekten sind das in der Regel 5 bis 7 Tage.

Bei Thrombosen, Rückenschmerzen oder nach Herzinfarkten wird so bald wie möglich empfohlen, die körperliche Schonung aufzuheben.

Was müssen Sie nach der Bettruhe beachten?

Nach längerer Bettruhe ist der Kreislauf geschwächt. In der ersten Zeit sind Hilfsmittel, die Sie vor Stürzen bewahren, sinnvoll. Außerdem sollten Sie mindestens eine Woche nach Ende der Bettruhe schweißtreibende Tätigkeiten vermeiden, wie z.B. Sport.

Wer therapiert?

Die Bettruhe wird vom behandelnden Arzt verordnet. Bei Erkältungen kann nach eigener Erfahrung entschieden werden, wie viel Schonung notwendig ist.

Was können Sie als Patient beitragen?

Um möglichst schnell wieder gesund zu werden, sollten Sie sich an die Vorgaben Ihres Arztes halten. Während der Bettruhe sollten Sie auf anstrengende Tätigkeiten verzichten.

Wo liegen die Grenzen der Bettruhe?

Wenn die Bettruhe länger andauert, entstehen einige Risiken. Einerseits steigt durch den langen Bewegungsmangel die Thrombosegefahr (besonders in der Schwangerschaft). Andererseits bauen Muskel- und Knochengewebe sich ab, wenn sie nicht bewegt werden. Es kommt oftmals zum Wundliegen durch zu lange dauernden Druck auf Haut und Gewebe besonders in der Umgebung des Steißbeins. Da die Atmung während des Liegens anders ist, steigt auch die Gefahr, eine Lungentzündung oder -embolie zu bekommen.

Fragen an den Arzt

  • Was wird genau unter Bettruhe verstanden?
  • Darf ich aufstehen? Wenn ja, wie lange?
  • Wie lange muss ich mich an die Bettruhe halten?
  • Welche Alltagsaktivitäten darf ich trotz Bettruhe ausüben?
  • Ist Bettruhe nur bei Fieber notwendig?

Medizinischer Experte

Dr. Gerhard Kitzler

Allgemeinmedizin

Quellen

  • Altenpflege professionell: Krankheitslehre, S. Andreae, D. von Hayek, J. Weniger, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Gastroenterologische Endoskopie: Ein Leitfaden zur Diagnostik und Therapie, P. Frühmorgen, Springer Verlag, 4. Auflage, Berlin/Heidelberg, 1999
  • Hepatitis – Hepatitisfolgen: Praxis der Diagnostik, Therapie und Prophylaxe akuter und chronischer Lebererkrankungen, K.-P. Maier, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, Stuttgart, 2000
  • Kinderkrankheiten natürlich behandeln, H. M. Stellmann, GU Verlag, München, 2009
  • Innere Medizin, W. Piper, Springer Verlag, 2. Auflage, Berlin/Heidelberg, 2013
  • http://www.uniklinik-duesseldorf.de/angiographie (19.12.2013)

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