Was machen Betablocker?

Arzt hält Plastikherz
Betablocker vermindern die Schlagkraft des Herzens, sie werden v.a. bei koronarer Herzkrankheit eingesetzt. (Von Schonertagen - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Herz

Betablocker werden vor allem bei der Behandlung von Erkrankungen des Herzens eingesetzt. Sie bewirken, dass die Herzfrequenz und die Schlagkraft des Herzens sinken, das vermindert den Sauerstoffverbrauch des Herzens.

Dadurch können Betablocker die Symptome von koronarer Herzkrankheit, Angina Pectoris, Herzmuskelschwäche (Insuffizienz) und Herzrhythmusstörungen lindern. Nach Herzinfarkten, Bypass-Operationen oder dem Einsetzen eines Stents müssen Betablocker ein Leben lang eingenommen werden. Bei Erkrankungen der Herzklappe, die zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen können, werden sie auch vorbeugend verabreicht. Als Nebenwirkungen können Schwindel und Durchblutungsstörungen auftreten. Außerdem verengen sich die Bronchien, für Menschen mit Asthma oder COPD sind sie daher nicht geeignet.

Wann kommen Betablocker zum Einsatz?

Personen mit folgenden Erkrankungen bekommen häufig Betablocker verschrieben:

  • Koronare Herzkrankheit, Angina Pectoris, Herzinfarkt: Betablocker reduzieren die Symptome bei einer koronaren Herzkrankheit durch die Senkung der Herzfrequenz und des Sauerstoffverbrauchs. Durch diesen Mechanismus können auch Angina-Pectoris-Anfälle gelindert werden, bei denen es durch den Sauerstoffmangel zu Schmerzen in der Brust kommt. Auch bei Herzinfarkten werden sie eingesetzt.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): Das Herz zieht sich durch die Einnahme der Betablocker nicht mehr so stark zusammen, wodurch der Blutausstoß beim Pumpen und somit auch der Blutdruck gesenkt werden kann. Neuere Generationen von Betablockern reduzieren den Blutdruck, da sich die Blutgefäße durch die Medikamente erweitern.
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien): Bei Herzrhythmusstörungenmuss durch ein 24-Stunden-EKG festgestellt werden, ob sie "gutartig" oder "bösartig" sind. Ungefährliche brauchen keine Langzeitbehandlung und vergehen von selbst wieder (z.B. wenn der Stress nachlässt), die Einnahme von Betablockern lindert die Symptome. Herzrhythmusstörungen, die für den Betroffenen gefährlich werden können, werden mit Betablockern (und bei Bedarf auch mit einem Herzschrittmacher) behandelt.
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Wenn der Herzmuskel geschwächt ist (z.B. durch zu hohen Blutdruck, einen Herzklappenfehler oder Herzrhythmusstörungen), erleichtern ihm Betablocker die Arbeit.
  • Erkrankungen der Herzklappe: Wenn eine oder beide Herzklappen undicht sind, besteht die Gefahr, dass eine Herzschwäche auftritt. Durch die Verabreichung von Betablockern kann der Herzinsuffizienz vorgebeugt werden.

Neben diesen kardiologischen Anwendungsgebieten werden Betablocker auch als Medikamente in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Angststörungen: Starkes Herzrasen und Zittern können bei Angsterkrankungen auftreten, diese Symptome können mit Betablockern behandelt werden.
  • Glaukom: Betablocker verringern bei einem Grünen Star den Augeninnendruck.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion wie erhöhte Herzfrequenz und Zittern können durch Betablocker gelindert werden.

Wie wirken Betablocker?

In jeder Zelle gibt es sogenannte Rezeptoren, die für die Signalübertragung durch Botenstoffe zuständig sind. Der Herzmuskel wird unter anderem durch die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin angeregt. Wenn diese Neurotransmitter bestimmte Rezeptoren am Herzen erreichen, wird es angeregt - Puls, Schlagkraft und Sauerstoffverbrauch erhöhen sich.

Durch die Einnahme von Betablockern werden dieselben Rezeptoren hingegen gesperrt. Dadurch nimmt die Herzfrequenz ab und die Schlagkraft des Herzens sinkt. Weil das Herz sich nun weniger stark und weniger oft zusammenziehen muss, braucht es auch weniger Energie - der Sauerstoffverbrauch des Herzens vermindert sich.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Schwindel und Durchblutungsstörungen kommen. Außerdem bewirkt dieses Medikament eine Verengung der Bronchien und kann dadurch Asthmaanfälle auslösen, weswegen sie für Menschen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD nicht geeignet sind.

Welche Betablocker gibt es?

Folgende Wirkstoffe kommen in den verschiedenen Betablockern, die im Handel sind, vor: Atenolol, Bisoprolol, Dilatrend, Metoprolol, Nebivolol und Pindolol. Der Wirkstoff Esmolol kommt als Medikament mit sehr kurzer Wirkdauer vor allem in der Notfallmedizin zum Einsatz, er kann nur intravenös verabreicht werden. Der Wirkstoff Carvedilol blockiert 2 verschiedene Rezeptoren, was zu einer Erweiterung der Blutgefäße führt. Auch Nebivolol wirkt zusätzlich gefäßerweiternd.

Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Je nachdem, wegen welcher Erkrankung des Herzens Sie in Behandlung sind, sind folgende Verhaltensweisen ratsam:

  • Herzrhythmusstörungen: Diese werden durch Koffein, Tee, Alkohol und Nikotin verstärkt – verzichten Sie auf diese Substanzen.
  • Bluthochdruck: Sport und eine gesunde Lebensweise wirken zusätzlich positiv.
  • Koronare Herzkrankheit: Auch hier hilft Bewegung.
  • Herzschwäche: Sanfte Bewegung, z.B. Spazierengehen, stärkt das Herz.

Wer führt die Therapie durch?

Die Therapie mit Betablockern wird von Ihrem behandelnden Arzt verordnet (z.B. Kardiologe, Hausarzt, Psychiater).

Was müssen Sie nach der Therapie mit Betablockern beachten?

Nach dem Absetzen der Betablocker kommt es oft zu einer erhöhten Herztätigkeit, weswegen Sie das Medikament in Rücksprache mit dem Arzt nur schrittweise absetzen dürfen, um einen Herzinfarkt oder Angina-Pectoris-Anfall zu vermeiden (Reboundeffekt).

Wo liegen die Grenzen in der Behandlung mit Betablockern?

Bei wem Folgendes vorliegt, sollte besser auf Betablocker verzichten:

  • Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD: Betablocker können Asthmaanfälle begünstigen
  • Sehr niedriger Puls: Betablocker senken den Puls noch mehr
  • Bestimmte Herzrhythmusstörungen: Bei sogenannten Überleitungsstörungen verhindern Betablocker die Signalübertragung
  • Erektionsstörungen: Betablocker begünstigen diese

Kosten und Krankenkasse

Betablocker sind rezeptpflichtig, Sie bezahlen die Rezeptgebühr.

Medizinischer Experte

Prof. Mag.

Dr. Bonni Syeda

Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Ärztezentrum Krankenhaus Nord, Wien

Website

Quellen

  • Interview mit Prof. Dr. med. univ. Bonni Syeda, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
  • Kleine Arzneimittellehre, H. Plötz, Springer-Verlag, 6. Auflage, Berlin/Heidelberg, 2013
  • Betablocker: Im Mittelpunkt der Forschung, P. Dominiak, A. Hjalmarson, M. J. Kendall, W. Kübler, G. Olsson (Hrsg.), Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2013
  • Klinische Pharmakologie, M. Wehling, Georg Thieme Verlag,2. Auflage, Stuttgart, 2011
  • C. V. S. Ram: Beta-Blockers in Hypertension, In: American Journal of Cardiology, 2010:106, S. 1819-1825

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