Bandscheibenvorfall

9 von 10 Bandscheibenvorfällen betreffen die Lendenwirbelsäule

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps, Diskusprolaps): Rücken mit Wirbelsäule
Rückenschmerzen gelten in modernen Industrienationen längst als Volkskrankheit. (Robert Kneschke - Fotolia.com)

Der Bandscheibenvorfall ist eine schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile einer Bandscheibe in den Wirbelkanal oder das Nervenloch vortreten. Die Ursachen dafür liegen in einer langjährigen Vorschädigung der Bandscheiben durch Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule.

Zu 90 % tritt ein Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps, Diskusprolaps) im unteren Rückenbereich (Lendenwirbelsäule) auf. Nur selten kommt es zu einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule. Typische Symptome sind ausstrahlende Schmerzen im Hals- bzw. Rückenbereich, auch ein Taubheitsgefühl kann auftreten. Eine Behandlung mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten, unterstützt von physiotherapeutischen Übungen, hilft dem Großteil der Betroffenen rasch. Nur in schweren Fällen muss eine Operation durchgeführt werden.

Übersicht

Bandscheibenvorfall: Wer ist betroffen?

Beinahe 40 % der österreichischen Bevölkerung gibt an, zumindest einmal an Rückenschmerzen gelitten zu haben. Am häufigsten kommt es zu einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (90 %), seltener im Bereich des Halses (knapp 10 %) oder im Bereich der Brustwirbelsäule. Rund ein Drittel der jungen Erwachsenen weist im CT Bandscheibenvorfälle auf. Aber nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Schmerzen. Am häufigsten betroffen sind Schwangere, übergewichtige Menschen, Personen mit sitzenden Tätigkeiten und Menschen mit untrainierter Rückenmuskulatur. 90 % der Betroffenen hilft eine medikamentöse Therapie in Kombination mit Physiotherapie.

Welche Aufgaben haben Bandscheiben?

Jeder Wirbel der Wirbelsäule besteht aus einem kompakten Wirbelkörper. Diese werden durch Bandscheiben und Bänder flexibel miteinander verbunden, die die Wirbelsäule beweglich machen. Die 23 Bandscheiben zwischen den Wirbeln wirken wie Stoßdämpfer: Sie bestehen aus einem gallertartigen Kern mit einem hohen Wasserbindungsvermögen, der von einem harten Ring umgeben ist.Bandscheiben_Anatomie

Sobald Druck auf die Wirbelsäule ausgeübt wird, z.B. beim Stehen, Gehen oder Laufen, dämpfen die Bandscheiben die Belastung wie ein Wasserkissen. Wird die Wirbelsäule z.B. beim Schlafen entlastet, regenerieren sich auch die Bandscheiben. Sie verlieren aber mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, Wasser zu binden und werden spröde.

Die zweite Funktion der Bandscheibe ist die Rotationsbeschränkung (Drehbewegungsbeschränkung). Dadurch wird verhindert, dass durch zu große Bewegungsausschläge die kleinen Wirbelgelenke zu sehr belastet werden.

Warum falsches Heben für die Bandscheiben gefährlich ist

Die beiden Hauptfunktionen der Bandscheiben sind Dämpfung und Rotationsbeschränkung. Daraus ergibt sich auch, warum vornübergebeugtes, verdrehtes Arbeiten sowie Heben von Lasten die Bandscheiben so belasten: Durch die natürliche Alterung kommt es zu einer zunehmenden Verflachung der Bandscheiben. Das führt zu einer erhöhten Drehmöglichkeit von Wirbeln, einer verminderten Dämpfung und auch zur Verkleinerung des betroffenen Menschen. Aus diesem Umstand heraus entsteht die degenerative Bandscheibenerkrankung, die zu einer Störung des Bewegungs- (Funktions-) Segments der betroffenen Bandscheibe führt.

Als Bandscheibenvorfall wird eine Erkrankung der Wirbelsäule bezeichnet, bei der Teile des gallertigen Bandscheibenkernes durch den Ring der Bandscheibe austreten. Das verursacht Schmerzen. In weiterer Folge kann es zu einer Einengung des Spinalkanales mit einer "Beeinträchtigung" (Kompression) des Rückenmarks kommen. Aus dem Rückenmark können auch Nerven austreten. Daraus entstehen Gefühlsstörungen, Lähmungen oder auch Querschnittprobleme.

Wie kommt es zu einem Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall ist eine Verschleißerscheinung, die auf einer lang andauernden Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule basiert. Veranlagung durch familiäre Vorbelastung, vorgegebene Wirbelsäulenfehlbildungen sowie eine Fehlstellungen der Körperhaltung sind die wichtigsten Ursachen. Die falsche Belastung der Wirbelsäule im täglichen Leben spielt ebenfalls eine große Rolle. Hier geht es aber weniger um die Schwere des Gewichts, sondern immer um die Frage, wie der Bewegungsapparat überstrapaziert wird: das Gefährlichste ist das tagtäglich falsche Heben, Tragen und Bewegen.

Mögliche Ursachen von einem Bandscheibenvorfall sind:

  • eine angeborene Bindegewebsschwäche
  • Wirbelsäulenveränderungen durch Wirbelbrüche, entzündliche Erkrankungen der Wirbelgelenke, Abnützung der Wirbelgelenke oder auch durch Tumore
  • neurologische Ursachen. Es kommt zu Schmerzen auf Grund einer Entzündung oder Einklemmung des Rückenmarknervs
  • Fehlbildungen (z.B.: Gleitwirbel)
  • Familiäre Vorbelastung
  • Körperhaltung (inkl. Körpergröße)
  • Übergewicht, das durch die Körperform zu einer Falschbelastung "zwingt"

Falsches Heben, Sprünge aus großer Höhe, plötzliche Drehbewegungen oder abrupte, ungeschickte Bewegungen können einen Bandscheibenvorfall auslösen. Besonders anfällig sind Personen mit sitzender Tätigkeit, übergewichtige Personen, Schwangere und Menschen mit untrainierter Rückenmuskulatur.

Fragen an den Arzt

  • Wie lange muss ich mit Schmerzen rechnen?
  • Wann sollte eine Operation durchgeführt werden?
  • Wie lange soll eine Physiotherapie gemacht werden?
  • Darf ich arbeiten gehen bzw. wie lange sollte ich im Krankenstand bleiben?
  • Warum kommt es in der Schwangerschaft zu Bandscheibenvorfällen?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim. Doz.

Dr. Gerd Ivanic

Orthopädie

Leiter des Orthopädischen und Kardiologischen Instituts (OK-Institut) der Privatklinik Graz Ragnitz

Quellen

  • Medizinwissen von A-Z, Andreae et al., TRIAS Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Klinische Neurologie, P. Berlit, Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin-Heidelberg, 2011
  • Neurologie, K.F. Masuhr et al., Thieme Verlag, 6. Auflage, Stuttgart, 2007
  • Handbuch Mikronährstoffe, L. Burgerstein, Haug Verlag, 11. Auflage, Stuttgart, 2007
  • Mikronährstoffe, U. Gröber, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage, Stuttgart, 2011
  • Duale Reihe Chirurgie, D. Henne-Bruns et al., Thieme Verlag, 3. Auflage, Stuttgart, 2008
  • Statistik Austria (05.12.2016)

ICD-10: M50, M51

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