Arteriosklerose

Gefäßverengung, Arteriosklerose
Bei der Arteriosklerose erkranken die Gefäße, die gefäßverengenden Veränderungen gehen langsam vor sich. (psdesign1 - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Bluthochdruck, Gefäße

Als Arteriosklerose bezeichnet man eine systemisch degenerative Arterienerkrankung: Es entwickeln sich in den Gefäßen Kalk-, Bindegewebs- und Fettablagerungen, die mit der Zeit den Blutfluss behindern und auch die Gefäßwände schwächen.

Die Veränderungen in den Gefäßen gehen langsam vor sich. Sie verursachen zunächst keine Symptome. Durch die fortschreitende Gefäßverengung kann das Blut die betroffenen Organe in zunehmendem Maße nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen.
Als Folgeereignis einer Arteriosklerose kann, entsprechend je nach Lokalisation, eine Organschädigung eintreten. Für die Entstehung gibt es mehrere Ursachen. Je nach angeborener Neigung fördert ein ungesunder Lebensstil wie starkes Übergewicht, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung in Verbindung mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Rauchen und Bluthochdruck die Entwicklung dieser Erkrankung.

Häufigkeit der Arteriosklerose

Arteriosklerose ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. In Österreich sterben jährlich aufgrund der Spätfolgen einer Arteriosklerose etwa 40.000 Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, etwa 20 % der Bevölkerung leben im Risikobereich.

Was ist Arteriosklerose?

Für Arteriosklerose gibt es mehrere Entstehungstheorien. Ein gängiges Erklärungsmodell geht davon aus, dass ein Zusammenspiel von Ablagerungen und Gefäßverengung zu Arteriosklerose führt. So etwa verursacht ein zu hoher Blutfettwert (LDL-Cholesterin) Entzündungsprozesse, wenn sich diese Fettkristalle an die Gefäßinnenwände legen. Aus diesen entstehen Ablagerungen - sogenannte Plaques -, welche im weiteren Verlauf an Größe zunehmen und verkalken.

Weiters spielen möglicherweise auch Krankheitserreger oder kleinste Verletzungen eine Rolle, welche die Innenschicht der Arterienwand schädigen und somit die Plaques-Entstehung begünstigen. Diese Plaques können langsam aber zunehmend die betroffene Arterie verengen oder auch zu einer Schwächung der Gefäßwand beitragen.

Plaques können jedoch auch plötzlich zu einer Unterbrechung des Blutflusses führen, indem ihre Hülle bricht, man spricht von Plaqueruptur. Es kommt zu einer Auflagerung gefäßverschließender Blutgerinnsel (Thromben), eine Thrombose kann sich bilden. Diese entstehen durch Aktivierung der Blutgerinnung. Im schlimmsten Fall kann ein gefäßverschließendes Blutgerinnsel (Thrombus) im Herzen einen Infarkt verursachen, im Bauch zum Absterben von Darmteilen führen oder in den Beinen schwere Durchblutungsstörungen bewirken, die mitunter eine Amputation erforderlich machen.

Ebenso kann ein Thrombus aber auch aus einer verengten Halsarterie "weggespült" werden und im Gehirn einen Gefäßverschluss (Schlaganfall) verursachen, in geringerer Zahl können auch Hirnblutungen durch Risse in einer geschwächten Gefäßwand entstehen.

Arteriosklerose oder Atherosklerose?

Genau genommen liegt zwischen den Begriffen "Arteriosklerose" und "Atherosklerose" ein Unterschied, obwohl die beiden Bezeichnungen üblicherweise mit gleicher Bedeutung verwendet werden: Als "Arteriosklerose" wird die Gruppe degenerativer arterieller Gefäßerkrankungen bezeichnet, mit dem Begriff "Atherosklerose" betont man die Einlagerung von Plaques in die Gefäßinnenwände.

Die Arteriosklerose betrifft grundsätzlich den gesamten Körper, kann sich aber in unterschiedlichen Arterien bzw. in verschiedenen Organen ungleich rasch entwickeln:

  • In der Halsschlagader und im Gehirn
  • In Herzkranzgefäßen
  • In der Bauchschlagader und ihren Ästen
  • In den Beinen

Verlauf

Risikofaktoren, die die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen, sind u.a.:

  • Bluthochdruck (ein zu hoher Gefäßinnendruck schädigt diese)
  • Fettreiche Ernährung (führt zu Übergewicht)
  • Zu wenig Bewegung (führt zu Gefäßverengung und schlechter Durchblutung)
  • Zu hohe Blutfettwerte wie LDL bzw. Triglyzeride (lagert sich bei einem Überangebot an den Gefäßwänden ab)
  • Diabetes (ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel schädigt insbesonders die kleine Gefäße)
  • Rauchen (fördert die Plaques-Bildung, durch Rauchinhaltsstoffe verengen sich die Gefäße)
  • Genetische Faktoren (familiäre Belastung steigert das Risiko eine Herzkreislauf-Erkrankung zu erleiden)
  • Erkrankungen der Schilddrüse (verändern das Blutvolumen, den Gefäßwiderstand und den Cholesterinspiegel)
  • Gicht (chronische Entzündungsherde schädigen die Gefäße)
  • Alter (mit zunehmendem Alter steigt das natürliche Risiko einer Gefäßverkalkung)
  • Männliches Geschlecht (Frauen sind durch das Hormon Östrogen bis zur Menopause etwas geschützt, "holen" danach jedoch auf)

Arteriosklerose verursacht anfangs keine Beschwerden, Langzeitschädigungen führen zu ersten Symptomen. Diese können sich durchaus schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr zeigen.

Folgeerkrankungen der Arteriosklerose

Die Art, wie und welche Arterien betroffen sind, bedingt den Krankheitsverlauf bzw. die Risiken für Folgeerkrankungen.

  • Makroangiopathie: dabei sind kleine und mittlere Gefäße betroffen
  • Mikroangiopathie: betrifft kleinste Gefäße

Die verschiedenen Folgeerkrankungen der Arteriosklerose und mögliche erste Symptome:

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Meist entstehen diese in den Arterien der Beine, aber auch in den Händen. Anfänglich zeigt sich der Gefäßverschluss in Form von Durchblutungsstörungen. Erste fühlbare Symptome der peripheren arteriellen Verschlusserkrankung können ein Einschlafen der Hände oder Beine sein oder ein beginnendes Taubheitsgefühl. Die Gehstrecken werden aufgrund Unterschenkelschmerzen kürzer, Pausen werden häufiger. Anfangs unterbewusst, "man bleibt öfters stehen" (Schaufensterkrankheit). Eine anhaltende Unterversorgung mit Sauerstoff führt zum Absterben des betroffenen Gewebes (z.B. Raucherbein).

Koronare Herzkrankheit

Wird die Herzkranzarterie nicht ausreichend durchblutet entsteht die Symptomatik "Angina pectoris". Typische Anzeichen sind Beklemmungsgefühl, Enge und Schmerzen im Bereich des Brustkorbes, sowie Atemnot unter Belastung. Verschließt dann ein entstandenes Blutgerinnsel ein bereits verengtes Gefäß, führt dies zu einem Herzinfarkt. Die Beschwerden treten dann in Ruhe auf und können anhaltend sein ("Vernichtungsgefühl"

Arteriosklerose der Halsschlagader und der hirnversorgenden Gefäße

Wird das Gehirn nicht ausreichend durchblutet, zeigt sich das häufig mit Schwindel, Denk-, Merk- oder Gedächtnisstörungen. Ist eine Hirnarterie verschlossen, kann sich daraus ein Schlaganfall (Gehirninfarkt) entwickeln. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, wie etwa Bluthochdruck, hält das Gefäß dem Druck nur schwer Stand, die Gefäßwand kann reißen, und es kommt zu einer Gehirnblutung.

Nierenarterienverengung und Arteriosklerose der kleinen Nierengefäße

Bei Verengung der Nierengefäße kann es zunächst zu einer Entstehung eines Bluthochdrucks kommen. Im weiteren Verlauf kann es zu Schäden mit Funktionsverlust bis hin zum Nierenversagen kommen.

Arteriosklerose der Körperschlagader

Bei Schwächung der Gefäßwand kann die Hauptarterie ausweiten und auch reißen.

Arteriosklerose der Darmschlagadern

Eine eingeschränkte Blutversorgung des Darmes führt mitunter zu heftigen Verdauungsbeschwerden mit Übelkeit und Bauchschmerzen. Teile des Darmes können absterben.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Arteriosklerose führt der Arzt zunächst eine gründliche Anamnese durch. Dafür hat er verschiedene diagnostische Möglichkeiten:

Sonographie (Ultraschall)

Mithilfe des bildgebenden Verfahrens Ultraschall kann der Arzt die Halsschlagader, Bauchaorta, Bein- und Armarterien untersuchen und feststellen, ob im Inneren Ablagerungen sichtbar sind oder ob die Weite der Arterien geringer ist, der Blutstrom von der Norm abweicht etc.

Computertomographie

Zur Untersuchung vieler Gefäßregionen eignet sich eine Computertomographie. Dabei lassen sich Verengungen und Ablagerung sichtbar machen ("Kalk-Score"). Eine (nichtinterventionelle) Angiographie kann mittels Kontrastmittel durchgeführt werden.

Die Magnetresonanztomographie ergänzt bzw. ersetzt in zunehmendem Maße die CT-Untersuchung.

Katheterangiographie / interventionell

Dieses Verfahren lässt Gefäßverengungen oder –verschlüsse sicher nachweisen. Dabei wird dem Betroffenen über eine Arterie im Bereich der Leiste oder des Armes ein dünner, flexibler Katheter eingebracht und bis zum verdächtigen Gefäß geführt. Das Kontrastmittel wird über den Katheter verabreicht. Mit diesem Verfahren kann der Arzt z.B. Herzkranzgefäße, Halsschlagader, Brust- und Bauchaorta und deren Äste, sowie die Beinarterien untersuchen. Durch die Serienröntgenaufnahme zeigt sich, ob Plaques bzw. relevante Engstellen vorliegen.

Laboruntersuchungen

Insbesondere Cholesterinstatus und Blutzuckerprofil geben Aufschluß darüber, ob ein erhöhtes Risiko für eine Gefäßverengung vorliegt. Diagnoseverfahren, die speziell zur Untersuchung des Herzens herangezogen werden, um mögliche Folgeerkrankungen von Arteriosklerose festzustellen, sind..

Diagnosemöglichkeiten von Gefäßschädigungen im Gehirn sind...

  • ...die Darstellung der Halsschlagader mithilfe von Ultraschall
  • ...die Sonographie der intrazerebralen Gefäße
  • ...die CT-/MR-Angiographie
  • ...die nvasive Angiographie mittels Katheter

Therapie

Je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, sind unterschiedliche Therapien angebracht.

Operation-Katheter

Ein Eingriff mittels Katheter kann notwendig sein, wenn z.B. ein Herzinfarkt droht. Eine Möglichkeit ist es, mittels Katheter die Gefäße aufzudehnen (Angioplastie) und einen Stent in das Gefäß zu setzen. Ablagerungen können manchmal auch abgesaugt werden.

Bypass-Operation

Eine Bypass-Operation ist möglicherweise sinnvoll, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, mehrere bzw. längere Gefäßabschnitte blockiert sind. Dabei wird beim Herzen mit einer eigenen Vene (zumeist Bein) oder Arterie (Arterien an der Brustkorbinnenwand aber auch Armgefäße) der blockierte Gefäßabschnitt umgangen, das Blut gewissermaßen über ein neues Gefäß, eine "neue Arterie", umgeleitet (ein Bypass gelegt). Es kann auch synthetisches Material verwendet werden. Ähnlich ist das Vorgehen bei einer PAVK, der Verschlusskrankheit der Beingefäße.

Medikamentöse Therapie

Gegen Arteriosklerose selbst ist kein Medikament wirksam. Es muss in jedem Fall die Grunderkrankung behandelt werden. Folgende Medikamente verdienen besonders erwähnt zu werden:

  • Blutverdünnungsmittel: Thrombozytenaggregationshemmer reduzieren die Fähigkeit des Blutes zur Gerinnung, sie "verdünnen den Blutfluss" und können so das Risiko eines Blutgerinnsels reduzieren. Acetylsalicylsäure war das erste Medikament dieser Art. Mittlerweile sind bereits zahlreiche ergänzende Substanzen im Einsatz. Eine wichtige Rolle spielen auch Vitamin-K-Antagonisten ("Marcoumar") und zunehmend direkte Hemmer der Blutgerinnungsfaktoren (sogenannte direkte orale Antikoagulantien, NOAKs oder DOAKs). Entscheidend ist eine genaue Indikationsstellung in der Nutzung der Möglichkeiten. Letztendlich ist die schlimmste unerwünschte Wirkung eine fatale Blutungskomplikation.
  • Lipidsenker (Fettstoffwechselstörungen): Bei erhöhtem Cholesterinspiegel werden Cholesterin-Synthese-Hemmer angewendet. Sie verringern insbesondere den Anteil des "bösen" LDL-Cholesterins und tragen zur Stabilisierung der Plaques bei.
  • Bluthochdruck-Medikamente: Ziel dieser Medikation ist es, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen zu minimieren. Bluthochdruck begünstigen diese Ereignisse, daher müssen betroffene Patienten, sogenannte "Hypertoniker", die Medikamente regelmäßig einnehmen, um eine gut Wirkung zu erreichen.
  • Antidiabetika: Bei Diabeteserkrankung muss, neben einer ausgewogenen Ernährung mit Reduktion eines eventuellen Übergewichts die Blutzuckereinstellung kontrolliert werden. Es gibt eine große Breite an unterschiedlichen Medikamenten mit verschiedenen Wirkansätzen. Bei Diabetikern ist eine regelmäßige Betreuung durch den behandelnden Arzt mit individueller Therapieanpassung unabdingbar. Patienten, die unter Diabetes Mellitus leiden benötigen eiserne Disziplin und genaue Schulung ist vor allem bei Insulingabe unabdingbar.

Was Sie selbst tun können

Arteriosklerose ist in erster Linie durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar. Dazu zählen..

  • ...ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse
  • ...Vermeiden tierischer Fette und fettreiche Ernährung, diese können den Fettstoffwechsel beeinflussen (zu hoher LDL-Cholesterin- und/oder Triglyceridwert)
  • ...regelmäßige Bewegung (3-5 mal pro Woche ca. 45 Minuten mittlerer persönlicher Leistungsbereich)
  • ...keinesfalls rauchen
  • ...Alkohol nur in Maßen („die Dosis macht das Gift“)
  • ...Risikofaktorenmanagement der Vor- bzw. Begleiterkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck), suffiziente medikamentöse Therapie.

"In the long run we are all dead" (Zitat von John Maynard Keynes), aber ein gesunder Lebensstil beugt Arteriosklerose vor und das Ziel, lange eine gute Lebensqualität zu erhalten, wird leichter erreicht. Liegt bereits eine Erkrankung vor, können Medikamente UND Lebensstil dazu beitragen, ein Fortschreiten hinauszuzögern.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe Diabetes - wie hoch ist mein Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken?
  • Kann sich eine Arteriosklerose auch zurückbilden?
  • Muss man bei Grunderkrankungen, die ein Arteriosklerose-Risiko mit sich bringen, lebenslänglich Medikamente nehmen?
  • Wie kann ich Arteriosklerose im Frühstadium erkennen?
  • Spürt man Arteriosklerose?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Wilfried Kraxner

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Graz

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: I70

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