Aromatherapie

Ätherische Öle können in verschiedener Form verabreicht werden und wirken auf vielfache Weise auf den Körper ein. (Anna_ok / Fotolia)

Beschwerden von Schlafstörungen über Atemwegserkrankungen bis hin zu Stress und Burnout können durch den Einsatz von ätherischen Ölen gelindert werden.

Pflanzen dienen der Menschheit schon seit Jahrtausenden als natürliche Heilmittel - vor rund 3.000 Jahren wurden erste Geräte erfunden, mit denen Wasserdampfdestillation möglich war. Vor etwa 1.000 Jahren wurde auch erstmals die Kunst der Wasserdampfdestillation schriftlich erwähnt. Sie ist eine der Hauptmethoden zur Gewinnung ätherischer Öle. Diese können in verschiedener Form, etwa als Inhalation, Badezusatz oder zum Einreiben der Haut verabreicht werden. Die Medizinische Aromatherapie wird zur Linderung einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt und wird in Österreich von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt. Verwendet werden ätherische Öle aber auch im Pflegebereich, während der Schwangerschaft oder zur Behandlung von Angstzuständen und anderen Befindlichkeitsstörungen.

Übersicht

Was versteht man unter Aromatherapie?

Die Aromatherapie ist eine naturheilkundliche Methode und ein Teilgebiet der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Untersuchungen haben gezeigt, dass die natürlichen duftenden Öle in der Lage sind, die Stimmung zu heben, aber auch die Heilung von Erkrankungen voranzutreiben.

Ätherische Öle werden durch Wasserdampfdestillation aus Pflanzenteilen (z.B. Kamille, Lavendel, Pfefferminze, Rosengeranie) gewonnen bzw. bei Zitrusfrüchten durch das Pressen der Schalen.

Die Arzneipflanzenzubereitung ist mittlerweile genau standardisiert und sichert so die durchgehende Reproduzierbarkeit der Wirksamkeit der Arzneimittel. Die Qualitätssicherung von der Pflanze bis zum fertigen ätherischen Öl ist für eine risikofreie Anwendung von hoher Bedeutung.

Wem nützt die Aromatherapie?

So wie andere Phytopharmaka können ätherische Öle in vielen unterschiedlichen Gebieten angewendet werden. Einerseits können sie bei leichten und mittelschweren Erkrankungen alleine angewendet werden oder als unterstützende Therapie bei Infektionen, schweren Krankheiten oder medizinischen Notfällen, z.B. in Kombination mit klassischen Arzneimitteln wie Antibiotika. Auch als Rückfallprophylaxe oder zur Nachbehandlung in der Phase des Gesundwerdens sowie in der Pflege eignet sich die Aromatherapie gut.

Wann und wie lange kommt die Aromatherapie zum Einsatz?

Die Gesamtdauer und Häufigkeit der aromatherapeutischen Behandlung orientiert sich am betroffenen Menschen, seinem Krankheits- und Beschwerdebild und an seinen persönlichen Ressourcen. Somit unterscheidet sich der Behandlungsplan bei akuten Krankheiten, akuten Phasen chronischer Krankheiten und chronischen Erkrankungen. Die Zeitdauer kann sich von wenigen Tagen über 1 bis 3 Wochen bis zu einer lebenslangen Begleitung erstrecken.

Bei folgenden Krankheitsbildern ist eine Medizinische Aromatherapie sinnvoll:

Wie funktioniert die Aromatherapie?

Die Anwendung der ätherischen Öle und von Mischungen davon dienen der Gesundheitsförderung, Stärkung der Selbstheilungskräfte des Körpers und der Linderung von Beschwerden, sollte aber nicht als Therapie im medizinischen Sinn aufgefasst werden - außer die Anwendung ist von einem Arzt empfohlen (= Medizinische Aromatherapie).

Die aromatischen Duftstoffe gelangen über die Nase ins Riechzentrum des Gehirns und entfalten schon dort erste Wirkungen: Sie können die Stimmung positiv beeinflussen oder angenehme Erinnerungen hervorrufen. Außerdem wirken sie auf das Nervensystem und beeinflussen unbewusst ablaufende Prozesse wie Atmung, Kreislauf und Verdauung. So können sie - je nach verwendetem ätherischen Öl - z.B. beruhigend oder aktivierend sein.

Durch die Aufnahme der Wirkstoffe über Haut und Schleimhäute können die ätherischen Öle auch direkt am Zielort ihre Wirkung entfalten und beispielsweise die Wundheilung beschleunigen. Die Wirkstoffe gelangen über den Blutkreislauf auch zu den inneren Organen und können deren Funktion positiv beeinflussen. Da die ätherischen Öle sowohl auf die Seele als auch auf den Körper wirken, spricht man von einer ganzheitlichen Wirkweise.

Anwendungsformen

Die ätherischen Öle werden in der Arztpraxis in verschiedenen Formen zur Anwendung gebracht bzw. können nach einer Einschulung durch den Aromatherapeuten oder die Aromatherapeutin auch von den Patienten selbst angewendet werden, z.B. als:

  • Inhalation über heißem Wasser oder durch Tropfen auf ein Tuch
  • Bäder für den gesamten Körper oder Teilbereiche
  • Massagen, Streichungen oder Einreibungen
  • Sprays
  • Kapseln und Zäpfchen (ärztliche Verordnung, Herstellung in der Apotheke)
  • Wickel oder Auflagen
  • Cremes
  • Duftlampen

Die Haltbarkeit von ätherischen Ölen nach der ersten Öffnung der Flasche beträgt in der Regel 6 Monate, kann durch richtige Lagerung und Minimierung des Kontaktes mit Sauerstoff aber auf zumindest 1 Jahr verlängert werden.

Wirkungen

Je nach den Eigenheiten der verarbeiteten Pflanze können ätherische Öle verschiedene Wirkungen haben, z.B.:

  • angstlösend
  • antibakteriell / antimikrobiell / antiseptisch
  • beruhigend
  • durchblutungsfördernd
  • entzündungshemmend
  • immunfördernd
  • krampflösend
  • pflegend
  • schmerzlindernd
  • stimulierend

Was müssen Sie nach der Aromatherapie beachten?

Nach einer aromatherapeutischen Anwendung sollten Betroffene eine entsprechende Erholungs- und Ruhephase einplanen.

Wer kann eine Aromatherapie durchführen?

Die Medizinische Aromatherapie, also die Behandlung von Krankheiten, bleibt in Österreich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten, bevorzugt jenen mit einer Aus- oder Fortbildung in Phytotherapie bzw. Medizinischer Aromatherapie.

Was können Sie als Patient zum Gelingen der Aromatherapie beitragen?

Patientinnen und Patienten sollten sich auf diese besondere Naturheilmethode im Konsensus mit ihrem Vertrauensarzt einlassen, Empfehlungen befolgen und Probleme rückmelden, damit eine Anpassung der Behandlung sowie eine Feinabstimmung erfolgen kann.

Wo liegen die Grenzen der Aromatherapie?

Zu den Risiken der Medizinischen Aromatherapie zählen vor allem:

  • ungenügende Qualität der Pflanze, der Destillation oder des ätherischen Öls
  • Unterdosierung oder falsche Anwendung bzw. Anwendungsdauer
  • fehlerhafte Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses
  • Überschätzung der Wirksamkeit bei Unterschätzung des Schweregrades der Krankheit
  • Unkenntnis von unerwünschten Wirkungen und möglichen Interaktionen
  • Verkennung von seltenen (0,5-2%), aber möglichen allergischen Reaktionen sowie möglichen phototoxischen Reaktionen

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für die Medizinische Aromatherapie werden nicht von der Krankenkasse getragen. Beratungseinheiten in der Länge von 25 bis 50 Minuten können zwischen 60 und 130 Euro kosten. Aromatherapeutische Behandlungen wie z.B. eine Klardampf-Inhalation mit ätherischen Ölen kosten in der Praxis zwischen 35 und 60 Euro. Werden vom Arzt bzw. der Ärztin individuelle Mischungen aus ätherischen Ölen hergestellt, belaufen sich die Kosten dafür auf rund 40 bis 80 Euro (außer bei sehr teuren Ölen).

Fragen an den Arzt

  • Ich habe nach einem Bad mit ätherischen Ölen einen Ausschlag bekommen. Ist das gefährlich?
  • Können ätherische Öle meine Kreislauf-Beschwerden mildern?
  • Was passiert, wenn ich zu viel des ätherischen Öls einatme?
  • Darf ich die Behandlung mit ätherischen Ölen auch mit Medikamenten aus der Apotheke kombinieren?
  • Wie lange soll ich die aromatherapeutische Behandlung weiterführen?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Dr. Wolfgang Steflitsch

Lungenfacharzt im Otto-Wagner-Spital, Wien, und Wahlarzt für Lungenheilkunde

Ärztlicher Leiter Diversity Care Wien & Vize-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA)

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis, W. Steflitsch, D. Wolz, G. Buchbauer (Hrsg.), Stadelmann Verlag, Wiggensbach, 2013
  • Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren, 4. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2011
  • Leitfaden Phytotherapie, H. Schilcher, S. Kammerer, T. Wegener, 5. Auflage, Elsevier / Urban & Fischer Verlag, München, 2016

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