Akupunktur

Akupunktur: Arzt setzt feine Nadeln in Akupunkturpunkte
Bei der Akupunktur werden feine Nadeln in festgelegte Körperpunkte gesetzt, um den Selbstheilungsprozess anzuregen. (Andrey Popov - Fotolia.com)

Die Akupunktur ist eine Therapie aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der feine Nadeln (Akupunkturnadeln) in genau festgelegte Körperpunkte (Akupunkturpunkte) gesetzt werden.

Sie liegen auf den Meridianen, die Leitbahnen sind, durch die Lebensenergie (Qi) fließt. Bestehen Blockaden, kann Qi nicht mehr ungestört fließen und Krankheiten entstehen. Indem Akupunkturpunkte mit Nadeln behandelt werden, kann Qi wieder fließen, die Selbstheilungskräfte des Organismus werden angeregt. Akupunktur wird bei Migräne, Schlafstörungen oder zur Schmerzlinderung unter der Geburt eingesetzt. In Österreich dürfen nur Ärzte, die nach theoretischer und praktischer Ausbildung und Prüfung das "Österreichische Ärztekammer-Diplom für Akupunktur" erhalten haben, Akupunktur therapeutisch anwenden.

Wem nützt diese Therapie?

Die Akupunktur gilt als Regulationstherapie: Die Behandlung mit den feinen Nadeln verspricht nur Erfolg, wenn Funktionen des Organismus gestört - noch nicht zerstört - sind. Die Akupunkturbehandlung wird heute von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei folgenden Erkrankungen empfohlen:

Daneben bescheinigen verschiedene Untersuchungen der Akupunktur gute Resultate bei weiteren Leiden - eine kleine Auswahl ohne Garantie auf Vollständigkeit:

Dennoch ist die Akupunktur kein Allheilmittel! Das Ansprechen auf die Nadel-Behandlung ist individuell unterschiedlich und lässt sich auch nur schwer vorhersagen. Jeder muss ausprobieren, ob die Akupunktur ihm persönlich hilft.

Wie wirkt die Akupunktur?

Was genau im Körper abläuft und dazu führt, dass die Akupunktur bei den unterschiedlichsten Leiden hilft, ist nach modernem, wissenschaftlichem Verständnis noch nicht bis ins Detail aufgeklärt. Nach dem traditionellen, chinesischen Verständnis wird durch die Akupunktur das Gleichgewicht der Lebensenergie im Körper (Qi) wieder hergestellt. Störungen im Körperinneren werden dadurch beseitigt oder gelindert.

Bei der Akupunktur werden hauchdünne Nadeln je nach Beschwerdebild in bestimmte Akupunkturpunkte, die bestimmten Körperregionen zugeordnet sind, gestochen. Die TCM geht davon aus, dass der Stichreiz dann über sogenannte Meridiane - Leitbahnen, durch die Lebensenergie (Qi) fließt - zu der geschwächten Körperregion bzw. den Organen gelangt. Anders ausgedrückt: Der Stichreiz wird über das Nervensystem in das Rückenmark und ins Gehirn weitergeleitet.

Das konnte durch die moderne Forschung auch schon belegt werden: Per funktioneller Kernspintomographie wurde gezeigt, dass sich der Stoffwechsel im Gehirn durch Akupunktur verändert. Schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Substanzen, wie etwa körpereigene Morphine und das als "Glücksbotenstoff" bezeichnete Serotonin, werden vermehrt ausgeschüttet. Zudem kommt es beim Setzen der Nadeln durch die Beeinflussung von Nerven-Schaltstellen in Gehirn und Rückenmark zu einer Verminderung der Schmerzweiterleitung in das Großhirn, die Muskelspannung wird positiv beeinflusst und die Durchblutung der verschiedenen Körperareale angeregt. Auch die inneren Organe können in ihrer Funktion angeregt werden. 

Schmerzlose Laserakupunktur

Für die Kleinsten, die Nadeln meist scheuen, reicht sogar die Laserakupunktur (Licht-"Nadel"). Schmerzlos wird dabei mit einem Laserstrahl akupunktiert. Da sein Effekt jedoch noch sanfter im Körper wirkt als die Nadeln, kommt man für einen ausreichenden Effekt ab einem Alter von etwa 10 Jahren um die kleinen Pikse bei der Akupunktur nicht herum.

Wie lange kommt die Akupunktur zum Einsatz?

Durchschnittlich dauert eine Akupunkturbehandlung 20 bis 40 Minuten. Für diese Dauer werden an bestimmten Punkten des Körpers die dünnen Akupunkturnadeln platziert. Die Anzahl der Behandlungen ist von der Erkrankungsart, ihrer Schwere und Dauer sowie Ihrem Allgemeinzustand abhängig. Bei akuten Beschwerden wie etwa Nackensteife ist oft mit wenigen - üblicher Weise nach 5 bis 10 Behandlungen -, teilweise sogar einer einzigen Akupunktursitzung eine deutliche Besserung der Beschwerden zu erzielen. Bei seit längerer Zeit bestehenden Beschwerden und chronischen Erkrankungen braucht es entsprechend viele Sitzungen, um das körpereigene Gleichgewicht wiederherzustellen.

Dauerakupunktur

Daneben gibt es noch die Dauerakupunktur: Bis zu einer Woche bleiben spezielle Dauernadeln an den Akupunkturpunkten des Ohrs. Die Ohroberfläche gilt als besondere Reflexzone, in der sich Punkte für den gesamten Körper sowie die Psyche finden. Da die Dauernadeln viel kürzer sind, als die klassischen Akupunkturnadeln, wird meist ein Pflaster über sie geklebt und sie sollten den Patienten auch nicht stören.

Was müssen Sie nach der Therapie beachten?

Ein seriöser Therapeut wird Sie von sich aus über zu beachtende Dinge aufklären. So kann eine Akupunkturbehandlung etwa zu einer vorübergehenden Blutdrucksenkung führen. Das kann für Menschen mit niedrigem Blutdruck mit Beschwerden wie z.B. Schwindel einhergehen. Solche Patienten sollten die Ordination nach der Akupunkturbehandlung nicht sofort verlassen und zudem nicht selbst mit dem Auto heimfahren. Auch kann es zu einer sogenannten Erstverschlechterung kommen.

Für alle Patienten gilt: Planen Sie nach der Akupunktur nicht mehr allzu große Aktivitäten. Denn oft tritt nach der Behandlung ein Gefühl tiefer Entspannung bis hin zu Müdigkeit auf Geben Sie dem Ruhe- oder Schlafbedürfnis dann nach, um Ihren Körper bei der Selbstheilung zu unterstützen. Von allem Strapaziösen für den Körper - dazu zählt auch der Genuss größerer Mengen Alkohol, Sauna oder Sport - sollten Sie am Tag der Akupunktur erstmal absehen.

Informieren Sie Ihren Therapeuten immer über Veränderungen nach der Akupunktursitzung: Thematisieren Sie sowohl eine Besserung, als auch eine Verschlechterung oder ein Gleichbleiben der behandelten Beschwerden bei Ihrem Akupunkteur. Normalerweise wird er dies aber ohnehin spätestens bei der nächsten Sitzung abfragen.

Wer therapiert?

In Österreich dürfen nur Ärzte, die nach theoretischer und praktischer Ausbildung und Prüfung das "Österreichische Ärztekammer-Diplom für Akupunktur" erhalten haben, Akupunktur therapeutisch anwenden.

Was können Sie zum Gelingen der Akupunktur beitragen?

Während der Akupunkturbehandlung - wie auch danach - sollte der Patient Ruhe bewahren: Liegen bzw. sitzen Sie so ruhig und entspannt wie möglich, während der Akupunkteur Ihnen die Nadeln setzt - das dauert meist 20 bis 40 Minuten lang. Bewegen Sie die akupunktierten Körperteile so wenig wie möglich - sonst könnten sich die Nadeln verschieben und Schmerzen verursachen. Versuchen Sie zudem, so wenig wie möglich zu denken. Denn die Akupunktur ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode - sie berührt den ganzen Menschen, also auch die Seele. Seien Sie offen und geben Sie sich der Entspannung hin.

Wo liegen die Grenzen der Akupunktur?

Die Akupunktur gilt als alternative, sanfte Heilmethode. Bei richtiger Anwendung sind kaum unerwünschten Nebenwirkungen zu befürchten. Selbst Schwangere und Kinder können auch per Akupunktur behandelt werden.

Sollte ein Patient unter Nadelangst leiden kann man ihm genauso wie Kindern mit Laserakupunktur helfen. Kleine Kinder sind - auch wegen ihres Bewegungsdrangs - deshalb schwer mit der klassischen Akupunktur zu therapieren. Daher kommt bei ihnen oft die sanftere, schmerzfrei Laserakupunktur zum Einsatz.

Die Akupunktur kann dem Körper nur beim Regulieren helfen: Die Heilmethode setzt eine gewisse Vitalität und Grundenergie voraus; sie ist an ein funktionierendes, organisches System gebunden. Sind Strukturen bereits zerstört - z.B. schwere Abnutzungen wie bei Arthrose, abgestorbenes Gewebe wie nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, Knochenbrüche - kann die Akupunktur nicht mehr ursächlich helfen, sondern höchstens Symptome wie Schmerzen lindern.

Übrigens: Die in Österreich verwendeten Akupunktur Nadeln sind sterile Einwegnadeln - sie werden nach einmaligem Gebrauch entsorgt. Deshalb ist eine Übertragung von Infektionskrankheiten durch Akupunktur unmöglich.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für eine Akupunkturbehandlung liegen zwischen 30 und 115 Euro. Sie variieren so stark, da die Sitzungsdauer von der Schwere und Art der Erkrankung abhängt.

Die Übernahme der Behandlungskosten durch die gesetzlichen Krankenkassen ist je nach Bundesland unterschiedlich. Versicherte sollten sich deshalb vor Beginn der Akupunkturbehandlung bei Ihrer Krankenkasse erkundigen, ob sie die Kosten voll oder teilweise übernimmt. Von den meisten gesetzlichen Versicherungen werden Beträge von etwa 10 Euro pro Akupunktursitzung erstattet. Wer eine private Zusatzversicherung hat, sollte sich dort erkundigen, ob er die Privathonorarnote einreichen kann. Manche Privatversicherungen übernehmen die vollen Behandlungskosten für Akupunktur. Beachten Sie dabei, dass viele Krankenkassen zur Erstattung verlangen, dass der Akupunkteur das "Diplom für Akupunktur der Österreichischen Ärztekammer" vorweisen kann.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin

Dr. Christine Allen

ÖAK Diplome: Akupunktur, Ernährungsmedizin, Orthomolekulare Medizin, Palliativmedizin, Psychotherapeutische Medizin

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • So hilft mir die Akupunktur, A. Molsberger, 4. überarbeitete Auflage, Haug, Stuttgart, 2006
  • Praxis-Lehrbuch Akupunktur, H. Hecker, A. Steveling, E. Peuker, Hippokrates, Stuttgart, 2009
  • Handbuch Traditionelle Chinesische Medizin, H. Hecker, A. Steveling, E. Peuker, H. Kluge, Haug, Stuttgart, 2013

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