Jucken im After (Pruritus Ani)

Jucken im After ist Tabuthema

Afterjucken

Jucken im Analbereich betrifft viele Menschen, aber nicht alle trauen sich, ärztliche Hilfe aufzusuchen - 12 Monate vergehen im Schnitt bis zu dem Gang zum Arzt. Hier erfahren Sie einige der häufigsten Ursachen für Afterjucken. (arkna - Fotolia.com)

Bis zu 400.000 Österreicher können von Jucken im After betroffen sein, aber über den juckenden Analbereich redet kaum einer.

Pruritus ani nennen Mediziner das Symptom, dem unterschiedliche Erkrankungen zugrunde liegen. Die Ursachen des juckenden Afters sind vielfältig: von Hämorrhoiden über Duftstoffallergie bishin zu Pilzinfektionen können dafür verantwortlich sein. Der Leidensdruck von Betroffenen ist sehr hoch, verhältnismäßig dauert es lange bis sie einen Arzt aufsuchen. Dermatologen, Gastroenterologen und Proktologen sind die richtige Anlaufstelle für Jucken im After.

Häufigkeit

Männer sind häufiger als Frauen betroffen - Jucken im After tritt vermehrt im 4. Lebensjahrzehnt auf. Bis zu 400.000 Österreicher verspüren regelmäßigen After-Juckreiz. Durchschnittlich leiden Betroffene mehr als 12 Monate an Jucken im After bevor sie einen Spezialisten aufsuchen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Der Leidensdruck des chronischen Juckens im After ist bei Betroffenen hoch. Schlaflos aufgrund nächtlichem Jucken und Kratzen, wenn es tagsüber juckt, kann - beispielsweise in der Arbeit - nicht einfach drauf los gekratzt werden. Kratzen bringt oft nur für den Moment Erleichterung, also muss danach weitergekratzt werden. Das führt zwangsweise zu offenen oder entzündeten Hautstellen, die das Beschwerdebild des juckenden Afters verschlimmern. Ist das Jucken besonders stark, lässt es sich auch nicht mehr von Schmerz abgrenzen.

Die Ursachen sind vielfältig

Jucken durch Hämorrhoiden: Hämorrhoiden können in der frühen Phase Schleimhautirritationen verursachen, die einen Juckreiz und feuchte Absonderungen am After auslösen.

Jucken durch Durchfall: Flüssiger Stuhl, wie bei Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa und Reizdarm-Syndrom führen durch die Zerstörung des Hautschutzmantels zu Afterjucken.

Jucken durch falsche Hygiene: Seife und feuchtes Klopapier tun der Haut am After nicht gut. Mangelhafte Hygiene (Stuhlrückstände) führt auch zu einem juckenden After.

Jucken durch Duftstoffallergien: Bei Duftstoffallergien können auch am After Reaktionen auftreten, ausgelöst durch Kontaktallergie auf Seife und Toilettenpapier.

Jucken durch HPV: Feigwarzen (Kondylome), die durch HPV ausgelöst werden, finden sich nicht nur im Intimbereich, sondern auch rund um den After.

Jucken durch Pilzinfektionen: Bei Kleinkindern aber auch bei pflegebedürftigen alten Leuten fördert Feuchtigkeit die Pilzinfektion im Analbereich. Das Immunsystem ist bei HIV herabgesetzt, dadurch ist der Betroffene anfälliger für juckende Pilzinfektionen in der Analregion.

Jucken durch Wurmerkrankungen: Wenn Kinder über nächtlichen Juckreiz im Hintern klagen, sind meist Madenwürmer verantwortlich. Sie legen ihre Eier in den Falten um den After ab.

Jucken durch Analkarzinome: Pruritus ani ist häufig das einzige Symptom von Analkarzinomen.

Jucken durch Psoriasis inversa:
Die umgekehrte Schuppenflechte, die statt der Innenseite von Ellbogen die Außenseite befällt und die Geschlechtsteile kann Pruritus ani auslösen.

Jucken durch Diabetes: Juckreiz im After kann auch ein erstes Symptom für Diabetes mellitus sein, verursacht durch die Mangeldurchblutung der Haut.
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!)

Begleiterscheinung bei Pruritus ani

  • Brennen
  • Stuhldrang
  • Nässen
  • Ausfluss
  • Schmerz
  • Fremdkörpergefühl
  • Abnorme Stuhlentleerung

Diagnose

Bei Jucken im After muss die zugrundliegende Erkrankung diagnostiziert werden. Der Weg dahin kann langwierig und komplex sein. In jedem Fall sollte ein offenes Gespräch mit einem Arzt (Gastroenterologe, Proktologe oder Dermatologe) über das gesamte Beschwerdebild erfolgen. Auch die Stuhl- und Hygienegewohnheiten dürfen bei dieser Unterhaltung kein Tabu-Thema sein.

Mögliche Untersuchungen, um die Diagnose abzuklären:

  • Enddarmabtastung durch den Arzt (Rektale Untersuchung)
  • Analkanalspiegelung (Proktoskopie)
  • Enddarmspiegelung (Rektoskopie)
  • Dickdarmspiegelung (Koloskopie)
  • Blutabnahme (Untersuchung der Entzündungswerte)
  • Epikutantest
  • Gewebsprobe (Biopsie) bei länger bestehendem Pruritus ani

Therapie

Die Therapie richtet sich in erster Linie nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Dadurch sollte der Juckreiz verschwinden.

Sitzbäder

Um den Juckreiz zu mildern, stehen Sitzbäder, Cremes und Pasten zu Verfügung. Aber nichts davon sollte ohne Arztanordnung angewandt werden, da die natürliche Schutzschicht der Haut rings um den After zerstört werden und den Juckreiz somit verstärken könnte.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Richtige Hygiene: Der After sollte nur mit Wasser ohne Seife gewaschen werden, da diese den natürlichen Schutzmantel der Haut zerstören kann.

Feuchtes Klopapier: Verwenden Sie nur Klopapier ohne zusätzliche Feuchtigkeit - Auch das kann sich auf den natürlichen Schutz der Haut auswirken und Jucken auslösen oder verschlimmern.

Fragen an den Arzt

  • Wie lange wird es dauern bis der Juckreiz verschwunden ist?
  • Welche Untersuchungen muss ich machen, damit eine Diagnose gestellt werden kann?
  • Was kann ich zur Milderung des Juckreizes bis zur Diagnosestellung machen?

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christoph Gasché

Innere Medizin / Gastroenterologie & Hepatologie

Leiter des Christian Doppler Labors, Univ. Klinik für Innere Medizin III (AKH Wien) / Gründer und Leiter des Medizinischen Kompetenzzentrum Eisenmangel Loha for Life

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: L29.0, L29.1, L29.2, L29.3, L29.8, L29.9

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