Autor

Nunu Kaller

Ich mach da jetzt nicht mit!

Nunu Kaller bloggt auf gesund.at (Elisabeth Mondl)

Ich war vor einigen Jahren mal knapp dran, konsumsüchtig zu werden. Egal, ob zum Trost, zur Ablenkung, zur Betäubung, zur Belohnung, oder einfach, weil mir langweilig war: Kleidung shoppen war mein liebstes Hobby.

Dementsprechend voll war mein Kleiderschrank - aber immerhin: Die Kontrolle über mein Konto hatte ich noch nicht verloren. Dann kam ein fürchterliches Jahr. Schicksalsschläge in meiner Familie aufgefädelt wie auf einer Perlenkette, ein Job, der mich bereits seit Monaten unglücklich machte, und alle zwei Wochen fiel ich beim Textilschweden ein. Ein Rock um fünf Euro, ein Top um acht, es waren immer nur die Kleinigkeiten.

Von Chemo und Konsumwahn

Der Gedanke, wie wohl der Rock da in meiner Hand zu meinen roten Stiefeln zuhause passen würde, war um einiges einfacher zu ertragen als jener an meine Mutter bei der Chemo. Bis ich die Reißleine zog: Ein Jahr keine neue Kleidung kaufen. Stattdessen mal hinschauen, wie meine Kleidung produziert wird (Stichwort: Fairtrade und Giftstoffe bei der Verabeitung) - und auch in mir drin dorthin schauen, wo es weh tat, anstatt mich durch Shopping erfolgreich zu betäuben.

Schritt 1 gegen den Konsumwahn: Entschleunigen

Nach anfänglichen kurzen Entzugserscheinungen (Gerüchte besagen, es könnte da so ein Panikkauf in Form eines Mantels stattgefunden haben) stellte sich dieser Shoppingboykott als fantastische Entscheidung heraus: Nicht nur konnte ich meine eigenen Mechanismen mit Abstand betrachten, es war wahnsinnig wohltuend, aus dieser Konsumspirale auszubrechen, in der wir alle gefangen sind, ohne es zu merken.

Alle paar Wochen wird uns ein neuer Trend präsentiert, dem wir folgen wie die Tiere dem Rattenfänger von Hameln. Zielgruppenmarketing ist inzwischen so heterogen und spezifiziert, dass wir der Werbung gar nicht mehr auskommen. Dieses einfache "ich mach da jetzt mal nicht mit" hatte Auswirkungen auf mich, die ich fast nicht in Worte fassen kann - nachdem ich aber Bloggerin bin, versuch ich es trotzdem:

Wir glauben, der Kauf neuer Produkte steigert unser Wohlbefinden. Das mag auch sein. Für einen kurzen Moment bekommen wir einen Kick - der ist physisch nachweisbar. Adrenalin und Glückshormone durchspülen uns, wenn wir uns etwas Neues kaufen (gut, im Supermarkt beim Viertel Butter und dem Sack Zwiebeln spült es wahrscheinlich etwas weniger als beim neuen Smartphone, aber der Ablauf ist der gleiche).

Konsumwahn ist eine Sucht!

Doch mit diesen Kicks ist es wie bei einer echten Drogensucht: Je häufiger man sich den Kick gibt, desto schwächer fühlt er sich an und desto kürzer wirkt er. Also muss man mit mehr nachlegen: Teurere Sachen, mehr Sachen, immer kürzere Shoppingintervalle. Was früher noch durch die Öffnungszeiten der Geschäfte wenigstens ansatzweise reguliert war, geht "dank" Onlineshopping nun täglich 24 Stunden lang: Die totale Shopping-Dröhnung. Immer auf der Suche nach dem Adrenalin-Schuss - mit fataler Nebenwirkung: Während der Suche nach den Kicks ist man im Stress. Inklusive entsprechender negativer Hormonbelastung.

Wenn man sich diesem System jedoch - zumindest temporär - entzieht, dann setzt nach einer gewissen Zeit ungemeines Wohlbefinden ein: Man muss dem nächsten Trend und dem nächsten Adrenalinstoß nicht mehr hinterher hetzen.

Meine Fragen an Sie:

  • Wann haben Sie das letzte Mal ein Kleidungsstück gekauft?
  • Gab es dafür einen Grund?

Viel Spaß beim Nachdenken und bis zum nächsten Mal!

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