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Nicole Siller

Wie geht abschalten im Urlaub?

Nicole Siller lächelt
Nicole Siller bloggt auf gesund.at (Nicole Siller)
Mein Mann und ich waren vor kurzem auf Urlaub. Die ersten paar Tage waren wir in einer mir bis dahin unbekannten Stadt mit hinreißender Kultur und kulinarischen Erlebnissen.

Wir machten einen Kochkurs, genossen Marktbesuche und Bootsfahrten, waren ein bisschen shoppen und lernten auf langen Spaziergängen die Stadt, ihre Kultur und ihre Landsleute besser kennen. Dazwischen genossen wir auch erholsame Pausen in unserem Hotel mit traumhaftem Weitblick über die Stadt und einem belebten Fluss - und WIFI.

Kaum im Hotel angekommen griffen wir zu unseren Smartphones, checkten unsere Mails - ich bin ja immerhin selbständig und mein Mann wartete anfangs noch auf eine wichtige Terminzusage von einem Kollegen - wir lasen ausführlich die bewährten Tageszeitungen online, checkten kurz auf Facebook ein, die Zeit verging wie im Flug...

Was ist wichtig?

Nach wenigen Tagen schrieb mir eine sehr liebe Freundin, der ich schon öfter durch Phasen der Erschöpfung helfen durfte ein SMS - "Was ist denn wirklich so wichtig, dass es nicht 2-3 Wochen warten kann? – fragtest DU mich unlängst! ;-) Schönen Urlaub!"

Ich fühlte mich richtig "ertappt" und war ihr unendlich dankbar! MIR passiert das doch nicht mehr, ICH kann doch abschalten, habe mich mit Burnout intensiv theoretisch und praktisch auseinander gesetzt, Entspannungstraining gelernt und wende es gerne selbst an. Ich freue mich immer, wenn meine Klienten besser auf sich selbst achten können und von Coaching-Stunde zu Coaching-Stunde Fortschritte machen... und nun habe ich das "Abschalten" VERSCHOBEN! Auf wann genau, fragte ich mich? Der Urlaub findet doch genau jetzt statt!

Aus Gewohnheit ständig online

Ich wusste, mein Mann hat seine Terminzusage schon erhalten und ich hatte mich gut auf den Urlaub vorbereitet - nichts musste jetzt gemacht werden! An diesem Abend diskutierten wir ernsthaft darüber, jeder von uns hatte seine eigene Ansicht über Erholung und "online Zeitung lesen". Einig waren wir uns aber bei der Frage: Ist es womöglich reine Gewohnheit, laufend online zu sein? Gibt es uns das Gefühl "aktiv" zu sein? Welchen Rückschluss ziehen wir daraus für den Alltag? Wie oft müssen wir wirklich ständig auf allen Kanälen erreichbar sein? Tagtäglich aber auch gerade im Urlaub? Immerhin waren wir sehr oft schon auf Urlaub - bis vor wenigen Jahren hatten wir alle noch kein Smartphone!? Wie haben wir damals unsere Urlaubstage gestaltet? Langweilig war es im Urlaub eigentlich nie!

Bewusst in die reale Welt eintauchen

Wir beschlossen testweise 2 Tage komplett offline zu gehen, ab sofort. Und siehe da, es ging ganz leicht, uns hat nichts gefehlt, weil wir uns bewusst dafür entschieden haben. Ganz im Gegenteil wir haben die bewusste Mehr-Zeit miteinander genossen, sowohl gemeinsam aber auch jeder für sich! Wir stellten fest, dass wir jetzt erst richtig "ankommen" im Urlaub und schalteten das WIFI auch nur mehr alle paar Tage ein. Kurz und gezielt - so quasi "alles in Ordnung, passt!" Wir tauchten viel intensiver in den Urlaub ein und freuten uns schon auf die Weiterreise zu einer wunderschönen Insel mit Palmenstrand.

Ein einziges Mal hat mich jemand angerufen, der dringend eine Auskunft brauchte - und das war gut so. Mein Mann hat einmal ein SMS von einem Kollegen bekommen mit der Bitte, ein ganz besonders wichtiges Mail zu lesen, was er natürlich gerne tat. Unsere Söhne haben uns per SMS Wünsche geschickt für Mitbringsel. Die letzten Tage vergaßen wir schon ein bisschen auf die virtuelle Welt, die reale ist doch wirklich sehr lebenswert! Wir sind erst wieder online gegangen um für unseren Rückflug einzuchecken. Siehe da, es ist gar nichts passiert, die Welt hat sich einfach weitergedreht - wie schön!

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