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Nicole Siller

Nähe, Distanz und ein Helfersyndrom

Nicole Siller lächelt.
Nicole Siller bloggt auf gesund.at (Nicole Siller)

Stefanie ist immer wieder enttäuscht, verletzt und auch echt genervt von ihrem Freund. Tom hat ein Nähe-Distanz-Thema.

Geht sie einen Schritt auf ihn zu, geht er zwei zurück. Zieht sie sich dann zurück, steht er ganz rasch wieder bei ihr, möchte sie an seiner Seite wissen. Stefanie kennt diese Spielchen mittlerweile - und stellt sich immer mehr auf ihn ein, obwohl sie ganz andere Wünsche hat und dabei wirklich an ihre Grenzen kommt.

Wechselspiel Nähe und Distanz

Zu Beginn ihrer Beziehung, als es nach einigen Wochen zum ersten Mal aufbrach, war Stefanie sehr verletzt, in Frage gestellt und hat sich zurückgezogen. Tom sagte, "es sei ihm alles zu viel, er wüsste nicht, ob seine Gefühle reichen, er genoss die Zeit mit Stefanie wirklich, aber...". Sie dachte dass Tom doch nur eine rasche Affäre wollte und ging. Nach erfolglosen Anrufen und Nachrichten stand er vor ihrer Tür. Er war verzweifelt, entschuldigte sich, bekundete seine Liebe und Stefanie erwiderte sie.

Verständnis hilft bedingt

Im letzten Jahr führten sie eine anstrengende unsichere und doch auch sehr wunderbare Liebesbeziehung. Sie tauschten nach einiger Zeit sogar Schlüssel. Beide genossen die gemeinsame Zeit. Sie konnten gute Gespräche führen, manchmal auch über seine Fluchtgedanken, die immer und immer wieder kehrten - wie aus dem nichts. Oft gerade dann, wenn Stefanie dachte, es wäre etwas mehr Stabilität da, wurde ihm alles zu eng. Tom wollte sie an seiner Seite und er wollte sie nicht verletzen. Er tat es jedoch, er konnte nicht anders. Stefanie lernte ihn und seine "Phasen" zu verstehen. Sie wollte ihm so gerne helfen.

Wie viele Scherben verträgt die Liebe?

Beim letzten Mal traf es sie besonders schmerzhaft. Sie hatten gerade einen ersten Urlaub miteinander verbracht und träumten vorsichtig von der gemeinsamen nächsten Zeit. Nach dem Urlaub musste Tom die Beziehung wieder mal komplett in Frage stellen. Alles kam aus seinem in die Enge getriebenen Blickwinkel zur Sprache, es ging ihm wirklich sehr schlecht. Er mischte frühere Erfahrungen mit aktuellen Beziehungsthemen, Vorwürfe kamen ihm locker über die Lippen. Er war verzweifelt, verletzend, tief traurig und unfair, wie immer in solchen Phasen.

Aussteigen und Unterstützung finden

Diesmal war es zuviel. Stefanie ging, sie konnte nicht mehr. Sie wusste, er würde später wieder vor ihrer Tür stehen, sie musste etwas verändern. Sie ging zu ihrer engsten Freundin, die gut zuhören konnte. Erstmals sprach sie mit ihr offen und ehrlich über Tom und seine "Phasen". Es wurde ihr im Gespräch bewusst, wie sehr sie sich gewünscht hätte, ihm zu helfen. Sie musste sich eingestehen, dass es keine Spielchen von ihm waren, er konnte in diesen Momenten nicht anders. Stefanie erkannte, dass vieles zwar von ihr ausgelöst wurde, aber sein Thema schon älter war als ihre Beziehung mit einander. Trotzdem traf es sie. Sie liebte Tom aber sie erkannte, sie konnte ihn nicht "retten". Wie gerne hätte sie das gemacht!

Eigenverantwortung und Hilfestellung

Stefanie wollte aus dem ewigen Kreislauf ausbrechen, sonst zerbricht sie daran, wahrscheinlich sie beide. Diesmal ging sie zu Tom zurück. Es ging ihm wieder besser, er war überrascht und froh, dass sie da war. Und er konnte zuhören. Stefanie sagte ihm klar und deutlich, dass sie ihn liebt. Dass sie ihn gerne "gerettet" hätte, es aber nicht geht, sie ihre Grenzen erkannt hat. Sie erzählte ihm ehrlich, dass sie keine Energie und Kraft mehr hat und wie sehr sie die positiven Zeiten mit ihm genießen kann. Tom mochte sich selbst nicht, in diesen zerstörerischen "Phasen". Er sagte, dass er sie wirklich liebte sie und bot erstmals an, sich Unterstützung zu holen. Ein erster Schritt ist getan.

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Kommentare

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  1. ygeadygenn

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