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Mag. Julia Wild

Vegan-Blog Tag 1: Zu hip für diese Welt

Foto von Mag. Julia Wild
Am ersten Tag meiner Vegan-Challenge tausche ich Mozzarella gegen Grünkernaufstrich. (Redaktion)

Vegetarierin goes Veganerin: 30 Tage lang werde ich versuchen, vegan zu leben und meine Erfahrungen zu teilen. An Tag 1 stell ich mir die Sinnfrage: Bin ich nun ein Hipster?

Seit ich mit zarten 14 Jahren beschlossen habe, mich voll und ganz in den Vegetarismus zu stürzen, habe ich ja schon die wildesten Sachen erlebt. Fleisch war mir als Kind schon eher suspekt, die Umstellung war somit also eher easy-cheesy. Im ersten fleischabstinenten Jahr haben mir vielleicht die Kalbspariser und Mamas Putenragout in manchen Sekunden der Schwäche gefehlt, aber die Sehnsucht war schnell verflogen. Bald  gehörte Schlachtgut für mich nicht mehr zur Kategorie "Nahrungsmittel".

Rotkraut mit Gänseschmalz?

Mit Schrecken musste ich im Laufe meiner heroischen Gemüse-Karriere jedoch feststellen, dass Tiere in Produkten stecken, die man so gar nicht mit Fleisch assoziiert. So schaufelte ich zum Beispiel jahrelang das fertig gekochte, in einem quadratischen Eisblock zu kaufende Rotkraut einer bekannten österreichischen Tiefkühl-Fertigfuttermarke in mich hinein - bis ich dann eines Tages die Zutatenliste studierte und sehen musste: Da ist GÄNSESCHMALZ drinnen! Aaaaaah! Mich schüttelte und ekelte es und das gute Rotkraut war gestrichen. Doch die Geschichte endet nicht mit dem schmalzigen Kraut: Gelatine ist auch so ein Punkt. Das Zeug aus tierischem Knochenmark verbirgt sich in vegetarisch anmutenden Aufstrichen, Kuchen, Joghurt und in vielen Süßigkeiten. Da heißt es als Vegetarier lesen, lesen und nochmal lesen, was da hinten in Fuzischrift draufsteht.

Unterm Strich: Vegetarierin sein ist manchmal schon nicht leicht. Mittlerweile hat sich die (punktuelle) gesellschaftliche Verachtung zumindest etwas gelegt - heute werde ich auf internen sowie externen familiären Grillfesten nicht mehr angefeindet ("Waaas, die will, dass ich ihren Kukuruz mit einer nicht-befleischten Grillzange wende??!"), wobei die ältere Generation mich immer noch belächelt. Aber damit kann ich leben.

Bin ich jetzt hip?

Nun setze ich noch eins drauf und werde vegan. Zumindest mal für 30 Tage. Schon lange hadere ich mit mir, vor allem die Milchwirtschaft und ihre Vorgehensweisen liegen mir schwer im Magen. Eier finde ich sowieso komisch, vor allem wenn so ein blutiger Punkt im Dotter schwimmt bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich essen mag. Außerdem möchte ich schauen, wie sich mein Körper ohne tierische Produkte fühlt. Bisher habe ich fast täglich Milch, Joghurt, Aufstriche und Käse gegessen. Das ganze muss ich zu meinem Glück nicht allein durchziehen, mein Freund - eigentlich sogar gelegentlicher Fleischesser - springt mit mir gemeinsam auf den veganen Zug auf. Zusammen ist man halt weniger allein, das gilt vor allem bei der Zusammenstellung eines neuen Speiseplans!

Im Büro waren die Reaktionen gemischt, aber hauptsächlich positiv und interessiert. Zu Mittag verspeiste ich anstatt meines klassischen Schüsserls mit Mozzarella und Gemüsevariation ein Kornweckerl mit Grünkernaufstrich, Tomaten und Gurken. Der Unterschied ist nicht so enorm. Zwischendurch gibt’s vegane Gummibärli und Sojapudding, in der Früh zwei Bananen und Pfirsiche. Tag 1 läuft also.

Mit der veganen Ernährung dürfte sich auch mein Coolness-Faktor anheben, denn: Vegan ist in aller Munde und hip wie nie. Seit kurzem mache ich ja auch noch Yoga; das ist dann schon fast zu viel des Guten. ("Die Julia wird noch voll zum Hipster!") Ob ich meine 30-Tage-vegan-Challenge durchhalte? Wir werden sehen…

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Kommentare

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  1. Chrisi999

    Hallo Julia, ich schließe mich dir an. Bin auch überhaupt kein Fan, die Kühe als Produktionsmaschinen zu misshandeln. Deshalb mixe ich meine Shakes nach Anleitungen aus dem Internet. Z.B. nach der von http://elektromixer.de/ . Ich verzichte einfach auf Milchshakes und "wässere" die Shakes mit Fruchtsäften schmeckt auch super gut. P.s.: Hast wirklich schöne Bilder! Grüße deine Christine

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