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Mag. Anita Frauwallner

Darmbakterien und Übergewicht

Mag. Anita Frauwallner (allergosan.at)
Ich war begeistert. Vor etwa 8 Jahren war ich auf einem Kongress eingeladen, auf dem die damals berühmtesten Mikrobiomforscher der Welt sprachen (nur falls Sie nicht wissen was das Mikrobiom ist, so nennt man heute die Darmflora, seit sie eben modern und interessant geworden ist).

Und einer von ihnen hat von seinen Experimenten erzählt, dass er Mäuse keimfrei aufzieht und ihnen dann entweder die Darmbakterien von dünnen Mäusen oder jene von dicken transplantiert - und siehe da, die mit den Bakterien der Dicken werden ebenfalls fett und die mit den Bakterien von den Schlanken werden dünn.

Ha, dachte ich, das ist es jetzt.

In Zukunft brauchen wir nur noch den Stuhl der Dünnen und alle Sorgen um die Figur sind ein für allemal erledigt.

Stuhltransplantationen für die schöne Figur

Ich warf in meinen Träumen alle Bedenken über Bord, dass das ja wohl eine eklige Angelegenheit ist, sich immer wieder den Stuhl von schlanken Erdenbewohnern transplantieren zu lassen, es war einfach eine zu verlockende Idee, Gänseleber und Haselnusseis ohne Rücksicht auf die Figur bis zum Abwinken genießen zu können.

Die medizinischen Zeitschriften waren voll von dieser neuen Erkenntnis, obwohl es hatte ja sich ja lediglich um Mäuse gehandelt.

Mittlerweile hat man diese Experimente auch zwischen Maus und Mensch gemacht. Mäuse erhielten also den Stuhl von dicken oder dünnen Menschen - mit exakt demselben Ergebnis. Die gerade erst geborenen Mäuse wurden dick, wenn man ihnen den Stuhl von dicken Menschen transplantierte, oder dünn bei umgekehrtem Prozedere. Aber damit hatte die Forschung nicht genug! Man weiß nämlich, dass Mäuse gerne den Kot mit den darin enthaltenen Bakterien anderer Mäuse fressen. Also ließ man dies im zweiten Schritt zu - und es war phantastisch: die dicken Mäuse nahmen rasant ab, sobald sie den Kot ihrer dünnen Kollegen fraßen, die dünnen allerdings nahmen nicht zu, sie hatten die richtige Bakterienmischung, und die ließ sich nicht erschüttern durch ein bisschen Kot. Selbst wenn man den Mäusen jetzt eine andere Futtermischung mit viel Fett und Zucker verabreichte, änderte das bei den Schlanken gar nichts. Einmal schlank - immer schlank! Egal welches Futter.

Weniger angenehm für jene Mäuse, die zuerst schon die dickmachenden Bakterien erhalten hatten, dann mit dem Kot der anderen schlank geworden waren. Kaum fraßen sie Fett und Zucker, nahmen sie auch wieder rasant zu.

Probiotika: Ansiedelung von schlankmachenden Bakterien

Wissenschaftlich ist das ein Erfolg, für uns Menschen bedeutet es derzeit nur, dass man schon bei unseren Kindern darauf achten sollte, was sie essen, da es extrem schwierig ist, aus dicken Kindern schlanke Erwachsene zu machen. Die Hoffnung liegt derzeit im Bereich der Probiotika - da man immer mehr Bakterien findet, die tatsächlich die "Dickmacherbakterien" (Firmicutes) verdrängen und "Schlankmachende Bakterien" (Bakteroidetes) ansiedeln.

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