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Dr. Rosa Aspalter

Ernährungsprotokoll - wozu?

Dr. Rosa Aspalter ist Bloggerin bei gesund.at. (Agnes Stadlmann)
Ein Protokoll? Das klingt trocken, juristisch, fast gefährlich. Ein Protokoll macht man jedenfalls, wenn man etwas Wichtiges zum Nachweis für mögliche spätere haarige Angelegenheiten aufzeichnen will.

Jurist oder Poet? Andere sprechen wiederum von Ernährungs-Tagebüchern. Das klingt wiederum romantisch, nach Poet oder Literat! Oder schicksalshaft, historienschwer.Der Buchhalter:  So in etwas sehen auch handgeschriebene Protokolle aus. Da gibt es die Protokolle, die in einer buchstäblich buchhalterischen Begeisterung gemacht wurden. Kleinst beschrieben füllen sie viele Seiten aus. Der Vorteil dieser ersten Sorte: es ist ehrlich, überfordert aber offenbar den Verfasser wie den "Kontrollor" gleichermaßen in seiner Detailgenauigkeit. Es geht der Überblick verloren. Zweck der Übung war nicht eine Veränderung, es war das Schreiben!

Der Musterschüler und das Protokoll

Dann sind da die Protokolle, zustande gekommen, indem die Essgewohnheiten auf ein möglichst gefälliges Protokoll hin abgestimmt wurden und zumindest kein Register voller Straftaten darstellen sollen. Da steht ein Topfenbrot in der Frühstückszeile, ein Putenschnitzel zu Mittag und ein Apfel danach, zwei Scheiben Brot am Abend. Es ist wie aus einem Diätbuch abgeschrieben. Und der Patient beklagt sich nicht selten: "Und es tut sich trotzdem nichts!"

Der Autodidakt

Aus diesen Gründen sind mir die Protokolle am liebsten, die gar nicht her gezeigt werden, diejenigen, welche die Patienten für sich ganz alleine machen. Über welchen sie grübelnd, kopfschüttelnd, haareraufend oder staunend sitzen und bei denen sie dieses berühmte "AHA" von sich geben.

Die Essmaschine

Es gibt aber auch erschütternde Protokolle. Wenn z.B. die Aufzeichnungen etwa im 10 Minuten-Takt von etwas Gegessenem oder Getrunkenem berichten. Es gibt hier keine Mahlzeiten mehr. Der Tag ist eine einzige lange Mahlzeit. Bei manchen ist es die Nacht.

Überblick - auch über unser Können!

Um einen Effekt zu haben, ist Übersicht nötig. Nicht die einzelnen Dinge zählen, nicht ob kalorienarm, fettarm oder dergleichen, sondern das, was unterm Strich steht. Aber das ist noch nicht alles. Summen und Durchschnittswerte helfen schon. Aber Überblick geht weiter. Ich erinnere mich noch an eine Patientin, die selbst genauestens und auch recht erfolgreich Protokoll führte. Sie schrieb aber alles in ein Heft. Sie versuchte, Ihren täglichen Zielwert einzuhalten. Aber sie machte keine Vergleiche. Wie groß sie mich ansah, als ich ihr sagte: "Sie haben also Ihre Kalorien pro Tag um die Hälfte reduziert!" "Ja - äh, ja tatsächlich! Ja - das stimmt!"

Das sind die Momente, die Auftrieb geben. Die helfen, nicht nur das "Essdesaster" zu sehen, sondern auch das, was wir leisten können. Ob auf Papier errechnet, oder auf Knopfdruck erstellt, ist letztendlich egal.

Kommentare

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  1. bernhard

    Es ist wirklich ein Wahnsinn, welchen Aufwand Menschen betreiben, um ihrem inneren Schweinehund Genugtuung zu leisten und um den aktiven Sport herumzukommen.

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